Dresdner Bausünden

  • Aber so wirklich großartig ist dieser Entwurf doch auch nicht (?) Erinnert mich von der Dachgestaltung irgendwie an manche Entwürfe für das EUR-Viertel in Rom...

  • Wie versprochen möchte ich jetzt den Wiener Platz vorstellen. Zur besseren Übersicht empfehle ich den Download des folgenden Übesichtsplans (erhältlich bei dresden.de):
    http://www.dresden.de/media/pd…rasse_gestaltungsplan.pdf


    Der Internetpräsenz der Stadt Dresden kann man folgendes entnehmen:
    (Quelle: http://www.dresden.de/de/08/01/01/c_01.php)

    Quote


    Der Wiener Platz als Entree zum Stadtzentrum und die anschließende Prager Straße sind [w]ichtige Teile des Stadtzentrums. Die beiden im Krieg zerstörten Bereiche werden durch Neubauten und Umgestaltungen räumlich neu gefasst und aufgewertet. Als Schnittstelle zu den benachbarten Seevorstädten sind angemessene Formen der Nachverdichtung dringend notwendig, um diese städtebaulich zu integrieren. Dabei kommt der angrenzenden Prager Straße eine besondere Bedeutung als Fußgängerzone und Rückgrat der Stadt zu.
    Der 1. Preis im städtebaulichen Ideenwettbewerb Wiener Platz 1993 ging an das Kölner Architekturbüro Mronz. Mit diesem städtebaulichen Entwurf gewinnt der Wiener Platz seine Qualität als Stadteingang zurück. Er wird mit seinen historischen Abmessungen wieder hergestellt.


    Lassen wir uns also überraschen, wie diese Neufassung und Aufwertung ungesetzt wurde.


    Meines Wissens wurde als erstes Bauwerk 2002 folgendes Büro- und Geschäftsgebäude verwirklicht (siehe Plan -> MK3):




    Der "Hinterhof":


    Dann wurde das keilförmige Geschäftshaus MK4 errichtet:


    Daten (Quelle: Brohaus MK4 in Dresden - - - baunetzwissen.de ):

    Quote

    Architekten: Wöhrle Siebig Strauch Architekten, München
    Projektbeteiligte: Züblin AG (Generalunternehmer)
    Bauherr: DBM Holding GmbH & Co. Gewerbebau KG, Berlin
    Fertigstellung: 2004
    Standort: Wiener Platz, Dresden


    Ebenda eine kleine Beschreibung:


    Quote

    Das Gebäude weist auch in seiner Kubatur Besonderheiten auf: Die Geometrie orientiert sich am dreieckigen Zuschnitt des Grundstücks - es weckt in seinem Volumen Assoziationen an ein Tortenstück. Der Bürobau erhält an der auf die Reitbahnstraße zulaufenden Ecke eine schwebende gläserne Spitze, die an einen Schiffsbug erinnert. Das Anheben der Dreiecksspitze war dabei weniger formalen als konstruktiven Kriterien geschuldet, da das Gebäude nicht nur unterirdisch von allen drei Seiten von Verkehrstunneln eingerahmt ist, sondern diese das Gebäude teilweise zusätzlich unterfahren. Zwei Lichthöfe im Gebäudeinneren gewährleisten auch in den tieferen Bereichen des Hauses die Belichtung durch Tageslicht.



    So, kehren wir zur Beschreibung der Platzumbauten zurück. Dort lesen wir:

    Quote


    Gegenüber der Bahnhofsfassade bilden würfelförmige Baukörper, die die ehemalige Villenbebauung adaptieren, die nördliche Raumkante.


    Es ergeben sich somit "spannende" Blickbeziehungen. Hier schauen wir zwischen dem immerhin sandsteinverkleideten InterCity-Hotel und dem gläsernen Nachbarhaus auf das Geschäftshaus MK4:



    Hier ein Blick an MK3 vorbei auf MK4, links die altbekannten Platten:



    Ebenfalls verwirklicht ist ein keilförmiges Gebäude (MK8), die sogenannte Prager Spitze. Dazu lesen wir:

    Quote


    Ein markanter Kopfbau am Übergang zum Wiener Platz – das sogenannte Glashaus (Vorhabenträger: Oelschläger Wiener Platz Dresden GmbH) – leitet in das Geschäftszentrum Dresdens über. Die Prager Straße erhält durch Geschäftshäuser im Norden und Süden ihren historischen Querschnitt von 18 m zurück, so dass ihr mittlerer Abschnitt als Platzraum ablesbar wird.





