Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Zum Rebstock:

    Also nach meinem Wissensstand/ meinen Fotos war auch das Fachwerk des Rebstocks aufgemalt?!

    Ich habe mich ja intensiv mit dem Fachwerkbau in Frankfurt beschäftigt, aber ich muss zugeben, mich noch nie mit dem "Rebstock" befasst zu haben. Zweifelfrei war er eines der pittoreskesten Gebäude der Altstadt, aber für den Fachwerkbau nicht so von Interesse, da man hinter den Galerien nur spärliches Konstruktionsfachwerk sah.


    Nun habe ich auf alten Fotografien nachgeschaut und bin ebenfalls zum Schluss gekommen, dass auch das Fachwerk des "Rebstocks" höchstwahrscheinlich nur aufgemalt war. Interessant ist auch, dass man an den Galerien mindestens fünf verschiedene Balusterformen erkennen kann.



    Rebstock von Nordosten, Photo-Ansichtskarte, 1904 gelaufen



    Wegen des Bildmaterials verweise ich hier nochmals auf meinen Beitrag im Strang "Frankfurt in alten Ansichten". Einen weiteren, sehr ausführlichen Beitrag über die Baugeschichte des "Hofes Rebstock" verfasste unser Mitglied RMA zuhanden Wikipedia (leider findet man den Beitrag mit dem Suchwort "Rebstock" bei Wikipedia nicht, sondern nur in der Schreibweise "Hof Rebstock").


    Um begrifflichen Differenzen auszuweichen, hier erst eine Vorbemerkung: der "Hof Rebstock" umfasste einst bis zu zehn Häuser. Bei dem jetzt nachgebauten "Rebstock" handelt es sich nur um ein Hintergebäude, auf das sich nach dem Verkauf aller Messehöfe im 19. Jh. der Namen übertragen hatte. Das ursprüngliche Hauptgebäude am Alten Markt 8 wurde im 19. Jahrhundert ersetzt und strahlte nicht mehr den Anschein eines Patriziergebäudes aus.


    RMA vermutet aufgrund baulicher Details, dass der "Rebstock" im 18. Jahrhundert über einem möglicherweise älteren Erdgeschoss neugebaut worden war. Meiner Meinung nach kann es sich auch bereits um das langgezogene Gebäude auf der Merianansicht von 1628 handeln, das dann im 18. Jahrhundert stark in die Form umgebaut worden war, die es bis 1944 besass.



    Ein grober Fehler ist nun auch beim Nachbau des "Rebstocks" unterlaufen!


    Der bis 1944 verschieferte Quergiebel fluchtete mit den Holzgalerien und nicht mit der eigentlichen Fassade. Bei diesem Quergiebel handelte es sich bestimmt um eine leichte Holzkonstruktion, die anschliessend verbrettert und verschindelt wurde. Keinesfalls konnte es sich um ausgemauertes Fachwerk handeln, denn solches wäre zu schwer gewesen, um es auf die filigranen Galerien abzustützen! Dass jetzt plötzlich ein Sichtfachwerk fantasiert worden ist, finde ich sehr fragwürdig. Mit betonierten Galerieböden funktioniert eben alles... >>> zum Nachbau: http://domroemer.de/braubachstrasse-19-rebstock-hof



    li: Jacobs Kunstanstalt, Frankfurt a. M., ca. 1905; re: Knackstedt & Näther, Hamburg, 1913 gelaufen

  • Bist Du Dir sicher, dass der Giebel nun mit der Fassade und nicht mit den Galerien fluchtet? Mir erscheint, dass er auch weiterhin mit den Galerien fluchtet, kann es aber aus der Sicht der Baustellenwebcam nicht exakt verifizieren. Meines Erachtens hat der Rebstock-Giebel die gleiche Flucht wie der Giebel des Hauses daneben. Bei Braubachstraße 21 fluchtet er mit der Fassade. Da die Fassade beim Rebstock-Hof aber hinter der Galerie zurückversetzt liegt, fluchtet der Giebel mit der Galerie. Wie gesagt, so sehe ich es momentan, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Das Problem mit dem Sichtfachwerk des Giebels könnte man, sofern dieser einst wirklicht nicht aus Fachwerk bestand, in Zukunft durch nachträgliche Verschindelung optisch lösen (wenn es denn wirklich so sehr stört).

