Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Schön wärs, wenn die Politik tatsächlich mal auf Wachstum setzen und dieses endlich als Chance begreifen würde dieser Stadt mehr Urbanität zu verschaffen. Riesige Kleingärtenkolonien und 50er-Jahre-Zeilenbausiedlungen teils in bester Lage, warten darauf endlich durch dichten europäischen Städtebau nach Vorbild der Gründerzeitquartiere überformt zu werden. Aber den Architekten und Stadtplanern fällt bisher nichts besseres ein, als auch noch für den letzten Straßenzug weit abseits des Zentrums (bzw sogar in der Altstadt) unpassende solitäre Wohn"türme" vorzuschlagen.
    Von der Politik prescht einzig die SPD - die sich aber sonst (siehe Platensiedlung) als größter Feind der dringend nötigen Nachverdichtung präsentiert - ab und zu mit Vorschlägen für (grundsätzlich durchaus sinnvolle) neue Stadtviertel vor, wobei denen dann eher Sozialghettos mit monotonen Flachdachwürfeln a la Nordweststadt oder bestenfalls Riedberg vorschweben, gegen die die bisherigen Nachbarn nicht zu Unrecht Sturm laufen.
    Ansonsten nimmt man das Wachstum als etwas nicht vermeidbares hin, aber gestaltet nicht, sondern versucht so weit wie möglich zu verhindern. Und das derzeit von allen Parteien. Stattdessen verknappt man das Bauland, verschärft immer weiter die Anforderungen für Brandschutz und Energieeinsparung, die schon seit Jahren Ausmaße jenseits aller Vernunft angenommen haben, und kommt dann auch noch mit sozialistischen Markteingriffen wie Milieuschutzsatzungen oder der Mietpreisbremse. Und dann wundert man sich das die Preise durch die Decke gehen. Wobei die Bestandsmieten ja noch erträglich sind. Aber wehe man bekommt Kinder und will sich innerhalb der Stadt eine neue Wohnung suchen zum Mieten oder gar zum Kaufen. Wenn man nicht gerade Millionär ist oder alternativ Hartz-4-Bezieher der auf der Warteliste recht weit oben steht, hat man in dieser Stadt kaum noch eine Chance was Besseres als eine abgeranzte Bruchbude am Arsch der Welt oder im sozialen Brennpunkt zu finden.
    Langer Rede kurzer Sinn: für die gegenwärtigen Immobilienpreise trägt die Politik vor allem im Bund, aber auch in Land und Stadt die Hauptschuld. Es liegt an ihr dass sie endlich ihre Hausaufgaben macht (leider unrealistisch), dann dürften auch im Altstadtbereich wieder halbwegs bezahlbare Wohnunen möglich sein. Wobei es speziell beim Dom-Römer-Areal bei den Gesamtkosten die man durch die Problematiken mit U-Bahn, Tiefgarage, Bestandsbauten etc erreicht hat, sicherlich nicht das verkehrteste war, zu versuchen über das Erbbaurecht wenigstens eine Teil der Kosten wieder reinzubekommen. Alternativ hätten wir nämlich eher keine Altstadt sondern Sozialwohnungen entweder im furchtbaren Technischen Rathaus oder in hässlichen monotonen Neubauten bekommen. Für den Normalverdiener erschwingliche Mieten wären so oder so nicht drin gewesen.

  • Ein Verbot des Baus von Eigentumswohnungen wirst Du allerdings nicht erleben, zumindest so lange nicht die "Linke" die Stadt regiert. Bauherren dazu zu zwingen, Mietwohnungen zu errichten, dürfte das Baugeschehen stellenweise zum stark einschränken bzw. zum Erliegen bringen. Das vom Bauherren eingesetzte Kapital (das er erst einmal aufbringen muss) würde erst langsam zu diesem zurückfließen, und dieser Rückfluss ist mit einem großen Aufwand für den Bauherren verbunden (Makler für Vermietung, Hausverwaltung usw.).

