Wiederaufbau Frankfurter Altstadt (Areal Techn. Rathaus)

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Nochmal ein Beitrag zur Debatte (der Artikel ist hinter einer Bezahlschranke):

      faz.net schrieb:

      „Traumwelt“ oder „peinlich“?:
      So finden die Architekten die neue Frankfurter Altstadt
      Ist das Viertel „retro“ und Ausdruck einer reaktionären Haltung? Oder vielleicht einfach nur schön? Architekten sagen, was sie von der Frankfurter Altstadt halten.

      Mit zweierlei Maß

      Anfangs war ich ein Gegner der neuen Altstadt, sie schien als Projekt finanziell irrsinnig und von der früheren Oberbürgermeisterin Petra Roth nur aus Populismus aufgesetzt. Neugierig habe ich ihre Entwicklung beobachtet und mir schien, dass die Projektleitung und die Generalplaner Schneider + Schumacher vieles richtig gemacht haben. Gerade das Herzblut, das bei Hunderten Planern und Handwerkern geflossen ist, war überzeugend. Und das Ergebnis habe ich auf meinem täglichen Weg zum Schaumainkai zu allen Uhrzeiten durchschritten. Die Rekonstruktionen wirken zwar wie etwas frische Renovierungen, aber selbstverständlich.

      Die Neubauten sind teils herausragend, wie das kleine Haus Markt 10 von Morger Dettli, teils banal wie einige Nachbarbauten. Es ist besonders städtebaulich gelungen. Daher habe ich auch den Aufruf nicht unterschrieben, der zur Solidarität mit meinem Freund Stephan Trüby aufrief, nachdem sein F.A.Z.-Artikel so großen Protest entfachte. Er hatte Fans der Altstadt politische Naivität unterstellt, weil unter anderen ein Rechtsradikaler bei der politischen Entstehung beteiligt war. Leider wird in unserer Szene mit zweierlei Maß gemessen. Da werden nur politisch korrekte Rekonstruktionen der Moderne, wie der Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe akzeptiert.
      [...]
      faz.net/aktuell/rhein-main/arc…er-altstadt-15612205.html

      Allerdings ist Markt 10 nicht von Morger Dettli sondern von Ey Architektur. Markt 30 ist von Morger Dettli ("Hundehütte").

      Auch im Ausland wird berichtet (wer des Italienischen mächtig ist, möchte bitte kurz den Tenor des Artikels beschreiben):

      lastampa schrieb:

      Così falso da sembrare autentico. Rinasce il centro di Francoforte
      Dopo otto anni di lavori inaugurata la ricostruzione del quartiere medievale della città

      [...]
      lastampa.it/2018/05/11/societa…hLs9bKUB7AjhI/pagina.html
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von thommystyle™ ()

    • Auch wenn ich vorerst keine klassischen Galerien mehr mache, möchte ich trotzdem etwas zur Frankfurter Altstadt sagen, die ich mir am Wochenende vor Ort angeschaut habe und wo ich die Chance nutzen möchte, in der Folge einige Bauten nach unterschiedlichen Kriterien zu besprechen, denn es gibt extrem viele Themen, die man anhand der neuen Frankfurter Altstadt erörtern kann und wo es sich lohnt, auch mal in die Details zu gehen.
      Zunächst möchte ich sagen, dass der Ansturm so extrem krass war, dass man kaum drei Schritte gehen konnte. Es war also grenzwertig voll. Und das, obwohl noch kein einziger Laden geöffnet hatte. Also allein dahingehend ist die Altstadt ein unglaublicher Erfolg. Egal ob alt oder jung, die Altstadt war von allen Gruppen sehr stark besucht und interessant war, den Menschen zuzuhören, denn eins habe ich so noch nie erlebt, es wurde diskutiert und diskutiert und das in fast alles Fällen überwältigt positiv, viele konnten es nicht glauben, was her entstanden ist. Es gab hier kaum jemanden, der nicht fotografiert hat und gerade viele junge Leute, denen man es optisch nicht zutraute, waren hier fleißig beschäftigt.
      Egal wie man zu dem Projekt steht, es hat auf jeden Fall eines erreicht, dass Leben in der Innenstadt ist und dass die Menschen darüber reden und sich für Architektur interessieren. Und das ist doch wunderbar. :thumbsup:

      Ich habe dann einige Zeit damit verbracht, das neue Quartier, was doch irgendwie kleiner ist als gedacht, zu studieren und man kommt zu wie ich finde sehr differenzierten Ansichten. Das Projekt ist auch ideal, um an ihm und mit ihm weiter zu lernen.

