Villingen im Schwarzwald - die Zähringerstadt

  • Hennybogenuhr kehrt als Reko zurück an alten Standort


    kann es kaum glauben, aber es scheint auch in villingen endlich mehr bewegung in sachen rekos zu geben. natürlich nicht in form eines großartigen bauwerkes, sondern mehr in form einer uhr im strassenraum, die modernisten in der 2.hälfte des 20.jahrhundert einfach auf die müllkippe geworfen hatten. gott sei dank wurde sie von findigen bewohnern geborgen und kann nun tatsächlich-nach jahren der abstinenz- als reko(!) mit fachwerkeisenmast an ihren alten standort in der niederen strasse, am sog. 'hennybogen', zurückkehren. es geschehen noch zeichen und wunder in dieser gebeutelten stadt. so wird die 'hennybogenuhr' noch vor dem marktbrunnen wieder stehen. mir soll es recht sein.



    Bald wird die Hennybogen-Uhr wieder an ihrem ursprünglichen Platz die Niedere Straße zieren, dafür sorgte Ehrengeneralfeldmarschall Heinz Gabriel und seine Katzenmusik. Bild: Peters




    25.01.2005 südkurier


    Nostalgie am Hennybogen
    Uhr wird wieder aufgestellt



    Viele Jahre galt sie als verschollen, die große, verschnörkelte Uhr am sogenannten Hennybogen an der Niederen Straße. Nicht nur als Zeitmesser war sie ein markanter Blickfang mitten in der Innenstadt, sondern ein beliebter Treffpunkt. Hier verabredeten sich Wanderer ebenso wie frisch Verliebte. Wer einst an der Hennybogen-Uhr verabredet war, der wusste, was die Stunde geschlagen hatte, denn das Single-Dasein nahm dort oft ein Ende und manch heiße Leidenschaft entfachte sich.


    Besser bekannt war die rechte Seite der Niederen Straße, stadtauswärts betrachtet, als "Rennbahn" und der Gittermast der Uhr diente nicht selten der Jugend als Klettergerüst - zumindest, wenn kein Polizist in der Nähe war. Irgendwann, in den 60er Jahren, wurde das gute Stück mit der Erneuerung der Straßenbeleuchtung abmontiert und ungeachtet ihrer Beliebtheit in der Villinger Müllgrube versenkt.


    Herbert Schroff, bekannt für seine Sammelleidenschaft, bekam von Schreinermeister Hässler aus der damaligen SABA, den heißen Tipp: "Du, die haben heute die Hennybogen-Uhr in die Müllgrube geschmissen". Das konnte Herbert Schroff nicht fassen und machte sich schnurstracks auf den Weg, die Uhr zu retten. Die städtischen Bediensteten verpackten das überdimensionale Zeiteisen in eine Holzkiste und der beherzte Schroff machte sich Gedanken über eine weitere Verwendung der Uhr. So kam er auf den Gedanken, dass Paul Riegger, damals Präsident des FC 08, eine geeignete Verwendung für die Uhr finden würde. Als eines schönen Tages über Umwege im Jahr 1965 die Uhr samt Frachtbrief und Dokumenten im Stadion am Friedengrund eintraf, war die Freude bei Riegger groß: "Endlich wird die versprochene Stadionuhr geliefert", vermutete Riegger. Doch weit gefehlt: Lachend packte er die Hennybogen-Uhr aus, die nun wahrlich nicht ins Stadion passte. Herbert Schroff hatte die Uhr nach vielen Umwegen wieder zurückgenommen und auf seinem Speicher jahrzehntelang gelagert. Hin und wieder diente sie fortan als Requisite für Narrozunft- und Katzenmusikball.


    Beim großen Fasnetumzug Ende der 60er Jahre widmete sich die Katzenmusik der Frage "Wem war sie im Weg?" und baute eigens einen Wagen mit großem Modell zur verschwundenen Hennybogen-Uhr. Und gemeinsam mit Werner Jörres erlaubte sich Herbert Schroff auch mal einen Aprilscherz und stellte die Uhr am Brunnen im Riet auf und sorgte damit für Aufsehen.


    Vor fünf Jahren schließlich kaufte der Katzenmusikverein Miau das Stück für 400 Mark und verpflichtete sich im Kaufvertrag schriftlich, "den Erhalt dieser Uhr zu garantieren und bei Auflösung des Vereins die Uhr an die Museen der Stadt Villingen-Schwenningen ohne finanzielle oder sonstige Ansprüche zu übergeben."