    Soviel für heute zum Wiener Platz. Auf Wunsch von Harmonica hier der Leuchter am Altmarkt:



    Und hier die neuen Straßenlaternen. Bei der Gelegenheit können wir eine weitere Bausünde betrachten:


  • An Beispielen wie dem Wiener Platz wird sehr deutlich, warum die Fußgänger in Dresden und Hannover die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit haben. Einfach nur schlimm. Würde ich zum ersten mal mit dem Zug nach Dresden kommen, mit dem auch heute noch vielbemühten Mythos von "Elbflorenz" im Kopf, würde ich wahrscheinlich glauben, ich bin in der falschen Stadt ausgestiegen.

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Quote from "ApparatBauske"

    Was für "Propaganda" soll denn das gewesen sein? Die Wahrheit ist doch, daß sich für die DDR überhaupt niemand (wenn ich mal für die achtziger Jahre im Münchner Raum sprechen darf) interessierte, weder Medien noch Schule, und Dresden gefühlt hundertmal weiter weg war als die Costa Brava oder Rimini.


    Gerade das ist doch der Beweis für die Manipulation!
    Daran kann man sehen, wie die euer Weltbild eingewestet hatten.
    :zwinkern:
    Otto Versand statt Otto der Große



    Quote from "Armin"

    An Beispielen wie dem Wiener Platz wird sehr deutlich, warum die Fußgänger in Dresden und Hannover die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit haben. Einfach nur schlimm. Würde ich zum ersten mal mit dem Zug nach Dresden kommen, mit dem auch heute noch vielbemühten Mythos von "Elbflorenz" im Kopf, würde ich wahrscheinlich glauben, ich bin in der falschen Stadt ausgestiegen.


    Zum Glück fährt der ICE vorher über die Marienbrücke.

  • Quote from "TourDresden"

    Vitruv
    Wenn dieser Strang rein dokumentarischer Art wäre, fände ich das durchaus sinnvoll. Sprich: Zu jedem Objekt 3 Fotos, kurze Angaben zu Baujahr, Auftraggeber, Kostenpunkt, Architektenbüro. Evtl. noch Informationen zu den nicht realisierten 2. und 3. Plätzen in den jeweiligen Wettbewerben, damit man sieht, was hätte werden können. Da bedarf es dann keinerlei Kommentare mehr.
    [...]
    Solange aber rumgepoltert oder polemisiert wird, können sich die Damen und Herren aus der Modernisten-Lobby immer mit Verweis auf die Unsachlichkeit ihrer Gegner rausreden. Langfristig setzen sich Argumente - und das können einfach nur Bilder sein - durch...


    So viel Aufwand für so schlechte Architektur? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Architekten", sagen wir mal einigermaßen fähige, diese Bauten als gelungen ansehen. Bei der Diskussion um Bausünden ist es mir sehr wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ich werde hier nicht den UFA-Palast, die SLUB oder die Synagoge aufführen, weil diese Bauten jeweils eine Qualität besitzen, die jedoch jenen hier gezeigten vollkommen fehlt. Am meisten würde ich mich freuen, wenn sich auch Architekten an der Diskussion beteiligen würden.

  • Quote from "TourDresden"

    Vitruv
    Wenn dieser Strang rein dokumentarischer Art wäre, fände ich das durchaus sinnvoll. Sprich: Zu jedem Objekt 3 Fotos, kurze Angaben zu Baujahr, Auftraggeber, Kostenpunkt, Architektenbüro. Evtl. noch Informationen zu den nicht realisierten 2. und 3. Plätzen in den jeweiligen Wettbewerben, damit man sieht, was hätte werden können. Da bedarf es dann keinerlei Kommentare mehr.


    Ich hab mal überlegt, ob man nicht ein Buch machen sollte das man "Städtebau in Dresden: Verpasste Chancen seit 1990" nennt. Inhalt: Alle wichtigen Bau-Wettbewerbe in der Innenstadt, alle Sieger, alle Verlierer, die Begründungen der Jurys, ein Vorwort, ein Nachwort. Das spricht alles für sich. Da bedarf es keiner Polemik. Wie gesagt, des Kaisers neue Kleider.


