Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Eine naive Frage an die Frankfurter: warum muss denn die Stadt 100 Millionen von 170 Mio. zuzahlen, wenn alls Altstadthäuser- und Wohnungen zigfach übernachgefragt sind und die Käufer fast ale Kostensteigerungen mitmachen?


    Sicher: der Abbruch des technischen Rathauses war sicher teuer. Aber der Rest der Häuser muss sich doch eigentlich rechnen?

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • Ich kann jetzt nur laienhaft antworten, weil mir die genaue Auflistung der einzelnen Kosten nicht vorliegt. Deshalb antworte ich unter Vorbehalt. Zuerst sind natürlich auch die Kostensteigerungen für die neuen Bewohner nicht ins Unbegrenzte vermittelbar. Zudem musst Du berücksichtigen, dass die Stadt ja nicht nur die Kosten für die Errichtung der Häuser trägt, sondern zahlreiche Posten hinzukommen, um überhaupt erst bauen zu können. Es musste das Technische Rathaus abgerissen werden (wie Du richtig anmerkst), die unter dem Areal liegende große Tiefgarage musste umgebaut werden, der U-Bahn-Ausgang musste verlegt werden. Hinzu kommen die neuen Anschlüsse für Wasser, Strom etc. Auch der neue Straßenbelag, öffentliche Beleuchtung. Dann wurde das Stadthaus auf einem Teil des Areals errichtet, dass als städtisches Gebäude mit öffentlicher Nutzung fungiert (Kosten: 20 Millionen Euro). Auch errichtet die Stadt ja einige der Gebäude in Eigenregie, was denn erst im Nachhinein per Mieteinnahmen wieder Geld zurückspülen dürfte. Wenn man diese Beträge summiert, kommt schon einiges zusammen. Es geht also nicht nur um die Errichtung von einigen Rohbauten auf einem freien Acker.


    Ich bin gestern an dem Areal entlang der Braubachstraße entlang gelaufen und habe auf die Schnelle ein Handypic geschossen. Darauf sieht man, dass einige Häuser keinen Betonsockel, sondern ein gemauertes Erdgeschoss erhalten. Es geht also offenbar auch anders, wenn der Wille da ist. Ganz links sieht man ein Betonerdgeschoss (offenbar von Braubachstraße 23), rechts hingegen ein gemauertes. Es könnte sich um das Erdgeschoss von "Hinter dem Lämmchen 6" ("Goldenes Lämmchen") handeln. Alles unter Vorbehalt.


  • Der Posten des Stadthauses ist mir nachvollziehbar. Da muss man also von den 100-Millionen-Zuschuß 20 abziehen.


    Bei den 35 Häusern wird doch in Erbbaurecht vergeben, oder? Wenn die Stadt einige als Miethäuser behält wäre das natürlich erklärlich - wenn alles in Erbbaurecht weggeht nicht.


    Die TG und Nebengeräusche wie Abbruch des Technischen Rathauses und Verlegung des U-Bahnhofes summieren sich, das ist klar. Aber doch nicht auf 80 Millionen!

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • Nehme zum Beispiel die sehr aufwändige "Goldene Waage". Diese wird wohl im städtischen Besitz bleiben.


    Zitat:

    Quote

    Künftig soll die Goldene Waage im Erdgeschoss gastronomisch und in den oberen Stockwerken museal genutzt werden. „Das Bauwerk war auch schon vor seiner Zerstörung ein Museum“, sagt Brummermann. Das Historische Museum besitze noch eine Ledertapete von damals, zudem Mobiliar. Die Räume sollen auch künftig für die Öffentlichkeit zugänglich sein, etwa durch Führungen.


    Quelle: http://www.fr-online.de/stadte…er,26042926,29975138.html


    Dass die Stadt die Gebäude baut und behält, dürfte noch bei einigen anderen Häusern der Fall sein. Somit summieren sich eben auch Kosten. Im Vergleich zu anderen öffentlichen Bauvorhaben (z.B. Berliner Stadtschloss) ist die Summe ja sogar noch überschaubar.

  • Bartetzko in der FAZ:


    Quote

    Auf diese weitgehend vergessenen Ursprünge des Rebstocks greifen Jordi & Keller mit ihrem stattlichen, die längst verschwundenen Steinbauten zitierenden Giebelhaus zurück. Dass sich ausgerechnet im Erdgeschoss ihres Rebstocks eine U-Bahn-Station befindet, deren pflegeleicht technoide Bauformen krass mit denen des Hauses kollidieren, ist den Umständen geschuldet. Wettgemacht wird das Manko durch eine Respektsgeste der Architekten vor der jüngsten Vergangenheit: Die umlaufenden schmalen Kragbänder des Neubaus, die als schlichter Fassadenschmuck auf Alt-Frankfurter Art die Geschosse markieren, werden aus aufbereitetem Waschbeton, dem Abbruchmaterial des Technischen Rathauses, bestehen.


    Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feu…altstadt-13531714-p3.html


    Bartezko scheint sich mittlerweile ja wirklich auf das Projekt zu freuen, was anfangs - wir erinnern uns - nicht der Fall war. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie das, was er in dem Zitat da beschreibt, in der Realität aussehen wird...

  • Folgende Einladung erhielt ich gestern per Mail:


  • Hallo allerseits,


    am Wochenende war ich in Frankfurt. Eigentlich hatte ich keine Zeit dafür, wollte es mir aber nicht nehmen lassen, wenigstens einmal kurz an der Baustelle und am Römer vorbeizuschauen. Ich habe auch ein paar wenige Fotos gemacht. Die Lichtverhältnisse waren aber sehr schwierig und ich hatte nur mein Smartphone dabei. Zudem waren wir extrem spät dran und mussten am nächsten Tag sehr früh los, so dass sich meine Begleitung nicht überzeugen ließ, die Baustelle einmal komplett zu umrunden. So habe ich die Seiten von der Braubachstraße und vom Dom aus leider nicht sehen können, sondern nur vom Römerberg und von der Schirn aus.


    Wie auch immer - da aktuelle Fotos hier ja leider selten zu sehen sind, steuere ich jetzt mal einige, leider wenige bei, die im wesentlichen Markt 40 ("Zu den drei Römern") und einen Teil des Stadthauses zeigen:








    Als kleine Entschädigung für die magere Foto-Ausbeute habe ich noch ein schönes Panorama der Römerberg-Ost- und -Südseite gebastelt (zum Vergrößern bitte anklicken):



    Ich hoffe, es gefällt euch; es war eine ganz schöne Arbeit, die perspektivischen Verzerrungen und verschiedenen Belichtungen so anzugleichen, dass es einigermaßen zusammenpasst.
    Mich hat die rekonstruierte Ostseite sehr beeindruckt. Ich fand sie noch deutlich schöner als den Römer selbst. Wenn nun noch die Nordseite und die Gebäude auf der Westseite neben dem Römer rekonstruiert werden würden, entstünde meiner Ansicht nach hier einer der schönsten Plätze Europas. Weiß jemand, ob hier irgendetwas geplant ist?
    Etwas schade finde ich den aufdringlichen Museumsneubau hinter der Alten Nikolaikirche. Hier hätte man auch die Gelegenheit nutzen sollen, die Altstadt weiter zu rekonstruieren und dem Platz damit etwas mehr Tiefe zu geben. Aber das wurde ja schon an anderer Stelle diskutiert und muss hier nicht wiederholt werden.


    (Alle Fotos von mir)

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Na gut, niemand soll klagen, dass die in Frankfurt herumlaufenden Leute nur faule Hunde seien. sleep:) Ich habe heute auf die Schnelle mal ein paar Handypics gemacht. Ich hatte es aber eilig, insofern nur ein paar Schnappschüsse im Vorbeilaufen. Die Qualität bitte ich zu entschuldigen.


    Stadthaus


    Erdgeschoss Goldene Waage


    Bendergasse Richtung Schirn
    (links die Kunsthalle Schirn, rechts das Stadthaus; man sieht, wie eng und dunkel diese Gasse wird, was ich aber interessant, urig finde, zumal dort niemand wohnt; Dass es möglichenfalls einige in Büros tätige Leute zu düster finden könnten, verstehe ich allerdings.)


    Bendergasse Richtung Dom


    Neues Haus zu den drei Römern
    (Links das Steinerne Haus, eine Teilrekonstruktion der Nachkriegszeit, mittig das Kunstvereinsgebäude der Nachkriegszeit, von dessen wertvoller Fassade man sich nicht trennen wollte, rechts das neue Haus zu den drei Römern; das erste OG steht schon, auf dem Plakat davor sieht man, wie es mal aussehen wird.)

  • Die Neubauten neben dem Dom gefallen mir vor allem in Bezug auf die Materialwahl und die Behandlung der Oberfläche gut. Was natürlich mal wieder nicht so toll ist ist die auf Teufel komm raus gewollte Asymmetrie der Fenster. Gerade hier wären die Typischen "Fensterbänder" wie sie viele der Frankfurter Altstadthäuser aufwiesen, angebracht gewesen. Aber hier will ich nicht auf höchstem Niveau meckern.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Selbst das Stadthaus ist für manche Architekten geradezu gewagt, klärt die FAZ heute auf.


    Da fühlt man sich ja in die Zeit der ideologischen Debatten der 90er Jahre zurückversetzt, als viele noch hofften, die Postmoderne sei eine kurzzeitige Verirrung gewesen und kein Auftakt.