    Ich will niemandem irgendetwas verbieten, darum ging es auch nicht. Ich sprach nicht von privaten Investoren, sondern von der Stadt Frankfurt als Bauherr.


    Quote

    Mietwohnungen zum moderaten Mietpreis (Sind das die 1700 Euro warm für die 100 Quadratmeter, die mein Kumpel in Bornheim zahlt? Oder soll es noch günstiger sein?)

    1700 € für 100 m² sind schon ein ganz schöner Brocken, und das könnte sich beileibe nicht jeder leisten - also etwas für Besserverdiener bzw. Dinkies*. Aber: Das würde eben auch eher die Leute anziehen, die dort tatsächlich wohnen wollen als solche, die so eine Wohnung vor allem besitzen wollen. Selbst wenn (bzw. erst recht wenn) man 2000 € oder noch mehr verlangen würde, würde man diese Wirkung erzielen. Lieber eine Altstadt mit reichen Bewohnern als eine mit reichen Wohnungseigentümern, die eigentlich in Kronberg oder Königstein leben.
    * double income, no kids

    Quote

    Hätte sich die Stadt Frankfurt verpflichten müssen, im Dom-Römer-Bereich Mietwohnungen zum moderaten Mietpreis zu errichten, hättest Du keine neue Altstadt bekommen. Du hättest bestenfalls einige mit Styropor gedämmte Blöcke erhalten. Alles andere wäre der Öffentlichkeit hinsichtlich der städtischen Finanzen, die übrigens langsam deutlich nachgeben, nicht vermittelbar gewesen.

    Das ist Deine These - aber woher willst Du das so genau wissen? Ein Neubau kann sich auch durch Mieten refinanzieren, nur eben viel langsamer. Aber es ist auch nicht irgendein Neubauprojekt, sondern der partielle Wiederaufbau eines Teil der historischen Altstadt. Die möglichst kein totes Freilichtmuseum, sondern ein lebendiges kleines Viertel sein soll. Warum sollte das der Öffentlichkeit nicht vermittelbar sein?


    Im Übrigen hat man doch auch aus guten Grund die Gewerbeflächen nicht an von finanzkräftigen Konzernen getragene Ketten vergeben, sondern an mittelständische Unternehmer, die dort ihr Café, ihre Apotheke oder ihren Feinkostladen oder was auch immer betreiben werden. Dafür werden doch ebenfalls Mietverträge zu für Mittelständler machbaren Konditionen geschlossen. Würde die Dom Römer GmbH auch hier möglichst viel Umsatz herausholen wollen und Mieten verlangen, die man im Zentrum einer Stadt wie Frankfurt durchaus erzielen kann, würden H&M, Apple-Store, Starbuck's und McDonald's am Hühnermarkt einziehen - was man aber gerade vermeiden wollte. Und das war und ist m.E. der Öffentlichkeit sehr einfach vermittelbar.

  • "Schlossgespenst", die neue Altstadt entstand in einem außergewöhnlich günstigen Zeitfenster. Es gab noch Rekordeinnahmen in der Gewerbesteuer, zudem stand eine Kommunalwahl an, in der sich die Parteien profilieren wollten. Ich wage die Behauptung, dass ein solches Projekt heute schon nicht bzw. kaum mehr durchsetzbar wäre. Die Schulden explodieren gerade, und die letzten Rücklagen werden gerade aufgezehrt.


    Siehe hier:
    http://www.fnp.de/lokales/fran…g-schaffen;art675,2831804


    http://www.bff-frankfurt.de/artikel/index.php?id=1249


    Und schon damals wäre es politisch kaum durchsetzbar gewesen, eine Fachwerkaltstadt zu bauen, um diese mit städtischen Mietwohnungen zu bestücken. Das hätte geheißen, das Projekt um ca. 88 Millionen Euro zu verteuern (was der Prognose der Verkaufserlöse entsprach), mit dem Risiko, auch später als Vermieter für Reparaturen, Verwaltung usw. laufende Kosten zu haben.