    Solange aber rumgepoltert oder polemisiert wird, können sich die Damen und Herren aus der Modernisten-Lobby immer mit Verweis auf die Unsachlichkeit ihrer Gegner rausreden. Langfristig setzen sich Argumente - und das können einfach nur Bilder sein - durch...


    Also auch ich finde diesen Strang sehr hilfreich. Genau dieses Zusammenbündeln der Fakten hatte ich in einem meiner Beiträge in "Dresden" angeregt. Es müßte aber wirklich jeweils der Architekt dabei stehen, wer an der Entscheidung beteiligt war etc. Beim Palast der sozialistischen Kultur würde dann nämlich stehen:


    - Planung und Ausführung: W. Hänsch, Architekt


    - Ablehnung einer Alternativen Umbauung (z.B. durch Sachsenbau):
    Gesataltungskommision Neumarkt, Mitglieder .... Prof. W. Hänsch, Architekt


    Es werden so die Zusammenhänge offensichtlicher.


    Oder beim Hotel in der Rampischen Strasse:


    - Der Bauherr hatte noch zusätzlich 2 historische Fassaden vorgeschlagen
    - Diese wurden von der Gestaltungskommision Neumarkt abgelehnt, obwohl der Stadtrat solches in seiner Konzeption begrüßt hatte. Die Baugenehmigung wurde ausgehändigt, ohne dass der Beschluß des Bauauschusses vorlag. Die Genehmigung erfolgte erst posthum.


    Allerdings dürfte dazwischen dann nicht soviel diskutiert werden (ich nenne es mal so), sondern der Aufbau müßte stringent sein:


    - Bausünde, Entscheidungsträger, Ausführende, Städtebauliche Kritik
    - Alternative,, Planung, Städtebauliche Verbesserung weil ...
    - Abgelehnt von... Stadtrat Dresden, Bauausschuß, Gestaltungskommision etc


    Die Idee, das in einem Buch zusammenzufassen ist fast besser, als es hier im Forum zu versuchen. Wie wäre es mit einer eigenen Homepage "www.bausuenden-in-dresden.de"?

  • Eine Bündelung von Fakten ist immer wichtig, allerdings sollte hier die Diskussion vordergründig sein. Über die Entscheidungsprozesse, Wettbewerbe und Architekten bin ich leider nicht informiert. In erster Linie möchte ich Ortsfremden einen Eindruck von Dresden abseits des Neumarkt-Wunders ermöglichen.
    Wenn jemand die Muße hat, Einzelheiten zusammenzutragen, würde ich das mit Hinweis auf den/die Fleißige(n) gerne in meine Beiträge einarbeiten.

  • Quote from "Vitruv"

    Eine Bündelung von Fakten ist immer wichtig, allerdings sollte hier die Diskussion vordergründig sein. Über die Entscheidungsprozesse, Wettbewerbe und Architekten bin ich leider nicht informiert. In erster Linie möchte ich Ortsfremden einen Eindruck von Dresden abseits des Neumarkt-Wunders ermöglichen.
    Wenn jemand die Muße hat, Einzelheiten zusammenzutragen, würde ich das mit Hinweis auf den/die Fleißige(n) gerne in meine Beiträge einarbeiten.


    mit verlaub das ist wirklich Plump. 1. Zeigst Du alle Gebäude aus der möglichst hässlichsten Perspektive, niemand kann anhand Deiner Bilder den Wiener Platz beurteilen.2. besteht Dresden nicht nur aus dem Neumarkt Wunder. Die vielen Facetten kannst Du gar nicht einfangen.

  • Quote from "Stefanius"

    mit verlaub das ist wirklich Plump. 1. Zeigst Du alle Gebäude aus der möglichst hässlichsten Perspektive, niemand kann anhand Deiner Bilder den Wiener Platz beurteilen.2. besteht Dresden nicht nur aus dem Neumarkt Wunder. Die vielen Facetten kannst Du gar nicht einfangen.


    Deinen Kommentar finde ich sehr plump. Bevor du hier weiter rumpolterst, empfehle ich dir dringend einen Besuch des Wiener Platzes. Ich habe die Perspektiven gesucht, die das jeweilige Gebäude am deutlichsten zeigen. MK4 habe ich sogar sehr schmeichelhaft fotografiert, damit die reizvolle Spitze zur Geltung kommt. Finde dich damit ab, der Platz ist einfach nur hässlich, von wo du den auch aufnimmst.
    Dresden hat viele schöne Ecken, das ist mir klar. Aber schau dich mal genauer hier im Forum um. Da sind 80% Neumarkt und ich bin daran nicht ganz unschuldig. Interessant, wie sich einige von meinen Bausünden-Bildern provoziert fühlen.

