Sonstige Meldungen zu Architektur

  • Der endgültige Kommissionsvorschlag ist damit längst nicht so ehrgeizig wie ein vorab durchgesickerter Entwurf, über den die F.A.Z. vorab berichtet hatte. Der hatte sehr viel ehrgeizigere Ziele vorgegeben. Auch soll nun den Mitgliedstaaten überlassen bleiben, wie sie die neuen Mindeststandards erreichen.

    Schlau von der EU nur einen groben Rahmen vorzugeben, der auch noch je nach Nationalstaat relativiert ist. Jetzt bleibt halt die Frage, was die Bundesregierung macht. Wie viele Ausnahmen sie macht oder machen kann und vor allem wie stark sie finanziell unter die Arme greift.

    Quote

    Um bislang zurückhaltende Immobilieneigentümer zum Sanieren zu bewegen, will die neue Regierung die Einführung einer Teilwarmmiete prüfen. Die Kosten für das Erreichen einer bestimmten Raumtemperatur würden dann die Vermieter zahlen, alles darüber hinaus die Mieter. Der Aufbau eines „digitalen Gebäudeenergiekatasters“ soll Bund und Länder einen Überblick darüber verschaffen, auf welchem Stand die Gebäude sind. Bislang ist die Datenlage dürftig

    Die Teilwarmmiete ist ja wohl die größte Schnapsidee von der ich je gehört habe. Dann zahlt der Vermieter einem sparsamen Mieter eventuell die kompletten Heizkosten? Oder wie soll das erfasst werden? Das geht doch nur über eine pauschale Wärmemenge? Spart der Mieter also in der Übergangsjahreszeit, kommt er sehr gut weg. Auf jeden Fall wird der Vermieter wieder im Feuer stehen, wenn er das natürlich über Mieterhöhungen wieder holen möchte.

    nothor hast Du gut vorausgeahnt, dass es eine neue Datenerhebung dafür geben muss.

  • Die Gefahr ist ja dann wohl groß, dass immer mehr Ornamente im Namen der "Energieeffizienz" abgeschlagen werden oder hinter einer dicken Styropor-Schicht verschwinden oder?

    Das sind meist Gebäude mit Vollziegelwänden zwischen 30-90 cm. Dies könnte (rein auf die Außenwände bezogen) reichen vielleicht gerade so für einen Effizienzhausstandard 85 ohne Isolierung der Außenwände. Effizienzhausstandard 85 für einen solchen Altbau wäre aber schon sehr gut, wenn man sich vor Augen führt, dass bis 2010 so sogar noch Neubau errichtet werden konnte. Insofern, da man ja einen Mindeststandard jetzt einführen will, bin ich recht sicher, dass Gründerzeitler z.B. sich kaum Sorgen machen müssen. Bei Fachwerkhäusern habe ich da mehr Sorge.

  • bin ich recht sicher, dass Gründerzeitler z.B. sich kaum Sorgen machen müssen.

    Nur, wenn 2 Voraussetzungen gegeben sind:

    1. Das neue Gesetz wird mit Sinn und Verstand aufgesetzt. Solange ganz bewusst vor allem die wirklich ineffizienten Gebäude in die Pflicht kommen (50er/60er), mag das sein.

    2. Die Hauseigentümer müssten etwas nachdenken, bevor sie sanieren. D.h. sie müssen ausdrücklich ermutigt werden, bei gestalterisch hochwertigen Gründerzeit-Gebäuden nicht gerade die Fassade zu zerstören, sondern eher Dächer, Rückfassaden, Heizungsanlagen zu sanieren, bei entsprechender Qualität der Ersatzes ggf. auch Fenster auszutauschen. Mir schwebt zusätzlich vor, gestalterisch hochwertige Gebäude schon im Gesetz ausdrücklich auszunehmen. Das müsste niederschwellig, auch gebietsweise, von der Denkmalbehörde oder dem Bezirksparlament festgelegt werden können, also als Instanz zwischen gar keinem Schutz und dem strengen eigentlichen Denkmalschutz.

