Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Hmm, Heimdall, das ist freilich eine raffinierte, aber wohl geeignete Manipulation der eigenen Empfindsamkeit, um sich nicht den Aufenthalt im Viertel zu verderben,... 8)
    Heißt, dass die Häuser keine Keller haben!? Beginnt die Tiefgarage gleich unter der Erdgeschoßplatte? Kann ich mir nicht vorstellen. Wo bringen denn die Leute ihre Abstellsachen unter?

  • Richtig, die Häuser haben keinen Keller, weil die Tiefgarage unter den Häusern liegt. Als Abstellkammer bietet sich womöglich der Dachboden an, sofern nicht als Mansardwohnung ausgebaut. (Oder sie mieten einen Tiefgaragenstellplatz an :lachentuerkis: ) Vielleicht gibt es auch kleine Vorratskammern in der Küche usw. Dazu kann ich aber nichts sagen. Das ist Sache der Innenraumgestaltung und des persönlichen Haushaltsmanagements.

  • Doch, die meisten der Häuser haben eigene Keller. Diese liegen aber "Tür an Tür" zu den parkenden Autos.
    Ich tue mir daher schwer mit dem Begriff "Keller", da man damit eher Räume meint, die ganz oder teilweise von
    gewachsenem Erdreich umgeben sind.


    Nun denn. Schauen wir uns mal ein paar Fotos an. Zunächst das Bebauungskonzept des Areals:
    Frankfurt, Dom-Roemer-Areal, Bebauungskonzept.
    Bild: DomRömer GmbH

    Der zugehörige Plan des Untergeschosses zeigt, dass sich die oberirdische Bebaungsstruktur
    im Tiefgaragen-Grundriss ablesen lässt. Die "abgetrennten Kellerbereiche" tragen die Namen der
    jeweiligen Häuser.
    Frankfurt, Dom-Roemer-Areal, Untergeschosse der Häuser mit Tiefgarage.
    Bild: DomRömer GmbH



    Die zu sehende, lange Rampe durch das "Haus am Dom" schaut übrigens in der Realität so aus: Klick!
    (Bild von Nutzer Beggi, DAF)


    Abschliessend noch eine Grafik, wie das bestehende Parkhaus mit dem Neubauteil zusammenhängt: Klick!
    (Bild: Stadt Frankfurt am Main)

  • Du hast offenbar recht. Ich war bislang davon ausgegangen, dass die Häuser nur auf der Tiefgarage stehen.


    Ich werde nicht hunderprozentig klug aus dem Plan, denn die weiße Fläche kann nicht die gesamte Parkebene sein, da zu Beispiel ein Abgang auf dem Römerberg steht, also weit westlich der weißen Fläche. Man sieht ja auch, dass auch auf der grauen Fläche "Tiefgarage" geschrieben steht. Ist die weiße Fläche vielleicht nur die Fläche es ehemaligen technischen Rathauses?


    So oder so, auch wenn ich den Plan nicht ganz verstehe. Es muss wohl wirklich Keller geben, denn auf der Webseite des Dom-Römer-Projekts steht geschrieben: "...mit dem Parkhaus Dom Römer auf rund 20.000 Quadratmetern mehr als 600 Stellplätze sowie technische Versorgung und Keller der Altstadthäuser aufnehmen."


    Da habe ich wieder etwas gelernt. Vielen Dank.

  • Erstaunlich wie auf einmal alle die Altstadt loben als wären sie schon immer dafür gewesen. Ein Phänomen dass sich übrigens immer beobachten lässt wenn die Rekos erst mal stehen. Vorher war es Teufelswerk. Niemand wolle in so engen Gassen heute noch wohnen. Und jetzt ist es plötzlich der aha Effekt schlecht hin.


    Es bleibt da mal wieder nur ein Begriff: bemerkenswert. Aber getreu dem Altkanzler heißt es wohl was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Aber wehe es kommt jetzt jemand auf die Idee dieses tolle Projekt was jetzt von allen gelobt wird nur um eine Gasse erweitern zu wollen. Es ist manchmal schizophren.

    APH - am Puls der Zeit

  • Es bleibt da mal wieder nur ein Begriff: bemerkenswert.