  • Zum Bereich Prager Straße: ich verstehe nicht, warum sich Dresden immer wieder ausgerechnet Rotterdam als Vorbild genommen hat, und zwar anscheinend bis Heute. Eine zerstörte Stadt war in Deutschland nun doch wirklich nichts außergewöhnliches.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Quote from "Vitruv"

    Deinen Kommentar finde ich sehr plump. Bevor du hier weiter rumpolterst, empfehle ich dir dringend einen Besuch des Wiener Platzes. Ich habe die Perspektiven gesucht, die das jeweilige Gebäude am deutlichsten zeigen. MK4 habe ich sogar sehr schmeichelhaft fotografiert, damit die reizvolle Spitze zur Geltung kommt. Finde dich damit ab, der Platz ist einfach nur hässlich, von wo du den auch aufnimmst.
    Dresden hat viele schöne Ecken, das ist mir klar. Aber schau dich mal genauer hier im Forum um. Da sind 80% Neumarkt und ich bin daran nicht ganz unschuldig. Interessant, wie sich einige von meinen Bausünden-Bildern provoziert fühlen.


    Ne,da brauchts schon ein bissl mehr um mich zu provozieren:-)


    Deine Ansichten kann ich nicht teilen, zum Wiener Platz gehört auch das Kugelhaus sowie die Springbrunnen davor. Du photografierst die Prager Spitze mit der Baugrube im Vordergrund, die Grube wird bald geschlossen sein, Du nutzt Sie aber um die Hässlichkeit zu unterstreichen und dies empfinde ich als polemisch.


    Wenn ich das nächste mal am Wiener Platz in Dresden bin dann zaubere ich Dir ein paar Photos mit Abendstimmung hin da werden sich alle Fragen ob wir den gleichen Platz photographiert haben.


    Was mich wirklich ärgert ist das Du hier als angeblicher Aufklärer auftritts, dich bemühst besonders hässliche Perspektiven zu finden und dann allen erklärst das Du ein ehrenwertes Ziel verfolgst.Für mich sieht das aber nicht nach sachorientierter Berichterstattung über die hässlichen Seiten einer Stadt aus, sondern nach einem persönlichen Problem mit selbiger oder den Menschen.
    Abgesehen davon bin ich mit Sicherheit der letzte der billige Investoren Architektur verteidigen will,aber man muss Sie auch nicht schlimmer machen als Sie ist.

  • Mein Strang verfolgt das Ziel, nicht nur die bekannten Seiten zu zeigen. Was spricht dagegen, den Wiener Platz mal aus ungewöhnlicheren Perspektiven zu zeigen. Anhang des pdf-Plans kann jeder nachvollziehen, wo ich gestanden habe. Ich verweise auch auf tourdresdens sehr schönen Beitrag: http://www.tourdresden.de/?cat=9 . Ich wehre mich nur dagegen, den Stadtraum immer beschönigen zu müssen. Der Name des Strangs lässt schon vermuten, dass es mir nicht um Beschönigung geht. Ein gelungener Entwurf wird von jeder Seite eine gute Figur machen. Hier handelt es sich um absolut misslungene Bauten. ICH mache sie nicht hässlicher als sie sind, sie SIND so hässlich. Schaut sie euch vor Ort an, und ihr werdet mir alle zustimmen.


    Den Postplatz muss ich ja auch nicht vom Zwinger aus zeigen, da sieht er ja so unpassend aus. Ich mache das gerade deshalb, weil es sonst niemand macht. Schaut euch mal bei fotocommunity um, welcher Eindruck entsteht dort von Dresden? Ein völlig falscher, wie ich finde, weil alle nur immer das Schöne in Szene setzen und das Hässliche ausblenden.


    Sicher, ich habe ein Problem mit dem Dresden, das sich besonders modern geben will und doch nur eine Bausünde nach der anderen hinklotzt.

  • Du sprichts meine eigentliche Intention aus. Ich lebe gerne in Dresden und diese Stadt liegt mir sehr am Herzen. Nur kommt mir die Wut, wenn ich höre, was man uns verspricht und dann sehe, was hier verwirklicht wird. Neufassungen, Aufwertungen, historische Straßenbreiten, alles nichts als leere Worte angesichts dessen, was wir sehen müssen.


