Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Ich weiß nicht, ob er ein Fan des Techn. Rathauses ist...auf jeden Fall soll er ein ausgemachter Fachwerkhasser sein, da seine vorhergehende Wirkungsstätte einer der Orte in Niedersachsen gewesen sein soll, die wohl eine gewisse Fachwerkausprägung aufweisen...also seine vorhergehende Arbeit fast nur aus Fachwerksanierung bestand und er jetzt schlicht ein Holzbau-Trauma dadurch hat.


    Aaaaaber unabhängig davon hat er recht (Recht...wie auch immer).


    Genauso wie bei der SED-Asbestzentrale in Berlin im Boden Sand eingefüllt werden muss, um den Auftrieb zu verhindern, wird man das Grundwasser zwar eine Zeit lang durch Pumpen zurückhalten können, sollte dann aber, da auch dieses Pumpen Geld kostet, möglichst schnell den Untergrund wieder belasten.
    WICHTIG (wie der Bauleiter des Samstagsberges selbst am Schluß auf Nachfrage gesagt hat):
    Dies ist aber unabhängig davon, ob eine Rekonstruktion oder eine moderne Bebauung kommt.
    Des Weiteren möchte ich auch nochmal wiederholen, was ich in meinem Vortrag gesagt habe:
    Die Tiefgarage wird man neu bauen müssen (daher kein Problem mit der Belastung, die nun angepasst werden kann), es sei denn der Neubau wäre statisch identisch mit dem Technischen Rathaus...das will aber niemand...abreißen und das Technische Rathaus wieder aufbauen.


    Was ich aber nachgewiesen habe, ist, dass durch eine Rekonstruktion weder die U-Bahn beeinträchtigt wird, noch dass an dem Platzbedarf (!) der Tiefgarage etwas verloren geht. Und dass die Tiefgarage im Bezug auf Lastabtrag bei jedweder Bebauung, also auch modern, neu geplant und gebaut werden muss, möchte ich nochmals betonen!

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Aus der FR:


    Quote

    Koalition beschließt Rückkauf


    Technisches Rathaus: CDU und Grüne setzen sich über Bedenken hinweg / Bau-Konzept noch vor der OB-Wahl


    Ungeachtet heftiger Kritik der Römer-Opposition hat die schwarz-grüne Koalitionsrunde unter Vorsitz von OB Petra Roth (CDU) am Dienstag einen weitreichenden Beschluss gefasst: Das Technische Rathaus wird zum Stichtag 1. April 2007 von der Stadt zurückgekauft.


    Vollständig hier:
    http://www.fr-aktuell.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/aktuell/?sid=e2e207b12d465cf329174596289639c5&em_cnt=962839\r
    http://www.fr-aktuell.de/frankfurt_und_ ... cnt=962839


    Also am 1. April 2007... hoffentlich wird das kein Aprilscherz... :gg:

  • Quote from "Kardinal"

    Ich weiß nicht, ob er ein Fan des Techn. Rathauses ist...auf jeden Fall soll er ein ausgemachter Fachwerkhasser sein, da seine vorhergehende Wirkungsstätte einer der Orte in Niedersachsen gewesen sein soll, die wohl eine gewisse Fachwerkausprägung aufweisen...also seine vorhergehende Arbeit fast nur aus Fachwerksanierung bestand und er jetzt schlicht ein Holzbau-Trauma dadurch hat.


    :lachen:


    War das jetzt pure Ironie oder glaubst du, dass das einen wahren Kern hat?
    Man könnte durch langjährige Arbeit an Fachwerk ja auch seine Liebe zu ihm entdecken.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Vielleicht ein wenig übertrieben ausgedrückt, aber so, wie es mir erzählt wurde, ist das nicht unbedingt aus der Luft gegriffen...andersrum:
    was war der Mann so froh, als er den ganzen Fachwerkkram hinter sich hatte, und nun fangen die in Frankfurt auch noch damit an...


