Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Auf den Webcams der Dom-Römer GmbH sieht man das gerade begonnen wird das erste OG des Würzgarten -zu einzuschalen- (!) Es geht also wie befürchtet in Beton weiter und es wird vermutlich nur eine Fachwerkwand zum Markt hin vorgeblendet....echt schade.......Beim Rebstock wird selbst die hölzerne Galerie betoniert wie man ebenfalls sehen kann.

  • Auf der Homepage der Dom-Römer GmbH hört sich das allerdings anders an:


    http://www.domroemer.de/die-rekonstruktionen


    Hier ist zu den Konstruktionen folgendes ausgeführt:


    "Stichtag für die Fassadengestaltung der Rekonstruktionen ist der Tag vor der Zerstörung der Altstadt im März 1944. Dies entspricht dem Bild der Altstadt, an das sich die meisten Menschen erinnern und die Quellenlage für diese Zeit ist für den Nachbau der Häuser am besten geeignet. Zu diesem Zeitpunkt war die Goldene Waage das einzige Gebäude mit sichtbarem Fachwerk. Alle übrigen Altstadthäuser waren verputzt. Über das dahinterliegende Fachwerk gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Experten sind unterschiedlicher Meinung, ob diese Fachwerkkonstruktionen genügend dokumentiert sind, um sie wiederherzustellen. Deshalb werden die Gebäude hinter den Fassaden in zeitgemäßer Fachwerkbauweise errichtet, das heißt, es wird auch hier eine Holzkonstruktion mit Balken, Stützen und Balkendecken geschaffen. In der Konstruktionsweise unterscheiden sich die Rekonstruktionen also nicht vom historischen Vorgänger."

    Edited once, last by Andreas ().

  • Die schreiben und sagen viel.....trotzdem werden eben selbst die Innenwände geschalt wie man auf der Website sieht. Da kann man auch nicht mit dem "Brandmauern-Argument" kommen.....

  • zum Beitrag Nr. 3544
    Selbstverständlich kommt das Holz aus Abbrüchen. Speziell in Westfalen und Niedersachen gibt es genug ländliche Fachwerkgebäude (Bauernhäuser) vorwiegend aus dem 19. Jh., die zum Abbruch stehen. Denkmalgeschützt sind die wenigsten. Reichlich Eichenholz gibt es besonders in den Balken über der Diele.
    Auf der Webseite von Kr amp und K r am p kann man sehen, wie dieses Fachwerkrecycling funktioniert. Man muss dabei immer bedenken, dass das Holz alternativ komplett im Bauschuttcontainer gelandet wäre. Solche inhabergeführten kleinen Firmen haben in den 70er und 80er Jahren geholfen, Fachwerkstädte wie Lemgo vor dem Verfall und mutwilliger Zerstörung zu retten.
    Auch die Fa. Bl ö ch er in Lemgo handelt mit altem Eichenholz http://www.bewaehrte-baustoffe.de/

  • „Altstadt ist ein Stück Disneyland“ sagt Sozi Wentz...


    und auch "Es wird sicher so sein, dass dort Touristenströme und auch Frankfurter durchgehen, die sagen: Das sieht aber ganz nett aus. Es fehlt aber völlig das städtebauliche Umfeld. Das besteht im Wesentlichen aus Gebäuden des Wiederaufbaus der 50er-Jahre. Diese Altstadt wird immer eine isolierte, kleine Teilfläche bleiben..."


    => Vollkommen richtig erkannt! Der billig und schnell unmittelbar nach dem Krieg husch husch gebaute Schmafu wird in Folge auch daran glauben dürfen, damit der Altstadtbereich sein adäquates Umfeld wieder erhalten darf ;-). Das Technische Rathaus hat ja sooo viel besser ausgesehen. Wird schon einen Grund haben, warum die Sozialisten auch in Franki niemand mehr wählt :-), aber nun zum Artikel:


    http://www.fr-online.de/stadte…--,26042926,29982368.html

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ist der Frankfurter OB nicht Sozi? So, von wegen "keiner mehr wählt Sozis"...

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Bezog sich auf die von schwarz-grün auf Schiene gebrachte Altstadtreko...und generell natürlich auch, dass die Sozialisten generell wenig Einfluss mehr in D haben (abgesehen natürlich von der extremen Linken, aber die wird es auch noch aufstellen).

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Soweit mit bekannt ist sind die Sozis auch an der Bundesregierung un der großen Mehrheit der Landesregierungen in Ost und West beteiligt und stellen sowohl die Mehrheit der Ministerpräsidenten in Deutschland als auch die Mehrheit der Oberbürgermeister.


    Wann sind denn wieder Kommunalwahlen in Frankfurt?

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Ich bin aus Frankfurt und habe der Stadt vor 25 Jahren den Rücken gekehrt, weil ich die Ignoranz der Stadtbewohner gegenüber ihrer historischen Bausubstanz noch nie ertragen konnte. Das Denken in Frankfurt hat sich Gott sei dank seit ca. 2005 radikal geändert, die Frauenkirche in Dresden hatte wohl ein bundesweites Signal ausgesendet, das sogar in Frankfurt empfangen wurde und seitdem einen totalen Wandel ausgelöst hat. Seitdem wird hier der Wiederaufbau Frankfurts nicht nur diskutiert, sondern sogar geplant.


    Das ist sehr schön. Dennoch werde ich erst dann wieder nach Frankfurt zurückkehren, wenn nicht nur die ( bzw. wenigstens ein Teil der) Altstadt wieder aufgebaut ist, sondern auch diese ganzen durch Modernistenwahnsinn entstandenen schweren Schäden im Stadtgebiet z.b. Zeil, Hauptwache, Rossmarkt etc. behoben sind. Vorher nicht.


    Denn, selbst wenn die Altstadt wieder steht, schaut Euch mal an wie die City von Frankfurt aussieht. Ein einziges Elend. Die Zeil war mal ein eleganter Boulevard vor der Zerstörung, heute eine grauenhafte Betonklotz-Ansammlung. Eine der scheusslichsten Strassen Deutschlands. Die Altstadt muss sowieso wieder her, aber auch in der restlichen City sind drastische Veränderungen notwendig.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Bezog sich auf die von schwarz-grün auf Schiene gebrachte Altstadtreko...

    Getoppt nur noch von den Grünen... die ideologischen Gegner von Rekos rekrutieren sich zumeist aus dem links-grünen Lager,


    Na was den nun? Das widerspricht sich dann doch.


    Ich denke man macht es sich zu einfach zu sagen, diese Partei ist generell für und jene ist generell gegen Rekonstruktioen. Da sollte man doch genauer und insbesondere jeweils vor Ort hinschauen. Mir scheint da die schnelle Behauptung, eine bestimmte Partei sei gegen Rekonstruktionen, eher von der eigenen Nähe oder Ferne zu den Inhalten der Partei im allgemeinen geprägt, als von der Position der Partei zu einer konkreteten Rekonstruktion.Sachlich ist das nicht.


    Aber anders gefragt: Welche Partei steht denn bundesweit und jeweils vor Ort allen geplanten Rekontruktionen positiv gegenüber und setzt sich bundesweit und jeweils vor Ort für die Erhaltung historischer Bausubstanz und die Gestaltung der Städte im Sinn der in diesem Forum mehrheitlich gewünschten Art ein?

  • Bislang keine. Aber das liegt daran, dass derzeit keine Partei in Regierungsverantwortung steht, die einer großflächigen Rekonstruktion der deutschen Altstädte und gründerzeitlichen Stadterweiterungen genetisch nahe steht. Den Parteien aus dem linken Spektrum ist ein solcher Standpunkt fremd, zielten diese Bewegungen doch von Anbeginn auf Internationalisierung und Egalisierung; kein Wunder, dass die Entstehung der modernen Architektur in den 20er Jahren an entsprechende parteipolitische Strömungen geknüpft war (Martin Wagner in Berlin, Ernst May in Frankfurt, Hannes Meyer am Bauhaus etc.). Die "alte" CDU vor ihrer Sozialdemokratisierung durch Merkel, eher noch die CSU von Strauß, katholisch, landverbunden, werteorientiert, wäre diesem Thema vermutlich aufgeschlossener, doch käme ihr vermutlich ihre ökonomische Orientierung in die Quere (auch wenn die Großindustrie in der untergegangenen FDP wohl noch stärker vertreten war). Eine Partei, die sich für die flächendeckende Rekonstruktion der deutschen Altstädte oder zumindest eine altstadtorientierte Neubebauung einsetzt, müsste programmatisch auf kleine Maßstäbe, (mittel-)ständische Ökonomie ("Familienbetrieb statt AG") mit möglichst regionalen Kreisläufen, lokale Energieerzeugung (allein die "Energiewende" des Kabinetts Merkel wird das Land in ein gewaltiges Kraftwerk verwandeln, wenn erst die entsprechenden Trassen geschaffen sind), nachhaltige Bewirtschaftung von Land und Forsten, Langsamkeit statt immer weiter um sich greifende Mobilisierung, sozusagen "Hausbesuch statt Email" bestehen, um das mal im Groben zu umreißen. Dafür müsste das ganze Land umgebaut werden - langfristig liefe es wohl auf eine Abschaffung des Nationalstaats und aller damit verbundenen Strukturen zugunsten sehr sehr viel kleinerer Einheiten hinaus, mit jeweils starker lokaler Identität und Traditionspflege (einschließlich Währung, Tageszeit + Dialektpflege). Die Altstadt in den Köpfen MUSS auch gesellschaftliche Fragen in den Blick nehmen, sie kann sich nicht ästhetisch allein befriedigen lassen - wie das frankensteinhafte Ensemble am Dresdner Neumarkt (mit Ausnahme der Frauenkirche und vielleicht noch des Hauses der GHND) zeigt und wie es wohl auch in Frankfurt in ein paar Jahren zu sehen sein wird. So einfach lässt sich ein historisches Stadtbild von den gesellschaftlichen Grundlagen, die es hervorgebracht haben, eben nicht trennen.

    Edited 2 times, last by aldilette ().

  • Am Freitag bin ich an der Baustelle im Bereich Altstadt vorbeigekommnen. Es ist dort mit dem Bau von Fachwerkwänden begonnen worden. Leider konnte ich von Weitem weder erkennen um welches Gebäude es sich genau handelt, noch hatte ich eine Kamera dabei um Aufnahmen zu machen. Vieleicht kann ein Forumsmitglied aus Frankfurt Bilder machen. Auf den Bilder der Webcams kann ich die Wand nicht erkennen.

    Edited once, last by Andreas ().

  • Der Leitende Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, Peter Cachola Schmal, der von Anfang an ein Gegner des Altstadt-Wiederaufbaus war (und anfangs der Presse noch weiszumachen versuchte, eine Rekonstruktion der Goldenen Waage sei technisch gar nicht machbar) konnte es sich nicht nehmen, nochmals nachzutreten. Er bezeichnete das Probjekt als "großen Fehler", auch wenn er sich ansonsten mit seiner Kritik moderat zurückhält (schließlich will er sich nicht mehr zu weit für eine verlorene Sache aus dem Fenster lehnen). Planungsdezernent Olaf Cunitz zeigt sich hingegen "sehr zufrieden".


    „Kein zweiter Hessenpark“
    Umstrittene Frankfurter Altstadt wächst
    „Es ist eine von 4000 Baustellen in Frankfurt, aber eine ganz Besondere“, sagt Bürgermeister Cunitz. Der Grüne meint die Rekonstruktion der Altstadt. Doch das Projekt ist umstrittenen.
    http://www.faz.net/aktuell/rhe…adt-waechst-13489556.html


    Und dann noch dies...


    Stoltze-Brunnen kehrt zurück
    In zwei Jahren soll er auf die Reise gehen quer durch die City: Der historische Stoltze-Brunnen, vom Bildhauer Fritz Klimsch gefertigt, kehrt wieder in die Frankfurter Altstadt zurück. Die Denkmalschützer sind darüber nicht glücklich.
    http://www.fr-online.de/stadte…ck,26042926,29954492.html


    Ich verstehe nicht, was die Denkmalpflegerin Hampel daran auszusetzen hat. Inwiefern ist der Hühnermarkt denn nicht der originale Standort des Brunnens? Vielleicht kann das einer der Altstadt-Experten beantworten. Oder meint sie vielleicht die möglichen paar Zentimeter, die er aus womöglich technischen Gründen auf dem Platz umjustiert wird?

  • "So
    wie es früher einmal war: Der Aufbau der Frankfurter Altstadt hat
    begonnen. Neben 20 Neubauten soll es 15 Rekonstruktionen geben."


    Wenn es mal nicht um 20 - 30 Bauten, sondern um 1500 bis 2000 Bauten gehen sollte, dann kann man schreiben: Der Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt hat begonnen. Frankfurt am Main hatte vor den Luftangriffen alleine schon 2000 Fachwerkhäuser.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Ich verstehe nicht, was die Denkmalpflegerin Hampel daran auszusetzen hat. Inwiefern ist der Hühnermarkt denn nicht der originale Standort des Brunnens? Vielleicht kann das einer der Altstadt-Experten beantworten. Oder meint sie vielleicht die möglichen paar Zentimeter, die er aus womöglich technischen Gründen auf dem Platz umjustiert wird?

    Ich habe gelesen, weiß allerdings nicht mehr wo, dass die Dame meint,
    der jetzige Standort sei mittlerweile ebenfalls als historisch zu betrachten.

  • "So
    wie es früher einmal war: Der Aufbau der Frankfurter Altstadt hat
    begonnen. Neben 20 Neubauten soll es 15 Rekonstruktionen geben."


    Wenn es mal nicht um 20 - 30 Bauten, sondern um 1500 bis 2000 Bauten gehen sollte, dann kann man schreiben: Der Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt hat begonnen. Frankfurt am Main hatte vor den Luftangriffen alleine schon 2000 Fachwerkhäuser.


    Der "Aufbau der Frankfurter Altstadt" erfolgte etwa zwischen 794 und 1945. Ein Wiederaufbau ist ausgeschlossen. Worum es hier geht, hat Ähnlichkeit mit dem Projekt Nikolaiviertel in Berlin - eine Mischung von verklärener Altbauromatik und Zugeständnissen an die Gegenwart.


    Am Ende noch ein schöner Patzer: "sogenannte Spoilen"..... statt Spolien. Journalisten müssen ja nicht alles wissen, aber korrekt Begriffe recherchieren sollten sie schon können.

    Dem bald wieder aufgebauten Berlin stehen goldene Zeiten bevor .....

  • Auch ein Planungsdezernent könnte mal kurz nachdenken, bevor er vor die Presse tritt und gedankenlos nachgeplapperte Floskeln herunterleiert, mit denen er sich selbst widerspricht und sich als Bahnhofversteher entpuppt:


    Quote

    „Hier entsteht kein zweiter Hessenpark“, betont Cunitz. „Wir ahmen nichts nach, sondern lassen vom Wesen her etwas wieder entstehen, machen es wieder erfahrbar und begreifbar.“


    Letzteres ist genau das, was das Freilichtmuseum Hessenpark mit seinen jahrhundertealten, an den früheren Standorten abgebauten und zerlegten und wieder aufgebauten Fachwerkhäusern seit 40 Jahren macht.


    Zwischen Dom und Römer hingegen entstehen nun einmal komplette Neubauten, die (abgesehen von ein paar abstrakten Gebilden wie Markt 30 und 32) selbstverständlich die frühere Bebauung nachahmen.


    :kopfschuetteln:

  • Im Hessenpark stehen aber nicht nur einfach die originalen, translozierten, wiederaufgebauten Häuser und Wirtschaftsgebäude. Diese werden vielmehr mit Gebäuden, die ehemals in anderen Dörfern standen, in einen neuen Zusammenhang gebracht und hierbei ein Dorfbild gestaltet, dass so nirgends bestanden hat. Auch werden die Häuser jeweils mit historischem Mobiliar eingerichtet, das aus einer für jedes Haus einheitlichen Zeit stammt. Man kann also durchaus sagen, das in den Baugruppen das Leben in einer bestimmten hessischen Landschaft zu einer bestimmten Zeit "nachgeahmt" wird. Eben ein Freilichtmuseum


    Demgegenüber wird in der wiederaufgebauten Altstadt Frankfurt nicht das Leben aus der Erbauungszeit der Häuser oder aus der Zeit vor der Zerstörung der Altstadt gezeigt werden. In den rekonstruierten Häusern und auf den Gassen der Altstadt wird das Leben des 21. Jahrhunderts stattfinden. Vergangenes wird nicht "nachgeahmt ", sondern es passiert Gegenwart in rekonstruierten Gebäuden.


    Eventuell hat dies der Planungsdezernent gemeint (?).


    Bemerkenswerter finde ich aber, daß die Befürworter von Rekonstruktionen immer meinen sich hierfür rechtfertigen zu müssen. Die Rekonstruktion einiger Häuser der Altstadt ist doch offensichtlich weder ein Freilichtmuseum (wie im übrigen auch eine intakte Altstadt kein Freilichtmuseum ist) noch ein "Disneyland." Warum kann hier nicht aus der Defensivpostion herausgetreten werden und dargelegt werden, warum man die Rekonstruktion als wichtig und richtig erachtet und nicht was der Wiederaufbau der Altstadt nicht ist. Dies muß umsomehr jetzt gelten, als der Wiederaufbau ja statt findet und nicht für eine Utopie gekämpft werden muß.