      Als erstes möchte ich die meiner Meinung nach besten Rekonstrutionen im Quartier würdigen. Ich bin kein Fachwerkexperte und meine Bewertung richtet sich folglich nicht danach, ob jedes Detail am richtigen Platz ist, sondern wie der Bau auf mich wirkte und als wie authentisch ich ihn gefühlsmäßg wahrgenommen habe.

      1. Platz: Es wird niemanden überraschen, aber trotzdem sei es eindeutig ausgesprochen, die Goldene Waage ist der mit Abstand gelungenste Rekonstruktionsbau auf dem Areal. Die besondere Stellung, die der Bau bereits in der Vergangenheit hatte, wurde zum Glück mit so viel Liebe, Expertise und Sachverstand, aber auch mit einer ganzen Menge Geld so umgesetzt, dass der Bau bereits heute nicht als Rekonstruktion wirkt (was nicht bei jedem der Bauten so war), sondern als vollwertiges, authentisch wirkendes Zeugnis einmaliger Handwerkskunst.


      Ja, das Problem mit der Verschattung ist etwas ärgerlich und ich finde, bei allen Qualitäten des Stadthauses ist der Einschub zum Dom mehr als überflüssig gewesen, weil er die Goldene Waage so unnötig im Gefüge des neu entstandenen Platzes bedrängt. Trotzdem bleibt die Qualität dieses Baus und die ästhetische Würde gerade durch das nebeneinander der beiden Bauten unberührt.

      Die Baudetails sind magisch, ich kann mich nicht entsinnen, wann so etwas in dieser Qualität zuletzt gebaut wurde. Man muss hier auch Herr Jourdan ein riesiges Kompliment machen, der seiner Aufgabe so gut nachgekommen ist, dass man sich wünscht, dass diese Expertise nun weiter genutzt wird.








      Die Goldene Waage, die nun endlich wieder den Weg zurück in die Altstadt gefunden hat.





      Im Vergleich zu den zwei erhaltenen Fachwerkbauten am Römer lässt sich kein qualitativer Unterschied im Vergleich zur Goldenen Waage feststellen. Obwohl sie nagelneu ist, wirkt sie organisch und nicht übertrieben "korrekt". Man kann sich den Bau stundenlang anschauen und entdeckt trotzdem immer wieder Neues. Der Bau ist ein ästhetischer Hochgenuss. Man weiß nun, warum die Goldene Waage bereits vor dem Krieg zu DEN Fotomotiven der Mainmetropole zählte. Aus meiner Sicht die beste Reko im gesamten Areal!
      APH - am Puls der Zeit

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Apollo ()

    • Mein Platz 2 geht an das "Goethehaus", also das Haus der Tante Melber (Hinter dem Lämmchen 2, Esslinger).


      Die Fassade machte einen sehr authentischen und gewachsenen Eindruck. Die gesamte Zeile "Hinter dem Lämmchen" ist sehr hochwertig ausgeführt, aber von allen vier Bauten machte die Nummer 2 den besten Eindruck.




      Besonders schön war, dass man sieht, dass das Holz arbeitet. Nein, ich empfinde es nicht als Mangel, im Gegenteil, es gibt dem Haus Charakter und zeigt die Würde der Materialität.
      APH - am Puls der Zeit
    • thommystyle™ schrieb:

      Nochmal ein Beitrag zur Debatte (der Artikel ist hinter einer Bezahlschranke):

      Mit zweierlei Maß
      Das Zitat oben stammt von Peter Cachola Schmal, Leiter des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt. Dass er von seinem "Freund Stephan Trüby" schreibt, legt die Vermutung nahe, dass Trüby aus dieser Quelle erst die internen Informationen für seine seinerzeitigen Anwürfe erhalten hat. Das haben die hiesigen Altstadt-Freunde aber auch schon vorher angenommen. :zwinkern:

      Doch etwas anderes.

