Wiederaufbau Frankfurter Altstadt (Areal Techn. Rathaus)

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    • Neben den vielen extrem gut gelungenen Rekonstruktionen möchte ich auch noch einmal hervorheben, dass mit dem Projekt auch drei hervorragende moderne Bauten entstanden sind. Drei Bauten, die in ihrem Baustil unverkennbar modern und dennoch regional sind - wenn so in Zukunft gebaut wird, dann ist die Moderne Architektur doch nicht ganz verloren.

      Zum ersten ist dies Braubachstraße 23. Mit der Fassade aus rotem Mainsandstein ist es ein unverkennbar Frankfurter Gebäude und würde so weder in Hannover noch Stuttgart stehen können. Die gesamte Fassadenstruktur wirkt auf Fotos wie ein Rendering, so unwirklich und doch so passend. Obwohl es vom Bauvolumen nach dem Rebstock (und dem Stadthaus) das größte Gebäude des Dom-Römer-Projekts ist, fügt es sich doch sehr harmonisch ein - bis auf den Spitzbogen ohne jegliche historisierende Zutat.

      Zum zweiten und dritten sind dies die Gebäude Markt 14 "Neues Paradies" und Markt 10 "Schönau". Auch hier gehören die Gebäude mit ihrer Schieferverkleidung unverkennbar in die Frankfurter Altstadt und haben eine interessante Fassadengliederung, die beide Gebäude spannend wirken lassen. Genau wie bei Braubachstraße 23 ist auch hier bei beiden Bauten das Ergebnis wesentlich überzeugender als die Visualisierungen.

      Markt 40 "Zu den drei Römern" und Markt 8 "Großer Rebstock" sind ebenfalls sehr überzeugende Bauten, orientieren sich jedoch deutlich stärker an historischen Bauformen, weswegen ich sie nicht als Bauten der Moderne einstufen würde. Markt 40 ist jedoch eine äußerst spannende Neuinterpretation eines typischen Frankfurter Altstadthauses und könnte, von den Dachgauben abgesehen, zu jedem Zeitpunkt der letzten 100 Jahre gebaut worden sein - sowas nenne ich zeitlos.

      Was mich daher umso mehr wundert ist, dass alle Architekten die einfallslose Hundehütte so hervorheben. An diesem Gebäude ist doch wirklich überhaupt nichts dran, einfach nur ein Baukörper mit ein paar Fenstern drin. Das ist m.E. nichtmal Architektur, das ist einfach nur gebaut - aber ich habe auch keine Ahnung, habe schließlich nicht Architektur studiert....
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • heinzer schrieb:

      Das Phänomen nennt sich im angelsächsischen Sprachgebrauch "acquired taste" und erklärt sich u.a. durch Gewöhnungseffekte.
      Das ist ein äußerst interessantes Phänomen, über das ich mir sehr oft den Kopf zerbrochen habe und vermehrt den Kopf zerbreche, vor allem im nichtarchitektonischen Bereich:


      Ist man geschmacklich weiterentwickelt oder einfach nur meschugge geworden, wenn einem so etwas gefällt?
      Ich finde indes nicht, dass sich derartige Überlegungen auf das moderne Bauen übertragen lassen.
      Das oben verlinkte Stück ist ein komplexes Stück. Keiner kann es nachsingen, oder sich im Geiste genau vorstellen.
      Bier ist ein komplexer Geschmack, jeder der Bier liebt, wird einen Sprite-Radler als "banal" empfinden.
      Das Schlimme an der zeitgen. Architektur ist ihre lähmende Banalität. Hier sind die Fronten verkehrt. Nicht das Alte, vermeintlich Überkommene ist überschaubar-banal, das Gegenteil ist der Fall wie bei den FF FWHern, sondern das Neue.
      Bei der Architektur sollte man eher von Abstumpfung des Geschmacks reden, nicht von (positiver) Fortentwicklung durch Gewöhnung (=Lernen).
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Es ist wohl die vorherige Indoktrination an den Ausbildungseinrichtungen entscheidend. Architektur ist ein Massenfach. Diejenigen mit einer inneren Überzeugung zur Bautradition können froh sein, wenn sie die "Prüfungen" beziehungsweise Gesinnungsnachweise bestehen. Viele geben auf. Die anderen, die leeren Gefäße, die sich beliebig auffüllen lassen, schließen dagegen mit Bestnoten ab. Die wirken dann wie die Ableger des ewig gleichen "Unkrauts", die alles andere ob ihrer Masse und Wachstumsrate ersticken.