  • Bist Du Dir sicher, dass der Giebel nun mit der Fassade und nicht mit den Galerien fluchtet? Mir erscheint, dass er auch weiterhin mit den Galerien fluchtet, kann es aber aus der Sicht der Baustellenwebcam nicht exakt verifizieren. Meines Erachtens hat der Rebstock-Giebel die gleiche Flucht wie der Giebel des Hauses daneben. Bei Braubachstraße 21 fluchtet er mit der Fassade. Da die Fassade beim Rebstock-Hof aber hinter der Galerie zurückversetzt liegt, fluchtet der Giebel mit der Galerie. Wie gesagt, so sehe ich es momentan, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Das Problem mit dem Sichtfachwerk des Giebels könnte man, sofern dieser einst wirklicht nicht aus Fachwerk bestand, in Zukunft durch nachträgliche Verschindelung optisch lösen (wenn es denn wirklich so sehr stört).

    So wie ich das verstanden habe, fluchtet auch heute wieder der Giebel mit der Galerie. Das, was Riegel bemängelt hat ist, daß die Galerie, wäre sie authentisch aus Holz (und nich mit im Kern Betonpfeilern), niemals einen schweren Fachwerkgiebel hätte tragen können sondern nur eine leichtere Holzkonstruktion. Es wird also eine Statik vorgegaukelt die beim Original niemals hätte so bestehen können.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • Ah, danke. Jetzt habe ich verstanden. Gut, dann kann man diesen Makel, so man ihn als solchen versteht, zu einem späteren Zeitpunkt optisch ausgleichen, indem man den Fachwerkgiebel nachträglich komplett verschindelt. Also eine zumindest optisch revidierbare Geschichte.

  • Ja, Kaoru hat das richtig gesehen; der Quergiebel fluchtete vor 1944 mit den Galerien und tut es jetzt auch wieder. Die Galerien besitzen aber keine Betonpfeiler, sonder Betonböden, und diese nehmen ja die Last des Gewichtes des Quergiebels auf (genau gesagt nur der oberste Betonboden auf Traufhöhe). Die schlanken, gedrechselten Holzstützen hätten das Gewicht wahrscheinlich schon aufnehmen können.


    A propos Holzsäulen: die mächtigen Eichensäulen des "Roten Hauses" sind im Kern ausgebohrt und mit einem Stahlkern verstärkt worden... 600 Jahre hat das auch ohne Stahlkerne gehalten.

  • A propos Holzsäulen: die mächtigen Eichensäulen des "Roten Hauses" sind im Kern ausgebohrt und mit einem Stahlkern verstärkt worden... 600 Jahre hat das auch ohne Stahlkerne gehalten.

    Man hegt wohl die Befürchtung es könne zu Verformungen kommen, wie das bei alten Fachwerkhäusern oft der Fall ist und will auch in 200 Jahren noch gerade Böden und gängige Fenster und Türen nutzen können, ohne alles neu nivellieren zu müssen. :thumbup:

  • Genau in dieser Hinsicht ist man die Ostzeile am Römerberg und den schwarzen Sternen anders angegangen. Dort sind wirklich die Fachwerke auch die Traggerüste, und nicht einfach vorgehängt. Der schwarze Stern hat in den gut dreissig Jahren seines Bestehens zwischen 8 und 12 cm Setzungen erfahren. Diese Setzungen sind nun aber grösstenteils abgeschlossen, da das Holz vollständig ausgetrocknet ist. Diese Verformungen hat man in Kauf genommen. Auch beim Engel sieht man doch schön, wie sich das ganze Haus "windet".


    Bei den jetzigen Rekonstruktionen ist meines Wissens einzig die Goldene Waage eine authentische Rekonstruktion, was das Fachwerk betrifft. Im Erdgeschoss und Treppenbereich ist aber viel Beton verbaut worden. Dies ist sicher eine Konzession an strengere Bauvorschriften (Erdbebenstandhaftigkeit) als in den 1980er-Jahren und auch den Einbezug der vielen Spolien. Irgendwo hat jemand hier mal bemerkt, dass beim Wiederaufbau resp. Nachbau des Altstadtviertels kein Bauforscher oder Bauhistoriker beigezogen worden ist. Hier hat Dresden ein Plus. ;)

  • Zweites Bild in diesem Link: eine geschnitzte Giebelabschlussbohle der "Goldenen Waage" Aber...


    verleimtes Brettschichtholz???


    Auf dass es sich auf keinen Fall nur um einen Millimeter verziehen darf... ts ts tsssss

  • Wurde da vielleicht ein überlebendes Originalteil integriert?


    Mehrschichtig verleimtes Holz verzieht sich im Übrigen deutlich weniger als Bretter aus einem Stück.


    Ah, du meinst das zweite Bild.
    Ich dachte an ein integriertes Originalteil bei Bild 4/7.

