Freiburg im Breisgau

  • Wird das Andlau-Haus jetzt eigentlich wiederaufgebaut? Es müsste ja nun bereits im Bau sein. Und wird noch irgendetwas rekonstruiert oder wird das jetzt ein kompletter Neubau?

    98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry

  • Der Bau beginnt gerade. Rekonstruiert wird nur das alte Sandsteinportal, das in der Baugrube gefunden wurde. Ansonsten bleibt alles wie bisher bekannt: Der Neubau wird in etwa die gleiche Form und Dachneigung wie das Andlawsche Haus haben. Hier ist ein aktueller Bericht der Badischen Zeitung.

  • Schade, dass die Verbesserungsvorschläge bei der Erzdiözese keinerlei Eingang gefunden haben. Das Gezeigte ist bekannt und ziemlich nüchtern, um nicht zu sagen schwach.

  • Schwach, weil auch hier wieder alles dem Diktat des rechten Winkels folgt. Man könnte meinen, Architekten haben Angst vor Kurven. Daher nenne ich es ab sofort "impotente Architektur". Ein Fall für den Psychologen.

  • Klar ist das Schwach aber was man so anderswo in BW herrichtet - dann wird mann uber solche schwache Leistungen nicht dankbar aber versohnlicher. Das in sich selber traurig.

  • Das zerstörte Ratsstüble und der Neubau im Vergleich:
    https://www.future-history.eu/…rg-im-breisgau-2016-atrax


    Das alte Ratsstüble, ein aussagekräftiges Beispiel, welches aufzeigt, dass nicht ausschließlich einzelne Profan- und Sakralbauten (im Falle von Freiburg dürften das voran das Münster, das alte und neue Rathaus, das Kornhaus, der Basler Hof, das Martinstor und Schwabentor beispielsweise sein) ausreichend, entscheidend und von Bedeutung für das jeweilige Stadtbild sind wie jüngst im Zusammenhang mit der geforderten Rekonstruktion des Salzhauses in Frankfurt a.M. indirekt betont wurde.
    Es ist vielmehr stets das Sowohl-als-auch: Im Zusammenspiel mit dem überkommenen Erscheinungsbild der Bürger- , Wirts- und Handwerkshäuser sowie den Ökonomiegebäuden kann städtebauliche Harmonie erst funktionieren.
    Wie verloren wirkten die oben genannten Bauwerke Freiburgs, für sich betrachtet zweifellos Kulturdenkmale von besonderem Rang, zwischen einem unbeholfen und typisch deutschen Nachkriegskonklomerat oder unzureichend gestalteten Neubauten (siehe jüngst eben auch jene überregional bekannten Beispiele in Frankfurts neuer Altstadt oder die Füllbauten am Dresdener Neumarkt), wären da nicht die verbliebenen Bürgerhäuser in den Straßenzügen und Gässle mitsamt den Bächle, welche den letzten Weltkrieg glücklicherweise überstanden haben? Und doch stehen diese verbliebenen Reste seit der Nachkriegszeit immer wieder zur Disposition bis in unsere Gegenwart hinein. Dabei bestimmen diese Wohn-, Geschäfts- und und Wirtschaftsgebäude die Gestaltungsqualität des Ensembles und machen das Charakteristische und Wesentliche eines Ortes aus. Im Falle Freiburgs war das Ratsstüble ein solches Gebäude, das diesen Beitrag leistete. Die in ihrer Höhe voneinander abgesetzten Fassadenteile des verlorenen Bauwerks mit seinen unterschiedlichen Stockwerkshöhen und Fensterformaten, werden von dem Neubau (qualitativ für mich im übrigen durchaus vergleichbar mit einzelnen schöpferischen Nachbauten, nicht Rekonstruktionen, im erneuerten Frankfurter Altstadtquartier) in seiner monotonen Strenge nivelliert. Der Neubau anstelle des Ratsstübles kann mich daher nicht überzeugen. Er scheint bemüht, sich in das Gefüge der alten Stadt einzugliedern und taugt doch nicht als Ersatz. Er macht vielmehr und erwartungsgemäß den Verlust des Ratsstübles für diesen Straßenzug deutlich.

