Dresdner Bausünden

  • Doe Würfelbauten sind doch besser als das, was in der anderen Richtung steht,
    nämlich vier Hektar Brachen und Büroruinen rund um die östlichen Tunnelausfahrten der Wiener Straße.
    Vor zwei Jahren stand da mal ein Riesenrad, das nach ein paar Monaten wieder abgebaut wurde.


    Wenn man in Leipzig aus dem Hauptbahnhof tritt, muß man den sechsspurigen Ring nebst vier Straßenbahngleise überqueren.
    Rein dezibelmäßig eine Zumutung.
    In Dresden sind's nur zwei Straßenbahngleise. Da kann selbst eine Omi ihren Rollkoffer gemütlich zum Hotel zerren, falls sie die Taxikosten sparen will.

  • Quote from "Schloßgespenst"

    Interessant. Und in welchen Städten sind die Menschen Deiner Ansicht nach so verzweifelt, daß sie sich so ein Panorama wünschen?


    Interessant fände ich nun wiederum, wieso du meine Aussage umdeutest. Von "wünschen" war bei mir keine Rede.



    Aenos, die Wiener-Platz-Bebauung schönzureden, war sicher nicht die Intention meines Beitrages. Mir gefallen die sog. Würfelbauten, wie sie speziell für Dresden gelten, auch nicht so besonders. Aber es gibt weitaus schlimmere "Stile". Neben der einfallslosen Investorenarchitektur, ist in meinen Augen die geringe Höhe der Gebäude ein großes Manko, weil so wenig großstädtisches Flair aufkommt. Aber alles, was einem nicht gefällt, ist nicht automatisch eine Bausünde, oder lebensfeindlich, oder muss Anlass für unsachliche, hier ständig wiederholter Kritik sein.


    Apropos fehlendes Grün: Auf deinem historischen Foto sieht man ebenso wenig grün. Davon abgesehen, erstrahlt der Hbf heute wieder in altem/neuem Glanz - wie schon um 1900.

  • ...außer dem Königseingang der wirklich mal saniert werden müßte. Das würde die Gegend enorm aufwerten und sie würde nicht den Charme eines Betonmischers versprühen. So gefühlt gestern von mir auf meinem Rundgang am Hauptbahnhof. Öde und menschenleer. Die Prager - na ja viel los und Kulkas Konsumtempel wird ja riesig. War dann froh als ich auf der Seestraße zum Altmarkt kam und linker Hand die schönen Stalinbarockbauten und den Sandstein sah. Weiter hinten die Schloßfassade - da lachte das Herz wieder. Allgemein fehlt Grün am Hauptbahnhof und parallel zur Prager. Ein paar Bäume würden das ganze erträglicher machen. Wenn man in der Neustadt wohnt und nur gelegentlich auf die Prager kommt sind die Dimensionen dort wirklich erschreckend.

  • ich schliesse mich Spacecowboy absolut an, ich bin gerade durch Hannovr flaniert und muss sagen, die Lösung am Wiener Platz hätte deutlich schlimmer sein können. Die Lösung moderne akzeptabel. Es hätte auch riesiger Wiener Kubus sein können. Ich würde also auch nicht von einer Bausünde sprechen. Dazu muss man allerdings in der Lage sein, nicht alles was nicht Reko bedeutet als Bausünde zu begreifen.

  • spacecowboy


    http://de.wikipedia.org/wiki/B…den_Hauptbahnhof_1900.jpg


    Tschuldige, aber im Gegensatz zur heutigen Ansicht, ist dort sehr viel Grün...Guck dir das Bild noch mal genau an. Die Bäume hatten nur leider nicht die Chance groß zu werden. Ich denke auch, dass mehr Bäume, Blumen oder gar Ranken an den Fassaden, wo es möglich wäre...das Ganze doch deutlich aufwerten würden.


    Gruß DV


    P.S. Außerdem, warum müssen wir immer argumentieren, dass es hätte noch schlimmer kommen können....warum versuchen wir immer die schlimmsten Beispiele als Vergleich heranzuziehen???? Einen gewissen Anspruch darf man ja wohl noch haben?

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia



  • weil die Bebauung des Wiener Platzes nicht zu den schlimmsten Beispielen zählt, da fallen mir ganz andere Sachen ein, nicht zuletzt der riesige Woba Riegel, der war eine Katastrophe und ist nach der Sanierung verschlimmbessert wurden. Das Arzeneimittelwerk mitten in der Stadt ist ein Frechheit und und und.