      In der FAZ erschien heute der Artikel "Umfeld der neuen Altstadt" im Blick. In diesem wird die Haltung des sozialdemokratischen Planungsdezernenten Mike Josef (und sicherlich auch von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD)) deutlich. Weitere Rekonstruktionen werden abgelehnt. Eventuell offen steht man aber einigen Neubauten gegenüber, die weitere Rekonstruktionen verhindern würden.

      Zitate: "Seit die neue Frankfurter Altstadt weitgehend
      fertiggestellt ist, häufen sich in der Stadt Rufe nach weiteren
      Rekonstruktionen, etwa der Paulskirche und des Schauspielhauses.
      Für die Wiederherstellung dieser beiden Großbauten
      haben sich Bürgerinitiativen gebildet (...) Die Schreiben von Bürgern, die
      derzeit zahlreich im Römer eingehen, deuten dem Vernehmen
      nach darauf hin, dass sich viele Frankfurter eher weitere Projekte
      nach dem Vorbild des Dom-Römer-Areals wünschen, also
      nicht den Wiederaufbau von Leitbauten, sondern von kleinteiligen
      Quartieren.
      Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zeigt
      sich angesichts dieser Entwicklungen verhalten. Mit Blick auf
      das Schauspielhaus verweist sein Sprecher auf die Zuständigkeit
      von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), lässt aber erkennen,
      dass Josef einen Wiederaufbau des Hauses, wie es sich
      von 1902 bis zur Kriegszerstörung (und in Teilen noch bis
      1960) präsentiert hat, für abwegig hält. Dass er die Wiederherstellung
      des Vorkriegszustands im Inneren der Paulskirche ablehnt,
      hat Josef schon zuvor erkennen lassen (...)

      Mit Blick auf die neue Altstadt spricht Josef ausdrücklich von
      einer „einmaligen Geschichte“; seiner Meinung nach würde ihre
      Wirkung geradezu geschwächt, wenn man in der Nähe ein
      zweites, ähnliches Vorhaben anginge. Aus den maßgeblichen
      Fraktionen im Römer ist denn auch noch keine entsprechende
      Forderung laut geworden (...)
      Das Planungsdezernat will gleichwohl die große Attraktivität
      der neuen Altstadt nutzen, um die Umgebung aufzuwerten und
      die Besucher auch in andere Teile der Stadt zu locken. (...)
      Nach Auskunft des Planungsdezernats ist es auch denkbar, die
      Areale rund um die neue Altstadt durch einzelne Neubauten zu
      arrondieren, um ein geschlosseneres Stadtbild zu erreichen.
      Vor einigen Jahren hat der städtische Wohnungskonzern ABG
      Holding an der Großen Fischerstraße das Projekt „Wohnen am
      Dom“ realisiert. Dort ist nach dem Entwurf von Christoph
      Mäckler ein Doppelhaus mit steilen Satteldächern entstanden,
      das die Typologie historischer Bauten an dieser Stelle aufnimmt,
      im Übrigen aber modern gehalten ist. (...)"

      Durch diese Äußerung eines politischen Entscheidungsträgers sollte den Traumtänzern im APH-Forum wohl bewusster werden, wie die realpolitische Lage ist. Dieser werden sie, allen euphorischen Ideen zum Trotz, nicht entgehen können.
    • Mein Platz drei geht an die restliche Häusergruppe "Hinter dem Lämmchen" aus "Klein Nürnberg", "Goldenes Lämmchen" und "Alter Esslinger". Nach meinem Eindruck kann man hier keinen der drei als besser oder schlechter herausgreifen, alle waren von sehr solider Qualität, wobei ich anmerken muss, dass gerade die rekonstruierten Putzbauten es deutlich schwerer haben, autentisch zu wirkenim Vergleich zu den Sichtfachwerkbauten, zumindest was die Bauten im Innere des Quartiers angeht (hier gibt es einen bedauerlichen Ausnahmefall).
      Die gesamte Nordfront wirkt aufgrund des schönen Mixes der Individualbauten sehr dominant, so dominant, dass man , wie es ein Vorreder schon angemerkt hat, die Südseite gar nicht wahrnimmt. Man muss sich fast zwingen, auf die andere Seite zu schauen, weil die Nordseite so extrem stark wirkt.
      Der Alte Esslinger hat mir schon immer gefallen, die Bauausführung ist sehr gut gelungen.








