Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Ich auch.




    Am besten nochmal groß und fett, damit's keiner übersieht:


    Quote from "jörg"

    Außerdem möchte ich nochmal an das Altstadtforum erinnern, das am Montag, den 29.10.2007 um 19.00 Uhr im Leinwandhaus am Weckmarkt stattfindet. Dazu sollten möglichst viele von euch aufkreuzen. Das ist nämlich diesmal eine wichtige Veranstaltung, nicht nur weil Herr von Boddien kommt!

  • Kann leider nicht heute abend...hoffe aber auf einen ausführlichen Bericht.

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Quote

    Hallo, komme gerade aus der Altstadt und hatte ein Infoheft für die jetzt gerade stattfindende Veranstaltung in Händen. Unter anderem wird wohl auch die These ausdiskutiert. "Mit 30 Häusern kann man keine Altstadt wiederauferstehen lassen".
    Es dürfte ja insoweit Einigkeit bestehen, daß mit einer Reko von bis zu 30 Häusern natürlich der annähernde Komplettverlust des bürgerlichen Frankfurter Stadtbildes niemals kompensiert werden kann; aber ich sehe wenig Sinn in solchen Thesen, da ja 30 Häuser zu errichten prinzipiell besser ist, als gar nichts zu tun.


    Das ist schon so, es ist besser als gar nichts tun. Und dazu kommt noch das Zusammenspiel mit der Umgebung: die dreissig Häuser wirden zusammen mit dem Dom und dem halb rekonstruierten Römerberg und mit den historistischen Bauten an der Braubachstrasse, am Paulsplatz und mit einigen Bauten am Domplatz wie weitere historistische Bauten und das Leinwandhaus doch wieder so etwas wie ein Ensemble abgeben, das später noch ergänzt werden kann.


    Also Quatsch, diese These :boese:


    Rund um den Bremer Marktplatz dürfte es insgesamt kaum mehr als 30 historische Bauten geben. Und jeder lobt dort das historische Stadtbild..

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Quote

    "Mit 30 Häusern kann man keine Altstadt wiederauferstehen lassen".
    Es dürfte ja insoweit Einigkeit bestehen, daß mit einer Reko von bis zu 30 Häusern natürlich der annähernde Komplettverlust des bürgerlichen Frankfurter Stadtbildes niemals kompensiert werden kann


    Ist doch ein prima Argument, noch viel mehr Häuser zu rekonstruieren!!!

  • Schön ist ja auch, wie FACHdiskussionen sich vorab immer so gewissenhaft informieren, um eine wirklich sachliche Diskussion zu führen...


    30? Wer hat von NUR 30 geredet? Anhand der Dreysse-Studie wären wir ja schon bei 50...


    Wenn es schon beim Zählen scheitert...

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Um die Veranstaltung des Werkbundes gestern Abend inhaltlich einschätzen zu können, ist es sicher sinnvoll sich die Themen in der Broschüre zu Gemüte zu führen. Ich möchte darauf hinweisen, das nun folgende eher mit Humor zu nehmen, da man sonst evtl. schlecht schläft. Es ist auch wichtig zu wissen, dass die Veranstaltung eigentlich zu spät kam und die Beschlüsse längst in eine andere Richtung gefasst wurden (die uns genehmer ist)! Also:


    Standpunkte zur Bebauung des Frankfurter Römerbergs (Überschrift)


    Textbeiträge:
    Roland Burgard: Frankfurt und der Retrotaumel
    Günter Pötschke: Dreißig Häuser sind keine Altstadt - zum Ersatzbau für das Frankfurter Technische Rathaus
    Rolf Schmidt: Altstadt Frankfurt am Main - Historische Kontinuität
    Jochen Rahe: Dom-Römer - Abenteuerspielplatz oder Stadtmittelpunkt
    Hans-Ulrich von Mende: Anmerkungen zum Bereich Dom-Römer
    Wilhelm Hein Krahn: Aphorismen zur Neubebauung der Altstadt
    Axel Huth: Altstadt Frankfurt - Gedanken zur Diskussion über eine Bebauung
    Wolf Dietrich: Die Altstadt und die Zukunft des Technischen Rathauses