    Wenn die Presse sich auch mal für diesen krassen Widerspruch interessieren würde, wäre ich heilfroh. Ich weiss genau, wie einflussreich inzwischen das Internet ist, deshalb will ich mit meinen Bildern des hässlichen Dresdens zu einer größeren Aufmerksamkeit führen. Ich weiss natürlich, dass auch andere Städte hässliche Neubauten haben. Auch dorthin sollten die Leute ihre Kamera mitnehmen und die Fehlplanungen Publik machen.


    Ich will garnicht über die vielen Plattenbauten jammern, es geht mir um Bauprojekte der letzten Zeit, die unser Dresden immer hässlicher machen. Fortsetzung folgt. Werde mir nachher mal das Parkhaus an der Yenidze genauer anschauen...

  • Heute ist wieder ein interessanter Artikel in der Sächsischen Zeitung.


    Es geht um ein 100 Meter hohes Hotelhochhaus, das 1969 als Berghotel oben auf dem Basteifelsen in der Sächsischen Schweiz geplant war!


    Seinerzeitige Anweisung vom Rates des Bezirkes:
    "Über die Probleme der Investmaßnahme Hotel Bastei ist keinerlei Öffentlichkeitsarbeit durchzuführen!"


    Dann geschah es aber doch, daß die SZ im Juni'69 eine Visualisierung des Modells veröffentlichte, was der Anfang vom Ende des Projekts war.

  • Quote from "Vitruv"

    Sicher, ich habe ein Problem mit dem Dresden, das sich besonders modern geben will und doch nur eine Bausünde nach der anderen hinklotzt.


    Genau diese Denkweise von den modern angehauchten Entscheidungsträgern, modern heisst modernes Betonglashaus, halte ich für verkehrt. Dresden gilt als Barockstadt. Wenn man an Dresden denkt, denkt man an alte Glanzbauten wie Zwinger, Semperoper, Frauenkirche etc. oder an die schön altmodisch anmutenden Villenvirtel oder die (wiedermal alten) Elbschlösser usw... Niemand denkt an die Altmarktgallerie, niemand denkt an den Kubus oder den Advantariegel. Höchstens die Einwohner, wie entweder hässlich sie sind oder wie gut man in ihnen den Weihnachtseinkauf durchziehen kann.


    Das Wort "modern" finde ich für diese Stadt eh unpassend. Wenn sie ein entgegengesetztes Adjektiv zu "alt" oder sowas benötigt, dann bitte etwas mit Niveau. Heutzutage kann selbst ein Ghettokind mit Migrationshintergrund (ist jetzt nicht pauschalisierend gemeint) moderne Klamotten tragen oder moderne Handys am Ohr halten. Seele hat dieser Mensch damit bestimmt nicht. Wenn aber Dresden mit seinem barocken Antlitz im inneren als niveauvoll gilt oder als hipp (für die Jugend muss ja auch was drin sein *gg*), dann wäre diese Stadt so viel mehr modern als diese die Stadtidentität verschandelnden Bausünden. Modern wäre für mich, wenn ich auf den Brühlschen Terassen sitzen könnte und mit meinem Notebook über wlan DNN schauen oder lesen könnte oder anderen stadtbezogenen Kram oder wenn ich in einem historischen Kinosaal den neuesten Blockbuster ansehen könnte oder wenn George Clooney anstatt nach Berlin im Dresdener Schloss einer Spendengala einen Besuch abstattet. Das wäre modern und dafür sollte man Geld ausgeben und nicht für identitätsvernichtende Architektur. Eine Frauenkirche umringt von Glaskuben? Gute Nacht... Ein Glück, dass es nicht soweit gekommen ist. Dem zwinger gehts nicht so gut...



    Jetzt noch das Bild:

    Das ist der Plattenbau direkt an der Carolabrücke, welche selbst auch so ein Sündenfall ist. Der Plattenbau stört einfach nur jede Sicht von der Neustädter Uferseite aus. Er ist wie ein Stopschild, wenn man von rechts (Erlweinspeicher etc.) nach links über die Elbfront schwenkt... Das einzige weisse Objekt in der Gegend sollte eigentlich das Bellevue sein... Unbedingt weg muss diese Sichtbarriere, auch das Hotel(?) dahinter. Um so ein Hotel wäre es ja nicht schlimm, Dresden hat genug schönere.