  • Nur, wenn 2 Voraussetzungen gegeben sind:

    1. Das neue Gesetz wird mit Sinn und Verstand aufgesetzt. Solange ganz bewusst vor allem die wirklich ineffizienten Gebäude in die Pflicht kommen (50er/60er), mag das sein.

    Wird es doch, man sieht vor die 15% schlimmsten Häuser zu nehmen und da dann den unteren Grenzwert festzusetzen?

    2. Die Hauseigentümer müssten etwas nachdenken, bevor sie sanieren. D.h. sie müssen ausdrücklich ermutigt werden, bei gestalterisch hochwertigen Gründerzeit-Gebäuden nicht gerade die Fassade zu zerstören, sondern eher Dächer, Rückfassaden, Heizungsanlagen zu sanieren, bei entsprechender Qualität der Ersatzes ggf. auch Fenster auszutauschen.

    Das dürften sie überwiegend über den Preis. Die Fassadenisolierung ist eine der teuersten Unterfangen (neben dem Dach) der energetischen Sanierung, besonders wenn man dabei dann gleich noch den Wert des Gebäudes reduziert, weil Fassadenschmuck verblendet oder sogar entfernt wird. Zuerst sollten immer erst die Decken isoliert werden und die Heiztechnik ausgetauscht werden, dann kommen preislich die Fenster und sonstige Öffnungen dran und dann erst die Fassade als letzte ,,Eskalationsstufe".

  • Zusammen mit dem ländlichen Frankreich, London und Teilen Schottlands und von Wales gehören Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu den (wenigen) verbliebenen Regionen Europas, in denen die Mehrheit der Gebäude aus der Zeit vor 1919 stammt. Dies ist natürlich sowohl eine gute als auch eine schlechte Nachricht zugleich, denn es bedeutet neben insgesamt wenig Kriegszerstörungen und einem guten Erhaltungsgrad (gut) auch schlicht kaum noch Neubau wegen stagnierender oder schrumpfender Bevölkerungszahlen (schlecht).

  • schlechte Nachricht (...) schlicht kaum noch Neubau wegen stagnierender oder schrumpfender Bevölkerungszahlen (schlecht)

    Angesichts der derzeitigen Qualität der meisten Neubauten kann ich darin erst mal keine schlechte Nachricht erkennen. Wenn sich die Qualität der Neubauten eines Tages flächendeckend bessern sollte, kann auch gerne wieder gebaut werden. Vielleicht stabilisieren sich bis dahin auch in jenen Regionen die Bevölkerungszahlen. Vielleicht werden bis dahin ja weitere Plattenbauten abgerissen, was Bedarf an qualitätvollen Neubauten erzeugt. Zukunftsmusik.

  • Architekturstudentinnen der FH Anhalt erzielten mit einer neuen Idee den 1.Preis: Tiny houses. Frei oder auf Rädern, Wohnfläche um 25 m2, anderthalb Stockwerke mit Wohnraum, Küche, Bad, Schlafraum. Für Studenten und Wohnraumsuchende. Die Minihäuser verlangen aufs Wesentliche reduzierten Besitz und ausgeprägten Ordnungssinn. Ein Gemeinschaftshaus ist vorgesehen.

    Das Projekt soll Menschen in die Stadt locken, die sonst nicht kämen.

    Die Dessauer Wohnungsbau Gesellschaft war trotz mehrfacher Versuche für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

    https://www.mz.de/lokal/dessau-r…91?reduced=true

  • Angesichts der derzeitigen Qualität der meisten Neubauten kann ich darin erst mal keine schlechte Nachricht erkennen. Wenn sich die Qualität der Neubauten eines Tages flächendeckend bessern sollte, kann auch gerne wieder gebaut werden. Vielleicht stabilisieren sich bis dahin auch in jenen Regionen die Bevölkerungszahlen. Vielleicht werden bis dahin ja weitere Plattenbauten abgerissen, was Bedarf an qualitätvollen Neubauten erzeugt. Zukunftsmusik.

