Berliner Kirchen

  • Quote from "der_Sauerländer"

    Hat nicht mal jemand Lust diesen Horizont zu aktualisieren?



    Sieht natürl. etw. durcheinander aus, mit den weißen Flecken, aber hatte grad keine Idee, wie man es hätte besser machen können. Ich habe die Schlosskuppel als Ersatz für die heut. Domkuppel genommen, auch, wenn die ja eigentlich größer ist...

  • Wenn es um den Abriss alter Bausubstanz ging und man auch nicht vor Kirchen zurückschreckte, um den Verkehrsfluss zu begünstigen, so war der Klassenfeind auf einmal ein Verhandlungspartner, auch 1960 bei der Jerusalemer Kirche:


    http://www.parlament-berlin.de…VT/15/KlAnfr/k1512225.pdf


    Eigentlich eine Schande, dass die Kirche damals in keiner Denkmalliste stand.


    Hier nochmal das Bild von 1954:



    In der Liste von H.C. Stössinger ist die Rede von einem Nachfolgebau an gleicher Stelle, hat da jemand Fotos / Informationen?

  • Hallo,
    ich bin neu hier , habe aber im alten Forum schon einige Beiträge verfasst.
    Zum Thema: Ehrlich gesagt ist die Rekonstruktion der meisten Kirchen, die hier genannt werden, mehr als illusorisch. Wenn man bedenkt, dass die christlichen Kirchen aufgrund von Mitgliederschwund und ausbleibenden Steuereinnahmen mit dem Verkauf oder gar Abriss von Kirchengebäuden kalkulieren, erscheint der Wiederaufbau der Petrikirche, die über tausende Plätze verfügte, leider geradezu absurd. Meiner Meinung nach besteht höchstens für die Bethlehemskirche Hoffnung: Ihr Grundstück ist noch unbebaut und liegt in bester Innenstadtlage(nahe Potsdamer und Leipziger Platz ). Vielleicht hat eine russich-orthodoxe Gemeinde Interesse? :D
    @Ben: Warum hast du die Alte Nationalgalerie und die Kuppel der Neuen Synagoge "wegradiert" ?

    Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. - Friedrich Schiller -

  • Nun ja, die beiden historisch und künstlerisch bedeutsamsten der "verlorenen" Kirchen sind ohnehin die Bethlehemkirche und die Dreifaltigkeitskirche. Die anderen sind natürlich nicht uninteressant, aber für das Stadtbild und die Identität "Alt-Berlins" sicher bei weitem nicht so wichtig wie diese beiden. Gerade die Geschichte der Dreifaltigkeitskirche liest sich stellenweise wie ein "who is who" des brandenburgisch-preußischen Protestantismus (Schleiermacher etc.)


    Die Frauenkirche in Dresden wurde immerhin auch aufgrund ihrer historischen und künstlerischen Bedeutung rekonstruiert und sicher nicht, weil Dresden mehr Kirchenplätze gebraucht hätte. Die Situation des Christentums dürfte in Sachsen nur unwesentlich besser sein als im "atheistischen Berlin".


    Vielleicht springen ja auch die Katholen ein (die scheinen ja in letzter Zeit wieder auf einem aufsteigenden Ast zu sein). Da ist immerhin ein starkes Geschichts- und Traditionbewußtsein gegeben - siehe das (leider!) von der Universität und der Stadt [lexicon='Leipzig'][/lexicon] abgelehnte Angebot der katholischen Kirche, die Paulinerkirche zu rekonstruieren.

  • Bei der Frauenkirche ist die Situation differenzierter. Hier stand nicht nur die kunstgeschichtliche Bedeutung im Vordergrund, sondern ebenfalls ein symbolischer Beitrag zur Versöhnung der Völker. Im übrigen sind bis heute sicher sehr weing Kirchen ausschließlich um ihrer selbst Willen rekonstruiert worden, in der überwiegenden Zahl der Fälle stand ein konkreter Nutzungsgedanke am Anfang. Das Gebäude kann schließlich nicht einfach so "rumstehen". Aber braucht Berlin unbedingt neue Konzertsäle, Theater, Bibliotheken oder Museen ? Sicher nicht. Ein zerstörtes Kirchengebäude wird in Berlin normalerweise auf Drängen der Denkmalpflege restauriert(siehe Elisabethkirche). Das setzt seine (zumindest teilweise) physische Substanz vorraus. Deshalb ist es müßig , seine Gedanken an die Rekonstruktion von total zerstörten Kirchen zu verschwenden.

    Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. - Friedrich Schiller -

  • Oh, dass das die Nationalgallerie ist, habe ich gar nicht bemerkt...! Aber die Neue Synagoge ist auf dem Bild nicht zu sehen. Welchen Bau meinst du denn?

  • Vermutlich den Schinkeldom...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Warum die Ironie ?
    Die Kuppel, welche über dem Giebel der Nationalgalerie sichtbar wird , erinnert auf den ersten Blick doch stark an jene der Neuen Synagoge, oder :augenrollen: ?
    Wenn man aber genauer hinsieht fällt einem ein, dass eben diese Kuppel nicht "gefaltet "ist und eine feingliedrige Oberflächengestaltung besitzt. Es muss sich also um ein weniger bekanntes(noch vorhandenes ?)Gebäude handeln.

    Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. - Friedrich Schiller -

  • Meinst du den Bau ganz links oder Mitte rechts? Das war der Vorgängerbau vom Dom:
    .


    Dementsprechend hat Ben eigentlich zu wenig wegretuschiert.

  • Er meint wohl den ganz links. Ich habe den ganzen Bildindex surchgeschaut, sie aber nicht gefunden. Bin der Meinung, die ist von Stüler und habe sie auch schon Mal gesehen. Vielleicht war es auch nur ein Entwurf und wurde nie gebaut.... :?


    Also, gehen wir Mal auf dem "Vorher"-Bild von Links nach Rechts(+=zerstört/abgerissen; ~=verändert):


    Nationalgallerie, dahinter die "unbekannte Kirche"(+?), Nicolaikirche(~), ein Dom am Gendarmenmarkt, Petrikirche(+), Parochialkirche(~), Stadtschloss(+), Marienkirche, Schinkel-Dom(+), Zionskirche, Rathaus, Heiligkreuz-Kirche(~), Friedrichwerdersche Kirche, der andere Dom am Gendarmenmarkt.


    Im Vordergrund:


    Invalidensäule(+), Friedrich-Wilhelm III. aus dem Lustgarten(+), Brandenburger Tor, davor Nationaldenkmal vom Kreuzberg und Friedrich der Große.

  • Naja, nicht so ganz: "Mit dem Bebauungsplan sollen die (...) Voraussetzungen für die Herstellung einer öffentlichen Grünanlage sowie für eine Bebauung des westlichen Blockteils mit überwiegender Wohnnutzung geschaffen werden. "


    Die Kirche stand im östl. Teil des Blocks. Der westl. war schon früher bebaut.



    Ich fänd's gut, wenn in die Grünfläche eine Reko des Kirchturms gestellt würde, damit der Park/die Grünfläche einen Mittelpunkt hat, und das nicht in form irgendeiner abstrakten Stahlskulptur, sondern eines hist. Anhaltspunktes. Dies gilt auch für den Petriplatz. Aber ist eh nur Träumerei... :augenrollen:

  • Quote

    Er meint wohl den ganz links. Ich habe den ganzen Bildindex surchgeschaut, sie aber nicht gefunden. Bin der Meinung, die ist von Stüler und habe sie auch schon Mal gesehen. Vielleicht war es auch nur ein Entwurf und wurde nie gebaut....


    Also, gehen wir Mal auf dem "Vorher"-Bild von Links nach Rechts(+=zerstört/abgerissen; ~=verändert):


    Nationalgallerie, dahinter die "unbekannte Kirche"(+?), ...