  • Quote from "spacecowboy"

    Interessant fände ich nun wiederum, wieso du meine Aussage umdeutest. Von "wünschen" war bei mir keine Rede.


    Mein Gott, sei doch nicht so ein Haarspalter - Du hast geschrieben, in anderen Städten wäre man froh, eine solche Bebauung vorzufinden. Wer froh wäre, etwas vorzufinden, was er bisher nicht hat, der wünscht es sich. Also, was soll ich da umgedeutet haben? Und wo sollte man froh sein, solche langweiligen Glaskästen wie auf dem Foto zu bekommen? Offenbar fällt Dir keine Antwort ein, sonst hättest Du ja mir eine gegeben statt der Wortklauberei. :augenrollen:


    Aber gut, ist alles Geschmacksache. Ich finde diese Glaskästen extrem einfallslos und banal und schlechter als vieles aus den 50er und 60er Jahren. Einige andere Bauten in der Gegend sind noch halbwegs erträglich - aber erstrebenswert für andere Städte? Wohl kaum.

  • Quote

    Hier kommen noch ein paar Wiener Platz-Bilder. ....
    Hier der zweitneueste Bau, neben dem InterCity-Hotel:


    http://farm4.static.flickr.com…71230535_0ab79ddfef_o.jpg


    Himmelherrgottnochmal, das Dings sieht aus wie eine Wechselstube der albanischen Zentralbank. Ja natürlich, es hätte schlimmer kommen können: Eine Wechselstube der afghanischen Zentralbank am Hauptbahnhof.


    Und jetzt rege ich mich wieder ab und gehe schlafen. Gute Nacht.

  • Ich kann mich nur wiederholen - ich finde den Wiener Platz nicht besonders toll, aber auch nicht besonders schlimm. Jedenfalls fühle ich mich dort wesentlich wohler als auf den meisten anderen Nachkriegs-Platzanlagen in Deutschland (einschließlich München, wo nicht der Bahnhof, sondern auch die umgebende Bebauung absolute 60er Jahre Tristesse ausstrahlt).


    Immerhin steht man in Dresden jetzt nicht mehr in einer Art Vakuum, wenn man den Bahnhof verläßt...


    Das Problem Dresdens sind eher - auch schon erwähnt - zentrumsnahe Gegenden wie das Annenviertel gleich nordwestlich davon. Einfach nur grüne Wiese und immer dieselben DDR-Bauten darauf. Der Wiener Platz bietet wenigstens noch urbane Strukturen, im Annenviertel fühlt man sich wie in einer beliebigen Siedlung an irgendeinem Stadtrand. Von Großstadt oder Innenstadt ist dort nichts mehr zu spüren.

  • Quote from "ApparatBauske"

    Immerhin steht man in Dresden jetzt nicht mehr in einer Art Vakuum, wenn man den Bahnhof verläßt...


    Das stimmt, man hat wenigstens nicht mehr den Eindruck, irgendwo in der Peripherie gelandet zu sein (vgl. mein Schwarzweißbild von 1995), sondern in einer Großstadt. Allerdings in einer ziemlich häßlichen. Was Alt- und Neustadt noch alles zu bieten haben, läßt sich nicht mal entfernt erahnen. Das hätte man einfach sehr viel besser machen können.


    Quote

    Der Wiener Platz bietet wenigstens noch urbane Strukturen, im Annenviertel fühlt man sich wie in einer beliebigen Siedlung an irgendeinem Stadtrand. Von Großstadt oder Innenstadt ist dort nichts mehr zu spüren.


    Abgesehen davon, daß das Wort "urban" zur abgenutzten Worthülse verkommen ist, mit der Architekten ihre phantasielosen Klötze schönreden, hast Du schon recht: Die Annenkirche steht als einsamer Rufer in der Wüste zwischen lausigen 50er-Jahre-Wohnzeilen, ähnlich denen in Teilen der Frankfurter Altstadt. Da bleibt einem nur noch der Trost, daß es (hier wie dort) noch schlimmer hätte kommen können - es hätten ja auch 10-geschossige Plattenbauten werden können - oder gar ein so hohes Gebäude, das eine Kirche zum Faller-Modell degradiert (wie es in Berlin der Fernsehturm mit der Marienkirche gemacht hat).