  • Quote

    Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stand an der Stelle des künftigen "Münsterforums" das sogenannte "Andlau´sche Haus". Die ersten Planungsansätze zielten auf eine vollständige Rekonstruktion des Andlau´schen Hauses, was sich jedoch sehr schnell als nicht realisierbar herausstellte. Nördlich des historischen Gebäudes befand sich ursprünglich ein weiteres Haus, danach folgte eine schmale Gasse, die in den hinteren Gartenbereich führte. Diese Gasse dient heute als Zufahrt zu den Garagen und als Feuerwehrzufahrt für das Collegium Borromaeum und kann deshalb nicht bebaut werden. Zudem stehen auf dem südlich anschließenden Platz vor der Seminarkirche zwei Kastanien. Um die Bäume erhalten zu können, rückt der Neubau gegenüber der historischen Baukante deshalb fünf Meter nach Norden. Auf der zwischen Feuerwehrzufahrt und Baumzone verbleibenden Fläche entsteht nun das "Münsterforum" mit einem Volumen, das in etwa dem Volumen des Andlau´schen Hauses entspricht. Der Platz vor der Konviktkirche wird damit nach Norden erweitert. Die Kirche wird dadurch freigestellt und kommt zwischen dem Ordinariatsgebäude und dem Münsterforum besser zur Geltung.

    Quelle: https://www.ebfr.de/html/aktue…ikel=84304&cataktuell=955

  • Noch zum Rathaus im Stühlinger: das ähnelt dem BND-Gebäude in Berlin, nur daß es rund statt kastig ist. Aber genau dieselbe quälende Raster-Öde.

  • Ich verweise in diesem Zusammenhang auf folgenden Beitrag:
    Denkmalschutz in der Kritik


    Begünstigt durch die Nachlässigkeit der Denkmalbehörde ist eines der ältesten Häuser (um 1817 errichtet) der Wiehre (Stadtteil von Freiburg) beseitigt worden. Das Gebäude wurde in den 1980er Jahren der Kirche vermacht und vor einigen Jahren an private Investoren weiterverkauft.


    Der ehemals günstige Wohnraum wird nun durch drei teure Wohnungen ersetzt, die jeweils um die 990.000,- Euro kosten. Das neue Haus wird vom Volumen her doppelt so groß wie das Vorgängergebäude.
    Vor dem Hintergrund des Verlusts, der Aufblähung des Bauvolumens sowie der unzureichenden Fenstergestaltung des Neubaus, zeigt das Beispiel wie gefährlich die Salamitaktik des Modernismus für die Stadtbilder ist. Ein weiterer inakzeptabler und verantwortungsloser Vorgang aus meiner Sicht.




    Quellen:


    das abgebrochene Gebäude:
    http://www.buergerverein-wiehr…s-haus-lorettostrasse-14/
    http://ais.badische-zeitung.de…7f/c8/145063880-h-720.jpg
    https://augustin-immobilien.de…ilien/Loretto14_Front.jpg


    die Baulücke:
    https://scontent.fdtm2-1.fna.f…c7b1736ad2717&oe=5C00B84D


    der geplante Neubau:
    https://augustin-immobilien.de…lien/Loretto_Lageplan.jpg
    https://augustin-immobilien.de…oretto14_Frontansicht.jpg
    https://augustin-immobilien.de…ien/Loretto_Hausfront.jpg
    https://augustin-immobilien.de…en/Loretto_Hinterhaus.jpg

  • Quote

    Obwohl er schon 1975, ...
    ...vermag der Betonbau des Bekleidungshauses Breuninger noch immer zu provozieren.
    "Zu modern in der alten Umgebung", "Wenn das Material nicht wäre", "Wenig Einfühlungsvermögen":
    Solche und ähnliche Aussagen sind noch immer zu hören.
    Zur mehr als 800 Jahre umfassenden Baugeschichte des Areals gehören auch das erste Heiliggeistspital und das Haus der Museumsgesellschaft.


    Quote

    Das bedeutendste Bauwerk war das Gesellschaftshaus der Lesegesellschaft "Museum", an der Ecke der Münsterstraße zur Kaiserstraße, das mit dem Geschäftshaus des Kaufmanns Johann Heinrich Kapferer an der Ecke zum Münsterplatz ...
    ...eine architektonische Einheit bildete. Architekt war Bezirksbaumeister Gottlieb Ludwig Lumpp, selbst Mitglied der Museumsgesellschaft. Er schuf eines der schönsten Freiburger Bauwerke des badischen Klassizismus, den der Karlsruher Oberbaudirektor Friedrich Weinbrenner und seine Schüler prägten.


    Quote

    ...1944 brannte das Gebäude mit dem beliebten Café "Museum" vollkommen aus und wurde um 1950 trotz nahezu komplett erhaltener Außenwände abgebrochen. Auf dem Kapferer-Grundstück wurde ein Neubau für die Badische (später BW-) Bank errichtet, auf den Kellergewölben des "Museums" entstanden einstöckige Behelfbauten – mit vorgelegten Arkaden – für das Kaufhaus Schneider. Zum Block gehörte auch das 1952/53 wieder aufgebaute Domhotel "Zum Geist" am Münsterplatz. Bis auf die Bank wurde alles Anfang der 1970er Jahre für den Kaufhausneubau abgerissen.


    Quelle: http://www.badische-zeitung.de…fFtia5pr9II-WzbzgTGgKRJyY

  • "Auf dem Kapferer-Grundstück wurde ein Neubau für die Badische (später BW-) Bank errichtet"


    Vor zwei Jahren war angekündigt, daß das Bankgebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird, der sich am Kapfererhaus orientieren sollte. Als Architekt wurde Jo. Franzke genannt. Quelle: Badische Zeitung


    Seither habe ich nichts mehr darüber gehört. Weiß jemand, was aus den Plänen geworden ist?

  • Was tut sich beim "Andlauhaus" in der Herrenstraße? Aktueller Bauzustand von gestern:



    Die freie Nachschöpfung des Andlau'schen Hauses. Markant die Portalrahmung mit dem historischen Bogen und den Gewänden in klassisch-moderner Rahmung


    Und darüber fehlt dem Haus die Substanz. Die Eingeweide fehlen, bei einem solchen beidseitigen "Fassadendurchschuß"


    In der Nahaufnahme läßt sich erkennen, was historisches Sandsteingewände ist und was Betonrahmung



    Die anderen rekonstruierten Herrenhäuser mit historischen Portal in der Herrenstraße Richtung Norden


    Die Herrenstraße Richtung Süden mit der Einbettung des Neubaus


    Portal


    Der erweiterte Platz zur Konviktkirche hin mit den alten Kastanien


    Hier zeigt sich auch, daß der Neubau mit dem steilen Satteldach ein beachtliches Bauvolumen entwickelt und so ein gleichberechtigtes Pendant zur Kirche bildet.


    Vom Standort des Neubaus Richtung Westen zum Münster geschaut. Der Chorbereich schon seit 2 Jahren oder so eingerüstet. Dafür der Turm endlich nach über 10 Jahren seit längerem wieder frei! Rechts, wo die Bauconstainer stehen ist noch ein freies Grundstück, auf dem vor dem Krieg ein Haus stand.


    Das "Andlau'sche" noch vom Münster her gesehen. Hier fällt ganz besonders "die hohle Magengrube" des Hauses auf. Bin mal gespannt, wie es aussieht, wenn die großen Glasflächen und die Rahmung integriert sind. Positiv hervorzuheben ist die Mauerung mit Ziegeln. Sieht so aus, als ob da keine Wärmedämmung drauf käme. Vielleicht innen gedämmte Ziegel? Hatte keine Zeit genauer hinzuschauen oder die Bauleute zu fragen.



    Eigene Fotos!

  • Falls jemand Vorurteile gegenüber der "hypermodernen" Architektur hegt, so findet er sie mit Freiburgs neuer Uni-Bibliothek bestätigt. Nachhaltiges Bauen ist etwas anderes:



    Scan aus "Der Sonntag", Badische Zeitung