    Hatte ich bisher immer noch etwas Hoffnung, dass sich ganz langsam eine Wandlung in Richtung neuer Baustil, weg von der Moderne, vollziehen würden, wird sich nach den neuesten Ankündigungen der Bauministerin Klara Geywitz die Qualität der Neubauten aber noch weiter verschlechtern. Sie will 400 000 Wohnungen pro Jahr schaffen und setzt dabei auf die einheitliche Bauweise der Moderne: Durch serielles Bauen würden Module eingesetzt, die anderswo gefertigt und zusammengebaut würden, vor Ort dann eine Bodenplatte gesetzt und die Module können aufgebaut werden. Na, wie der Scheiß aussieht, kann ich mir schon lebhaft vorstellen.

    Die DDR-Plattenbauten werden nach dem grünen Pfeil jetzt ebenfalls, sozial konnotiert, von der BRD übernommen: Wir haben eine Wohnungsnot und das serielle Bauen "entlastet den Bauprozess, macht ihn schneller und vermeidet auch sehr viel Baulärm und lange Bauzeiten in den Innenstädten." Dadurch würde in den Innenstädten weniger Baulärm entstehen, so Geywitz. Bei seriellem Bauen würden Module eingesetzt, die anderswo gefertigt und zusammengebaut würden. Dann müssten vor Ort nur noch die Bodenplatte gesetzt und die Module aufgebaut werden. Geywitz: »Das entlastet den Bauprozess, macht ihn schneller und vermeidet auch sehr viel Baulärm und lange Bauzeiten in den Innenstädten.«

    Unter "Zurück in die Zukunft" hatte ich hier im Forum bisher immer die Baustile des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verstanden. Dass jetzt die Plattenbauästhetik Aufwind bekommt, ist doch irgendwie unfassbar. Ein (Gey)WITZ, wenn´s nicht so traurig wäre.

  • "Findorffer", diese Leute sind die selben, die auch durch ihre Politik für den Wohnungsdruck in einigen Ballungsräumen verantwortlich sind. Ich denke, wir beide wissen, weshalb die Wohnungsnot besteht. Und möglichenfalls weisst Du sogar, dass diese ganzen gigantischen Wohnungsbauprogramme bereits 1990 von einem Herrn Jürgen Micksch ersonnen wurden. Silvester 1990 war dazu in der Tagespresse zu lesen, dass dessen Arbeitsgemeinschaft ein Wohnungsbauprogramm von 250.000 Wohnungen pro Jahr forderte. Schon angesichts dieser Dimension war vielen schnell klar, was das für die architektonische Qualität bedeuten dürfte. Was damals aber von vielen noch als absurd und utopisch abgetan wurde, wird heute mit der Forderung von 400.000 Wohnungen durch eine regierende Ministerin überboten, ohne dass es mehr als ein Achselzucken als Reaktion gibt. Beharrlichkeit zahlt sich aus.

    Mehr äußere ich dazu nicht, da es sonst wieder eine aggressive off-topic-Diskussion gibt.

  • Ich war auch sehr traurig gestimmt über den Ansatz moderner Modulbauten.

    Ich selbst habe in einem Modulbau zum Teil studiert. Diese Gitter-Treppen, die immer im Freien sind, nervten..

    Auch mein Ältester ging zuerst auf einem hypermodernen Beton-Gymnasium mit Modulbauweise, welches man beliebig skalieren konnte. Sprich: Das Gymnasium war eine ewige Baustelle. (Geschweige von den Klassenräumen, die nur mit Dreieckstische ausgestattet zwecks ständiger Gruppenarbeiten).

    Mein Jüngster verbringt seine Nachmittag im Hort, welcher wegen explodierender Schülerzahlen in einem schnell hochgezogenen Modulbau untergebracht ist. Auch kein Bau mit dem sich eine Stadt schmücken könnte.