    Tja...Pech für ihn!
    Um glücklich zu werden muß er wohl als Bauamtsleiter Herrn Speer nach China folgen... :P

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Wieder mal ne BFF-Pressemitteilung:



    Dazu auch dieser Artikel:


    http://www.frankfurter-rundschau.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/frankfurt/?em_cnt=964772&em_ivw=fr_frankfurt\r
    http://www.frankfurter-rundschau.de/fra ... _frankfurt

  • Mein Gott, wieder eine Wurstschirn in einem rekonstruierten Roten Haus - ist das wirklich zum Greifen nah? Alleine der Gedanke treibt mir die Tränen in die Augen... vor Freude! Hier könnte Alt-Frankfurter-Lebenskultur in die Stadt zurückkehren.


    Dass der Einzelhandel so sehr auf der Seite der Reko-Bewegung ist, ist natürlich ein gewaltiger, wenn nicht DER entscheidende Vorteil schlechthin. Wenn man ganz abstrahiert denkt, folgt das ja nur der Frankfurter Geschichte, in der die Macht der Zünfte nicht selten die großen Entscheidungen nicht unerheblich beeinflusst hat... ;)

  • Schön, dass jetzt auch mal die wirklichen Experten zu Wort kommen:


    Quote

    Der Architekt Christian Lauffs klärte auf, wie man den gefürchteten Setzungen beim Bau von Holzfachwerk vorbeugt: Bei der Rekonstruktion der Löwen-Apotheke in Aschaffenburg habe er diese voraus berechnet und "die obere Etage sechs Zentimeter höher gebaut".


    Sein Architektenkollege Peter Westrup, der einst die Rekonstruktion des prächtigen Vestibüls der Alten Oper zu Wege brachte, rückte das Bild zurecht, in Wohnungen einer rekonstruierten Altstadt könne ein Mensch von heutigem Längenmaß kaum stehen. Die 48 Parzellen, die bei Abbruch des Technischen Rathauses frei würden, seien zuletzt mit "repräsentativen Bürgerhäusern" und hohen Räumen bebaut gewesen.

  • Einige Beobachter sprechen schon von einer sich abzeichnenden Wende in der Reko-Debatte: Seit dem zweiten Altstadt-Forum sind es nun auch der Einzelhandel und namhafte Architekten, die die Rekonstruktion unterstützen (nicht mehr nur vermeintlich "gestrige Spinner") und ein Experte hat die alles nachgerechnet und bewiesen, dass die Sache auch finanzierbar ist. :daumenoben:


    Dadurch erhält die Pro-Reko-Bewegung eine ganze neue Qualität.


    Ich berichte nachher noch ein wenig von der heutigen Sitzung des Frankfurter Vereins "Pro Altstadt".

  • Sehr erfreuliche Nachricht! Glückwunsch nach Frankfurt zur heutigen Vereinsgründung!

  • Da heute die Frage danach aufkam, was für eine Größe das TR-Areal im Bereich der (zur Zeit ehemaligen) Altstadt hat, habe ich einmal ein bisschen unter Zuhilfenahme von Google Earth gezeichnet. Gewisse Ungenauigkeiten aufgrund der mangelnden Maßstäblichkeit der Luftaufnahmen bitte ich zu verzeihen. ;)


    Blau = ungefährer Verlauf von Braubachstraße & Domstraße
    Rot = ungefährer Bereich des heutigen TR



    (Klicken für Großbild)

  • @ RMA:


    Vielen Dank!


    Mit RMA, spacecowboy und mir hatte das APH-Forum gestern immerhin drei "Aktive" vor Ort (möglicherweise noch mehr, falls sich jemand gestern nicht zu erkennen gegeben hat). Wir haben nach der Veranstaltung noch recht lange mit Jörg Ott über dies und jenes diskutiert...


    Übrigens konnte ich es erfolgreich verhindern, auch noch in diesem Verein zum Schriftführer gemacht zu werden. :gg:


    Aber, wie versprochen, gleich gibt es noch einen (etwas) ausführlicheren Bericht.

  • Mein kurzer Bericht zur konstituierenden Sitzung des Vereins "Pro Altstadt", die gestern (09.09.2006) von 15.00 bis 18.00 Uhr stattfand.


    Natürlich gibt es bei der Gründung eines Vereins viele Details zu besprechen, was eben gestern auch den größten Teil der Zeit in Anspruch nahm. Mein Bericht fällt etwas kurz aus, weil ich euch nicht langweilen möchte, indem ich hier beispielsweise die Diskussion um die Höhe der Mitgliedsbeiträge wiedergebe. Solche Dinge müssen natürlich geregelt werden, ich beschränke mich jetzt aber nur auf das Wichtigste.


