• Über den Titel lässt sich streiten. Ich würde sagen, wenn nicht der beste, dann aber der wohl berühmteste Boulevard der Welt.

    Champs-Élysées: Warum dieser Boulevard der beste der Welt ist - WELT
    New York hat die Fifth Avenue, Berlin den Kurfürstendamm, aber nur Paris bietet diese Prachtstraße, die in einen Triumphbogen mündet. Was man über den Mythos…
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    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Beste? Najaaa. Ständig hatte ich das Gefühl, dass ich jederzeit Opfer von Taschendieben werden könnte. Ist leider schon normal, aber wahnsinn, wie viele Banden sich da tummeln. Außerdem ist es durch den permanenten Autoverkehr extrem laut und selbst einige Fassaden wurden und werden entstellt.


    Einmal kann man da als Touri durchlaufen, ein zweites Mal aber nicht. Die meisten Geschäfte liegen weit außerhalb meiner Preisklasse. Zumindest der McDonald's war drin!

  • Die Champs-Élysées leben sehr von ihrem romantisierten Image. Tatsächlich sind die wirklichen, die heutigen Champs-Élysées weder besonders schön (architektonisch eher durchwachsen, mit einigen unschönen Kisten, vermurksten Erdgeschossen und hässlichem modernen Straßenmobiliar), noch besonders romantisch (viel Verkehr, sehr hektisch und überlaufen), noch besonders luxuriös (überteuert, ja, aber der wahre Luxus und die wahre Exklusivität findet man in den Seitenstraßen abseits der Touristenpfade).
    Ich war wahrscheinlich gut ein Dutzend mal in Paris, aber die Champs-Élysées abgelaufen bin ich vielleicht zwei/drei Mal. Das reicht auch. Da gibt es sehr viele schönere und spannendere Orte in Paris.

  • Einige kolorierte Aufnahmen (Charles Marville, zweite Hälfte 19. Jahrhundert) von Paris vor der großen Umgestaltung durch Haussmann. So verwinkelt muss man sich die gesamte weitestgehend untergegangene Pariser Altstadt vorstellen.










  • Sehr beeindruckende Bilder, die vielleicht aber auch ein bisschen verständlich machen, warum diesen engen, dunklen und oft auch architektonisch nicht herausragenden Altstadtbereichen kein großer Wert beigemessen wurde... ich kann mich an eine Passage in der "Welt von gestern" von Stefan Zweig erinnern, in der er das Elend der Leute beschrieb, das aus diesen Gassen herausquoll und das seiner Meinung nach mit den gründerzeitlichen Umgestaltungen wirkungsvoll beseitigt wurde. Damit möchte ich natürlich solche Abrisse nicht generell gutheißen, sondern nur darlegen, dass die Sache unter sozialen Gesichtspunkten teilweise vielleicht auch nachvollziehbar ist.

    Diese Nostalgie für alte Häuser, die wir heute haben, ist wahrscheinlich ja auch eher relativ jung, ich kann mir gut vorstellen, dass man im 19. Jh überwiegend pragmatisch an das Thema Wohnen heranging und es erstens um Komfort und zweitens um Repräsentation ging, nicht um die Bewahrung von altem Kulturgut.

    "Napoleon ist tot - aber Beethoven lebt."

    Bruno Walter

  • Richtig. Das heutige Paris hat immer noch einen einmaligen Charakter, nicht zuletzt aufgrund der Zusammenarbeit Haussmanns mit der école des beaux arts (aus der guten alten Zeit, als Städtebau noch hohen künstlerischen Ansprüchen genügen musste). Paris hat heute einen unvergleichlichen Stil, großartige Stadt. Die Bilder sollen nur erinnern, ohne zu bewerten. Ich finde es natürlich immer spannender, Stadträume zu kolorieren, die nicht mehr existieren (so auch der Krögel in Berlin oder das Gängeviertel in Hamburg, beides ehemalige Elendsquartiere, die heute nach umfangreicher Sanierung begehrte Wohnungen wären, aber zur Zeit der Abrisse Orte der Pestilenz, Kriminalität und von Bränden gewesen sind). In Paris spielte auch der Gedanke eine große Rolle, Aufstände in diesen neuen breiten Straßen leichter zerschlagen zu können. Wer übrigens das „Paris vor Haussmann“ aktiv begehen und erleben möchte, dem sei das Spiel assassins creed unity empfohlen. Ich habe schon hunderte Fotos von Marville gesehen und die Stadt wurde von den Designern sehr akkurat umgesetzt.

  • Solche Ecken gibt es noch genug in Paris... Halt nicht mehr richtig großflächig, aber in kleinen Inseln, die allerdings immer noch größer als die zu Braunschweig sind (dafür weniger malerisch).

  • MMHHH, einigen dieser Strassen gibt es allerdings heute immer noch in den selben Dimensionen: die rue des Bourdonnais und die Sackgasse, die impasse des Bourdonnais zum Beispiel haben immer noch das gleiche Layout, die Gebaüde wurden nach und nach "modernisiert" zwischen 1851 und 1914. Die rue des hautes Hursins wurde regelrecht 1865 den Boden gleichgemacht, um dort den neuen Hotel Dieu zu errichten, das älteste Krankenhaus Paris.

  • Stück für Stück verschwinden die Gerüste und zeigen den Dachreiter von Notre-Dame. C'est magnifique👏


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  • Hat teilweise was von "Empfangsbereich einer Privatklinik im Luxussegement".

    Sagt definitiv etwas über die Persönlichkeit aus, die dort gelebt hat.

  • Hauptsache es wurde niemand verletzt!

    Den Schaden im Rahmen einer gründlichen Instandsetzung des Bauwerkes zu beheben, dürfte für eine Stadt wie Paris kein ernsthaftes Problem darstellen.

  • Ich packe es mal hier rein, obwohl Puteaux eigentlich ein eigenständiges 45.000 Einwohner Städtchen ist. Auf Puteauxs Gemeindegebiet liegt La Défense. Kein Wunder, dass also in Puteaux u.a. auch Hochhäuser errichtet werden. Sehr seltsame Gebäude werden da errichtet, die irgendwie klassisch wirken, aber doch eher so auch in irgendwelchen außereuropäischen Staaten an Luxus-Kitsch entsteht. Mir war nicht bekannt, dass es sowas auch in Europa gibt. Was denkt ihr darüber?

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    Die Bilder stammen vom Skyscraper-Forum, das den Baufortschritt relativ engmaschig verfolgt.

  • Mir gefällt das größtenteils schon, auch wenn man sicher an Gestaltung und Proportionen im Einzelnen was kritisieren kann. Aber es wird immerhin der Versuch gemacht, einzelne Etagen mit klassischen Elementen wie Säulen oder Pilaster zusammenzufassen und so den Fassaden einen Rhythmus und ein Gesicht zu geben. Jedenfalls viel besser als der übliche modernistische Einheitsbrei.

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  • Ich denke das ist auch eine Reaktion auf die Erkenntnis, dass die Architektur der Banlieue gescheitert ist und hier Handlungsbedarf in Sachen Aufwertung besteht.

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    Das da gefällt mir nicht, der Rest mag angehen.

    @ Reklov: Ist das Scheitern der sog Banlieue wirklich ein architektonisches Problem? Hätte eine solche Architektur das Scheitern verhindert? Je n'y croix pas.