      Goldenes Lämmchen - die Putzbauten haben es noch etwas schwieriger, nicht zu neu zu wirken. Allerdings wirken die Farben bei allen Gebäuden sehr stimmig, mit der Zeit und mit etwas Patina wird das ganze die aktuell noch etwas cleane Optik verlieren. Aber gerade beim Goldenen Lämmchen ist das "Altstadtfeeling" schon sehr groß.











      Klein Nürnberg - der Bau kommt noch etwas neu daher, aber er ist allein aufgrund seiner Präsenz durch den Giebel so beeindruckend schön, dass ma auch hier nur die Zeit abwarten muss, bis er sich etwas mehr im Gesamtbild zurücknimmt. Die neuen Farben machen den Bau doch etwas sehr präsent, aber das wird sich legen.









      Insgesamt ist die gesamte Nordseite ein Paradebeispiel für das alte Frankfurt, wie es einmal war. Hier hat man insgesamt 5 Rekos nebeneinander, so viele wie sonst nirgends auf dem Areal und das merkt man natürlich. Die Vergangenheit konnte eben oft Ensembles und starke Einzelbauten in einem schaffen. Hier ist das exemplarisch ablesbar. Hinzu kommt eine gute bis sehr gute Bauausführung. Den Rest erledigt die Zeit.
      Eins ist mir aber dann doch aufgefallen, am eklatantesten beim Rebstock, weil er einfach die größte Länge aufweist. Was leider fast allen Bauten fehlt sind die historischen Decken. Ich weiß, Holzdecken gehen heute nicht mehr. Aber dieses leicht schiefe, was man auch in Lübeck bei den Giebeln sieht,gibt gerade den Fachwerkbauten den besonderen Charme. Gerade die Decken bei Fachwerkbauten hingen immer etwas durch. Dieses lebendige Spiel geht den Rekos leider völlig ab, die Geschosse sind alle wie mit der Linie gezogen, das ist so ein Detail, was mir nicht so gefallen hat.
      Aber das ist Jammern auf extrem hohen Niveau.
      Die vor Rekos "Hinter dem Lämmchen" sind in der Summe spitze!
      APH - am Puls der Zeit
    • Heimdall schrieb:

      In der FAZ erschien heute der Artikel "Umfeld der neuen Altstadt" im Blick. In diesem wird die Haltung des sozialdemokratischen Planungsdezernenten Mike Josef (und sicherlich auch von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD)) deutlich. Weitere Rekonstruktionen werden abgelehnt. Eventuell offen steht man aber einigen Neubauten gegenüber, die weitere Rekonstruktionen verhindern würden.

      Zitate: "Seit die neue Frankfurter Altstadt weitgehend
      fertiggestellt ist, häufen sich in der Stadt Rufe nach weiteren
      Rekonstruktionen, etwa der Paulskirche und des Schauspielhauses.
      Für die Wiederherstellung dieser beiden Großbauten
      haben sich Bürgerinitiativen gebildet (...) Die Schreiben von Bürgern, die
      derzeit zahlreich im Römer eingehen, deuten dem Vernehmen
      nach darauf hin, dass sich viele Frankfurter eher weitere Projekte
      nach dem Vorbild des Dom-Römer-Areals wünschen, also
      nicht den Wiederaufbau von Leitbauten, sondern von kleinteiligen
      Quartieren.
      Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zeigt
      sich angesichts dieser Entwicklungen verhalten. Mit Blick auf
      das Schauspielhaus verweist sein Sprecher auf die Zuständigkeit
      von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), lässt aber erkennen,
      dass Josef einen Wiederaufbau des Hauses, wie es sich
      von 1902 bis zur Kriegszerstörung (und in Teilen noch bis
      1960) präsentiert hat, für abwegig hält. Dass er die Wiederherstellung
      des Vorkriegszustands im Inneren der Paulskirche ablehnt,
      hat Josef schon zuvor erkennen lassen (...)