    Aber das haben die findigen Katzen längst nicht vor. Das Uhrwerk stammte aus dem Jahr 1923 und wurde auf den neuesten Stand der Technik gebracht, wie Ehrengeneralfeldmarschall Heinz Gabriel stolz erzählt. "Die Uhr muss ja automatisch von Sommer- auf Winterzeit umstellen und umgekehrt", freut sich Gabriel über die gelungene Restauration. Was jetzt noch fehlt ist der Gittermast. In nächster Zeit sollen Angebote eingeholt und der Auftrag für die Rekonstruktion erteilt werden. Und das Beste: die Stadtverwaltung hat die Genehmigung bereits erteilt, die Uhr wieder in der Innenstadt aufzustellen, moderne Fußgängerzone hin oder her - und zwar am alten Platz, dem Hennybogen. "Wir wollen noch dieses Jahr ein großes Uhrenfest feiern", kündigt Heinz Gabriel von der Katzenmusik voller Vorfreude an und Herbert Schroff zeigte sich überaus gerührt von den Anstrengungen des Vereins und hofft, "dass ich als Ehrengast zum Fest eingeladen werde". Marion Peters

  • Stefan
    Da sind schöne Neuigkeiten! Bürger können aus eigener Kraft leider nicht massenweise Schlösser und prägnante Bauten rekonstruieren. Das mag im Einzelfall möglich sein, ist aber nicht die Regel.


    Wieviel wichtiger ist es da, mit solchen vermeintlich kleineren Massnahmen das Stadtbild zu beeinflussen.


    Traurig trotzdem, das Stadt, Land und Staat - wenn sie nur wollten - viel mehr bewirken könnten. Da ist eben noch jahrelange Lobbyarbeit nötig...


    Egal, jetzt muss man sich erst mal freuen, über die Stadtbildverbesserung in Villingen!


    Grüße

  • Vor 60Jahren: Villingens Bickenkapelle, die Siechenkapelle, der Bahnhofsbereich und zahlreiche Gründerzeitvillen infolge des nationalsozialistischen Angriffkrieges zerstört


    nicht nur die menschen in deutschen großstädte mußten nach dem angriffskrieg der nationalsozialisten im gegenschlag der allierten mit ihrem leben bezahlen, auch in weitaus kleineren städten.


    in villingen wurden dabei infolge zahlreiche,geschichtlich bedeutsame gebäude zerstört. die hintergründe, warum es damals selbst bei der stadtgeschichtlich wichtigen bickenkapelle nicht zu einer rekonstruktion kam, sind mehr als enttäuschend.eine neue verkehrsführung über die bahngleise war der fadenscheinige grund. es dauerte sogar noch bis mitte der 70er jahre, dass überhaupt etwas abseits des ehemaligen kapellenstandortes ein steinernes gedenkkreuz errichtet wurde.
    mittlerweile ist die situation durch einen neuen busbahnhof weiter verschlechtert. das kreuz steht seit geraumer zeit verlassen auf einer verkehrsinsel und ist nicht mehr begehbar...


    ein armutszeugnis in sachen geschichtsbewußtsein



    22.02.2005 Südkurier


    Heute vor 60 Jahren: Städte im Bombenhagel


    Schwerster Luftangriff auf Villingen und Schwenningen
    Der 22. Februar 1945, heute vor 60 Jahren, war für Schwenningen der schwärzestete Tag seit dem 30-jährigen Krieg. Innerhalb von wenigen Minuten starben dort 75 Menschen bei einem Bombenangriff amerikanischer Maschinen. Wenige Minuten zuvor war Villingen schwer angegriffen worden. In zahlreichen Städten Süddeutschlands mussten die Menschen bei Bombenangriffen die Zeche für Hitlers Angriffskrieg bezahlen.
    Villingen-Schwenningen
    VON WERNER HUGER







    Villingen-Schwenningen - Am 22. Februar 1945 waren frühmorgens in England 1428 viermotorige amerikanische Bomber abgefertigt worden. Erklärter Zweck: Wichtiger Angriff auf die deutsche Eisenbahn und die Verbindungswege. Ziel waren vor allem die Verschiebebahnhöfe (Marshalling Yards), die aus den Bomberpulks heraus mit Kleingruppen angegriffen wurden. Insgesamt waren rund 3900 Tonnen Bomben auf zahlreiche Städte abgeworfen worden.


