Dresden, Neumarkt - Quartier V/1

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    oktavian kann mich korrigieren, aber ich glaube, dass das Renaissancegebäude bis zum 2. WK dort stand oder wurde es vorher abgerissen? Wenn es noch stand, wäre der Giebel natürlich drin und selbst wenn nicht, auch das Hotel de Saxe stand ja 1940 nicht mehr und wurde trotzdem rekonstruiert.

    Das Haus stand 1945 bereits nicht mehr - es war um 1900 abgebrochen worden. Aber es gibt noch ein Foto davon... ;)

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    Aber es ist sinnlos darüber zu diskutieren, denn es ist wahrscheinlicher dass Helmut Kohl noch mal Kanzler wird als dass der Giebel kommt.

    Während letzteres sicher wünschenswert wäre, ist es manchmal - so bei ersterem - schon gut, daß DAS bzw. DER definitiv nicht mehr wiederkommen wird! :banane:

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    So gesehen müssen wir uns langfristig doch keine Sorgen machen, oder?

    Ja doch, darüber, daß die Riegel an der Wilsdruffer auch langfristig stehen bleiben werden!

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Quote from "bilderbuch"

    Jedenfalls wäre dann doch auch die rückwertige Bebauung an der Frauenstraße obsolet und solche Gebäude wie der Anbau am Schützhaus würden gewiss fallen.

    Der Schützhaus-Anbau wird eher nicht fallen. Der Investor hatte sich ja auf eine Änderung des Entwurfes eingelassen, um ggf. eine Fortsetzung der Kleinen Kirchgasse zu ermöglichen. Beim Q V/1 ist die Situation etwas anders. Durch den Kulturpalast kann die Galeriestraße nicht wiederhergestelt werden. Deshalb müsste das zu planende Gebäude nach Westen und Süden eigentlich auch die Option des Weiterbaus offenlassen.

  • Wieder einmal nichts als Enttäuschung in diesem Wettbewerb. Ich hab das eigentlich erwartet, deswegen ist es nicht ganz so schlimm. Der Siegerentwurf orientiert sich an Altmarkt, Kulturpalast und der Bebauung der Nordseite der Wilsdruffer Straße. Normalerweise müsste man sagen: Thema verfehlt, setzen, sechs! Und die Realität? Erster Preis! Ein weiterer Teilnehmer schimpft öffentlich über das angrenzende Köhler´sche Haus und wird dafür mit einem Ankauf belohnt. Nicht zu fassen!
    Jetzt zu meinen "Favoriten" (das Wort ist euphemistisch, denn gut finde ich keinen der eingereichten Entwürfe):
    Architekten Theiss Planungsgesellschaft mbH: halbwegs traditionelles Erscheinungsbild, ABER: Die Häuser in der Frauenstraße sind von der Stange, eins gleicht dem anderen, kein Flair, es wird höchstens eine Verschandelung des Straßenzugs verhindert. Gabs solche Fassaden wie bei Theiss nicht auch schon mal in den 50ern? Hanau lässt grüßen!
    Neumann Architekten BDA: Noch ein wenig besser als Theiss, traditionelles Erscheinungsbild, Gesimse, Dächer, ABER: Kein Ortsbezug, das Haus passt eigentlich gut nach Berlin und nicht nach Dresden. Falscher Stil, nämlich Anlehnung an Klassizismus und nicht an Barock. Keine Erker.

    Was bleibt nun? Weiterkämpfen, am besten um den Entwurf der GHND. Vielleicht ist der ja dem Investor vermittelbar.

    Den Rest kann man - wie gesagt - ja völlig vergessen!

    Hatte die GHND nicht mal Pläne, das Gutbier´sche Haus leicht zurückgesetzt von seinem ursprünglichen Standort wieder aufbauen zu lassen? Es ist jedenfalls in dem Stadtplan "Historische Palais und Bürgerhäuser um den Dresdner Neumarkt" eingezeichnet und beschrieben. Jeder Investor am Neumarkt sollte dazu verpflichtet werden, mindestens ein historisches Gebäude zu rekonstruieren. Auch die KIB!

    Ich schreib dem Investor mal...

  • In der heutigen Bild Dresden ist ein Interview mit Hr.Kulke UND ein Visualisierung von Theis zu sehen.
    Das sollte bedeuten, dass Theis die Freigabe für die Visualisierung gegeben hat und interessiert an einem möglichen Bau ist.

  • Dresden Fernsehen zum KIB Projekt:
    Quartier V-1 am Dresdner Neumarkt: Ergebnisse aufheben -

    In den Kommentaren versucht ein Architekt den Entwurf zu erklären. Müßt Ihr mal lesen!
    Mal ne Frage, gibts im Studiengang Architektur auch Germanistikseminare nach dem Motto: "wie verkaufe ich sprachlich am geschicktesten meinen Entwurf"? Mir scheint, als wäre das fast wichtiger als der eigentliche Entwurf.

    Ansonsten gilt für mich bei dem Theis Entwurf, dass unter den Blinden der Einäugige der König ist. Aber auch das ist echt nur Durchschnitt und wir dem Platz nicht gerecht!