      Mit Blick auf die neue Altstadt spricht Josef ausdrücklich von
      einer „einmaligen Geschichte“; seiner Meinung nach würde ihre
      Wirkung geradezu geschwächt, wenn man in der Nähe ein
      zweites, ähnliches Vorhaben anginge. Aus den maßgeblichen
      Fraktionen im Römer ist denn auch noch keine entsprechende
      Forderung laut geworden (...)
      Das Planungsdezernat will gleichwohl die große Attraktivität
      der neuen Altstadt nutzen, um die Umgebung aufzuwerten und
      die Besucher auch in andere Teile der Stadt zu locken. (...)
      Nach Auskunft des Planungsdezernats ist es auch denkbar, die
      Areale rund um die neue Altstadt durch einzelne Neubauten zu
      arrondieren, um ein geschlosseneres Stadtbild zu erreichen.
      Vor einigen Jahren hat der städtische Wohnungskonzern ABG
      Holding an der Großen Fischerstraße das Projekt „Wohnen am
      Dom“ realisiert. Dort ist nach dem Entwurf von Christoph
      Mäckler ein Doppelhaus mit steilen Satteldächern entstanden,
      das die Typologie historischer Bauten an dieser Stelle aufnimmt,
      im Übrigen aber modern gehalten ist. (...)"

      Durch diese Äußerung eines politischen Entscheidungsträgers sollte den Traumtänzern im APH-Forum wohl bewusster werden, wie die realpolitische Lage ist. Dieser werden sie, allen euphorischen Ideen zum Trotz, nicht entgehen können.
      Oha, beinahe wäre dieser wichtige Beitrag mit einem bemerkenswerten Inhalt hier im Strang untergegangen. Josef stellt sich, wie schon zuvor in den letzten Monaten, gegen weiter Rekos. Doch offensichtlich ist jetzt das Umfeld der Altstadt in den weiteren Fokus geraten. Das ist bemerkenswert, denn ein "wir verändern da nichts mehr" hört sich anders an. Die zweite bemerkenswerte Meldung ist, dass die Bildung der BI Schauspielhaus und die vielen Eingaben und Briefe an die Stadt bezüglich weiterer Rekos wohl jetzt zum ersten Mal wahrgenommen wurden und auch (sogar in den Medien) artikuliert wurden.
      Im Herzen von Europa Frankfurt am Main
    • Heimdall schrieb:

      ...die Areale rund um die neue Altstadt durch einzelne Neubauten zu
      [/i]
      arrondieren, um ein geschlosseneres Stadtbild zu erreichen.
      Vor einigen Jahren hat der städtische Wohnungskonzern ABG
      Holding an der Großen Fischerstraße das Projekt „Wohnen am
      Dom“ realisiert. Dort ist nach dem Entwurf von Christoph
      Mäckler ein Doppelhaus mit steilen Satteldächern entstanden,
      das die Typologie historischer Bauten an dieser Stelle aufnimmt,
      im Übrigen aber modern gehalten ist. (...)"
      Ich finde diese Bauten eher lustig. Ich verstehe nicht was das soll entweder man baut "modern" dann aber richtig oder man baut "alt" und dann bitte aber eine möglichst detailgetreue Rekonstruktion.
      Ein spitzes Satteldach macht noch lange kein "geschlossenes Stadtbild"

      Das ärgert ja auch beim neuen Areal. Viele NICHT-Rekonstruktionen (nicht alle!) sehen aus wie verkleidete Altstadthäuser anstatt komplett eigenständig zu sein.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kaiserpalast ()

    • Nun, aber das sind natürlich schon Versuche, einer altstadtgerechten, modernen Bauweise, die sich irgendwie in das Areal einzupassen bemüht. Meist sind diese Versuche noch ungelenk. Gelegentlich aber gelingen sie auch.

      Würde es nur die Option zwischen Rekonstruktion oder einer Moderne in Bauhaus-Tradition oder Brutalismus geben, dann hättest Du kein Ensemble, sondern ein Stadtbild jener "Brüche" und "Kontraste", die manche Denkmalschützer und Architekten propagieren.

      Dann stünde ein "Würzgarten" oder eine "Tante Melber" als Solitär neben solchen Häusern, wie sie ja zur Zeit in Laufnähe, aber zum Glück in einer Hinterhofsituation, gebaut werden.