    Die 3. Air Division der 8. amerikanischen Luftflotte erreichte mit über 900 Flugzeugen gegen Mittag den Südwesten Deutschlands. Nach 12 Uhr war in Villingen Fliegeralarm gegeben worden. Eine halbe Stunde später kamen bei wolkenlosem Himmel mit einer Flughöhe von rund 3000 Metern die viermotorigen B-17-Bomber, die so genannten "Fliegenden Festungen", aus Richtung Bad Dürrheim herübergeflogen. Südlich Villingen drehten sie mit dröhnenden Motoren in Richtung Westen. Plötzlich lösten sich aus dem Verband neun (amerikanische Angaben: elf) der damals modernsten und schwersten Maschinen und schwenkten auf das Stadtgebiet ein. Um 12.39 Uhr fielen nach amerikanischen Angaben die Bomben. Der Berichterstatter hat vom Hubenloch aus den Angriff beobachtet. Die einzelnen 250-Kilogramm-Bomben ließen sich mit bloßem Auge bis ins Ziel verfolgen. Es gab laut amerikanischen Archivangaben rund 150 Detonationen in Villingen. Nach der amtlichen amerikanischen Archivquelle waren es rund 32 Tonnen Gesamtgewicht. Im Nu lag über der Stadt eine riesige dunkle Staubwolke. Man hatte den Eindruck, die Bomben hätten im nahen Rietviertel eingeschlagen.


    Nördlich der Stadt drehten die feindlichen Maschinen nach Westen ab und reihten sich wieder in die abziehenden Staffeln ein. Im Bahnhofbereich bot sich ein Bild des Grauens und der Zerstörung. Auf dem Gelände, wo heute unter anderem die Hauptpost steht, wurden allein vier Jugendstilvillen dem Erdboden gleichgemacht. Zahlreiche Gebäude diesseits und jenseits der Bahnlinie wurden schwer beschädigt und waren teilweise abbruchreif. Allein die Eisenbahngleise waren auf einer Länge von 300 Metern unbrauchbar.


    Der Umsicht der Bahnverwaltung war es zu verdanken, dass das Gebiet von Menschen geräumt war. Die Bürger hatten sich in ihre Luftschutzkeller geflüchtet. So kam es, dass unmittelbar und als Folge "nur" sechs Menschen zu Tode kamen. Der amtliche amerikanische Kommentar lautete für Villingen "Flak (= Fliegerabwehr) mager, ungenau", "gute Ergebnisse, Bombenteppich mitten auf den Bahnhof gerichtet, wobei ein Ende zugedeckt wurde und auch noch der Ort (village) erfasst wurde". ....


    ...Hier sollen ingesamt rund 20 Menschen durch den Luftkrieg umgekommen, 55 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt worden sein. Bereits am 20. Februar 1945, zwei Tage vor der schweren Attacke auf den Bahnhofsbereich, wurde die Bickenkappelle, die einst vor dem Bickentor stand, durch eine alliierte Bombe in Schutt und Asche gelegt. Die Bickenkapelle war bis dahin Hort des in Villingen über Jahrhunderte verehrten Nägelinskreuz, dass heute seinen Aufbewahrungsort im Münster hat. Die Kapelle wurde nach dem Krieg nicht mehr aufgebaut, an dieser Stelle wurde 1976 ein Kreuz in Erinnerung an die Kappelle und als Mahnmal gegen Krieg und Gewaltherrschaft errichtet.





    Blick auf die Villinger Siechenkapelle (rechts). Diese wurde ebenfalls von einer Fliegerbombe zerstört. Bild: Archiv Schroff




    Tod und Verwüstung brachte der Bombenangriff vom 22. Februar in Villingen: Diese Aufnahme zeigt das Bahnhofsgebäude . Bild: Archiv Schroff

  • 19.05.2005 südkurier
    Winzige Details, großartiges Modell


    Dietmar Kempf baut Kaufhaus von 1573 nach - Unterlagen mühsam zusammengesucht

    Villingen
    VON HERMANN COLLI


    Die letzten Handgriffe am Modell des Kaufhauses von 1517 und sein Schöpfer ist zufrieden. Wieder hat Dietmar Kempf ein Stück verschwundener Bausubstanz zum Leben erweckt und ein Stück Stadtgeschichte sichtbar gemacht.