    Hinter der Nationalgalerie ist die Kuppel der Markuskirche zu sehen, 1848-55 von Stüler gebaut. Sie stand in Friedrichshain nahe der Frankfurter Allee (in Höhe dieser großen, platzartigen Kreuzung) innerhalb eines großen, im Inneren parkähnlich begrünten Häuserblockes, wurde 1944 zerstört und die Ruine 1957 abgetragen. Wegen der beengten Lage zwischen Häusern und Grünanlagen war sie schlecht im ganzen zu fotografieren.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Komisch, daß hier niemand die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche als Verlust führt. Da steht ja auch nur noch eine Ruine, die zudem noch durch diese häßlichen Eiermann-Türme verschandelt wurde.
    Auch wenn diese relativ junge Kirche vielleicht keine große kulturhistorische Bedeutung hatte, so war sie doch sehr prägend für den Westen Berlins und garantiert ein Wahrzeichen.
    Ich habe Filmaufnahmen von Berlin über die Vorkriegszeit und da taucht sie ständig auf. Ich fand sie auch gar nicht so unansehnlich, wobei es da ja anscheindend geteilte Meinungen gibt.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • @münchner
    Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche war wirklich sehr beeindruckend - finde es ebenfalls merkwürdig, dass das noch nie hier Thema war, gerade wenn man sich den Eiermann/Horten-Bau so anschaut.
    @alle berliner: Gibt´s da einen besonderen Grund?

  • nun ja, der Turm ist ja noch da (zumindest Teilweise)...
    Aber du hast recht, sie kann ebenfalls als Verlust verbucht werden, zumal der Plattenanbau wohl inzwischen auch arg sanierungsbedürftig ist... Beton ist eben doch kein Baustoff für Jahrhunderte. Ich würde es ausserdem begrüßen, wenn der Turm mal renoviert werden würde. Optimal währe zwar, ihn wieder auf die ursprüngliche Höhe zu bringen, aber erstmal währe es schon positiv, die unteren Turmgeschosse wieder in einen nutzbaren zustand zu bringen. richtige fenster statt Maschendraht währen schion mal ein guter Anfang...

    "... es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann..." (Goethe)

  • Vielleicht weil sie - wie Mephisto schon andeutete - immer noch irgendwie gegenwärtig ist, wenn auch nur zum Teil...

  • Da sie ja zum Teil noch vorhanden ist, wäre sie doch die ideale Kandidatin für die nächste Rekonstruktion in Berlin. Schließlich wäre hier die "Authentizität" in Sinne der Denkmalpfleger gegeben.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Die Eiermannbauten werden demnächst leider aufwendig renoviert. Ich habe dies in einem Artikel gelesen, dessen Überschrift lautete:
    Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wird saniert.


    Der Artikel beginnt folgendermaßen:

    Quote

    Seinen maroden Zustand hat er jedoch nicht Wind und Wetter, sondern einem von fast 400 Bombenangriffen auf Berlin während des 2. Weltkrieges zu verdanken.

    Quelle: Remmers.de


    Nur handelt es sich bei der Sanierung um fast ausschließlich diejenige der Betonbauten. Die Schwechtenkirche wird nur im Halbsatz abgehandelt:


    Quote

    Sie kosten nach Angaben des Kirchengemeinderates der „Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin“ über 1 Million Euro. In dieser Summe sind allerdings auch die Umbaukosten im Kirchen-Untergeschoss, die Sanierungskosten des Gebäudepodestes, der Treppen, des separaten Kapellenbaus sowie Instandhaltungskosten für den „Hohlen Zahn“ enthalten.

    Quelle: Remmers.de


    Ausgesprochen enttäuschend. Mir stellt sich wieder die Frage, weshalb hier, wie z.B. beim 'Kulturpalast' in Dresden, es erlaubt ist, die Substanz durch neue zu ersetzen, während dies bei 98% der Vorkriegsbauten Naserümpfen und heftiges Opponieren bei vorgeblich Intellektuellen hervorruft.
    Dies mag wohl daran liegen, daß die zu erneuernden Flächen wohl derartig banal und reproduzierbar sind, so daß man überhaupt nicht auf die Idee kommt, darüber zu diskutieren.


    Eine Reko steht wegen der Politisierung des Gebäudes als Mahnmal und schon vorher durch Wilhelm II. leider völlig außer Frage. Man stelle sich allerdings mal vor, wie dieser Platz nach der 'klassischen' Eiermann-Planung aussehen würde..ohne Schwechten-Turm: Eine Nichtigkeit.