      Das kann nicht das Ende vom Lied sein, andernfalls wäre die Rekonstruktionsbewegung wirklich nur eine rein rückwärts gewandte Bewegung einiger Liebhaber, die aber keine zukunftsweisende Vision hätte. Es geht aber vor allem schon darum, mittel- und langfristig zu einer anderen Baukultur zu gelangen, die sich wieder stärker am traditionellen Erbe orientiert.

      Das wissen übrigens die Hardcore-Ideologen der Architektur-Hochschullehrer ganz genau. Wenn es wirklich nur um ein paar wenige Rekonstruktionen ginge, könnten sie die Nase rümpfen, sich einen über das "Disneyland" lachen und zum Tagesgeschäft übergehen. Das ist aber nicht so. Ihre Aggressivität im Streuen von Vorwürfen und Beschuldigungen resultiert aus ihrer Ahnung und Furcht, dass da etwas weit größeres, bedeutenderes entstehen könnte.
    • Also bei einigen hier hat man echt den Eindruck, sie fühlen sich in ihrer selbstgebastelten Opferrolle viel zu wohl. Unglaublich was für ein Fatalismus teilweise vermittelt wird.
      Mein Gott, was erwartet ihr denn von den Politikern? Dass sie selbst mit weiteren Rekonstruktionsideen kommen? Auch der damalige Planungsdezernent Schwarz, der ungewollt erst dieses Projekt hier ermöglicht hat, war alles andere als ein Freund von richtigen Rekonstruktionen, was er auch mehrfach in diversen Interviews zum Ausdruck gebracht hat. Und trotzdem haben wir jetzt dieses Ergebnis, weil es sich eben doch lohnt sich zu engagieren, auch wenn es auf den ersten Blick aussichtslos erscheint.
      Aber steckt nur weiter den Kopf in den Sand, glücklicherweise gibt es noch genug Leute die nicht schon von vornhinein kampflos die Waffen strecken.
    • thommystyle™ schrieb:

      Auch im Ausland wird berichtet (wer des Italienischen mächtig ist, möchte bitte kurz den Tenor des Artikels beschreiben):

      lastampa schrieb:

      Così falso da sembrare autentico. Rinasce il centro di Francoforte
      Dopo otto anni di lavori inaugurata la ricostruzione del quartiere medievale della città

      [...]
      lastampa.it/2018/05/11/societa…hLs9bKUB7AjhI/pagina.html
      Mit ein bisschen Sprachkenntnissen und google Übersetzer ist der Tenor: Frankfurt hat wieder Zeugen seiner Geschichte.

      Also zunächst wird Feldmann als der Verfechter des Ganzen dargestellt:
      1.«I cittadini hanno nostalgia delle loro radici storiche e nessun grattacielo, nessun edificio moderno è in grado di generare un’identità urbana collettiva», sostiene il sindaco che dopo infinite discussioni e polemiche è riuscito ad imporsi col suo mega progetto."

      2. Alcuni edifici sarebbero potuti essere salvati con interventi di restauro e ristrutturazione. Ma nel dopoguerra a prevalere sono state le ruspe. La Germania voleva cancellare a tutti i costi il suo passato, anche quello precedente alla dittatura nazista.

      1. Die Bürger sind nostalgisch ihrer historischen Wurzeln und kein Wolkenkratzer,oder anderes modernes Gebäude kann diese kollektive städtische Identität erzeugen“,sagt der Bürgermeister, der nach endlosen Diskussionen und Kontroversen es geschafft hat, sich mit seinem Mega-Projekt zu etablieren/durchzusetzen.

      2. Einige Gebäude hätten durch Restaurierung und Renovierung gerettet werden können.Aber in der Nachkriegszeit setzten sich die Bulldozer durch.Deutschland wollte seine Vergangenheit um jeden Preis aufheben, auch vor der NS-Diktatur.

      Zum Schluss wird nur noch der Rest in Deutschland erwähnt wie das Stadtschloss in Berlin,die Frauenkirche usw. dass FFM also kein Einzelfall ist.
    • Ein bisschen Altstadt Geflüster:

      Es ist doch immer so schön die Menschen in der Altstadt über die Altstadt sprechen zu hören - egal welche, aber JEDER hat eine Meinung dazu und "weiß etwas".

      --> So klopfte eine Frau ca. 50+ am Holz Erdgeschoss des alten Essslingers und sagte: "Seht her, das sind eben historische Teile die sie noch da hatten"

      --> Eine Gruppe Jungs Mitte/Ende 20: Das ist also die authentische deutsche Altstadt - Micheal Jackson hätte es geliebt.