    Ein Meisterwerk ist die Tür von der Tanzlaube zur Gerichtsstube. Sie ist 85 Millimeter hoch. Leider bleibt dieser Blick dem Betrachter, der das Modells von außen anschaut, verborgen.



    Kleiner geht's kaum: 3880 Mini-Dachziegeln, jeder 17 Millimeter lang, sieben Millimeter breit und ganze 1,2 Millimeter dick hat Dietmar Kempf für sein Modell von Hand gemacht und gebrannt.


    Bilder: Colli




    ehemaliger Standort des Alten Kaufhauses in der Oberen Strasse als braunumrandetes Quaree auf der Strassenfläche




    Die letzten Handgriffe am Modell des Kaufhauses von 1517 und sein Schöpfer ist zufrieden. Wieder hat Dietmar Kempf ein Stück verschwundener Bausubstanz zum Leben erweckt und ein Stück Stadtgeschichte sichtbar gemacht.


    Mit großartigen Modellen historischer Villinger Bauwerke hat sich Dietmar Kempf in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Jetzt hat er wieder ein Stück Villinger Stadtgeschichte aus der Vergangenheit geholt und im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar gemacht: das Kaufhaus von 1573, das auch Gerichtslaube, Kornlaube und Tanzlaube genannt wurde und einst in der Oberen Straße stand. Aller guten Dinge sind drei waren dem 68-jährigen Villinger nicht genug als er im Sommer 2004 zum Jubiläum 300 Jahre Tallard'sche Belagerung seine detailgetreu nachgebaute Lorettokapelle präsentierte.


    Zuvor hatte er schon mit dem Villinger Rathaus und der Bickenkapelle sein außergewöhnliches Talent als Modellbauer unter Beweis gestellt. Jetzt folgt der vierte Streich. Die Idee dazu ging Kempf schon seit einigen Jahren durch den Kopf. Aber einerseits war der Rentner mit der Erstellung der schon erwähnten Gebäude "gut ausgelastet" und zum anderen gab es über das 1827 abgebrochene Gebäude nur wenige beweiskräftige Unterlagen.


    Sein Entschluss, sich dennoch ans Werk zu machen, fiel bei einer Führung auf der "Viertele-vor-sieben-Route" durch seine Heimatstadt. Dabei hatte Stadtführer Lambert Hermle in der Oberen Straße bedauert, dass das historische Gebäude, das dort einmal das Stadtbild prägte, nicht mehr existiere. Kempf verstand das als Wink mit dem Zaunpfahl und nahm die versteckte Herausforderung an. Es war nicht leicht, Unterlagen für eine Rekonstruktion zu finden. Zum Glück hatte Paul Revellio sich in seinem Beiträgen zur Villinger Stadtgeschichte mit dem Kaufhaus beschäftigt und seine Kenntnisse zu Papier gebracht. Auch im Stadtarchiv wurde Kempf mit Zeichnungen und Plänen fündig. Ulrich Rodenwaldt trug mit seinem "Leben im alten Villingen" ebenso zum Wiedererstehen der einstigen "Laube" bei wie Bilder auf alten Postkarten. Aus alle dem heraus entstand dann in einer unwahrscheinlichen Fleißarbeit in rund 15 Monaten das Modell, das in Detailtreue und Qualität den anderen viel gelobten Kempf-Modellen nicht nachsteht. Das Haus ist fertig und der sehr kritische Erbauer ist auch mit seinem Werk ganz zufrieden, aber er will auch das Drumherum noch so gestalten, wie es auf alten Bildern überliefert ist. Wo das gute Stück, das jetzt seine Wohnung in der Weichselstraße ziert, einmal der Öffentlichkeit vorgestellt wird und wo es einen angemessenen Platz findet, steht aber noch noch in den Sternen.


    Historiker Revellio


    Dem Historiker Paul Revellio, Professor und verdienter Pädagoge am Villinger Gymnasium und ehrenamtlicher Stadtarchivar, ist es zu verdanken, dass über das 1827 abgebrochene ehemalige Kaufhaus in der Oberen Straße wenigsten etwas der Nachwelt überliefert werden konnte. Der am, 7. Juli 1882 geborene und am 1. Juli 1966 gestorbene Heimatforscher, dem die Stadt Villingen am 18. September 1961 die Ehrenbürgerwürde verlieh, gibt in seinem Buch "Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen" Auskunft über dieses markante Gebäude. "Das Kaufhaus, auch Gerichtslaube, Kornlaube und Tanzlaube genannt, wurde 1573 errichtet," schreibt Revellio unter anderem.