    Und dann noch:

    So in der Art hätte mir ein Neubau als Prager Spitze - wenn denn schon die Petersburger bleiben muss und Rekos auf einem historischen Strassenbild nicht mehr zur Debatte stehen - viel viel viel viel besser gefallen. Auf dem Bild, was ja eigentlich für irgendwo in Berlin gedacht ist, ist sogar ein hübscher Kandidat für das Wiener Loch. Also die Visualisierung wäre eigentlich die Faust aufs Auge für einen Neuentwurf des Einganges der Prager Strasse gewesen... Schade.

  • Das Fatale am Wiener Platz ist, dass man dort mit dem Anspruch geplant hat, den am Hauptbahnhof Ankommenden ein modernes "Eingangstor" nach Dresden zu bieten. Wenn diese Bauten in der hintersten Gegend dieser Stadt stehen würden, wäre mir das vollkommen egal. Das traurige ist, dass die schlimmsten Bausünden an den markantesten Orten entstehen. Man ist in Dresden ja schon froh, wenn der Neumarkt verschont bleibt.


    Welcher Tourist frohlockt denn beim Anblick dieser Glaskästen und ruft laut "wie schön ist diese Stadt!" Niemand auf der Welt. Dresden hat ein Eingangstor, das bis ins Detail missraten ist. Die Platzräume bestechen durch ihre Kälte. Wenigstens sprudeln vorm Hbf. um die oval-gläsernen Tiefgarageneingänge herum ein paar Fontänen in ein trübes Wässerchen.


    Vom Bahnhof in Richtung Stadt gehts also zuerst über einen kalt-abweisenden platzähnlichen Straßenraum, der gesäumt ist von gläsernen Fassaden. Dann gehts durch ein Nadelöhr vorbei am Bauzaun des noch unbebauten größten Quartiers (warum bloß baut hier keiner???). Schließlich vorbei an dem gelblichen Bürohaus begrüßt einen die Prager Straße, die gegen den Wiener Platz eine wahre Schönheit ist. Da stören auch kaum die monotonen gläsernen Pavillons, die in den letzten Jahren reihenweise rechts und links baugleich errichtet wurden.

  • Wurde das unbebaute Grundstück am Wiener Platz nicht inzwischen verkauft? Dort soll meines Wissens wieder ein Einkaufszentrum errichtet werden.


    Ansonsten kann ich mich nur wiederholen: ich finde den Wiener Platz nicht besonders, aber verglichen mit anderer "zeitgenössischer" Architektur eher überdurchschnittlich. Das lange Glashaus und das Kugelhaus finde ich sogar maßvoll gelungen.


    Das Problem Dresdens ist meines Erachtens eher, daß viele Stadträume komplett zerstört sind.


    Man sehe sich mal das Annenviertel an: dort stehen neben der Annenkirche vielleicht insgesamt noch drei oder vier Vorkriegsgebäude! Der Rest ist grüne Wiese mit den immer selben DDR-Bauten - das ist einfach keine klassische Innenstadt mehr, sondern erinnert eher an ein Viertel irgendwo am Stadtrand.


    Die Bebauung des Wiener Platzes strukturiert den Stadtraum immerhin, wenn auch mit unbefriedigenden Mitteln.

  • Stimmt ja, hier kommt ein weiteres Einkaufszentrum hin.


    Siehe hier: Schsische Zeitung [online] - Dresden: Neues Einkaufszentrum am Wiener Platz


    Bei Wikipedia gibt es ein schönes Panorama, das den Wiener Platz bei Nacht zeigt: http://upload.wikimedia.org/wi…en-Wiener-Platz-night.jpg Diese Vorderansicht ist schon die beste des ganzen Platzes. Leider fällt der Blick zwischen den Würfelhäusern auf die hässliche Fassade des MK4.


    Wenn du den Wiener Platz überdurchschnittlich findest, zeigt sich schon das ganze Problem. Wir sind die schlechten Bauten gewohnt, kennen es kaum anders und ignorieren sie weitestgehend. Ja, das Kugelhaus ist schon wohltuend. Eine überdimensionierte Kugel lockert das rechtwinklige Einerlei etwas auf. Dabei handelt es sich aber um das dürftigste Kugelhaus-Zitat, das sich jemals ein Architekt erdreistet hat.