    Aber ich verstehe auch die ganze Angst vor leerstehenden Wohnungen reicher Kronberger und einem "toten Freilichtmuseum" nicht. Das Areal ist noch im Bau. Die Eröffnung ist erst im Herbst nächsten Jahres. Wir wissen doch noch gar nicht, wer dort am Ende wohnen wird, als Eigentümer oder Mieter. Lassen wir uns doch einfach mal überraschen.

  • Quote from Heimdall

    Und schon damals wäre es politisch kaum durchsetzbar gewesen, eine Fachwerkaltstadt zu bauen, um diese mit städtischen Mietwohnungen zu bestücken. Das hätte geheißen, das Projekt um ca. 88 Millionen Euro zu verteuern (was der Prognose der Verkaufserlöse entsprach),

    Pardon, aber das ist doch eine Milchmädchenrechnung. Die Bewohner hätten ja nicht kostenlos da drin gewohnt, sondern hätten Monat für Monat und Jahr für Jahr (ja, von mir aus zur Not auch recht gesalzene) Mieten gezahlt. Und zwar unbegrenzt, für alle Ewigkeit d.h. so lange, wie die neue Altstadt existiert; zwischenzeitlichen Leerstand hätte man hier wohl ausschließen können.


    Wenn man Mietwohnungen baut, bekommt man naturgemäß nicht auf einen Schlag viel Geld, sondern es kommt im Laufe der Zeit periodisch rein - das ist doch auch nichts neues. Natürlich darf man die Instandhaltung nicht außer acht lassen, aber dafür kommen Mietzahlungen zeitlich ungedeckelt und mit der Möglichkeit der Erhöhung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten (man kann z.B. auch eine Indexmiete vereinbaren).


    Aber ich verstehe auch die ganze Angst vor leerstehenden Wohnungen reicher Kronberger und einem "toten Freilichtmuseum" nicht. Das Areal ist noch im Bau. Die Eröffnung ist erst im Herbst nächsten Jahres. Wir wissen doch noch gar nicht, wer dort am Ende wohnen wird, als Eigentümer oder Mieter.

    Tja, Eigentümer, Mieter oder - dritte Möglichkeit - weder noch. Die Vermutung ist zumindest nicht ganz fernliegend, denn bei der Ostzeile scheint es so zu sein, und dass Petra Roth aus ihrem Haus im ruhigen, friedlichen Nieder-Erlenbach auszieht, kann ich mir nicht vorstellen. Ein paar abendliche Spaziergänge durch die Altstadt im Jahr 2019 könnten aufschlussreich sein.

  • Na, das ist ja mal wirklich ne Milchmädchenrechnung. Als ob so ein Haus, einmal gebaut, nie wieder Kosten verursachen würde. Bei Mietshäusern rechnet man damit, dass sie 25 bis 30 Jahre halten, dann spätestens ist eine Sanierung fällig...

  • Dann leg mal die Baukosten auf 25 Jahre um und du hast die Jahresmiete, die notwendig ist, um auf eine schwarze Null zu komme9n. Alles andere werden Kämmerer, Rechnungshof und Bund der Steuerzahler als Verschwendung öffentlicher Gelder um die Ohren hauen.


    Und dann sind wir bei so hohen Mieten, dass sie sich nur die leisten können, die eben gern noch ne Drittwohnung in der Nähe des Flughafens Frankfurt haben wollen.

  • Willst Du damit sagen, dass jedes der neugebauten Häuser nach 25 Jahren so heruntergekommen sein wird, dass eine Sanierung nötig wird, die genauso teuer wird wie ein Neubau? Woher kennst Du so genau den Instandsetzungsbedarf jedes Hauses? Tut mir leid, aber das sind alles Allgemeinplätze und geschwurbelte Behauptungen ins Blaue hinein. Wenn Du wenigstens ein konkretes Beispiel benennen und vorrechnen könntest (welches Haus, für das welche Baukosten aufgewendet wurden und das wie viele Wohnungen à wie viel Quadratmeter enthält?), dann könnte man das vielleicht noch nachvollziehen.