    Es bestand aus einem Erdgeschoss aus festem Mauerwerk. Darüber ragte ein breiterer Oberbau heraus, mit starkem Gebälk und geriegelten Wänden. Das war die so genannte Laube, die bei festlichen Gelegenheiten als Tanzboden benutzt wurde. Bei Jahrmärkten durften Tuchmacher, Wollweber, Stricker und Gerber dort ihre Verkaufsstände aufbauen. Auch eine Fruchtschütte für so genannte Kipperer befand sich in dem Gebäude. "Zwei Tore an der Nord- und Südseite und zwei Türen an den gegenüberliegenden Seiten vermittelten den Zugang. Für die Laube war an der Ostseite eine Treppe hochgeführt," heißt es in Revellios Originaltext. Der Haupteingang befand sich zwischen zwei schweren Pilastern an der Südseite. "Darüber eine Kanzel, von der aus dem Delinquenten das Urteil verkündet wurde, ehe er auf den Richtplatz abgeführt wurde unter dem Läuten des Melefizglöckchens, das in einem eisernen Gestänge den Valutengiebel bekrönte," schildert Revellio das Schicksal eines hier verurteilten Todeskandidaten.


    Der Giebel war durch die Terrakotta-Wappentafel von Hans Kraut aus dem Jahre 1574 geschmückt, die sich heute im Franziskanermuseum befindet. "Das Kaufhaus, außer dem Rathaus der einzige monumentale Profanbau des alten Villingen, wurde 1827 als Verkehrshindernis abgebrochen und die Geschäfte des Kaufhauses in das leerstehende Spitalgebäude verlegt," klagt der Chronist in seinem Beitrag und bedauert, dass ein Modell des Bauwerkes, das bis 1945 die Erinnerung an die Laube wach hielt, beim Umsturz verschwunden ist.



    Minimal in großer Zahl


    Das Modell, das im Maßstab 1:25 erstellt wurde, birgt eine ganz Menge interessanter Zahlen. Es ist 60 Zentimeter lang, 36 Zentimeter breit und 70 Zentimeter hoch. Das Dach ist mit 3880 handgestrichenen in Ton gebrannten Keramikziegeln gedeckt. Jede einzelne ist 17 Millimeter lang, sieben Millimeter breit und 1,2 Millimeter dick und mit einem Zapfen zum Auflegen auf den mit Mini-Dachlatten bestückten liegenden Dachstuhl aus dem 18.Jahrhundert versehen. Über die Bauzeit, die von Januar 2004 bis zum April dieses Jahres dauerte, hat Kempf genau Buch geführt : 862 Stunden war der rührige Rentner in seiner Bastelstube mit dem Laube-Projekt beschäftigt. An manchen Tagen bis zu acht Stunden. Dass die beiden Uhren am Modell die richtige Zeit anzeigen, ist für Kempf eine Selbstverständlichkeit.


    quelle:
    http://www.suedkurier.de/lokal…ngen/art2997,1547171.html

  • danke für die infos!


    könnte man das auch in groß rekonstruieren?

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Antiquitus


    können würde man so etwas prinzipiell schon (wie bei den meisten rekonstruktionen). ist nur die frage, ob die entscheidungsträger das auch möchten. hinzu kommt, dass das alte kaufhaus mitten auf der oberen strasse stand und bei einer reko zahlreiche einwände kommen würden, angefangen von zufahrtsmöglichkeiten, umzügen, stadträumliche blickbeziehungen bis hin zu anwohner- und geschäftsinhaberinteressen.


    zusätzlich standen übrigens noch 3 weitere gebäude in den villinger hauptstrassen am strassenkreuz:


    die obere metzig, bestehend aus 2 gebäuden in der rietstrasse
    und die niedere metzig in der niederen strasse.
    vor errichtung des alten kaufhauses=kornlaube in der oberen strasse, soll der vorgängerbau vermutlich in der bickenstrasse gestanden haben.