    Zur Einstimmung:



    Weil's so schön ist... :zwinkern:


    Die Sitzung fand ja statt im Saal der evangelischen Paulsgemeinde, also direkt am Römerberg. Ich wollte, ich könnte nun sagen, dass die Menschenmassen auf dem obigen Foto alles Leute sind, die begeistert zur Vereinsgründung hindrängen... aber dafür kann man zumindest sehen, wie sehr diese Menschen die Festlichkeiten genießen, die auf dem von Rekonstruktionen gesäumten Platz stattfinden. Bei solchen Bildern muss ich immer an die Worte des Architekten Engel denken: "Eine Altstadt ist für moderne Menschen nicht lebenswert." Nun ja, jedem sei seine eigene Sicht der Dinge gegönnt, auch wenn sie sich als resistent gegen alle Realität erweist.


    Übrigens: Wenn eine Wohnung in der Ostzeile frei wird, gibt es ca. 30 neue Bewerbungen. Aber angeblich will in sowas ja niemand wohnen... :augenrollen:


    Nach dieser Abschweifung eine weitere (danach rede ich wirklich über die Sitzung, versprochen): Irritierend irgendwie der Anblick der Statue Karls des Großen vor dem Historischen Museum...





    Zum einen fällt auf, dass das Schwert, das während der WM (vermutlich von englischen Fans) entwendet wurde, noch nicht ersetzt wurde. Zum anderen verwundert doch diese merkwürdige rote Eingangskonstruktion, die dem armen Karl ja fast den Schädel eindrückt. Bei genauerem Hinsehen stellt man tatsächlich fest, dass zwischen der Krone und dem eigenartigen Gebilde kein Zwischenraum bleibt, weswegen letzteres auch deutliche Kratzspuren aufweist. Wer hat sich das denn ausgedacht?


    Nun ja, zumindest sind es von diesen Punkt aus nur noch ein paar wenige Schritte hin zu jenem Ort, wo die Sitzung stattfand:




    Wie schon gesagt, werde ich auf die zahlreichen besprochenen Details nicht eingehen. Festzuhalten ist, dass Heidrun Christensen, die vielen durch ihr unermüdliches Engagement für die Rekonstruktion bekannt sein dürfte, zu ersten Vorsitzenden des Vereins Pro Altstadt gewählt wurde. Zweite Vorsitzende wurde die Galeristin Gerlinde Teutschbein.
    Weiterhin ist vorgesehen, dass "Pro Altstadt" eng mit den "Freunden Frankfurts" kooperieren wird.
    Interessant ist ferner, dass gewisse Alt-68er angeblich eine Initiative gegründet hätten, um die Rekonstruktion zu verhindern. Dürfen wir uns als auf "Contra Altstadt" gefasst machen? Ich sehe es mit Gelassenheit, am Ende ist es vielleicht eher ein Vorteil... :zwinkern:

  • Quote

    Übrigens: Wenn eine Wohnung in der Ostzeile frei wird, gibt es ca. 30 neue Bewerbungen.


    Das heißt dann also, man könnte 210 Häuser ( 7 x 30) rekonstruieren, ohne Schwierigkeiten mit der Vermietung zu bekommen...

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Quote from "Ein_Hannoveraner"

    Das heißt dann also, man könnte 210 Häuser ( 7 x 30) rekonstruieren, ohne Schwierigkeiten mit der Vermietung zu bekommen...


    Kein Problem - es gibt genug Bausünden in der Altstadt, die man abreißen könnte um Platz für die 210 Häuser zu schaffen. :gg:
    Aber begnügen wir uns erstmal mit den paarundvierzig, die auf dem TR-Areal Platz hätten.

  • Glückwunsch - tolle Nachrichten!
    Kaum zu glauben, daß der oben verlinkte Artikel aus der Rundschau stammt!


    Gutes Omen: "Gerlinde Teutschbein" - das klingt so altstädtisch, da kann nix mehr schief gehen...

