Webseite "archinform.net" zum Berliner Stadtschloss

  • Hallo,


    also ich habe mich etwas in diesem Forum umgeschaut - ich war erstaunt und entsetzt, auf welchem Niveau dort diskutiert wird - dort wird mal lapidar jeder, der sich für Rekonstruktionen einsetzt:


    - der gute Geschmack abgesprochen
    - als reaktionäres Pack bezeichnet (ein Jargon, den ich eigentlich eher in der linksextremen Szene vermutet hätte)
    - eine Rekonstruktion als schon gescheiterte Architektur / Investition bezeichnet / angesehen
    - etc.


    Das Schlimme, dass dort keiner auf die Idee kommt mal einzuhaken, im Gegenteil, sie ermuntern sich gegenseitig in ihren wüssten Bezeichnungen / Titulierungen.


    Wenn man davon ausgeht, dass sich dort Architekten oder die, die es werden wollen, unterhalten, dann kann man sich wirklich nur an den Kopf greifen.


    Adios, xFlipx

  • Früher oder später werden sich auch die Archtekten an das neue Bedürfnis nach traditionellen Formen anzupassen haben - wenn sie irgendwann für ihre Glaskästen keine Interessenten mehr finden.


    Hoffen wir mal, dass diese so wichtige Kaste einen gründlichen Wandel durchleben wird.

  • :augenkrummblau:


    Das gibt es doch gar nicht. Klar wusste ich, dass es solche Menschen zuhauf gibt, aber(!), wenn man das mal liest... Ich weiss nicht, wie es euch geht aber in mir staut sich gerade eine solche Wut auf und ich weiss nicht, wie ich die ventilieren kann.
    Geht es nur mir so???


    :schlaechter:



    Wie kann man im Umgang mit Kritik so radikal sein? Wenn die chronischen Modernisten hier kritisiert werden, dann wird eher mäßig auf ihre Fehler hingewiesen verbunden mit einer konstruktiven Ablehnung!
    Wenn allerdings sie kritisieren, geht es derart unter die Gürtellinie (selbst wenn sie nicht vulgär wird, so ist die Wirkung der Kritik doch heftig), dass ich platzen könnte!!!

    ...kantige Kuben beginnen sich plötzlich zu drehen, Säulen bekommen durch Schrägstellen eine wohltuende Dynamik und mehr denn je werden spielerisch mit Materialität und Oberflächentexturen neue Ufer ausgelotet.

  • In der Tat unfassbar, auf was für einem unterirdischen Niveau da "diskutiert" (genauer gesagt, polemisiert wird):


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    tja leidfer hat man in deutschland öfter mit solchen Vereinen zu tun.....


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    es ist nicht nur die Akzeptanz, die in der BRD fehlt, sondern der Respekt vor dem Berufstand des Architekten


    Ohhh, eine Runde Mitleid!


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    Das Ganze ist doch nur ein Indiz für mangelnde architektonische Bildung in Lande


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    voll deiner meinung, es fehlt an Bildung, an Grundverständnis für Architektur


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    Man sollte auch nicht einfach arrogant abureteilen, sondern auch wirklich den Laien im Detail erklären, warum eine vorgeschlagene Sache gut ist oder nicht.


    Is' wie in der Politik: wenn man Stimmen verliert, hat man nichts falsch gemacht, sondern nur ein "Vermittlungsproblem", weil der Wähler zu doof ist, einen zu verstehen :gg:


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    die ganze Aktion (Unterschrifen sammeln zum Erhalt der historischen Bausubstanz) hat einen faden reaktionären Beigeschmack wie ich finde.


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    Oh mein Gott. Kommt da jetzt noch mehr Disneyland nach Berlin?


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    was kann man so jemanden entgegensetzen der eine moderne zeitgemäße Formesprache (und damit meine ich die Entwickulngen der letzten Hundert Jahre) einfach so ignoriert?


    Wohlgemerkt: alle diese Aussagen finde sich in einem thread von gerade mal zwei Seiten Länge!!!
    Ich möchte nicht wissen, was es in diesem Forum noch so alles zu lesen gibt...

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    was kann man so jemanden entgegensetzen der eine moderne zeitgemäße Formesprache (und damit meine ich die Entwickulngen der letzten Hundert Jahre) einfach so ignoriert?


    Dieses Zitat gefällt mir besonders gut. Ich ignoriere doch lieber die Entwicklung der letzten (nicht mal) hundert Jahre als die Konstanten der letzten 4000 Jahre.

  • Ich weiss nicht, das was man da liest, ist echt unterirdisch. Teilweise könnte man meinen, man hat es mit Kleinkindern zu tun.
    Was ich aber daraus ableiten kann ist, dass diese Personen unglaublich angefressen sind, weil niemand sie versteht.
    Ist auch schwer möglich, denn wer will schon allen Ernstes in Bauhaus-Glaskästen hocken!
    Vielleicht ein Bruchteil der Reaktionären-Desilliusionierten-Kulturbanausen leben in solch schwülstigen Dingern, die unsere junge Architektenriege hier gerne als Standard hätte!

  • Diese armen kleinen Architekten in spe sind im Grund zu bemitleiden. Stehen in permanentem Abgabestress ihrer modernistischen Entwurfswürfel und hoffen mit ihrem Kasten, einen anderen grauen Würfel als die anderen geschaffen zu haben. Wirklich schwierig sich da zwischen den grauen Würfeln hervorzuheben. :zwinkern:


    Die agressiven, intoleranten und hohlen Floskeln werden dazu noch gebetsmühlenartig so oft wiederholt, bis selbst der kleinste Zweifel beseitigt ist. Dazu müssen diese armen Architektchen auch noch unglaublich viel Zeit und Geld in ihr schwarzes Rollkragen und Hornbrillen Aussehen stecken, damit sie ihren universitären Vorbildern nacheifern können.


    Wirklich, man sollte Mitleid mit ihnen haben. :auslachendoppelt:
    Kann man eigentlich befallene Modernisten heilen oder ihnen die Kuben austreiben?:aufdenkopf:




    Schönes Zitat:
    http://www.tektorum.de/andere-…-wiederaufbau-2003-a.html

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    Es wurde zwar nur kurz angerissen, aber viele Gründe, warum wir heute nicht mehr so bauen können wie von 100 Jahre liegen in unserer Verantwortung zukünftiger Generationen gegenüber.


    :lachentuerkis:

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • dass mir da ja keiner hingeht und bei denen im forum rumpöbelt.
    die sind schon arm genug, da kann man ihnen die ruhe gönnen.
    ausserdem, alle diese trottel weltweit geben einem ja schliesslich auch ein schönes selbstwertgefühl :gg: ausserdem kommen die nachher hier hin zu uns und wir diskutieren dann wieder ewig für nix...


    ist ja wurscht, die sterben eh bald aus...

  • Wenn man mit den Maßstäben des gesunden Menschenverstandes rangeht - ja. Nur haben wir es mit einer zutiefst irrationalen, sektenartigen Bewegung zu tun, die man ebensowenig wird ändern oder überzeugen können wie SED-Stalinisten. Aussterben is' 'nich - die ganzen letzten Jahre haben sie sogar Zuwächse bekommen und selten gab es unter den Neuabsolventen so wenig nachdenkliche Geister (wobei ich nicht das Lied vom Bachelor neu anstimmen möchte). Viele gehen übrigens kritisch und voll Ideale rein in die Mühle, haben aber wg. fehlender weltanschaulicher Bewaffnung den Herren Professoren wenig entgegenzusetzen und werden ergebene Janitscharen. Erneuerung der Architektur kann nur ohne diesen Berufsstand stattfinden.


    Wer eine solche weltanschauliche Hölle erfolgreich überstanden hat, d.h. erfolgreich unter seinesgleiches funktioniert, der besitzt keine eigenen Überzeugungen mehr. Er glaubt es natürlich und mokiert sich ständig über den Ungeschmack der Bauherren, aber dies sind die Gedanken der Partei bzw. der Berufsgemeinschaft. Die sich untereinander übrigens spinnefeind sind, da ein beständiges Überangebot an Essern und zuwenig Fleischtöpfe vorhanden sind, d.h. eine institutionalisierte ökonomische und geistige Rivalität (wie in kommunistischen Parteien). Der permanente Druck kommt als Verlust an Kreativität und Nerven den auf billig bedachten Bauherren entgegen - der Architekt könnte sich, selbst wenn er wollte, nicht mehr von diesem Zwang freimachen. Aber dennoch bleibt er stolz, Architekt zu sein.

    Nein, die werden gedünstet

  • Na nun macht aber bitte nicht den Fehler, alle Architekten oder Jung-Architekten in einen Topf zu werfen. Ich bin selber Architekt und setze mich für Rekonstruktionen ein, genauso wie für qualitätsvolle moderne Bauten. Und es gibt genug andere meiner Kollegen, die genauso denken.


    In diesem Forum gibt es schließlich auch zuhauf festgefahrene Meinungen und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Mehr Offenheit auf beiden Seiten wäre angebracht!

  • @ Matti:
    Das ist zweifellos alles richtig. Allerdings hat Wissmut, so weit ich weiß, auch Architektur studiert und das, was er schildert, ist ein Erlebnisbericht. Wenn das freilich der Fall ist, ist es wirklich übel bestellt um die Architekturausbildung in Deutschland.
    Ein Freund, der an der FH in Nürnberg Architektur studiert hat, berichtet mir fast in denselben Worten genau das, was auch Wissmut schreibt ...
    Ich fürchte darum fast, daß Wissmut nicht ganz unrecht hat, wenn er sagt: "Erneuerung der Architektur kann nur ohne diesen Berufsstand stattfinden." Zumindest scheint sie nur ohne die in Deutschland derzeit herrschende Architekturausbildung stattfinden zu können. Die kritischen, kreativen und offenen Geister unter den Architekten scheinen dies allenfalls trotz ihrer Ausbildung zu sein und sicher nicht wegen dieser.