    in der nachbarstadt rottweil hat man vor einigen jahren ein ähnliches gebäude, die brotlaube, in der oberen hauptstrasse als temporäre reko errichtet, natürlich in vereinfachter form und nicht in voller höhe. allein der grundriss entsprach der original-brotlaube. dieser ist zudem auf der strassenfläche als pflasterung nach wie vor sichtbar. in villingen hat man dies 'erinnerung' leider verpaßt als man vor ein paar jahren die fußgängerzone überarbeitet hat. wenns eben am willen fehlt...




    skizze der brotlaube, rottweil



    die brotlaube während des aufbaus




    die temporäre rekonstruktion der brotlaube am rottweiler strassenkreuz




    die brotlaube auf der pürschgerichtskarte rottweil von 1564


    bildquellen:
    http://www.rwbilder.de

  • "können würde man so etwas prinzipiell schon (wie bei den meisten rekonstruktionen). ist nur die frage, ob die entscheidungsträger das auch möchten. hinzu kommt, dass das alte kaufhaus mitten auf der oberen strasse stand und bei einer reko zahlreiche einwände kommen würden, angefangen von zufahrtsmöglichkeiten, umzügen, stadträumliche blickbeziehungen bis hin zu anwohner- und geschäftsinhaberinteressen. "


    ja, solche grundsätzlichen fragen müssen natürlich geklärt sein. wenn nachher keine feuerwehr mehr vorbeipasst ist es halt auch schlecht.
    aber es ist eine schmuckes gebäude, das sich sicherlich gut nutzen ließe. außerdem würde ein netter platz entstehen. die reko dürfte auch insgesamt gesehen nicht allzu teuer sein.


    andererseits sollten man die kräfte zuvörderst auf die reko von bombenverlusten richten, da alleine gibt es schon mehr als genug zu tun.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • 08.07.2005
    Anregender Blick in "loftige" Wohnungen
    Tag der offenen Tür am Samstag in der Rathausgasse 2 - Modernes Wohnen mit historischen Bezügen


    In der Rathausgasse 2 wurde jetzt ein bemerkenswertes Sanierungsobjekt abgeschlossen. In zwei zuvor leer stehenden städtischen Häusern sind durch das Engagement eines privaten Investors hochwertige Loft-Wohnungen mit historischen Bezügen zu den Anfängen der Industrialisierung entstanden. Eigentümer Andreas Flöß hat in den Räumen architektonische Reminiszenzen erhalten, die an die Ursprünge der "Werner'schen Uhrenfabrik" erinnern, die hier einst produzierte. Angesichts des großen Interesses lädt der Architekt die Bevölkerung am morgigen Samstag zum "Tag der offenen Tür" ein.
    Villingen-Schwenningen
    VON EBERHARD STADLER



    In neuem Glanz und in bordeaux-roter Farbe präsentiert sich das generalsanierte Gebäude in der Rathausgasse 2 in Villingen.



    Blick in die Loft-Wohnung: Die Stützen und Unterzüge im Raum stammen noch aus der Zeit, als hier die Uhrenfabrik Werner ihre Fertigungsräume betrieb.


    Bilder: Jochen Hahne



    weiter zum Artikel:
    http://www.suedkurier.de/lokal…ngen/art2997,1619143.html

  • der Abbruch geht weiter...


    Südkurier 26.10.2005
    Aus alt wird neu
    Hafnergasse 2 abgerissen


    VS-Villingen (ms) Riesige Bagger in der kleinen Hafnergasse haben ganze Arbeit geleistet und ein großes Loch in die Häuserzeile gerissen. Das Haus Hafnergasse 2, seit Generationen im Besitz der Familie Laun, ist bereits dem Erdboden gleichgemacht. Doch der ungewohnte Einblick in Hinterhöfe bleibt nicht. Ein neues, dreistöckiges Wohnhaus soll hier entstehen, etwas kleiner als das bisherige. Nicht die gesamte Freifläche wird bebaut werden. Die Freifläche neben dem Gebäude wird als Zufahrt zu Garagen wie bisher unbebaut bleiben, wie Michael Laun, der Bauherr bestätigt. Wenn die Bauarbeiten wie geplant zügig vorangehen, will Michael Laun mit Familie bereits im Mai/Juni 2006 in das neue Haus einziehen.