    Was haltet Ihr denn von dem Entwurf, ist neben dem Neumann Entwurf einer der besseren, oder?
    Behnisch_Architekten.JPG (image)

  • @ Vitruv

    Wenn man allerdings eines Tages wieder die historische Parzellierung In Richtung Wilsdruffer Straße fortführen sollte um diese überbreite Schneise zu schließen und den Stadtkern wieder miteinander zu verzahnen, so führt für eine dauerhafte Lösung nichts am Abriss des Schütz-Anbaus vorbei. Und genauso ist es auch beim V I.
    Am Köhlerschen ist ja jetzt schon nur eine Brandwand vorhanden, genauso wie am de Saxe. Letztendlich klafft an diesen Stellen immer eine schmerzliche Wunde, die die Frage nach einem Abriss der Riegel am Leben erhalten wird.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

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    Letztendlich klafft an diesen Stellen immer eine schmerzliche Wunde, die die Frage nach einem Abriss der Riegel am Leben erhalten wird.

    vielleicht treibt man so am besten Städtebau in einer ideologisch versauten Atmosphäre. Einfach die Fragen offenlassen, und mit der Wirkung der Zeit schlimmer werden lassen, bis auch die letzten mächtigen Dummköpfe abgegangen sind, oder es eingesehen haben.
    Da aber die ideologischen Fronten sehr stark verwurzelt sind und davon sehr große Interessen abhängen, bleibt der Ausgang aber weiter ungewiß. Von einer schmerzlichen Wunde, mit der man gerade noch leben kann, zehren oft so Viele! Natürlich gehört der Kulturpalast im weiteren Sinne auch zur Wunde.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • bilderbuch

    Der Schützhausanbau wurde soweit ich weiss so geplant, dass man tatsächlich in vielen Jahren direkt anbauen könnte. Sonst würde ich nicht verstehen, warum man die halbovale Form durch eine Zwiebelform ersetzt hat.

  • Die Zwiebelform sollte meines Wissens mehr dem Straßenverlauf angepasst sein. Wenn man nun daran anbauen wollte, müsste man ja die ganzen Fenster zur Rückseite zusetzen. Ob das möglich und sinnvoll wäre?

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

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    Mal ne Frage, gibts im Studiengang Architektur auch Germanistikseminare nach dem Motto: "wie verkaufe ich sprachlich am geschicktesten meinen Entwurf"? Mir scheint, als wäre das fast wichtiger als der eigentliche Entwurf.

    Dazu habe ich gerade einen interessanten Artikel mit dem Titel "Ein Wort sagt mehr als tausend Pläne" gelesen. Wäre fast einen eigenen Thread wert. Tatsächlich gibt es inzwischen derartige Bestrebungen. Hier eine kleine Kostprobe, weils so witzig ist:

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    "Autismus" wird in der Medizin - zum Beispiel - als "angeborener abweichender Informationsverarbeitungsmodus" beschrieben, der sich "durch Schwächen in sozialer Interaktion und Kommunikation sowie durch stereotype Verhaltensweisen" auszeichnet. In medizinischer Hinsicht war es also nicht korrekt, als der Journalist Oliver Hamm vor einigen Jahren in der SZ schrieb: "Architekten sind Autisten." Denn es ist fraglich, ob die Kommunikationsstörung tatsächlich angeboren ist im Reich der Baukunst. Womöglich handelt es sich um eine zu erwerbende "Déformation professionnelle".

    Dass Hamm, zum Zeitpunkt der fraglichen Veröffentlichung als Chefredakteur des Deutschen Architektenblattes tätig, aber im Übrigen richtig lag mit seinem Befund, zeigte schon die Reaktion der deutschen Architektenschaft, die man nur als Schwäche in sozialer Interaktion und Kommunikation sowie als stereotype Verhaltensweise bezeichnen kann. Hamm wurde skandalisiert, von seinem Arbeitgeber nach allen Regeln der Arbeitgeberkunst abgewatscht und von etlichen Architekten noch Jahre nach dem Autismus-Skandalon angefeindet. Nur änderte all das nichts daran, dass er Recht hatte. Sein Beitrag damals war ein Weckruf.

    Studienfach Architekturkommunikation

    Und siehe da: Einige Architekten sind aufgewacht. Denn mittlerweile scheint der Berufsstand der Architekten endlich einzusehen, dass das kommunikative Verhalten der gesamten Branche vor allem eines ist: dringend verbesserungsbedürftig. Die Bemühungen darum, die Architektenschaft mit dem Rest der Gesellschaft wieder ins Gespräch zu bringen, angestoßen von einigen Architektenkammern, von Verbänden, Stiftungen und von den Universitäten, angestoßen auch von manchem großen Architekturbüro, haben sogar einen neuen Beruf erfunden: Architekturvermittlung ist inzwischen ein boomendes Geschäftsfeld. Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen.

    Quelle: http://www.sueddeutsche.de/immobilien/817/458469/text/

  • Die Front gegen den Wettbewerbssieger wächst:

    Quelle: Architektur klassisch: Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V.

    Na hoffentlich werden den Worten auch Taten folgen. Ist vielleicht nur Teil des Wahlkampfes.

  • Klingt schon einmal recht gut. So, jetzt schnell einmal nachlesen und 1 +1 zusammen zählen…

    SPD 7 Stimmen, FDP 6 Stimmen, Bürgerfraktion 6 Stimmen…das wären einmal zumindest 19 Stimmen. Aber 21 Stimmen CDU, 10 Stimmen Linke,…

    Mmmh…es wird doch auch bei der CDU hoffentlich auch noch ein paar wirklich bürgerlich gesinnte Stadträte geben, die nicht nur aus reinem Opportunismus dieser Partei angehören, sondern auch Bürgerliche durch und durch sind?

    Ich bin schon sehr gespannt, wie es jetzt und hier weitergeht!

  • Hoffen wir mal, dass sich die Politik wirklich mal für das Geschehen am Neumarkt interessieren. Hoffentlich folgen den Worten auch Taten.

    APH - am Puls der Zeit

  • Noch eine Antwort, die einige Tage im Spamordner herumlag. Im Mittelteil gleichen sich alle diese Antworten der KIB, doch variierte man Eingangs- und Schlußsätze! :)