    Erstaunlich wie auf einmal alle die Altstadt loben als wären sie schon immer dafür gewesen.

    Und dies gilt ja ausnahmslos für alle Rekonstruktionen, sobald diese erst einmal errichtet sind. Das ist doch das Argument sich jedes Mal wieder dafür einzusetzen.


    Vergleichbares ist im Übrigen bei Sanierungen von Altbauten zu sehen. Erst heißt es: Ein Schandfleck, der muss weg und kann nur abgerissen werden. Ist dann die Sanierung erfolgt sagen die gleichen Leute:. Ein Schmuckstück, ach was ist unsere Stadt doch so schön. Die Phantasie einiger Zeitgenossen (und leider oft auch der lokalen Presse) scheint doch sehr beschränkt zu sein.

  • In den letzten Jahren hat man es immer wieder erlebt, daß bereits fertiggestellte Rekonstruktionen auch deswegen kritisiert werden, weil man ihnen andichtet, daß ihnen die Patina fehlt. Man kann es drehen und wenden wie man will, aber auch die Originale, die z.B. in den 1920er Jahren die Spuren ihrer Geschichte gezeigt haben, waren einmal gerade fertiggestellt und neu gewesen. Insbesondere ist das auch eine Eigenschaft des frisch bearbeiteten roten Mainsandsteins. Es ist sehr realistisch, daß die Originale der Renaissance eine ganz ähnliche Optik gehabt haben, wie wir das schon in Bälde selbst sehen und wieder erleben können.
    Gerade zum jetzigen Zeitpunkt, an dem die Goldene Waage sichtbare und substantielle Fortschritte gemacht hat, denkt man auch an Fried Lübbecke, der vor etwa 65-70 Jahren den Wiederaufbau der Ruine vorbereitet und auch den konkreten Materialbedarf erarbeitet hatte. Es hat nicht sollen sein, stattdessen wurden die Reste des Erdgeschosses verschleudert und verramscht. Man darf davon ausgehen, daß auch in Frankfurt in so manchen Hinterzimmern der kommunalen Politik Entscheidungen getroffen wurden, von denen man bis heute nicht alle Details kennt.
    Man wird sehen, ob man auch der neuen Goldenen Waage andichtet, ihr fehle die Patina, aber umgekehrt ist auch die Frage interessant und berechtigt, welche Patina sie heute aufwiese, hätte man sie bereits vor 60 Jahren wieder aufgebaut.

  • Ist Euch der Artikel mit dem Interview von Herrn Guntersdorf schon bekannt?


    http://www.allgemeine-zeitung.…-im-zeitplan_16677201.htm

    Daraus ein bemerkenswertes Zitat Guntersdorfs. Es geht um die CDU-Idee, im "Stadthaus" ein Kirchenmuseum unterzubringen:


    Quote

    Wo liegen Probleme?
    Bei multikulturellen Empfängen oder Veranstaltungen könnte es beispielsweise zu atmosphärischen Störungen mit dem Kirchenmuseum kommen. Diese Konflikte kann man sich auch ersparen.

    :lachentuerkis: Die Geister, die sie riefen...


    Ansonsten zeigt das Interview erneut, dass man sich das "Stadthaus", für das man eigentlich gar keine rechte Verwendung hat, besser gespart hätte. Vielleicht kommt es ja in weiterer Zukunft einmal zu einem Abriss und der Rekonstruktion der Häuser der alten Höllgasse.

  • Daraus ein bemerkenswertes Zitat Guntersdorfs. Es geht um die CDU-Idee, im "Stadthaus" ein Kirchenmuseum unterzubringen:


    Die Geister, die sie riefen...

    Das ist allerdings in der Tat bemerkenswert. Den gerufenen Geist sehe ich allerdings nicht in dem Multikulturellen, sondern eher in der Anahme von Herrn Gunterdorf (und wahrscheinlich auch Anderen) Menschen mit einem anderen als einem christlichen kulturellen Hintergrund sei es nicht zuzumuten sich in einem Gebäude aufzuhalten, in dem sich auch eine Sammlung zu kirchliche Zwecken gefertigter Gegenstände befindet. Wohlgemerkt: Ein Museum und noch nicht einmal ein Gottesdienstraum oder eine Kultstätte.