    Sein Großvater, Fritz Laun, hat in den 30er Jahren das stattliche Gebäude, Baujahr 1902, erworben. Die Grundfundamente sind bereits auf das Jahr 1865 datiert. Großvater Laun brachte mit einer Reparaturwerkstatt und einem Landmaschinenverkauf damals modernes Leben in das ruhige "Schattegässle". Bei dem Großbrand in der Oberen Straße im Jahr 1975 wurde neben den Gebäuden an der Oberen Straße auch das direkt angebaute Laun'sche Haus in der Hafnergasse schwer beschädigt. Die oberen Stockwerke brannten aus, wurden anschließend wieder aufgebaut und von Familie Laun bis heute weiter bewohnt.



    Da staunt der kleine Lukas. Wo bisher direkt vor seinem Ausguck-Fenster ein großes Haus stand, ist nur noch ein Schuttberg. Das Haus Hafnergasse 2 wurde abgerissen. Ein Neubau soll entstehen.


    Bilder:
    Jochen Hahne
    quelle:
    http://www.suedkurier.de/lokal…ingen/art2997,1764904.htm






    mal eine generelle frage an alle leser:
    wäre es nicht sinnvoll den begriff
    "historische innenstadt" oder
    "mittelalterliche stadt" gesetzlich schützen
    zu lassen? ich frage mich manchmal wirk-
    lich, mit welcher unverfrorenheit und ein-
    bildung zahlreiche städte damit werben,
    und wenn man die jeweilige stadt dann besucht,
    ist man aufgrund dessen, was an historischer
    oder traditioneller bausubstanz vorhanden ist,
    oft bitter enttäuscht. dadurch haben es vor
    allem die städte schwer, die wirklich etwas
    zu bieten haben. sie werden mit diesen möchte-
    gern-altstädten alle in einen topf geworfen.
    es wäre deshalb angebracht, eine art bundesweite
    auszeichnung/signet für echte altstädte zu entwickeln,
    damit endlich der spreu vom weizen getrennt wird.


    auch villingen wirbt touristisch mit einer historischen
    innenstadt. darf man mit nur noch 50% traditioneller,
    historischer bausubstanz damit werben - wohl-
    gemerkt ohne kriegseinflüsse! ein gros der substanz
    wurde erst in den 90iger jahren abgebrochen.


    angesichts dieser tatsache ist, bezugnehmend auf
    den zeitungsartikel, jeder weitere verlust
    an traditioneller bausubstanz durch modernistische
    lückenfüller unverzeihlich.

  • Stefan
    Sauerländer


    Ich frage mich, falls diese Thread eher in einem andere fore seien soll wie zum beispiel "Objekte und Projekte im Inland" oder "Arkitektur Allgemein".......i


    Ich finde trotzdem die Fragestellung von Stefan intressant.

  • @ Johan: Im alten Forum sind noch einige Bilder vorhanden.
    Ich habs aber jetzt verschoben.


    Zum Thema: Auf jeden Fall eine gute Idee mit dem Schutz der Bezeichnung. Nur wie sollte man das umsetzen?

  • es müßte ein prädikat sein, dass die kriterien der
    erhaltung und traditonellen gestaltung von orts- und
    stadtbilder anhand einer hohen meßlatte auszeichnet.
    vielleicht ein zusätzlicher anreiz für städte, ihre
    abbruch- und gestaltungspolitik zu überdenken, wenn
    analog dazu besonders negative beispielstädte
    wie villingen, bundesweit vorgeführt werden.
    in jedem fall wäre auch eine veröffentlichung der
    aufgelisteten positiv- und negativbeispielstädte
    sinnvoll.

  • Vielleicht sollten wir von APH mal eine Art "Deutschland"-Reiseführer herausbringt, der alles aufführt, was wirklich sehenswert ist und besonders guter Umgang mit historischen Gebäuden und Ensembles herauslobt, so dass diese Städte endlich mal für ihr Engagement belohnt werden, nebenbei alle Städte, die rigoros mit ihren altbauten umgehen, "vorgeführt" werden...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Booni


    Das eigentlich die Idee mit dem Thread "Schönste Städte im Deutschland"
    Was man machen könnte ist ein Preis.....die schönste Altstadt des Jahres, wo man Pflege, sanierung und Erhaltungsgrad bewerten.......