  • Nun, der Hof zum Lämmchen wird sowohl von der Gasse "Hinter dem Lämmchen" als auch von der Braubachstraße her zugänglich gemacht werden, weiterhin der kleine Hof hinter dem Rebstock, zumindest als Durchgang vom Rebstockhof zur Neugasse.


    Die restlichen Höfchen werden wohl unzugänglich bleiben.

  • Nun, der Hof zum Lämmchen wird sowohl von der Gasse "Hinter dem Lämmchen" als auch von der Braubachstraße her zugänglich gemacht werden, weiterhin der kleine Hof hinter dem Rebstock, zumindest als Durchgang vom Rebstockhof zur Neugasse.


    Die restlichen Höfchen werden wohl unzugänglich bleiben.

    Zugänglich wird selbstredend auch der Rebstockhof selbst.

  • Heute berichtet die Papier-FAZ, dass der U-Bahn-Eingang vor der Schirn, den man angeblich erst jetzt als unpassendes Loch erkannt hat (laut Guntersdorf habe das auf den Zeichnungen/Visualisierungen "lieblicher" ausgesehen als in natura), nun auch noch überbaut werden soll. Es wird also noch ein weiteres Altstadt-Haus geben. Um Zeit zu sparen, erwägt man einen beschränkten Architektenwettbewerb.


    Auf eine weitere Rekonstruktion kann man da wohl nicht hoffen, und die wäre als Überbau einer Rolltreppe wohl auch nicht ideal. Aber spannend wird das Ganze trotzdem - denn wir haben ja nun von sehr guten über passable und erträgliche bis hin zu fürchterlichen Füllbauten schon alles gehabt im Dom-Römer-Projekt. Jetzt kommt es wohl drauf an, wer zu diesem Wettbewerb geladen wird. Ich kann nur hoffen, der Neubau hat mindestens die Qualität wie und nicht mehr "moderne Brüche" als das bereits gebaute andere "U-Bahn-Haus" auf der Ostseite:


  • Heute berichtet die Papier-FAZ, dass der U-Bahn-Eingang vor der Schirn, den man angeblich erst jetzt als unpassendes Loch erkannt hat (laut Mäckler habe das auf den Zeichnungen/Visualisierungen "lieblicher" ausgesehen als in natura), nun auch noch überbaut werden soll. Es wird also noch ein weiteres Altstadt-Haus geben. Um Zeit zu sparen, erwägt man einen beschränkten Architektenwettbewerb.


    Auf eine weitere Rekonstruktion kann man da wohl nicht hoffen, und die wäre als Überbau einer Rolltreppe wohl auch nicht ideal. Aber spannend wird das Ganze trotzdem - denn wir haben ja nun von sehr guten über passable und erträgliche bis hin zu fürchterlichen Füllbauten schon alles gehabt im Dom-Römer-Projekt. Jetzt kommt es wohl drauf an, wer zu diesem Wettbewerb geladen wird. Ich kann nur hoffen, der Neubau hat mindestens die Qualität wie und nicht mehr "moderne Brüche" als das bereits gebaute andere "U-Bahn-Haus" auf der Ostseite:

    Nanu? Ist das schon beschlossen? Wenn ja, wirklich nur ein Haus? Ein "Solitär" am Ende? Keine "Pergola" mehr? Die Südseite des Krönungswegs hat Parzellen für etwa vier bis fünf Häuser.


    Kann mich erinnern, dass Mäckler schon vor Jahren in einem Interview sagte, dass die Südseite des Krönungswegs bebaut gehört - aus seiner Sicht selbstverständlich ausschließlich ohne Rekos und nur mit Neubauten (soviel schon mal zu den möglichen Teilnehmern eines "eingeschränkter Architektenwettbewerbs").


    Wie ich meine Geburtsstadt Frankfurt kenne, wird man alles dransetzten, den Krönungsweg vis a vis Markt 30 bis 40 nun restlos zu vermurksen.

  • Wie sah die Häuserzeile von Markt 19-29 denn aus? In ihrer ganzen Tiefe könnten die Gebäude wohl leider nicht rekonstruiert werden und dann wäre da ja noch der Höhenunterschied zum Schirn-Plateau zu überwinden. Anbei ein Ausschnitt aus dem Ravensteinplan (1862) mit dem in Frage kommenden Bereich.


    Frankfurt Ravensteinplan 1862, Markt Quelle: Wikimedia Commons

  • Nanu? Ist das schon beschlossen? Wenn ja, wirklich nur ein Haus? Ein "Solitär" am Ende? Keine "Pergola" mehr? Die Südseite des Krönungswegs hat Parzellen für etwa vier bis fünf Häuser.

    Das klingt im Artikel wie eine beschlossene Sache, und die Rede ist von einem Haus. Aber warten wir mal ab.