  • Altfrankfurt.com hat ein neues Foto eines Hauses am Markt aufgetan. Es handelt sich um das Gebäude Markt 33, damals Sitz der Metzgerei Georg Zimmer. Kein besonders herausragendes Bauwerk an der Ecke Drachengasse / Markt, wohl aber eine bestechend realistische Fotografie:


    http://www.altfrankfurt.com/Altstadt/DomWest/AlterMarkt/Laden/pic/AlterMarkt33_Metzgerei_Zimmer.jpg\r
    http://www.altfrankfurt.com/Altstadt/Do ... Zimmer.jpg


    Ferner eine Innenaufnahme: http://www.altfrankfurt.com/Altstadt/DomWest/AlterMarkt/Laden/pic/AlterMarkt33_Laden_Metzgerei_Zimmer.jpg\r
    http://www.altfrankfurt.com/Altstadt/Do ... Zimmer.jpg


    Leider dürfte eine Rekonstruktion an dieser Stelle vorerst nicht in Betracht kommen. Für das auch zu sehenden Haus Markt 31 (Ecke zur Goldhutgasse) gilt dasselbe.


    Zum roten "Überbau" des Kaisers Karl: In der Nacht nach dem Viertelfinale Brasilien - Frankreich feierten Horden von französischen Fans ausgerechnet vor dem Eingang des Historischen Museums. Dabei turnten auch immer einige auf der Statue herum und/oder saßen auf den "Schultern des Kaisers". Wäre kein Wunder, wenn die Statue dadurch beschädigt worden wäre. Jedenfalls war diese rote Konstruktion damals noch nicht vorhanden, möglich, dass sie daraufhin errichtet wurde um (bis zur Instandsetzung) weitere Schäden zu verhindern.


  • Das Foto ist in der Tat beeindruckend, zeigt es doch die gerade renovierte Altstadt kurz vor ihrer Zerstörung, man kann erkennen, dass die Gefache neu geweisselt, die Balken gestrichen worden sind - kein Vergleich mit den nur 20 - 30 Jahre älteren Bildern von Abt oder Mylius, wo der Verfall allerorten zu sehen ist. Das Foto ist ziemlich sicher Ende der 30er / Anfang der 40er Jahre entstanden, als die großangelegten Renovierungen abgeschlossen waren.


    Auf dem Bild sehen wir die Frankfurter Altstadt so, wie sie sich vermutlich heute präsentieren würde, wäre der verdammte Krieg nicht gewesen - gut renoviert, und UNESCO-Weltkulturerbe als eine der größten gotischen Altstädte Mitteleuropas. :(


    Hier noch das Gebäude auf der Karte:



    Man kann erkennen, wie das benachbarte Gebäude, Markt 31 (Haus Dracheneck) mit der Parzelle von Markt 33 verschmolzen ist - ein schöner Hinweis auf eine uralte Baugeschichte.

  • Haus Kellertür, früher Haus Glißmud (Markt 31), Haus Dracheneck (Markt 33).


    Und jetzt ratet mal, wer genaue Pläne von den beiden Häusern hat... :D


    Ich habe in meiner, vor über einem Jahr an die Frankfurter Fraktionen verteilte Ausarbeitung zu dem Thema :augenrollen: die Rekonstruktion dieser beiden Häuser als Option vorgeschlagen. Das Problem besteht nun, daß der U-Bahn-Zugang genau unter diesen Häusern liegt. Mein Vorschlag war dazu, das Erdgeschoß so zu modifizieren, daß der Zugang sich als eine Art weiterer Eingang des Hauses Dracheneck darstellt, welcher dann direkt zur Treppe bzw. Rolltreppe führt.


    Diese beiden Häuser gehörten übrigens zu den noch ganz wenig verbliebenen, welche selbst im Erdgeschoß noch auf Holzständer standen. Bei den meisten waren diese ja im Laufe der Zeit gemäß der Bauordnung aus dem 16. Jahrhundert durch ein massives Erdgeschoß ersetzt worden.


    Dies hätte dann eine "Einkesselung" des Schirn-Cafés mit Rekonstruktionen zur Folge...

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Die beiden Häuser wären ein großer Gewinn für die Altstadt! Vor allem das dokumentierte attraktive Sichtfachwerk (15. Jh.?) könnte hier mit gutem Gewissen wiederhergestellt werden.
    U-Bahn-Zugänge in Hausfassaden sind durchaus üblich und können sehr gut funktionieren. In London (mit viel größerem Verkehrsaufkommen!) habe ich das mehrfach gesehen.