    Ich habe, nebenbei bemerkt, selbst Philosophie studiert und bin in Gesprächen mit Architekten immer wieder entsetzt, wieviel halbverdaute und im Prinzip unverstandene Theoriebrocken, die ursprünglich aus der zeitgenössischen Philosophie stammen, mir da hingeworfen werden. Gerade seitens der an den Universitäten lehrenden Architekten werden diese Bröckchen meinem Eindruck nach gerne zu soliden politkorrekten Ideologien zusammengebacken, die theoretisch geradezu haarstäubend sind.

  • Weimar u. Erfurt. Und bevor du fragst: Die Inhalte sind überall diesselben - kannst die Leute fragen, egal ob nun Göttingen, Dresden oder Darmstadt. Nur Hochschulen ? Ich schreibe eher ausgehend v.m. Büroerfahrungen - wobei man da natürlich eher differenzieren muß: Die Sanierungsbüros sind -zumeist- eher fachkundig und am hist. Maßstab interessiert, sogar was Rekonstruktionen angeht. Aber beim Neubau(!) im hist. Kontext gleichen sich die Entwürfe oft so frappierend wie in den Spätsechzigern - als sei die Formsprache tatsächlich von einer Kommission vorgegeben. Entweder Glaskiste oder -wenig besser- Naturstein mit versetzten Fensterschlitzen. Es gibt natürlich Büros, die sich dem tatsächlich widersetzen (aber, Matti - die sind eine einflußlose Minderheit!); zum Glück ist man zeitlich und örtlich ja nicht gebunden, jedenfalls nicht dauerhaft.


    In Weimar hat man aus dem Bauhaus eine Religion gemacht, bei den anderen hoaßtes lediglich: Wieso, etwas anderes außer modern gibt es doch überhaupt nicht....

    Nein, die werden gedünstet

  • nun, in dortmund war es seinerzeit (92-99) etwas anders. und heute, wo dort mäckler und kahlfeldt lehren, könnte ich mir vorstellen, dass es für allzu individualistische projekte eher noch etwas schwerer geworden ist.

  • Wissmut
    ich glaube, das siehst du zu schwarz. Bei mir an der FH waren die Professoren sehr aufgeschlossen. So lange man seinen Entwurf gut begründen konnte und er technisch und formal richtig war, wurde keiner abgelehnt nur weil es kein moderner Glasbau war. Und das Bauhaus wurde genau so behandelt wie Gotik oder Historismus: Als eine vergangene Epoche der Architekturgeschichte, die aus ganz bestimmten Umständen heraus entstanden ist und ein Ausdruck Ihrer Zeit war.

  • Muß ich genau wie bei @ ulgemax fragen, wann und wo ?

    Nein, die werden gedünstet

  • Ich hab von 2003 bis 2008 an der HAWK Hildesheim Architektur und Denkmalpflege studiert und arbeite seitdem als Architekt.

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    Wissmut
    So lange man seinen Entwurf gut begründen konnte und er technisch und formal richtig war, wurde keiner abgelehnt nur weil es kein moderner Glasbau war.


    An den Begründungen hat es beim Entwurf zu einer Ökostation in Nachbarschaft des Städtchen Altensteig im Schwarzwald nicht gefehlt, als einer meiner Kommilitonen an der Uni Stuttgart einen traditionellen, formal einwandfreien Fachwerkturm dem Dozenten vorlegte und er mit dem Hinweis abgefertigt wurde, so er ernst genommen werden wolle und er es sich nicht verscherzen wolle, solle er solch einen Entwurf nicht noch einmal vorlegen. Soviel zum Schwarzsehen. Dennoch freue ich mich, wenn Studierende oder Studierte gegensätzliche Erfahrungen machen und erleben durften.


    Stuttgart und Weimar scheinen durch das Bauhaus auf alle Zeit modernistisch verseucht zu sein... :augenrollen::boese:


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

  • und dies, obwohl das bauhaus in stuttgart nie ansässig war, im gegenteil: die dortige schule schmitthenners und bonatz`gilt manchen noch heute geradezu als DER gegensatz der architektenausbildung im deutschland der zwischenkriegszeit. aber wir schweifen ab.

  • Die Zeiten Schmitthenners sind aber wohl sehr lange vorbei. Dann könnte man auch gleich vom "Alten Dessauer" erzählen. Ich habe mal vor einiger Zeit eine Präsentation von Arbeiten junger Architekturstudenten aus Stuttgart miterlebt. Es waren alles liebe Leute, aber was sie zeigten und von sich gaben, war wie geklont. Alle weitgehend mit dekonstruktiven oder grob-kubigen Modellen vertreten, erzählten sie stets von "Transparenz" und "Offenheit" usw. Und selbst eine ebenfalls die Schau begutachtende Dame, die modernistischer Architektur sicherlich positiver gegenüberstand als ich, meinte dann nach einer Weile genervt zu den Studenten: "Das haben wir ja jetzt alles schon mehrfach gehört. Gibt es nicht noch etwas anderes?"