  • Heute möchte ich euch ein Bauwerk vorstellen, dass mich immer sehr beeindruckt hat. Es handlet sich um das sogenannte art'forum. Der Name deutet schon an, dass es kein x-beliebiges Geschäftshaus ist, sondern einen hohen Anspruch vertritt.


    Schauen wir mal in die Projektbeschreibung auf der offiziellen Homepage:


    Das Konzept:


    Quote

    Inmitten der Kulturstadt Dresden stellt das art'forum ein innovatives Dienstleistungs-, Kunst- und Veranstaltungszentrum dar. Hier harmonieren täglich Business, Kunst und Kultur unter einem "Dach". Dies schafft ein kreatives Umfeld für die ansässigen Unternehmen und inspiriert für den gemeinsamen Erfolg.


    Quote

    art'forum - ein attraktiver Ort


    Anspruchsvolle Architektur - zurückhaltend, ästhetisch und dem Zeitgeist entsprechend - gestaltet dieses Objekt zu einem attraktiven Ort für Unternehmen, Mitarbeiter und Besucher.


    Erschaffen von: Prof. Rolf Rave, Berlin (Architektur), A.R. Penck (Kunst) und Denis Santa Chiara, Mailand (Design) beherbergt es art'hotel, Kunsthalle, Ladengesschäfte, art'bureaus, Parkhaus mit 200 PKW-Stellplätzen.


    Quote

    Als die wichtigsten Kriterien für die wirtschaftliche Entscheidung der bereits eingemieteten Unternehmen, werden Faktoren wie Identifikation mit einer modernen Kulturimmobilie, motivierendes Umfeld für die Mitarbeiter [...] genannt.


    Quelle: art'forum dresden - homepage


    Gegen das art'hotel habe ich eigentlich nichts einzuwenden. Wir werfen nun mal einen Blick auf den Bürotrakt der Gesamtanlage:





    Bisher war mir nicht klar, dass der Bau zu dem art'hotel gehört. Das Design der Fassade war für mich immer ein äußerst abschreckendes Beispiel dafür, wie anspruchsvolle Architektur nicht sein darf. Was haltet ihr davon?

  • Steht das Gebäude nicht auch schon über 10 Jahre? In der Tat wird die Fassade nicht einladender, wenn der Zahn der Zeit sein übriges tut.


    Das einzig gute sehe ich allerdings in der Einhaltung und Wiederherstellung der Straßenflucht. Vorher klaffte da eine mächtige "Zahnlücke" (von denen es natürlich noch etliche gibt)

  • Stimmt, der Bau steht schon einige Jahre. Wie kann man nur von anspruchsvoller Architektur reden und dann sowas bauen??? Oder fehlt mir nur das Verständnis für diese Spielart der Moderne?

  • Die Nicht-Farbe Grau.
    In den Plattenbauvierteln ist man bemüht, sie per farbenfroher Sanierung wegzubekommen.


    Weiß der Teufel, warum sie in manchen Kreisen als chic und edel gilt.
    Hat wahrscheinlich was mit den "Grauen Herren" von Michael Endes Momo zu tun.

  • Quote from "Miwori"

    Hat wahrscheinlich was mit den "Grauen Herren" von Michael Endes Momo zu tun.


    Sehr gut erkannt. Das ist wirklich der Schlüssel zur Lösung.

  • Quote from "Vitruv"

    Stimmt, der Bau steht schon einige Jahre. Wie kann man nur von anspruchsvoller Architektur reden und dann sowas bauen??? Oder fehlt mir nur das Verständnis für diese Spielart der Moderne?


    Ja, dieses Verstaendnis geht Dir wohl voellig ab, Vitruv. Mir uebrigens auch. Ist aber kein Wunder--schliesslich sind wir ja nur ahnungslose Laien! :gg:


    Ich kann mich fuer dieses art'forum (der Name allein macht es schon laecherlich) auch nicht begeistern.

  • Langsam gewinne ich Klarheit:


    Ähääm...Die vorgehängte Gitterstruktur umspannt das Bauwerk gleich einer Membran, und erzeugt so ein reizvolles Wechselspiel von Verhüllen und Enthüllen. Spielerisch wird damit auf die Nutzung u.a. für Kunstausstellungen hingewiesen.