    Eine solche Annahme hat etwas geisterhaftes, weil sie nur in den Gedanken der sie äußernden lebt und nichts Reales hat.


    Den Anhänger einer anderen als der christlichen oder keiner Religion vor dem Betrachten christlichen Kulturgüter zu "schützen" ist weder "multi" und schon gar nicht "kulturell" und erinnert, mit Verlaub, etwas an die Begründung des sogenannten IS, vorislamische Kulturgüter oder auch bestimmte islamische Kultstätten vernichten zu müssen. Von diesem Geist sollte man sich tatsächlich nicht fangen lassen.


    Ob man für das Stadthaus eine Verwendung haben wird, wird sich zeigen. Ich denke schon, das ein Bedarf für Veranstaltungsräume in der Altstadt Frankfurts zukünftig bestehen wird.


    In dem Stadthaus ein "Kirchenmuseum" unterzubringen halte ich allerdings im Ergebnis auch für nicht sinnvoll. Nicht aus den von Herrn Guntersdorf genannten Gründen, sondern weil die Kirchenschätze im Domkreuzgang und dem Haus am Dom gut untergebracht sind und präsentiert werden.


    Anders würde ich dies allerdings dann sehen, wenn man auch die in den anderen Frankfurter Museen aufbewahrten Ausstattungsstücke Frankfurter Kirchen, ich denke hier besonders an die Altäre der ehemaligen Dominikanerkirche im Städel und im historischen Museum, im Rahmen des "Kirchenmuseums" eben nicht nur als Kunstwerke, sondern als Teile der Ausstattung einer Kirche zeigen wollte. Dies würde eine neue Präsentation sinnvoll machen, aber auch nicht in dem dann (schon von der Größe der Ausstellungsfläche hierfür) nicht angemessenen Stadthaus.

  • Der Erfolg hat ja immer viele Väter. Aber doch besser so, als wenn es bei einem Befürworter in der Stadtverordnetenversammlung geblieben wäre. :zwinkern:

  • Gibt es eigentlich noch weitere potenzielle Abris Kandidaten, wo man den Platz eventuell für eine Altstadt Erweiterung nutzen könnte, die Kunsthalle schirn hab ich mal außen vor gelassen, die ist zu neu aber in 20 Jahren Unfälle geschehen ... gut das geht dann doch zu weit :biggrin: .

  • Nun, es gab ja einige Kandidaten, aber die Chancen wurden bislang nicht genutzt, sondern stets auf Neubau gesetzt, z.B. das Areal des historischen Museums, des Bundesrechnungshofes, aktuell die Neubebauung am Mainufer neben dem Haus Wertheym. Es gibt zudem noch die Idee, die Altstadt südlich des Rathauses durch Abbruch eines Verwaltungsbaus weiter zu führen. Aber diese Idee ist nicht offiziell, sondern eine Einzelmeinung. Ich persönlich halte den Plattenbau neben dem historischen Museum, Saalgasse Südseite, für einen nicht schützenswerten Abrisskandidaten. Aber dort sitzt derzeit eine kirchliche Institution drin, und ob die mal auszuziehen gewillt ist, weiß ich nicht.

  • Ich persönlich halte den Plattenbau neben dem historischen Museum, Saalgasse Südseite, für einen nicht schützenswerten Abrisskandidaten.

    Das Problem im Bereich Saalgasse / Bendergasse besteht meiner Meinung auch darin, dass dort die Gassen verlegt und daher die alten Baufluchten nicht mehr einzuhalten sind. Die wäre nur dann möglich, wenn die gesamte Bebauung dort abgerissen wird. das halte ich für die Bauten an der Nordseite der Saalgasse und auch des Neubauers des Historischen Museums für unrealistische und eigentlich auch nicht unbedingt wünschenswert. Einzelne Häuser am Originalstandort zu rekonstruieren dürfte daher in diesen Gassen kaum möglich sein, was natürlich nicht dem Ersatz -auch durch einen altstadtveträglichen Neubau - des "Abrisskandiaten" in der Saalgasse entgegensteht.