Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Die Brandwand ist ein typischer Teil der Frankfurter Altstadt, ohne ist das Gebäude nicht dasselbe. Lediglich ein einfacher nichtsagender Füllbau.


    Darüberhinaus ist die "Nazi" Begründung echt hirnrissig.

  • Bei Welt online heißt es:


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    Die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sagte, sie verbinde mit der Altstadt heute einen großen Teil ihres politischen Vermächtnisses. Sie erinnerte sich an 2001 und die ersten Entwürfe für das Areal, an dem bis 2006 das Technische Rathaus stand. "Das sah scheußlich aus." Dann an die zähen Diskussionen darüber, ob die Häuser dort nun eckig oder rund sein sollten. "Bis irgend jemand uns den historischen Grundriss vorgelegt hat."


    http://www.welt.de/regionales/…tstadthaeuser-stehen.html


    Tja, wie gut, dass es "irgend jemanden" gibt. Vielleicht sollte man auf den Hühnermarkt statt Stoltze lieber das Denkmal des unbekannten Irgendjemand aufstellen.


    Im Ernst, warum nennt Petra Roth nicht einfach mal Ross und Reiter? Wir wissen ganz genau, welche Leute damals gegen die Altstadt polemisiert haben und wem das Verdienst zukommt, die Debatte in die richtige Richtung gedreht zu haben.

  • Man sollte mit Frau Roth nicht so streng ins Gericht gehen. Ich finde sie hat alles richtig gemacht und die Zeichen der Zeit erkannt. Dass sie sich die Altstadt-Reko auf ihre Fahnen schreiben will, ist nur allzu menschlich und nicht verwerflich. sie hat sich ja nicht mit fremden Federn geschmückt und das ganze als ihre Idee verkauft. Dieses tolle Projekt hat dazu geführt, dass ich meinen Frieden mit Frankfurt machen konnte und es bleibt zu hoffen, dass in diesem Kielwasser noch weitere, möglicherweise auch private Rekos in diesem Areal möglich sind. Ich hoffe immernoch auf Garküchenplatz, Roseneck, Kannengießergasse und Schmittstube. Das Fünffingerplätzchen wird ja leider wohl kaum kommen (können) aber damit wäre der ehemals pittoreskeste Teil der Altstadt wieder da. Der Platz wäre auf jeden Fall vorhanden auch ohne großflächige Abrisse.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Die Überarbeitungen sind sehr zufriedenstellend. Vor allem die Grüne Linde hat noch Stuck auf der Fassade erhalten (welcher Zustand wird da wiederaufgebaut? Die Bilder, die ich kenne zeigen immer ein glatte Fassade) und der Alte Esslinger wird ganz in Fachwerk ausgeführt. Einziger Wermutstropfen ist und bleibt das Haus unmittelbar neben der Goldenen Wage. Wieso baut man das so?! Ich verstehe nicht, wieso für dieses Haus die Gestaltungssatzung scheinbar ausser Kraft gesetzt ist.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Das Foto von der Grünen Linde ist sehr alt 1860/1870. Der Fassadenschmuck wurde -wohl spätestens in den frühen 20igern- abgeschlagen und die Fassade der Einfachheit halber glatt verputzt (ein früher Fall von Entstuckung also).


    Wie ich bereits weiter oben schrieb, wird der Zustand der Jahrhundertwende rekonstruiert, so ziemlich bis in die kleinsten Details (beachte z.B. die Beschriftung an der Fassade der "Tante Melber" etc.).

  • Wenn wenigstens noch bei Markt 7 ein anständiges Ergebnis rauskäme, wäre zumindest der östliche Teil des Markt komplett in Ordnung (beim nicht abgebildeten Schildknecht sollten noch die Giebel und dritten OGs verschiefert werden). Wobei ich mal etwas herumgespielt habe: es sind gar nicht mal so große Umplanungen nötig, letztlich reicht es schon fast sich einfach an die Gestaltungssatzung zu halten. Zur Not könnte zu einem späteren Zeitpunkt mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand noch was Ordentliches draus gemacht werden.