  • @johan


    "schön" ist sehr realtiv und subjektiv.
    insofern ist die rubrik der "schönsten
    städte" für dieses thema wohl nicht geeignet.
    kriterien die sich am grad der erhaltung
    und historischen ergänzung im sinne einer
    traditionellen gestaltung oder sogar rekons-
    truktion orientieren, sind eindeutig.
    daß diese städte nebenbei insgeheim auch
    von modernisten als 'schön' empfunden und
    aufgesucht werden, wäre im nachhinein nur
    eine weitere bestätigung.



    das positive daran ist, daß selbst heute
    verunstaltete städte theoretisch
    immer noch die chance haben, in
    zukunft noch ausgezeichnet zu werden.
    allerdings muß die auszeichnung auch
    eine hohe meßlatte haben und darf nicht
    schon zu beginn aufgeweicht werden, um
    qualität sicher zu stellen.


    Booni


    solch ein reiseführer wäre sicher ein
    erstes größeres projekt für den zukünftigen
    verein und ich denke, daß ein solcher anfangs
    dünner ausfallen wird als man vermuten
    möchte.

  • Quote from "Stefan"


    solch ein reiseführer wäre sicher ein
    erstes größeres projekt für den zukünftigen
    verein und ich denke, daß ein solcher anfangs
    dünner ausfallen wird als man vermuten
    möchte.


    Muss nicht sein. Deutschland verbirgt viele Schätzten, besonders im Osten. Von meine Reisen durch Deutschland muss ich sagen dass Deutschland oft unterschätzt ist. Besonders von Deutschen selber, ein überaus (bis nervend) selbstkritisches Volk.
    Ein Touristenführer sollten dann nicht nur fokusieren auf die Schlagers wie Lübeck und wurde Städte wie Wismar und Stralsund vorzeigen, weil die Altstadt-erhaltung besser ist.
    Oder wie zum beispiel meine Erfahrung: läuten (3.5 milionen) besuchen Hameln und springen oft über die wesentlich Hübscher und beindruckende Lüneburg


    Aber mit Geld und Zeit, da bin ich pessimistich.

  • Quote

    ein überaus (bis nervend) selbstkritisches Volk.


    Zuweilen nervt es uns ja sogar selbst... :gg:


    Quote

    3.5 milionen) besuchen Hameln und springen oft über die wesentlich Hübscher und beindruckende Lüneburg


    Es geht beim Besuch einer Stadt oft eben nicht nur alleine um das Stadtbild, sondern auch um den Mythos, der mit der jeweiligen Stadt verbunden ist. Bei Hameln ist es eben so, dass die Rattenfänger-Geschichte in allen möglichen Sprachen bekannt ist und daher auch die Leute anlockt.


    Viele Menschen wollen ja auch den Lorelei-Felsen am Rhein sehen, obwohl es ja eigentlich nichts weiter ist als ein Felsen...

  • Quote from "Restitutor Orbis"


    Das ist ja Gut so.....


    aber vielleicht wäre es intressant ein Touristenführer, dass nicht Mythos bewertet sonder die Altstädte, Stadtbild und die Umgang mit Baudenkmäler.......

  • ...da bewegen wir uns aber wieder auf
    einer ganz anderen eben (mythos,geschichten,...)
    sicher auch eine möglichkeit der einstufung,
    aber nicht sehr hilfreich für die defintion von altstadt.
    den kann und sollte man an den
    bereits genannten kriterien festmachen.
    ich stelle den erhaltungsgrad generell nicht über
    alle andere dinge, aber um die städte , die sich im
    dschungel der äußerst verbrauchten begriffen wie
    "mittelalterlicher stadtkern" oder "historische altstadt"
    positiv hervortun, sind der hohe erhaltungsgrad und
    eine traditionelle gestaltung sicher objektivierte aspekte,
    die unabhängig von subjektiven eindrücken, ein echtes
    maß der beurteilung sind.


    eine auflistung der städte, die stichfesten kriterien
    unterzogen werden, kostet erst einmal gar nichts.
    über die kosten der veröffentlichung
    kann man, wenn es soweit ist, sprechen.
    darüber hinaus handelt es sich ja nicht um eine starre
    auflistung, die nicht ergänzt oder veränderbar ist - zum
    faktor zeit. im gegenteil, sie müßte immer wieder aktualisiert
    und überprüft werden. ziel soll doch sein, daß sie ein
    anreiz für problematischere stadtbilder ist, es den
    besseren gleich zu tun und daran zu arbeiten.
    so werden begriffe wie historisch und traditionell
    auch wieder ihrer eigentlichen bedeutung gerecht,
    was das stadtbild angeht.