      P.S. Ich entschuldige mich bei allen "Unkräutern" (gibt es gar nicht) für das schiefe Bild. Ich weiß, dass jedes Kraut seinen Platz hat und positiv für das große Ganze wirkt, solange der Mensch nicht vorher wütet.
    • Auch nach einer Woche bin ich der Meinung das die Neubauten in das Areal passen. Irgendwie schlummert in mir noch der Gedanken, dass man ohne Kriegszerstörungen usw. bei Neubauten in diese Richtung gegangen wäre, aber ein Markt 16 „Kleines Seligeneck“bringt mich in die Realität zurück. Die Stadtplanung ab 1850 und später das „Neue Frankfurt“, hat und hätte die Altstadt genauso zerstört wie der Krieg und die 1950/70er. Alleine in den letzten 150 Jahre sind so viele verschiedene Moden über die Stadtplanung und Architektur gekommen das die Altstadt wie wir sie kennen, also derkurze Augenblick zwischen ca. 1870 – 1944, sich in Luft aufgelöst hätten. Man muss nur mal einen Blick auf den Goetheplatz in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werfen und wie er sich in ein paar Jahre verändert hat. Also lasst uns einfach freuen das Leute wie Trüby und FR/FAZ Schreiberlinge auf ein paar tausend Quadratmeter verloren haben.
    • FAZ-Artikel "Wir waren schon weiter" faz.net/aktuell/rhein-main/deb…er-altstadt-15587280.html
      Zitate:
      zum BFF-Antrag "...im Antragstext ist keine Spur von rechtsradikalen Ideologemen zu erkennen."
      "...Und weil Hübner Positionen vertrat, die nach heutigen Maßstäben als rechts gelten, obwohl sie wenige Jahrzehnte zuvor noch CDU-Mainstream gewesen waren, wurde er vor allem von SPD und Grünen kurzerhand für rechtsradikal erklärt."
      Stadtbild Deutschland e.V. Ortsverband Frankfurt am Main de-de.facebook.com/stadtbildfrankfurt/
    • Solange der verlinkte Artikel von Wikos hier im Forum noch zu sehen ist, möchte ich auf zwei Einschätzungen des Autors aufmerksam machen:
      Und Umfragen aus jener Zeit zeigten, dass eine große Mehrheit der Bürger für den Wiederaufbau der Altstadt war. Das alles zeigt, dass Rekonstruktionen politisch weder rechts noch links einzuordnen sind. Ihre Legitimation beziehen sie vor allem aus zwei Quellen: ihrer handwerklichen Qualität und ihrer bürgerschaftlichen Akzeptanz. Beides ist in Frankfurt gegeben.
      Wenn nicht alles täuscht, ist die große Rekonstruktionswelle abgeklungen, in ganz Deutschland, aber auch in Frankfurt.


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Neu

      Auf Facebook habe ich folgenden Kommentar eines Teilnehmers (in Sachen Wiederaufbau engagierter Architekt) gefunden:

      "Habe heute, ist keine Satire, eine E-Mail aus Frankfurt i. A. des Oberbürgermeisters Feldmann erhalten: "weitere Rekonstruktionen sind der falsche Weg", schreibt der Pressesprecher des Planungsdezernats. Aha, das heißt im Klartext, bis hierher und nicht weiter. "Ein Weiterbau am Wiederaufbau unter Abriss weiterer moderner Bauten würde die Einmaligkeit des jetzigen Wiederaufbaus nehmen", so der Tenor. Aha, heißt: ein mal und nicht wieder. Der "altmodische Schnickschnack" hat, den OB-Vertreter in Frankfurt interpretiert, seine Grenzen."

      Von einer "neue Offenheit" kann also keine Rede sein. Man lehnt jede weitergehende Initiative ab. Unverbesserlich.
      In dubio pro reko
    • Neu

      Stuegert schrieb:

      Auf Facebook habe ich folgenden Kommentar eines Teilnehmers (in Sachen Wiederaufbau engagierter Architekt) gefunden:

      "Habe heute, ist keine Satire, eine E-Mail aus Frankfurt i. A. des Oberbürgermeisters Feldmann erhalten: "weitere Rekonstruktionen sind der falsche Weg", schreibt der Pressesprecher des Planungsdezernats.
      Das deckt sich für Frankfurt offenbar mit der Einschätzung des Autors in verlinktem Zeitungsartikel aus Beitrag 5005.


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    • Neu

      In diesem Zusammenhang müssten man dann wohl eher von Kulisse und Propagandamittel für amtsinhabende Sozialpopulisten, statt Ausdrucksmittel der autoritären, geschichtsrevisionistischen, bliblablub "Neurechten" sprechen, oder?

      Stuegert schrieb:

      [...] "Habe heute, ist keine Satire, eine E-Mail aus Frankfurt i. A. des Oberbürgermeisters Feldmann erhalten: "weitere Rekonstruktionen sind der falsche Weg", schreibt der Pressesprecher des Planungsdezernats. [...]
      Da müsste man jetzt zurück schreiben, dass diese Position doch bitte auch laut und deutlich öffentlich kommuniziert werden sollte. Jeder soll es aus dem Mund der Stadtoberen hören: "Das Dom-Römer-Projekt ist eine super Sache, ein riesen Erfolg, der Tourismus steigt, die Einwohner fühlen sich wohl, den Bürgern gefällt es - aber davon wird es in Zukunft nicht mehr geben, denn das ist der falsche Weg." ^^
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Neu

      Richtig gesehen. Oberbürgermeister Feldmann und der regierende Magistrat, vor allem Planungsdezernent Mike Josef (SPD), interessieren sich nicht für Rekonstruktionen, sondern nur für die Schaffung neuer Trabantenstädte. In deren Denken ist Zuzug und Wachstum eine nicht einzuschränkende Konstante, also müssen dafür Wohnblöcke auf wertvollen Acker- und Grünflächen errichtet werden. Darauf zielt ihre Stadtplanungs-Politik. Mit weiteren Rekonstruktionen in der Altstadt möchten sie sich nicht befassen. "Das Modell ist zwar erfolgreich, wird aber nicht weiterverfolgt", könnte man als Fazit zusammenfassen. :zwinkern:
    • Neu

      Das ist wirklich eine merkwürdige Geisteshaltung, die wir ja auch leider schon in Dresden beobachten konnten. Was steckt dahinter? Sonst setzt sich das Erfolgsmodell/Best Practice doch überall durch, nur beim Thema Städtebau und Architektur will das irgendwie nicht so recht gelingen. Es ist doch zum Haare raufen! :cursing: :rolleyes:
    • Neu

      Cornelia Bensinger benennt Christoph Mäckler als Chef und entscheidenden Widersacher im Beirat für die zweifelhafte Gestaltung der "schöpferischen Nachbauten" am Krönungsweg gegenüber der unbeholfenen steinernen Kolonnade. An dieser prominenten Stellung hätten als Ensemble überzeugendere Lösungen gegenüber dem Erreichten gefunden werden müssen.


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    • Neu

      Hocherfreuliche Meldung von Pro Altstadt:

      "Ja, es wird weitergehen!
      Es gab ein Gespräch, das auf eine erfreuliche Weiterentwicklung hoffen lässt. Die Stadt ist von sich aus bereit zu mehr. Ich wurde um Diskretion gebeten. Einen schönen Pfingstmontag noch und danke für Eure begeisterten Kommentare! Ich kann es selbst noch nicht glauben
      - Cornelia Bensinger"

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