    Ich will nicht undankbar sein, aber solche Bauweise kann doch nicht mehr als nur ein Provisorium sein. Ich bin Pro Sozialwohnungen (Beispiel:Wohnanlage Werner-von-Siemens-Straße / Gabelsbergerstraße (Erlangen)), aber diese Legobauweise als Standard festzulegen in dieser Größenordnung ist leider alles andere als ein Schritt in die richtige Richtung einer neuen Baukultur.

    Beauty matters!

  • Mit diesen Modulbauten würgt Bremen auch schon seit mindestens 10 Jahren herum in den Schulerweiterungen. Manche Provisorien mussten zwischenzeitlich schon wieder ersetzt werden, so lange standen sie bereits. Mit ziemlicher Verzögerung wird nun endlich und sehr langsam in wirkliche Neubauten investiert - gerade im Bereich Schulen gab es das in Bremen seit fast 40 Jahren nicht mehr. Neben unheimlich aufwendigen Planungsprozessen und der permanenten Hoffnung der Behörden, es könne sich vielleicht nur um einige wenige starke Jahrgänge handeln und Neubauten gar nicht nötig, ist auch unheimlich viel Know-How verloren gegangen in Bezug auf Schulbauten.

    Der Tanker ist jetzt langsam herumgerissen und es werden einige neue Schulbauten und viele neue Kindergärten realisiert, wahrscheinlich sind die dann fertig, wenn es mit den Geburten wieder bergab geht ;).

  • 400 000 Wohnungen jährlich! Da stellt sich mir die Frage: Wie kann es sein, dass so viele neue Wohnungen möglichst schnell - deshalb Modulbauweise - benötigt werden? Wenn ich mir Bremen anschaue, kann ich nur sagen: so viel wie zurzeit wurde in den letzten 30 Jahren nicht gebaut (das ist wohl in allen anderen Großstädten genauso). Wo liegen also die Ursachen der aktuellen Wohnungsnot? Ich greife hier auf Medienberichte zurück:

    1. es werden immer mehr Singlewohnungen benötigt.

    2. die Ansprüche an den Wohnraum haben sich erhöht, wer kann, will eine größere Wohnung als vorher.

    3. Viele Alte sind dafür verantwortlich, dass nicht mehr Wohnraum geschaffen werden kann. Sie leben in zu großen Wohnungen oder gar in Häusern, die besser für Familien geeignet wären, wenn sie freigemacht würden (um es klar zu sagen: das ist nicht meine Meinung, im Gegenteil bin ich dagegen, dass diesbezüglich gegenüber der älteren Generation auch nur der geringste Druck ausgeübt wird, ihre Wohnumgebung zu verlassen und Schuldgefühle erzeugt werden).4. die Zuwanderung aus inzwischen allen Teilen der Welt erhöht den Druck auf den Wohnungsmarkt. Im Vordergrund stehen hier, außereuropäisch, besonders seit 2015 - Wir schaffen das - die Migranten aus den patriarchisch-muslimischen Staaten, und innereuropäisch, aus osteuropäischen Zuwanderern.

    5. die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank führt dazu, dass es keine Zinsen mehr auf die Ersparnisse gibt und Anleger größerer Summen in Betongold investiere, hier ist die Gewinnerwartung noch sicher. Das gibt der Spekulation Auftrieb und Spekulanten halten oft Wohnungen frei, um sie dann nach Jahren zum doppelten oder dreifachen Preis besser verkaufen zu können. Eine ähnliche Tendenz lässt sich ja auch inzwischen bei leeren Grundstücken beobachten, einige Jahre warten und der Grundstückspreis hat sich verdoppelt/verdreifacht. Wohnungen werden also blockiert und stehen dem Markt nicht zur Verfügung.

    Das wäre eine kurze Zusammenfassung möglicher Gründe für die gegenwärtige "Wohnungsnot", ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie kann gerne erweitert werden. Die Punkte 1. und 2. sind nicht beeinflussbar. Aber Punkt 4. und 5. - zumindest theoretisch - schon. Wir müssen also nicht immer mehr bauen, sondern es könnte politische Entscheidungen geben, die die Wohnungsnot eindämmen und dabei nicht immer mehr Fläche versiegeln, dabei Grünflächen zerstören und unsere Städte mit Modulbauten verschandeln.

  • Das Ganze hat auf jeden Fall Blasencharakter, denn die Zeiten großen Bevölkerungswachstums sind wieder vorbei und mittlerweile sterben in Deutschland jährlich ca. 1 Million Menschen, die (theoretisch) eine Million Wohneinheiten freigeben müssten (wenn auch oft nur indirekt durch freiwerdende Heimplätze, in die dann aber jemand zieht, der eine Wohnung freimacht) - und ja, ich weiß, dass diese Rechnung grob vereinfachend ist, wenn Menschen in Mehrpersonenhaushalten leben. Deutschland wird in diesem Jahrzehnt seinen Bevölkerungshöhepunkt erreichen, und selbst wenn sich dies noch einige Jahre mehr hinzieht, wird es eher ein langes Plateau als weitere massive Anstiege geben.

    Bremen z.B. stagniert oder schrumpft gar wieder seit 2 Jahren, wo also der massive Bedarf herkommen soll, erschließt sich mir nicht. Ähnlich sieht es -außerhalb der wenigen noch stark wachsenden Zentren (Berlin, München, Hamburg, Leipzig, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Düsseldorf)-eigentlich überall aus. Bevölkerungswachstum mag (Mit)Auslöser des Immobilienbooms gewesen sein, spielt aber im Moment keine richtige Rolle mehr (eben wie gesagt mit Ausnahme der großen und wirtschaftlich starken Städte, dort dürfte aber ohnehin der Boom eher der Normalzustand sein).

  • 5. die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank führt dazu, dass es keine Zinsen mehr auf die Ersparnisse gibt und Anleger größerer Summen in Betongold investiere, hier ist die Gewinnerwartung noch sicher.

    Nein, die Gewinnerwartung ist in vielen Fällen eben nicht mehr sicher, da die Mieten nicht in gleichem Maße steigen. Die Anzahl der Mieter, welche die rapide steigenden Mieten zahlen könnten ist endlich, die Löhne konnten und können nicht entsprechend mithalten.

    Mangels Alternativen und angesichts der großen Geldmenge und der Inflation investieren trotzdem viele weiter in das vermeintlich sichere Betongold.

    Das wäre eine kurze Zusammenfassung möglicher Gründe für die gegenwärtige "Wohnungsnot", ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie kann gerne erweitert werden.

    Ein gar nicht so kleiner Kreis hat die finanziellen Mittel für eine Zweit und Dritt-Immobilie - nicht etwa um sie zu vermieten oder als Hauptwohnsitz ständig selbst zu bewohnen.

    Das führt dann dazu, dass z.B. selbst in der Uckermark kaum noch Häuser im Angebot sind. Berliner etwa nutzen oder bauen sie als Wochenendsitz. Wo früher noch eine kleine Datsche genügte, werden normale Häuser erworben, welche ein Großteil des Jahres leerstehen. Entsprechendes gibt es auch mit Zweitwohnungen in Berlin oder anderen beliebten Touristenzielen.

    (Nicht zu reden von den wunderbar restaurierten Villen die z.B. in Bad Saarow im Winter sichtbar unbewohnt sind).


    Und dann gibt es noch die ärmere Bevölkerungsschicht, deren Wohnsituation in diesem Forum i.Ü. regelmäßig kaum, m.E. viel zu wenig Beachtung findet.

    Betrachtet man rein die Bevölkerungszahlen, die Bevölkerungsentwicklung und die Anzahl der Immobilien dürfte es natürlich keine "Wohnungsnot" geben.

    Nur wurden und werden im unteren Preissegment viel zu wenige Wohnungen gebaut, und dies schon seit vielen Jahren.

    Die Anzahl der Sozialwohnungen hat sich in Deutschland seit 2007 halbiert. Und diese Entwicklung setzt sich weiter fort.