    Grafik: DomRömer GmbH / Entwurfsverfasser / Schneider+Schumacher / bearbeitet durch mich


    Quick&dirty-Änderungen meinerseits gegenüber dem Entwurf:
    - Dach überstehen lassen, Giebel verschiefert, Frankfurter Nase und Fensteröffnungen hinzugefügt
    - in den Obergeschossen die Fensterhöhen verringert und die Fassade hell verputzt
    - Erdgeschoss beruhigt durch geänderte Aufteilung der Fenster
    - hinzudenken müsste man sich dann noch traditionelle Fenstersprossen, und das Ergebnis wäre zumindest für mich akzeptabel.


    Bei den Komplettversagern Markt 30-34 hilft dagegen tatsächlich nur Abriss und Neubau der noch gar nicht gebauten Häuser. Logistisch würde es sich anbieten das in einem Aufwasch mit dem Abbruch der Schirn zu machen, der hoffentlich in spätestens 10-20 Jahren diskutiert werden dürfte.

  • Ist gut geworden, Deine Überarbeitung.


    Ich verstehe nicht, warum so viele der Entwürfe entweder von Anfang an gut oder zumindest akzeptabel waren bzw. verbessernd überarbeitet wurden, aber die drei Problemfälle Markt 30, 32 und 7 grottig und ensemblezerstörend sind und bleiben. Gerade die Fassaden, die eine Überarbeitung am nötigsten hätten, werden einfach nicht überarbeitet. Dabei wäre es so einfach, wenigstens eine geringfügige Verbesserung zu erreichen.


    Vermutlich wird man (= ein einsichtiger Erbbauberechtigter) den Architekten eines Tages den Verzicht auf ihr versch....es Urheberrecht abkaufen und die Fassade umkremplen müssen (oder gleich denselben Architekten einspannen; für Geld tun die ja so einiges, wie man gesehen hat).

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    Wie ein Riese in der zierlichen alten Fachwerk-Altstadt: Modellbauer Peter Knott (65) hat 15 Jahre daran gebaut


    http://bilder.bild.de/fotos-sk…2160/2,c=0,h=554.bild.jpg


    Da für ein 1:1-Modell die Zeit trotz beachtlicher Vorarbeit von Diplom-Geograf Jörg Ott und Bauingenieur Dominik Mangelmann nicht reif ist, wird immerhin dank Peter Knott ein Teil der Altstadt im Maßstab 1:50 erlebbar.


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

    Edited once, last by zeitlos ().

  • An sich müsste man nur das Schirn-Cafe abreißen um den Krönungsweg zu vollenden ughug:)

  • Mal eben per billigem Paint eine von mir oder weniger ausgedachte Skizze über wünschenswerte Rekonstruktionen/Stadtgesundung erstellt. Würde mich über Kommentare/Meinungen freuen.

  • @ "janpmw"
    Deine Skizze ist insofern irreführend, als dass fast sämtliche rot gefärbte Areale in Wirklichkeit blau gefärbt werden müssten. Es befinden sich dort nämlich bestehende Gebäude, und die Areale zeigen allenfalls einen persönlichem Wunsch nach Neubebauung. Dortige Neubauten stehen aber in absehbarer Zukunft nicht an, da dort bestimmte Eigentumsverhältnisse bestehen und auch eine Menge Leute wohnen. Auch über das Schirn-Café kann man klagen, aber die mindestens mittelfristige Linie der Stadt ist nun einmal die recht beliebte Kunsthalle samt Café zu erhalten. Insofern sind das Wunschträume, doch Maximalismus führt nicht unbedingt weiter, denn er kann auch rasch Ängste bei Eigentümern und Mietern schüren, die sich um ihre Häuser/Wohnungen sorgen. Auch wenn ich Deine Ideen natürlich für sehr sympathisch halte. Man muss aber einfach kleine Brötchen backen und auf ohnehin bestehende Abriss- und Neubauplanunten flexibel mit rekonstruktiven Vorschlägen reagieren. Dass selbst das schwierig und kaum realisierbar ist, zeigen einstige Vorstöße der "Jungen Union" für das Areal des Bundesrechnungshof, das teils neu bebaut wird (links über Deine Skizze hinaus gelegen). Diese Vorstöße wurden einfach ignoriert.