      --> Zwei Mädels Anfang 20 am Fahrrad schieben auf dem Krönungsweg, eine wohl von Frankfurt die andere zu Gast. Gast sagt: "Ist ja erstaunlich dass alle Läden gleichzeitig einziehen - WAS WAR DENN VORHER DA DRIN?" Einheimische antwortet: "Ja nichts, das ist doch alles komplett neu - das stand vorher nicht."

      --> Zwei Frauen rustikal 40+ "Erst dachte ich das werden komische platte Fassaden ich hatte mir ja die Bilder angesehen, aber ich muss sagen jetzt in echt bin ich sehr positiv überrascht"

      --> Mann zu Frau beide ca 50: "Einfach toll, oder? Das hat ja die Frau Roth gemacht!" [Anmerk. ehemalige Bürgermeisterin vor Feldmann]

      --> Im Innenhof von Braubachstraße 17 zwei junge Frauen: Die Fassade sieht aus als hätten sie die Streifen vom Boden [sie meinte das Geriffelte was Sehbehinderten bei der Orientierung am Boden helfen soll] einfach an das Haus geklebt - Naja."

      Das ist schon alles höchst unterhaltsam, wie ich finde.



      Übrigens der Einzug geht gut vorran :)


      Ist das nicht süß? Der Krönungs cclap:) Weg. Und bei Tantchen Melber gehen die Fenster nach außen auf!


      Da ja auch in diesem Strang immer wieder das Salzhaus fällt, wollte ich mal vorstellen was es vom echten Salzhaus tatsächlich noch/wieder "im Stadtbild" zu entdecken gibt.

      Abgesehen vom steinernen Erdgeschoss sind ja auch in dem Aufbau 4 Holztafeln integriert und neue "Spolien" (nennt man das bei Holz auch so ?) befinden sich im neuen HistorischenMuseum. Diese sind auch von Außen durch das Fenster zu sehen und stehen in Blickbeziehung mit dem Salzhaus.

      Die 4 Tafeln unterhalb der Fenster im 1. OG und die Teile im HistorischenMuseum rechts und links der Fenster im 1. OG.
      Vergleichbar mit diesem Bild: upload.wikimedia.org/wikipedia…haus-Front_Photochrom.jpg

      Wohl existiert ja noch sehr viel mehr , ich würde das nur zu gerne einmal sehen gibt es keine Fotos davon wie es wohl einmal komplett im alten HistorischMuseum ausgestellt war?



      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kaiserpalast ()

    • Heimdall schrieb:

      Durch diese Äußerung eines politischen Entscheidungsträgers sollte den Traumtänzern im APH-Forum wohl bewusster werden, wie die realpolitische Lage ist. Dieser werden sie, allen euphorischen Ideen zum Trotz, nicht entgehen können.
      Die Fakten wurden auch bei der Altstadt maßgeblich von engagierten Bürgern und nicht von Pöstcheneliten geschaffen.
      Insofern sei da mal beruhigt, es wird auch an anderen Stellen weitergehen. Das ist eben ein Prozess von Jahren, bei dem am Ende alle dankbar sind. Am meisten natürlich -wie jetzt bei der Altstadt- SPD und Co.
    • Ich habe da auch eine Frage zur Goldenen Waage: Auf den alten Fotos sieht man mit Blick von der Höllgasse aus, dass die Brandschutzwand zwischen Goldener Waage und dem Nachbarhaus ist. Bei der Rekonstruktion sieht es vor Ort (siehe mein Foto) so aus, als säße die Brandschutzwand auf dem Fachwerk. Weiß jemand mehr?





      Und auch in diesem FAZ-Artikel ist ein gutes Foto, das zeigt, dass die Brandschutzwand neben den äußeren Balken entlang nach oben geht. In der neuen Goldenen Waage sitzt der Brandmauer-Giebel (da fehlende Brandschutzmauer mit Vorsprüngen am Haus entlanglaufend) auf dem äußeren Balken. Oder täusche ich mich?
      faz.net/aktuell/rhein-main/gol…hre-vor-der-14294046.html

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von svuzhohenburg ()