    Und dann auch noch der Verweis auf den Bund der Steuerzahler - seit wann ist dessen Meinung denn für irgendein Projekt der öffentlichen Hand ein Entscheidungskriterium? Hier wird ja gerade so getan, als würden wir von einem zweiten BER reden. À propos Flughafen: Den dreimal so teuren Flughafen Kassel-Calden hat man auch durchgeboxt, und nun braucht ihn keiner, und von einer ansatzweisen Auslastung kann keine Rede sein. Hamburg hat die fast zehnmal so teure Elbphilharmonie durchgezogen. Zur Erinnerung: Es geht um ein paar Wohn- und Geschäftshäuser im historischen Zentrum der Stadt, nicht um irgendein abgehobenes Projekt.



    Quote

    Und dann sind wir bei so hohen Mieten, dass sie sich nur die leisten können, die eben gern noch ne Drittwohnung in der Nähe des Flughafens Frankfurt haben wollen.

    Wie schon gesagt: Das mit der Drittwohnung ist bei hohen Mieten wesentlich unwahrscheinlicher als bei Eigentum oder Erbbaurecht.

  • Da ja inzwischen zwei der Dom-Römer Cams ausgefallen sind, muss man halt immer mal vor Ort schauen.


    Heute habe ich gesehen, was sich am Roten Haus interessantes tut:




    Die erste echte "Schirn" ist (im Rohbau) wieder da, es ist das rote Vordach mit der Rauchabzugsöffnung.




    Ich vermute sehr stark, dass die knallrote Farbe eine Schutzlasur für das Holz ist, und dass das ganze, wie im Original anschließend verschiefert wird.




    Hier habe ich einen Blick von Süden durch den Spalt des Bauzauns (also aus Richtung ehem. "Tuchgaden") in das offene, schirngedeckte Erdgeschoss des roten Hauses gewagt. Rechts die Wand des neuen Roten Hauses (Markt 15). Dabei sieht man ein Teil der Schirn-Holzkonstruktion von unten (oberhalb des orangenen Elektrokastens).

  • Ja, in der Tat - hier hat man eigentlich alles richtig gemacht. Bei Markt 30 allerdings sind jetzt sowohl Architektur als auch Nutzung ein Zugeständnis an den (vermeintlichen) Zeitgeist. Was soll's...

  • Erstaunlicherweise findet sich wenig Gastronomie darunter. Nicht einmal ein Restaurant. Womöglich wollte man den Anwohnern keine Essensdüfte zumuten?...

  • "Gastronomie wird in dem knapp ein Fußballfeld großen Areal zwischen Kaiserdom, Rathaus Römer und Kunsthalle Schirn auch zu finden sein. Die Betreiber wurden schon früher ausgeguckt. Ein Brauhaus und eine Confiserie mit Café gehören zu den großen Lokalen. Dazu kommen etwa ein türkisch-portugiesischer Imbiss, eine italienische Café-Bar, eine Weinbar und eine Kaffee-Rösterei."
    (Aus dem letzten verlinkten Artikel)


    Auch sehr schön die Bildunterschrift dort...

  • In den alten Markt alias Krönungsweg passt Gastronomie auch nicht wirklich hinein. Es geht m.E. weniger um Gerüche als um Lärm; vor allem aber ist in der relativ engen Gasse kein Platz für Außenbestuhlung, so dass nur sehr kleine Lokale Platz hätten, und einen urigen alten Gewölbekeller gibt's unter den Häusern ja auch nicht - nicht mal einen rekonstruierten, denn unten drunter ist ja die Tiefgarage. Aber auf den Hühnermarkt passt Gastronomie ja drauf.