• Ich glaube Stralsund haben eine ähnliche Zerstörungsgrad als Lübeck - ich denke um 20 - 30 Prozent aber vielleicht irre ich mich!

  • Wenn ihr es ganz genau wissen wollt: 16 % der Altstadthäuser wurden 1944 zerstört. Besonders betroffen war die o.g. Semlower Straße und jeweils einzelne Flecken in deren Nähe (das Rathaus und die Nikolaikirche mit ihren einmaligen Kunstschätzen hatte ein riesen Glück). Insgesamt gab es im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Städten keine hektargroßen Flächen, die komplett ausradiert wurden. Die entstandenen Lücken wurden für DDR-Verhältnisse insgesamt gut (Stil der "Nationalen Bautradition") wiederaufgebaut, und die wenigen Plattenbauten mit Giebel fallen auch nicht unangenehm auf. Derzeit gibt es nur noch eine Kriegsbrache direkt vor der Jakobikirche. Die o.g. Mühlenstraße war gar nicht von Zerstörungen betroffen, sie gehört zu den schönsten Bauensembles der Stadt.

    Meinem Eindruck nach fallen die Zerstörungen beim Gang durch die Stralsunder Innenstadt heute kaum noch auf, das Stadtbild wirkt insgesamt sehr geschlossen, harmonisch und hanseatisch. Und im Gegensatz zu Lübeck gibt es hier auch keine 70er-Jahre-Kaufhausklötze, Parkhäuser und offensichtliche Billigarchitektur.

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Baden- und Mühlenstraße ja, aber Langenstraße? Schaut eher bescheiden und zerrüttet aus.

    Schrieb ich Langenstraße? Meinte natürlich die parallel verlaufende Frankenstraße.


    DAS Stralsunder Motiv ist aber wohl immer noch die Badenstraße nach Westen.

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    Auch heute noch, und von unten.

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    Und da es gerade in einen Galeriebeitrag ausartet, hier noch meine eigentliche Lieblingsstelle in HST, nämlich die Einmündung der Schillstraße in die Fährstraße.

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    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Und da es gerade in einen Galeriebeitrag ausartet, hier noch meine eigentliche Lieblingsstelle in HST, nämlich die Einmündung der Schillstraße in die Fährstraße.

    Tatsächlich auch mein Lieblingsort! Nicht nur weil zwei der Giebelhäuser eng mit meinem Stammbaum verwoben sind...

    Einfach sehr pittoresk und idyllisch, diese Gabelung mit dem kleinen Brunnen in den sonst recht geradlinig verlaufenden Altstadtstraßen.
    Und das Hotel Scheelehof ist einfach nur erstklassig und wunderschön saniert - unbedingt mal reingehen und die Dielen bewundern!

  • Ein große Freude für Orgel-Fans:

    Die Mehmelorgel von St. Jakobi in Stralsund ist seit 2020 vollständig rekonstruiert! Eine wundervolle Barockorgel im Herzen der Welterbe-Altstadt. :)

    Das ist vor allem dem Engagement des Bürgerkomitees Stralsund zu verdanken, dem ich mich mehrere Jahre angeschlossen habe. Und natürlich den vielen privaten Spendern wie auch der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.


    Sie war im Februar 2021 schon Denkmal des Monats des Landes Mecklenburg-Vorpommern:


    https://www.kulturwerte-mv.de/…nd-hat-wieder-eine-orgel/

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    Hans-Jörg Gemeinholzer, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons


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    Hans-Jörg Gemeinholzer, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons


    Weitere Bilder, auch aus der Reko-Phase: https://commons.wikimedia.org/…ry:Mehmel-Orgel_Stralsund

  • Das Haus Neuer Markt N°11 verfällt leider seit einiger Zeit.

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    Die aus Ruinen neu aufgebauten Häuser in der Böttcherstraße. Ideal ist etwas anderes, aber m. E. recht anständig geworden.

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    Und dann noch ein kurz vor der Fertigstellung stehender Neubau (Lückenfüller) in der Knieperstraße.

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    Wer nicht wusste, wo das ist, weiß es jetzt.