    Der Bauboom ging und geht an dieser Bevölkerungsgruppe nahezu vorbei.

    https://de.statista.com/infografik/124…in-deutschland/

    So werden dann selbst Plattenbauwohnungen im Hellersdorf und Marzahn, über die viele hier nur die Nase rümpfen würden, zum begehrten Objekt und zur Mangelware.

    Dies wiederum erweckt bei manch einem die Illusion es gebe generell viel zu wenig Wohnungen, was tatsächlich so nicht der Fall ist.

  • Nein, die Gewinnerwartung ist in vielen Fällen eben nicht mehr sicher, da die Mieten nicht in gleichem Maße steigen.

    Punkt 5 sehe ich auch als wesentlichen Faktor an, da Geld nichts mehr wert ist. Und es in Deutschland immer noch eine Menge Menschen gibt, die sehr viel "Cash" haben und froh sind in irgendetwas investieren zu können. Das haben mir Reiche wortwörtlich so erzählt.

    Schuld daran ist tatsächlich die EZB, und die Länder, die sich dadurch entschulden.

    Bluten muss der Kleinverdiener, der aus eigener Kraft kein Eigentum mehr aufbauen kann.

    Beauty matters!

  • Nein, die Gewinnerwartung ist in vielen Fällen eben nicht mehr sicher, da die Mieten nicht in gleichem Maße steigen.

    Das spielt aber wohl kaum eine Rolle. Entsprechende "Verluste" durch nicht erzielte Einkünfte kann man sicherlich steuerlich berücksichtigen. Wenn du eine Wohnungsfinanzierung mit einer bestimmten Miete kalkulierst, und diese dann nicht erzielen kannst, könnte man daraus ja einen Verlust errechnen, der deine Steuerschuld mindert. Ich denke solche Modelle dürften das "Wohnungsnotmärchen" weiter befeuern. Ich persönlich kenne niemanden, der verzweifelt eine Wohnung sucht und deswegen auf der Straße oder irgendwo in einer Besenkammer haust. Aber jeder, den ich kenne, hätte gerne eine billigere, größere und modernere Wohnung! Perfekte Ausgangslage für ein Lobbyistenmärchen vom "dringend benötigten Wohnraum", wo das doch das einzige Invest ist, das aktuell als sicher gilt.

  • Nein, die Gewinnerwartung ist in vielen Fällen eben nicht mehr sicher, da die Mieten nicht in gleichem Maße steigen.

    Die Gewinnerwartung potenzieller Investoren bezieht sich nicht auf Mieteinnahmen - das sind doch Peanuts -, sondern auf die Veräußerung des Objekts einige Jahre später mit mindestens einer Verdoppelung des Kaufpreises.

  • "Findorffer", das dürfte bei größeren Investoren wirklich so sein.

    Es gibt natürlich noch vereinzelt den kleinen Immobilienkäufer, der in eine Mietimmobilie investiert, um den Kauf über die Vermietung langfristig refinanzieren zu können oder sich eine Einnahmequelle für das Alter als Zusatz zur Rente zu erschließen. Aber, da hast Du natürlich vollkommen Recht, angesichts der Kaufpreise in den Ballungsräumen hat sich längst eine Entkoppelung von der Miete entwickelt, die ein Investment in Mietobjekte unrentabel werden lässt. Warum sollte man da sein Geld reinstecken, um es via Miete vieleicht in 35-40 Jahren wiedersehen zu können? Bis dahin ist man vermutlich tot. Wo es noch lohnen kann, ist in Gebieten mit noch relativ niedrigen Kaufpreisen, z.B. auf dem Land, in strukturschwachen Regionen. Da sind noch Refinanzierungszeiten von 20 Jahren möglich, wenn man Mieter findet. Aber auch dort sind die Kaufpreise angezogen bzw. im Anziehen.

    Insofern ganz richtig. Neukauf zum Vermieten lohnt sich nicht mehr für Privatleute. Die gehen mit ihrem Geld lieber in Aktien, Metalle, Bitcoins, Kunst oder dergleichen. Oder spekulieren bei Immobilien eben einzig auf den teureren Wiederverkauf.