    Interview:
    Hans-Reiner Müller-Raemisch im Gespräch mit Gregor Fröhlich


    Textbeiträge:
    Julian S. Bielicki: Römerberg - ein Aufruf
    Barbara Ettinger-Brinckmann: Römerberg in Frankfurt am Main
    Jürgen Hasse: Anachronistische Metamorphosen (Anm.: Auch hier geht es inhaltlich um den Dom-Römer-Bereich)
    Astrid Hansen: Frankfurts Altstadt - Rekonstruktion? Seelisch nicht möglich! (Anm.: LOOOOOOOOOOOOOL!)
    Josef Hamm: Über das Rekonstruieren von Fachwerkhäusern
    Dieter Bartetzko: Aus Alt mach Neu: Plädoyer für eine wahrhaft alte Altstadt
    Gregor Fröhlich: Auf der Suche nach der beständigen Form und dem zukunftsweisenden Inhalt
    Thorsten Bürklin und Michael Peterek: Der Römerberg - ein Forum der Zukunft
    Bettina Rudhof: Haus am Dom


    Entwürfe:
    Anmerkungen zu den vorgestellen Entwürfen
    Rolf Schmidt: Altstadt Frankfurt am Main - Rekonstruktion der Altstadt?
    Wolf Dietrich und Vitezslav Fara: Kultur durch Wandel - Wandel durch Kultur
    Jürgen Engel, KSP - Engel und Zimmermann: Lebendiges Stadtquartier
    Johannes Peter Hölzinger, Katrin Fingerhut und Mathias Hölzinger: Das Alte im Neuen
    Christin Scheiblauer: La Città latente
    Peter Westrup: Philosophie einer Rekonstruktion


    Wichtig bei den Textbeiträgen ist , dass man bei vielen die Einstellung des Autors nicht sofort erkennt und auch keine Sortierung vorliegt. So kommt es durchaus vor, dass auf einen harten Verfechter einer zeitgenössischen Lösung ein moderater oder nachdenklicher Autor folgt. Es ist also nicht einheitlich. Das Interview ist rekofeindlich. Bei den Entwürfen ist eine Sortierung erkennbar. Die Befürworter von Rekonstruktionen (Scheiblauer und Westrup) sind ganz hinten.


    Die Veranstaltung muss man sich so vorstellen: Auf dem Podium saßen Gregor Fröhlich, Astrid Hansen, Hans-Ulrich von Mende und Johannes Peter Hölzinger. Dieter Bartetzko war ursprünglich auch für das Podium vorgesehen, fiel aber wegen plötzlicher Erkrankung kurzfristig aus. Das Publikum bestand fast ausschließlich aus "Sachverständigen" (also Architekten, Stadtplaner und Denkmalpfleger), insgesamt etwa 80 Personen im Alter von 40-70 Jahren, dazu etwa 15 Befürworter der Rekonstruktion (also WIR). Dass das kein Heimspiel für uns werden würde war fast allen vorher klar gewesen. Dennoch blieben die Positionen des Podiums und die rekonstruktionsfeindlichen Beiträge aus dem Publikum von uns nicht unwidersprochen. Hierbei muss insbes. Frau Katharina von Beckh und Herrn Vowinkel gedankt werden. Sie haben Großartiges geleistet! Und ich habe wieder etwas gelernt: In diesen Kreisen geht es nicht vordergründig um die Architektur der Fassaden, sondern um ein Gesamtkonzept. Nur das ist wichtig, die Fassaden kommen immer zuletzt (und so sehen sie dann auch meistens aus!). Bei uns ist es anders: Hier sind die Fassaden gesetzt, und um diese herum wird ein Konzept gebaut.


    Wenn euch ein bestimmter Beitrag interessiert, dann werde ich ihn hier einstellen (falls das keine Bedenken der Moderatoren) hervorruft.

  • Nachdem ich Jörgs Beitrag gelesen habe, war einer meiner ersten Gedanken der folgende:


    Wenn ich irgendwann vor meinem Schöpfer stehen werde, werden sich hoffentlich die großen Rätsel der Menschheit für mich lösen. Ich wäre nicht überrascht, wenn in einem ganz bestimmten Fall als Lösung herauskäme, dass es sich bei dem BDA in Wahrheit um die am kunstvollsten getarnte Satirikertruppe der Welt gehandelt hat. Auf einmal würde dann vieles für mich einen Sinn ergeben.


    Quote

    Roland Burgard: Frankfurt und der Retrotaumel


    Lieber mit Retro taumeln als mit Beton erstarren... :zwinkern:


    Quote

    Günter Pötschke: Dreißig Häuser sind keine Altstadt


    "Ein Schuhkarton ist kein Gebäude" hätte ich irgendwie besser gefunden.


    Quote

    Wolf Dietrich: Die Altstadt und die Zukunft des Technischen Rathauses


    Wie wäre es mit "Berlin und die Zukunft des Palasts der Republik"... hoppla, leider auch schon zu spät!


    Quote

    Astrid Hansen: Frankfurts Altstadt - Rekonstruktion? Seelisch nicht möglich!


    Nein, das ist mir irgendwie zu lasch!
    "Vater, vergib mir, denn ich habe rekonstruiert!" - Das wäre doch viel provokanter gewesen!


    Quote

    Jürgen Engel, KSP - Engel und Zimmermann: Lebendiges Stadtquartier


    Gegenvorschlag: "Jürgen kann's nicht lassen."
    Alternativ: "Der strafende Engel"


    Quote

    Wenn euch ein bestimmter Beitrag interessiert, dann werde ich ihn hier einstellen (falls das keine Bedenken der Moderatoren) hervorruft.


    Och, ich denke, das wird schon in Ordnung gehen (zumindest auszugsweise).

  • @ Restitutor: Veranstalter war nicht der BDA, sondern der Werkbund. Auch wenn beide ähnliche Ansichten vertreten, so sind es doch zwei verschiedene Organisationen.



    Stellvertretend für viele weitere groteske Höhepunkte möchte ich aus der Broschüre den Beitrag von Julian S. Bielicki „Römerberg – ein Aufruf“ auszugsweise zitieren. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich nichts hinzugefügt oder verändert habe, auch nicht das was in Klammern steht. Weggelassen wurde von mir nur sehr wenig, ich wollte der Intention des Autors entsprechen, den Diskussionsbeitrag als Gesamtkunstwerk wirken zu lassen. Falls sich jemand von euch nach genauester Lektüre die berechtigte Frage stellen sollte, weshalb man solchen Leuten (der Autor ist Architekt und Psychologe) Jahrzehnte lang die optische Gestalt unserer Städte anvertraut hat und weshalb so ein Machwerk vom Werkbund durch Bereitstellung finanzieller Mittel veröffentlicht wurde, so muss die Antwort zunächst offen bleiben. Aber nun zum Text:


    „Julian S. Bielicki: Römerberg – ein Aufruf


    Die Stadt Frankfurt vertreten durch Frau Roth, bzw. Frau Roth vertreten durch die Stadt Frankfurt wollen bauen. Toll. Sie möchten, dass es gut wird. Auch toll. Und sie wollen nichts falsch machen, sie wollen es richtig machen. Hierbei wird es schwierig, denn was ist falsch und was ist richtig? Darum wird seit längerer Zeit unter den Beteiligten gestritten, betroffene Bürger bleiben von der Diskussion fern, denn es betrifft sie nicht – vermeintlich nicht. Wen betrifft es denn? Die, für die es sich rechnen soll? Zählt nur noch etwas, wenn es sich rechnet? Dann braucht man uns (...) für diese Aufgabe nicht, dann reicht es, Betriebswirte und Kaufleute nach ihrer Meinung zu fragen. Oder japanische Touristen, die ihr Wohlgefallen an restaurierten Fachwerkhäusern äußern. Falls sich jedoch die Architektur in Deutschland nicht ausschließlich nach dem Gusto japanischer Touristen richten soll, wonach soll sie sich dann orientieren? Nach der Geschichte? Dann wäre es eine sich selbst reproduzierende Geschichte, die keine Zukunft mehr kennt. Und hier liegt der Hund begraben, den man rasch findet, wenn alle ihre Köpfe in den Sand stecken. Das Problem der Architektur und der Stadtplanung (...) ist eine bisher nie gekannte totale Historisierung des Lebens, das keine andere Zukunft mehr kennt, als nur eine rückwärts gewandte, also keine eigentliche Zukunft, die etwas Neues, nicht durch das Vergangene bedingtes, enthielte, sondern eine Vergangenheit als Geschichte und eine gedoppelte Vergangenheit, die man Zukunft nennt, die jedoch keine Zukunft ist, sondern lediglich eine abgewandelte Historie.
    Aber alle Kunst, auch Architektur, lebt von der Hoffnung, dass es möglich wäre Neues zu kreieren, und Kreativität ist eine nur dem Menschen und Gott (falls es ihn gibt) eigene Fähigkeit, etwas Neues nicht nur aus dem Vorhandenen, sondern auch aus dem Nichts zu erschaffen. Und auch, wenn es sich nicht rechnet, so ist des Menschen Dasein Neues zu erschaffen, und ohne kreativ sein zu dürfen, wird er verrückt oder bringt sich oder andere oder sich und andere um. (...)
    Und gerade die Stadt Frankfurt ist eine, die einem sonst nichts vorgaukelt, Frankfurt „is almost alright“, Frankfurt hat keinen Charakter, sie ist eine Hure, die jedem zu gefallen versucht, der sie bezahlen oder auch dem, der sie nicht bezahlen kann, sie ist eine insbesondere dem Fremden großzügige, extrem soziale Stadt, nicht weil sie den Fremden umgarnt oder sich ihm gleich zuwendet, sondern weil sie für jeden zugänglich ist, da sich hier der Fremde nicht fremd fühlt, weil diese Stadt jedem sein eigenes Gesicht widerspiegelt, da sie selbst keins hat, so dass jeder diese Stadt sein eigen nennen darf. Anders als z.B. das mondäne München, das eitle Düsseldorf, das emsige Stuttgart, das provinzielle Mainz, das aufgeplusterte Wiesbaden, das schmollende Darmstadt, ist Frankfurt jedem zu willen, zu jedem ist sie anders. Eigentlich ist sie ein Raum an der Kreuzung zwischen zwei großen Autobahnen, Nord-Süd und Ost-West, mit Häusern und Straßen dazwischen, vor allem Häusern in denen es sich rechnet. Sie war und ist die Stadt der Pfeffersäcke, die seit eh und je alles Beständige mit ihren Pfeffermühlen zermalmte, wie Königsbergs Kant, nur erfolgreicher. Also schafft bloß keine Harmonie, denn Harmonie bedeutet, dass nicht kommuniziert wird, und alles was lebt ist widersprüchlich, und alles was lebt macht Dreck und Unordnung (außer natürlich die Putzfrauen). Zeigt also, dass ihr noch lebt, macht etwas Neues, macht Dreck und Unordnung!“


    Ich kann natürlich noch mehr veröffentlichen. Auch der von Restitutor bereits zitierte Beitrag von Wolf Dietrich „Die Altstadt und die Zukunft des Technischen Rathauses“ ist beispielsweise eine Ansammlung von Skurrilitäten, die es unbedingt verdient hätte einer breiteren Öffentlichkeit zugeführt zu werden.

  • Quote

    japanische Touristen, die ihr Wohlgefallen an restaurierten Fachwerkhäusern äußern.


    Die Japaner durften natürlich nicht unerwähnt bleiben. Wer bietet solchen Leuten nur immer wieder eine Gelegenheit ihre abstrusen Thesen kundzutun? :augenrollen:

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Quote

    @ Restitutor: Veranstalter war nicht der BDA, sondern der Werkbund.


    Ich hatte mit meiner Bemerkung auch gar nicht so sehr auf den Veranstalter abgezielt (der war mir wirklich unbekannt), sondern eher darauf, dass man recht viele Namen auf dieser Liste von früheren Begebenheiten als BDA-Mitglieder kennnt (sind ja immer dieselben...)


    Quote

    Julian S. Bielicki: Römerberg – ein Aufruf


    Auch hier hätte ich eine Verbesserung vorzuschlagen: Wie wäre es denn mit "Altstadt geht gar nicht"?


    Quote

    betroffene Bürger bleiben von der Diskussion fern


    Falsch. Betroffene Bürger gründen eine Bürgerinitiative und kreuzen bei so ziemlich jeder Veranstaltung auf.


    Quote

    Zählt nur noch etwas, wenn es sich rechnet?


    Ist euch das schon mal aufgefallen? Wenn wir Rekonstruktionsbefürworter nicht mit dem Argument in die Debatte gehen, dass sich die Sache auch rechnet, sind wir Traumtänzer und realitätsfern. Belegen wir aber, dass es sich rechnet, sind wir gewissenlose Geschäftemacher.


    Quote

    Oder japanische Touristen,


    Jemand sollte mal einen wissenschaftlichen Aufsatz zu dem Thema "Das Japanerbild in der modernen deutschen Architekturszene" verfassen.


    Quote

    Und hier liegt der Hund begraben, den man rasch findet, wenn alle ihre Köpfe in den Sand stecken.


    Ui! Gleich zwei Metaphern in einem Satz. Und jetzt wissen wir alle auch endlich, dass der vielzitierte begrabene Hund nicht in der Erde, sondern im Sand liegt.


    Quote

    und ohne kreativ sein zu dürfen, wird er verrückt oder bringt sich oder andere oder sich und andere um.


    Oder noch schlimmer: Er schreibt Beiträge mit dem Titel "Römerberg - ein Aufruf".


    Quote

    Frankfurt „is almost alright“


    Ja, aber es ist auch just a little Stadt in a cold cold world...


    Quote

    eine Hure, die jedem zu gefallen versucht, der sie bezahlen oder auch dem, der sie nicht bezahlen kann


    Eine Hure, die jedem zu gefallen versucht, der sie bezahlen kann oder auch nicht, wäre eigentlich keine Hure mehr, oder?


    Quote

    Zeigt also, dass ihr noch lebt, macht etwas Neues, macht Dreck und Unordnung!


    Schlage ein morgiges Treffen zwecks gemeinsamen Urinierens auf dem Römerberg vor.


    Quote

    Ich kann natürlich noch mehr veröffentlichen.


    Oh ja, bitte mehr davon!

  • Quote from "Restitutor Orbis"


    Stimmt, demnach wäre die Stadt Frankfurt eine Schlampe. Und dann kann sie sich doch auch ruhig ein wenig hübsch machen, oder? :zwinkern:


    Was für ein hohles Geblubber.... :augenrollen: Aber - ja, Jörg, sende mehr davon.

  • Solche Leute (BDA und DWB. Nicht alle, natürlich nur die, welche sich für vorgenannte Philosophen halten) sind ja auch der Meinung, daß dieses Geschwafel sie für ausreichend kompetent auszeichnet, dem Maurermeister Jupp zu sagen, wie er ein Fugenbild exakt auszuführen hat.
    Viel zu selten hat der Maurermeister Jupp dann seine scharfkantige Kelle zur Hand und es sind Zeugen anwesend...


    Heute ist übrigens im Rhein-Main-Teil der FAZ ein größerer Artikel, der aber nichts neues sagt. Bartetzko wird darin nochmal mit dem Willen zitiert, die ganze Teile der Altstadt wieder zu verwenden.


    Aber das wollen wir doch! Ich will auch das originale EG der Goldenen Waage dahin setzen und alle entsprechenden Teile, die jetzt auch in der U-Bahn-Station verbaut sind.
    Bei uns hätte Bartetzko doch am meisten Erfolg mit seiner Forderung...liegt aber in der Natur der Sache.

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Ich weiß gar nicht was Ihr habt - ich kann durchaus Übereinstimmungen feststellen. Nur zwei Stellen::


    Quote

    Aber alle Kunst, auch Architektur, lebt von der Hoffnung, dass es möglich wäre Neues zu kreieren, und Kreativität ist eine nur dem Menschen und Gott (falls es ihn gibt) eigene Fähigkeit, etwas Neues nicht nur aus dem Vorhandenen, sondern auch aus dem Nichts zu erschaffen. Und auch, wenn es sich nicht rechnet, so ist des Menschen Dasein Neues zu erschaffen, und ohne kreativ sein zu dürfen, wird er verrückt oder bringt sich oder andere oder sich und andere um. (...)


    Ich kann das Bedürfnis nach Kreativität verstehen, aber ich weiß nicht, wie es euch geht - für mich liegt in der Rekonstruktion eines kriegszerstörten Stadtteils etwas völlig Neues, Faszinierendes. Ich würde verrückt werden, wenn nur die immergleichen 08/15-Gebäude sich ihr Stelldichein geben dürften. Die Beschäftigung mit Rekonstruktionen ist doch etwas Befreiendes im künstlerischen Sinne - ideologische Schranken der Architektur werden durchbrochen, und Architekten sind frei, auch in diese Richtung zu arbeiten.


    Quote

    Also schafft bloß keine Harmonie, denn Harmonie bedeutet, dass nicht kommuniziert wird, und alles was lebt ist widersprüchlich, und alles was lebt macht Dreck und Unordnung (außer natürlich die Putzfrauen). Zeigt also, dass ihr noch lebt, macht etwas Neues, macht Dreck und Unordnung!“


    Die Rekonstruktion ist ganz in diesem Sinne, wenn man sich die extreme Streiterei ansieht. Wenn das kein Lebenszeichen ist ...

  • Stephan


    So wie hier nicht zum ersten Mal Japaner, die Deutschland besuchen, pauschal als Deppen dargestellt werden, deren Interesse für traditionelle deutsche Architektur auf keinen Fall ernst genommen werden darf, kann man darin durchaus Züge von Rassismus erkennen. Dass Japaner und Touristen aus vielen anderen Ländern historische Architektur in Deutschland deutlich bevorzugen, verzeihen ihnen die Modernisten nicht. Das Gerücht von den dummen Massentouristen halte ich für falsch; die meisten japanischen Deutschlandtouristen, die ich kennengelernt habe, waren sehr gut informiert und zum großen Teil Akademiker oder Studenten.


    baukunst


    Genauso sehe ich das auch. Die Frauenkirche sehe ich z. B. eindeutig als Neubau an. Dass sie zum größten Teil kein originaler Altbau ist, sieht man, aber deshalb ist sie kein bisschen weniger schön. Dieser Wiederaufbau hat außerdem enorm viel Kreativität freigesetzt: vor allem an Überzeugungsarbeit, die, ausgehend von von zunächst ganz wenigen "Träumern", immer mehr Bürger zum Engagement bewegt hat. Aber auch die schwierigen technischen Fragen des Kuppelbaus, die starke Symbolwirkung sowie internationale Resonanz des Wiederaufbaus haben zu ganz neuen Ansätzen geführt. Insoweit kann eine Rekonstruktion sogar mehr beinhalten als das zerstörte Original.

  • Quote

    Aber alle Kunst, auch Architektur, lebt von der Hoffnung, dass es möglich wäre Neues zu kreieren, und Kreativität ist eine nur dem Menschen und Gott (falls es ihn gibt) eigene Fähigkeit, etwas Neues nicht nur aus dem Vorhandenen, sondern auch aus dem Nichts zu erschaffen.


    Dieser Satz steht in einem deutlichen Missverhältnis zu diesem:


    Quote

    Also schafft bloß keine Harmonie, denn Harmonie bedeutet, dass nicht kommuniziert wird, und alles was lebt ist widersprüchlich, und alles was lebt macht Dreck und Unordnung (außer natürlich die Putzfrauen). Zeigt also, dass ihr noch lebt, macht etwas Neues, macht Dreck und Unordnung!


    Dass die Schöpfung seit jeher als harmonisch geordnet verstanden wurde, und somit immer paradigmatisch für die Architektur war, ist Herrn Bielicki offenbar entgangen.

  • Ja, und auch diese Aussage dieses Herrn ist bei näherer Betrachtung widersprüchlich:


    Quote

    Und hier liegt der Hund begraben, den man rasch findet, wenn alle ihre Köpfe in den Sand stecken.


    "Wissen, wo der Hund begraben liegt", ist etwas Positives: Man hat dann nämlich die Ursache des Problems entdeckt.


    "Den Kopf in den Sand stecken" hingegen bezeichnet normalerweise etwas Negatives, nämlich die Probleme nicht sehen wollen.


    Die Aussage bedeutet demnach, dass man durch das Wegschauen von den Problemen die Ursache der Probleme findet.


    Der gute Mann sagt uns also: Den Kopf in den Sand stecken ist etwas Gutes! :gehtsnoch:

  • Quote

    So wie hier nicht zum ersten Mal Japaner, die Deutschland besuchen, pauschal als Deppen dargestellt werden, deren Interesse für traditionelle deutsche Architektur auf keinen Fall ernst genommen werden darf, kann man darin durchaus Züge von Rassismus erkennen. Dass Japaner und Touristen aus vielen anderen Ländern historische Architektur in Deutschland deutlich bevorzugen, verzeihen ihnen die Modernisten nicht. Das Gerücht von den dummen Massentouristen halte ich für falsch; die meisten japanischen Deutschlandtouristen, die ich kennengelernt habe, waren sehr gut informiert und zum großen Teil Akademiker oder Studenten.


    Da hast Du absolut Recht. Der typische Städtetourist ist ein gebildeter und kulturinteressierter Mensch und unterscheidet sich schon erheblich von dem typischen Ballermann-Massentouri. Solche dusseligen Kommentare sind doch nur ein Beweis für die Intoleranz und Weltfremdheit dieser Leute.


    Quote

    Die Frauenkirche sehe ich z. B. eindeutig als Neubau an. Dass sie zum größten Teil kein originaler Altbau ist, sieht man, aber deshalb ist sie kein bisschen weniger schön. Dieser Wiederaufbau hat außerdem enorm viel Kreativität freigesetzt: vor allem an Überzeugungsarbeit, die, ausgehend von von zunächst ganz wenigen "Träumern", immer mehr Bürger zum Engagement bewegt hat.


    Ja sie ist ein Neubau, aber durch die Einbeziehung der Ruine und Verwendung von Originalsubstanz hat sie die geschichtliche Tiefe bewahrt. Der Verlust einiger künstlerischer und bautechnischer Originale wird durchaus durch den Zugewinn von ideellen Werten auf einer anderen Ebene kompensiert.


    Quote

    Also schafft bloß keine Harmonie, denn Harmonie bedeutet, dass nicht kommuniziert wird, und alles was lebt ist widersprüchlich, und alles was lebt macht Dreck und Unordnung


    Das ist ja wohl totaler geistiger Dünnschiss. Im Buddismus ist das Erreichen von Harmonie, also das Leben mit sich und seiner Umwelt im Einklang, das höchste Ziel - das streben dahin, ist der Sinn des Lebens. Dem Redner nach sind also alle Buddisten tot und Buddah war ein scheintoter Volltrottel? Hoffentlich ist das kein typischer Vertreter der Intelligenzia dieser Republik - ansonsten: Gute Nacht Deutschland!

    Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.


    Oscar Wilde (1854-1900)

  • Ich war an dem Abend ja (leider) auch dabei und danke an der Stelle erstmal Jörg, der bereits die Arbeit einer Zusammenfassung vorweggenommen hat.


    Die dort zu sehende, jämmerlich erscheinende Altherrenversammlung, die ihr ach so großes architektonisches Erbe in Gefahr wähnt (zugegeben war auch "Prominenz" wie mit Dietrich Bangert etwa der Architekt der Schirn vertreten) und architektonische Ideale von Ernst May & Konsorten ernsthaft noch als aktuell ansieht, war in der Tat schon eine Sache für sich. Wie ein schlechtes Theaterstück wirkte allerdings die Inszenierung, die am ideologisch gleichgeschalteten "Podium" abgespult wurde, die beste Aussage des Abends kam wohl von der Vertreterin der Denkmalpflege, die von "albernen rekonsturierten Wurstschirnen" in Bezug auf die Altstadt sprach und verzweifelt versuchte, die Dresdner Frauenkirche als "Ausnahme" unter ihr ideologisch verzerrtes Weltbild zu subsummieren.


    Gerne hätte ich dem versammelten Altherrenclub in Gesicht gesagt, dass ihr ach so großartiges Lebenswerk wie die Riegelbebauung der Berliner Straße, das Technische Rathaus oder das Historische Museum wohl schon in 30 Jahren unter der Abrissbirne und aus dem öffentlichen Bewußtsein verschwunden sein werden, während beispielweise der Name des von ihnen so verpönnten Herrn Westrup (der ebenfalls anwesend war) noch in hunderten Jahren in Verbindung mit der Rekonstruktion der Alten Oper Frankfurt genannt werden wird...