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    (Immanuel Kant)

  • Die aus Ruinen neu aufgebauten Häuser in der Böttcherstraße. Ideal ist etwas anderes, aber m. E. recht anständig geworden.

    Tut mir leid, aber: nein, das ist nicht anständig geworden. Das ist absolut grauenhaft. Die neuen Fassadenteile sind plump und zerstören komplett die Proportionen der erhaltenen Fassadenteile. Sie sehen aus, als würden sie die erhaltenen Fenster bewusst nach oben hin abschneiden. Wer immer das entworfen hat, hat das ästhetische Gespür eines sehbehinderten Nilpferds. Wenn die ergänzten Teile nur 30 cm weiter oben angesetzt hätten, wäre es völlig o.k. - aber so?!

  • Tut mir leid, aber: nein, das ist nicht anständig geworden. Das ist absolut grauenhaft.

    Dann weißt Du offenbar nicht, was grauenhaft ist. Schau Dich doch mal ein wenig um in der Welt der Neu- und Ergänzungsbauten, da gibt es allein in HST in den letzten Jahren tatsächlich Derartiges.

    Ich hätte mir auch einen Streifen wieder aufgesetzter rekonstruierter Fassade, zumindest über den Fenstern, gewünscht, aber das Ergebnis rechtfertigt in der Gesamtschau sicherlich nicht deine apodiktische Aussage.

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    (Immanuel Kant)

  • Ich bin oft an den Häuschen in der Böttcherstraße vorbeigegangen und fand diese sanierten Fassadenteile sehr romantisch, in Erwartung einer pittoresken Wiederaufbaulösung in der Zukunft. Diese Chance wurde sehr plump vertan. Gut, dass hier nun neues Leben eingekehrt ist, aber an den Gebäuden wird man unbedingt nachbessern müssen.
    Zu ihrem Vorteil gereicht, dass sie in einer eher unbedeutenden Nebengasse stehen. (Anders als der Neubau in der Knieperstraße, der für diesen wichtigen Standort viel zu plump daherkommt mit seinem Flachdach, atypischen Klinker und mangelnder Fassadengliederung.)


    Vom Bauherren an der Böttcherstraße hatte ich mir auch mehr erhofft, immerhin hatte er das durchaus altstadttaugliche postmoderne Bauprojekt für das "Stammhaus Zahlmann" am Apollonienmarkt umgesetzt. Zumindest, wenn es beim gleichen Eigentümer und Bauherren dort blieb.


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    Klugschnacker, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

  • Jetzt könnt ihr wieder vom Sofa aus richtig draufhauen, es kommen weitere Neubauten.


    Es geht in die Heilgeiststraße - zunächst ein Hotelneubau in der N°44/45. Na ja, geht so - kann man natürlich aber auch viel kritischer sehen.

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    =>Visualisierungen des Baus

    =>Vor Okt. 1944 mal auf dem Grundstück


    Richtung Jacobi ist noch ein weiteres großes Lückengrundstück.

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    Auf dem Weg liegt der sehr schöne Bau Heilgeiststraße N°40/Jacobichorstraße, der 1996/97 fertiggestellt wurde.

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    Die Neubauten Ecke Jacobiturmstraße hatte ich schon vor Jahren gezeigt.

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    Und dann noch ein kleiner Neubau in der Jacobiturmstraße N°6.

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  • Jetzt könnt ihr wieder vom Sofa aus richtig draufhauen, es kommen weitere Neubauten.

    Sei nicht gleich eingeschnappt, das APH ist kein Ponyhof. Du brauchst ein Skelett aus Stahlbeton und dazu eine gut gedämmte Fassade ;)

    Wer immer das entworfen hat, hat das ästhetische Gespür eines sehbehinderten Nilpferds.

    Damit tut man diesen Tieren womöglich Unrecht. Immerhin ist über das ästhetische Empfinden der Nilpferde recht wenig bekannt, zu schweigen von dem ihrer sehbehinderten Artgenossen.

  • Und noch mal viele noch nicht gezeigte Stralsunder Neubauten der jüngsten Zeit zur Kontemplation.


    Mühlenstraße N°24a & 24 zwischen Kütertor und dem Kampischen Hof.

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    Vor dem Semlower Tor zwischen Fischmarkt und Wasserstraße.



    Badenstraße zwischen Fischmarkt...


    ...und Wasserstraße.


    Weiter die Badenstraße stadteinwärts zwischen Wasserstraße...


    ...und Mauerstraße.

    ==> http://itg-peg.de/2016/02/29/quartier-14/


    Dann die "Sieben Stadthäuser" von der Wasserstraße.


    Ausgang der Gasse ("Die Buchte") an der Heilgeiststraße.


    Die Seite zum Fischmarkt gegenüber der Kron-Lastadie.


    Als letzte Sache die vor einigen Jahren entstandene Bebauung links des Polizeipräsidiums an der Böttcherstraße/Filterstraße.

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    (Immanuel Kant)

  • Schade dass das schon vor etlichen Jahren angekündigte "Quartier 33" auf der Fläche des Parkplatzes vor der Jacobikirche nicht in die Gänge kommt. Es wird wohl weiterhin um die Details gerungen.

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Das war früher bei Brandwänden ja oft der Normalfall. Für heutige Augen eher ungewohnt.



    Insgesamt mag ich die formale Ruhe der meisten Stralsunder Neubauten der letzten Jahre durchaus.
    Manches sieht mir aber zu vorstädtisch-baumarktmäßig aus, was sicher durch die Materialwahl, die fehlenden Details und die unambitionierten Fenster-, Sockel- und Dachgestaltungen kommt. Zu wuchtige Dachgauben, fade Putz- und Klinkerfassaden ohne Struktur (am schlimmsten mit WDVS), atypische Fenster mit zu wenig Gliederung, usw.

    Bei den beiden Bauten vor dem einstigen Semlower Tor (was unbedingt rekonstruiert gehört) denke ich mir: Flachdachwürfel und Riemchenchaos am Eingang zur Altstadt, das muss doch wirklich nicht sein.

    Im Grunde müssten die liebevoll gestalteten Neubauten in der Frankenstraße der Maßstab im zentralen Bereich der Stadt sein. Leider wurden zu viele Grundstücke v.a. im Hafenbereich an größere Projektentwickler vergeben, die nicht so viel Wert auf Detailverliebtheit und Materialien mit Anmut legen. Die Ergebnisse sind okay, aber nicht wirklich besser als die der Postmoderne in den 90ern.


    Die "7 Stadthäuser" finde ich hingegen eine städtebauliche Wohltat an der Stelle. Dass man hier den Vorkriegsgrundriss ziemlich genau rekonstruiert hat mit den Neubauten finde ich hervorragend. Schlichte Gestaltung, aber durch die Kleinteiligkeit pittoresk wie früher.

    Man sollte Haus 1 und 3 noch mit den Fensterläden ausstatten, welche in der Visualisierung versprochen wurden. Auf die Häuser 5-7 an der Wasserstraße bin ich auch noch gespannt.

  • Das war früher bei Brandwänden ja oft der Normalfall. Für heutige Augen eher ungewohnt.

    Früher waren solche Brandwände aus Backsteinen. Die hier zu sehende Wand ist aus Blockziegeln. Das macht einen erheblichen ästhetischen Unterschied.

  • Fläche des Parkplatzes vor der Jacobikirche

    Eine alte Aufnahme der Jacobiturmstraße mit dem Abschnitt vor der Kirche.


    [...] dem einstigen Semlower Tor (was unbedingt rekonstruiert gehört).

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    Hier ist es von der Stadtseite im Modell dargestellt.

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    Bildquelle: Wikimedia, Urheber 'Horst-schlaemma', gemeinfrei


    Man erkennt, dass die alte Bruchstelle (im oberen Bild rechts) wohl an der Innenseite des Außentores ist. In dieser Montage ist es dann wohl nicht richtig gemacht worden, zumal dort die Hafenseite zugewandt ist.


    Ein Bild aus einer Ausstellung in der Jacobikirche, das die vorübergehende Sicherung des Tores vor 1950 zeigt.


    Und noch ein nette Pinselei aus dem Frühstücksraum meiner Unterkunft.

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    (Immanuel Kant)