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    Urbaner Zwitter im urbanen Wandel
    Von Ludger Fittkau


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    Zum ersten Mal wird deutlich, dass Individualität und auch enges Wohnen nicht nur als Reminiszenz und als erhaltene Altstadt, sondern auch als weiter zu führendes, städtisches Bauen auf sehr viel größeres Interesse trifft, als das gerade Baudezernenten oder auch Investoren bisher geglaubt haben," sagt Dieter Bartetzko, Stadtentwicklungsexperte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Träger des Preises für Architekturkritik des Bundes Deutscher Architekten.
    "Wenn dieses Viertel glückt - und davon bin ich überzeugt - dann ist viel gewonnen, nicht nur für Frankfurt, sondern generell. Nämlich eine Rückkehr - im guten Sinne, nicht im konservativen Sinne, sondern im weiterführenden Sinne eine Rückkehr zu Individualität, zu der Eigenart von Städten und zu einem Bauen, das sich daran orientiert, was vor Ort gegeben ist und was vor Ort den Reiz einer Stadt ausmacht."


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    Der Neubau der Europäischen Zentralbank ist ein Puzzlestück für "Mainhattan" - die Stadt, die wirklich nicht viel anders aussieht als New York oder Philadelphia. Finden zumindest die Touristen Mary-Ann und Kevin Reagan aus Minneapolis, Minnesota. "It doesn't look very different than New York or Philadelphia." Das amerikanische Rentnerpaar findet es deshalb gut, dass die Stadt Frankfurt am Main einen Teil ihrer mittelalterlichen Altstadt rekonstruiert: "I am very happy that they are working on the old. Because to me a lot of what I saw: It could be any city. So - I think it's nice that they are keeping history."


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    Für die Stadtforscherin Sybille Münch von der TU Darmstadt ist die "Baustelle Altstadt" im Grunde gar nicht rückwärtsgewandt. Die Altstadthäuser drücken für die Wissenschaftlerin ebenso wie der EZB-Neubau den Willen der Stadt Frankfurt am Main aus, sich stadtplanerisch ständig neu zu erfinden. Auch die zwischenzeitlich weggebombten mittelalterlichen Fachwerkbauten werden neu inszeniert und damit in einen permanenten architektonischen Wandel einbezogen. Sybille Münch: "Weniger aus einer weinerlichen Haltung heraus, sondern aus der strategischen Planung heraus, einen Anker für die Bevölkerung in einer sich doch immer so schnell wandelnden Stadt zu finden. So ist das Erklärungsmuster. Und wir fanden es eben ganz bestechend, wie sich diese Zukunftsgewandtheit der Stadt Frankfurt sich selbst im Umgang mit der Vergangenheit niederschlägt. Das heißt, selbst die Vergangenheit wird als Ressource eingesetzt, um eine noch bessere Zukunft zu gestalten. Wenn man sich beispielsweise anschaut, wie am Römer die Bebauung der Nachkriegszeit abgerissen wird und in so einer historisierenden Art und Weise wieder aufgebaut wird." Eine handlungsfähige Stadt muss auch bereit sein, für Neues - auch wenn es wie am Römer das ganz Alte ist - erst einmal Platz zu schaffen. Auch dabei scheut Frankfurt am Main keine Superlative.


    Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/…?dram%3Aarticle_id=303243


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch