Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Ich bin da eigentlich sehr positiv gestimmt, dass hier noch sehr viel mehr kommen wird. Das von Nibelgauer erwähnte zusammenhängende Gebiet ist ein wichtiger Punkt. Ich bin zwar Frankfurter aber wohne seit 30 Jahren nicht mehr dort, war vor paar Wochen das erste mal seit Jahren wieder da und muss gestehen, dass ich mir die neue Altstadt noch immer nicht angeschaut hab! (Schande, ich weiss Lol Aber fahre bald wieder hin und dann nehm ich natürlich Camera mit). Auf dem Luftbild (google Schrägansicht) sieht das schon sehr gut aus, also das ist schon eine ganze Menge was da gebaut wurde.


    Ich bin deswegen so optimistisch dass hier noch mehr kommen wird, weil ein sehr grosser Teil dessen was früher "Altstadt" war, heute so aussieht. Total nichtssagende 50er Jahre Provisorien (in Dresden nennt man das "Scheunenhäuser"), keine Geschäfte, keine Gaststätten, kein Leben, nichts. Nach 20.00 siehst du hier im Sommer vielleicht noch eine einzige Person den Dackel Gassi führen, und das war's. Totale Ödniss. Ich kenne auch niemand in Frankfurt der in diese Gegenden gegangen wäre, ich selber nur mal aus Neugier ein einziges Mal. Wenn man einkaufen gehen wollte dann City, Nachtleben eventuell auch, aber man würde zum ausgehen auch Nordend (heute dazu noch Bornheim) wählen. Aber in dieses Gebiet ging kein Mensch, nun, gab ja auch nichts zu sehen.


    Ich denke dass dieser Schrott irgendwann weg kommt. Er erinnert mich ein bischen an die Altmarktbebauung in Dresden, ist ja selbe Epoche nur anderes Polit. System, man spürt aber einen ähnlichen "Zeitgeist". Wobei ich die Dresdner Altmarktbebauung um einiges besser finde, dort ist wirklich "Altstadt-Feeling", hier oben in der Fahrgasse nicht.


    Nibelgauer

    Was meintest du mit "Samstagsberg"? Also ich als Frankfurter habe das noch nie gehört. Bin aber wie gesagt auch schon lange nicht mehr dort ausser gelegentlich, aber ich habe noch nie jemanden in Frankfurt diesen Begriff benutzen gehört. Meinst du damit den Paulsplatz?

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Petersburg Ich bin da nicht so optimistisch. In den Häusern wohnen Menschen, wo will man sie denn hinschicken? Wen gehören die Häuser denn? Der Stadt? Wird die Stadt denn bereitwillig auf Mieteinnahmen verzichten, damit auch hier Reko-Architektur stattfinden kann? Wohl kaum.

    Ich kann mir höchstens vorstellen, dass wenn wir ganz viel Glück haben, bestenfalls das Salzhaus und Haus Frauenstein wieder in den Vorkriegsbauzustand zurückgesetzt werden. Die Holzpaneele der Fassade vom Salzhaus gibt es ja noch und die Erdgeschosse sind noch original.

    Heilen ist besser als Wunden offenhalten!

  • Petersburg

    Der „Samstagsberg“ ist die südöstliche Ecke (manchmal wird auch die ganze Ostseite so genannt) des Römerbergs. Bis in das 14. Jahrhundert lief noch eine deutliche Senke vom Fahrtor über den heutigen Römerberg, die auch bei Hochwasser einen Seitenarm des Mains bildete und so optisch zwei Hügel bilden. Seinen Namen hat er durch die Wochenmärkte die dort am Samstag abgehalten wurden.


    Friedrich Stoltze oder auch sein Sohn Adolf fragen auch in einem kurzen Gedicht, was der höchste Berg der Welt ist. Der Samstagsberg! Da kannst du beim Heiland (Gastwirtschaft Heyland) deinen Apfelwein trinken!




    Ferner darf ich anmerken das die Bezeichnung „Altstadt“ nur den Bereich innerhalb der Staufermauer bezeichnet! Schon um 1350 wird in eine „Nuwenstadt“ und der alten Stadt unterschieden. Die Bezeichnung Innenstadt dürfte erst nach dem 2. WK aufgekommen sein. Die Vorkriegsgeneration bezeichnet nur die Innenstadt (innerhalb des Anlagenrings) als „Frankfurt“ und trennt dort die Bereiche in Frankfurt und Altstadt.


    Also traditionell bildet der Bereich innerhalb der Staufermauer seit fast 700 Jahre einen eigenen „Stadtteil“.



    Der Vollständigerhalber: Im Bereich der westlichen Flösser- und Bendergasse bezeichnet man 1355 bei manchen Häuser noch ein: sitis infra muros antiquos opidi“ also gelegen unterhalb der Mauer der alten Stadt“. Also im westlichen Bereich des Domhügels zum Samstagsberg und zum Saalhof hin, konnte man in den Gassen und Grundstücke noch die alte Altstadt des 13. Jahrhunderts wahrnehmen.

  • "Petersburg", Du warst nach eigener Aussage 30 Jahre nicht mehr in dem Areal. Wie willst Du also die Situation des dortigen Lebens beurteilen? Anhand von einigen Google-Bildern?


    Die von Dir gezeigte Fahrgasse verfügt durchaus über Geschäfte. Dort sind nämlich sehr viele Galerien untergebracht. Außerdem gibt es in dem Areal auch Gastronomie. Dort wohnen zudem viele Menschen. Ich gebe Dir Recht, dass einige der Häuser nicht für die Ewigkeit gebaut sind. Aber sie sind nun einmal großenteils gerade saniert, insofern glaube ich nicht an einen Abriss in den nächsten 20 Jahren.


    Die nächsten möglichen Weiterentwicklungsareale der Altstadt wurden bereits mehrfach erwähnt. Sie liegen westlich des Römerbergs, im Bereich zwischen Limpurgergasse und Alte Mainzer Gasse. (Altstadt 2.0) Also gerade an der anderen Ecke des Altstadtbereichs als das von Dir gepostete Foto. Allerdings sollte man auch hier den Zeitgeist nicht unterschätzen. Die politischen Mehrheitsverhältnisse sind keinesfalls derzeit pro Rekonstruktionen. Es besteht also immer die große Gefahr, dass irgendwelche Rendite-Neubauten (wenn auch mit Satteldach) errichtet werden. (Z.B. wie das "Frankfurter Wirtshaus" am Eisernen Steg)


    "Olympic1911", um das Salzhaus und das Haus Frauenstein zu rekonstruieren bedürfte es einer Kulturrevolution. Die Widerstände gegen eine Änderung der Nachkriegsfassung bzw. einen Abriss dürften ähnlich hoch sein, wie bei der Paulskirche. Das wäre nur realistisch, wenn die Nachkriegshäuser komplett sanierungsbedürftig bzw. abrissreif wären. Auch dann aber gäbe es modernistischen Widerstand (siehe Städtische Bühnen). Wir hatten das Thema doch schon oft. Es ist in den momentanen Kraftverhältnissen unrealistisch.


    Eine realistische Option der Weiterentwicklung ist (neben dem Bereich Altstadt 2.0) die Alte Börse. Eventuell kommt irgendwann ein Teil der Südseite der Saalgasse hinzu.

  • Die nächsten möglichen Weiterentwicklungsareale der Altstadt wurden bereits mehrfach erwähnt. Sie liegen westlich des Römerbergs, im Bereich zwischen Limpurgergasse und Alte Mainzer Gasse. (Altstadt 2.0)

    Darüber würde ich gerne mehr erfahren. In den (sozialen und sonstigen) Medien ist immer nur von dem Projekt Alte Börse die Rede, das mir allerdings persönlich nicht wirklich am Herzen liegt und für das ich daher auch kaum große Begeisterung oder großes Engagement entwickeln kann.

    Für eine Weiterführung der Altstadtrekonstruktion westlich des Römers wäre ich dagegen sofort Feuer und Flamme.

  • Darüber würde ich gerne mehr erfahren. In den (sozialen und sonstigen) Medien ist immer nur von dem Projekt Alte Börse die Rede, das mir allerdings persönlich nicht wirklich am Herzen liegt und für das ich daher auch kaum große Begeisterung oder großes Engagement entwickeln kann.

    Für eine Weiterführung der Altstadtrekonstruktion westlich des Römers wäre ich dagegen sofort Feuer und Flamme.

    Altstadt 2.0 von 2015

  • Für eine Weiterführung der Altstadtrekonstruktion westlich des Römers wäre ich dagegen sofort Feuer und Flamme.

    Das ist sehr schön und löblich. Und das meine ich ganz ironiefrei.

    Allerdings darfst Du nicht übersehen, dass es in Frankfurt viele Leute gibt, die ganz und gar nicht Feuer und Flamme dafür sind. Das reicht von den Herren im Architekturmuseum (Cachola Schmal, Sturm), über Teile der Architektenschaft bis in den politischen Apparat hinein. Diese Leute werden das Areal nicht so schnell auf die Agenda setzen. Und wenn doch, dann kannst Du sicher sein, dass sie schon vorher die Sache soweit vorplanen, dass Rekonstruktionen so gut wie keine Chance haben. Es dürften modernistische Entwürfe präsentiert werden, die gerade so gefällig konzipiert sind, dass sie keinen allzu großen Aufschrei in der Bevölkerung erzeugen. Bestenfalls kann Prof. Mäckler seinen Einfluss geltend machen. Dann kommt eine kritische Rekonstruktion, also eventuell der alte Gassenverlauf mit Satteldachhäusern im Stil der Nürnberger Nachkriegsjahre. Bevor sich die politischen Machtverhältnisse nicht gravierend verändern, ist mehr nun einmal nicht drin. Deshalb ist es vermutlich besser, dass die Neugestaltung dieses Areals aktuell noch nicht ernsthaft in Angriff genommen wird.

  • "Petersburg", Du warst nach eigener Aussage 30 Jahre nicht mehr in dem Areal. Wie willst Du also die Situation des dortigen Lebens beurteilen? Anhand von einigen Google-Bildern?


    Nein, du musst schon lesen bitte. Wenn man jemanden zitiert, sollte man es richtig tun.


    Ich habe geschrieben, ich wohne seit 30 Jahren nicht mehr in Frankfurt. Das hat nichts mit meinen Aufenthalten dort zu tun. Ich habe nirgendwo geschrieben dass ich seitdem nicht unzählige Male in Frankfurt war. War erst vor paar Wochen wieder dort, aber zu beschäftigt und habs leider nur bis zur Zeil (würg) geschafft. Es hatte mich zu sehr in den Fingern gejuckt die paar Meter zum Römerberg herunterzulaufen ("Samstagberg" kenne ich trotzdem nicht, und auch niemand in Ffm der diesen Begriff benutzt) und mir alles zu betrachten.


    Ach so, und danke für die freundliche Andeutung :blumen: wie unintelligent ich doch sei, aber: nein, ich benutze nicht Google um den Wiederaufbau in Frankfurt zu beurteilen. Ich habe mir aber erlaubt, die wunderschönen Bilder hier im Forum zu betrachten über z.B. die Goldene Waage, sieht fantastisch aus. :wink::smile: Ich habe Google links für für diejenigen gepostet die die Areale nicht kennen um aufzuzeigen, wie z.b. das arme Goethehaus (leider) zwischen Parkhäusern und 60-er Jahre Scheusslichkeiten eingekeilt ist. Das hatte mich schon als Kind gestört, und dabei bleibe ich.


    Aber warst du nicht derjenige, der mich schon einmal belehrte wie "historisch" der Platz an der Hauptwache doch sei? Die Hauptwache selber ja, aber mit Sicherheit nicht der scheussliche Platz drumherum.

    Die von Dir gezeigte Fahrgasse verfügt durchaus über Geschäfte. Dort sind nämlich sehr viele Galerien untergebracht. Außerdem gibt es in dem Areal auch Gastronomie.


    Mir ist zwar nicht klar worauf du jetzt hinaus willst (und jemandem unzureichende Intelligenz unterstellst nur weil er Beispiele aus realen Aufnahmen zeigt, hier im Forum sind Google-links durchaus üblich).

    Ich habe das nicht für mich gepostet zum "beurteilen". Ich wollte nur denjenigen, die die Stadt nicht kennen veranschaulichen, wie ein Grossteil der nichtrekonstruierten "Altstadt" aussieht. Weiss nicht, was daran verkehrt sein soll. Das sind eben zum grossen Teil diese Scheunenhäuser wie man in DD sagt, dort ist "tote Hose". Trotz einiger Galerien und Gaststätten. Daran sieht man doch, dass eben Läden etc alleine nichts nützen, wenn die Architektur hässlich ist. Das ist doch ein völlig verkehrter Wiederaufbau, denn die in Ffm betrieben haben.


    Die Fahrgasse ist auch nicht die einzige. Das ist ja, wie du selber sagst, noch eine "lebendigere" Strasse. Gibt noch mehr solcher billigen 50er Jahre Gassen, und die sind eben sehr unattraktiv . In diesen Vierteln (z.b. westlich des Römer) war ich tatsächlich viele Jahre nicht mehr gewesen, aber wären die hässlichen Scheunen dort abgerissen , das hätte ich mitbekommen.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • "Petersburg", ich habe Dir keine Dummheit unterstellt. Wenn ich Dich hinsichtlich Deiner Aufenthalte in Frankfurt falsch verstanden haben sollte, bitte ich natürlich um Entschuldigung.


    Allerdings hast Du ein Bild der Fahrgasse gepostet und über das Areal folgendes geschrieben: "keine Geschäfte, keine Gaststätten, kein Leben, nichts". Dem habe ich widersprochen.

    Nicht weit von dem von Dir geposteten Bild findet sich das "Paulaner", einige Meter weiter das "Café Metropol". Meist recht voll dort. Am Südende der Fahrgasse ist ebenfalls gut besuchte Gastronomie. Von "keine Gaststätten" kann keine Rede sein, sofern man in der Lage ist, 50 Meter zu gehen.


    Dass die Fahrgasse nicht das Ende vom Lied ist, darin sind wir uns ja einig. Ich denke auch, dass es dort in Zukunft die Chance auf Rekonstruktionen geben könnte. Aber ich rede da von einem Zeitpunkt jenseits der nächsten 20 Jahre.


    Die Sache mit der Hauptwache verstehe ich nicht. Aber zum Goethehaus kann ich sagen, dass ich die Gestaltung des Großen Hirschgrabens auch nicht prickelnd finde. Indes, dort wird gerade das Mäcklersche Romantik-Museum fertig gestellt. Weitere Chancen auf Verbesserungen im Umfeld des Goethehauses bieten sich derzeit nicht.


    Also, in der Sache stimme ich Dir zu. Ich bin nur für eine abgewogene Beurteilung und eine realistische Einschätzung der Verbesserungsmöglichkeiten.

  • Du hast natürlich insofern Recht dass ich, gemessen daran dass ich Ffm den Rücken gekehrt hatte (wenn ich ehrlich bin ich war total sauer auf die damals extrem rekonstruktionsunfreudige Bevölkerung) mich hier sehr lebhaft äussere. Da aber das Zentrum von Frankfurt nicht sonderlich gross ist und ich dort aufwuchs und bis ca. 25 Jahre alt dort wohnte, kenne ich dort jeden Zentimeter. Jedenfalls bautechnisch /architektonisch.


    Diese Galerien gibt es sicherlich, ich war auf dem Google Bild auch überrascht dass dort überhaupt Geschäfte waren. Aber du darfst mir glauben, diese pseudo-Altstadtgassen sind keine Orte wo "man" hingeht. Ich kann mir kaum vorstellen dass das heute anders sein soll. Liegt einfach an der erschütternden Banallität der Gebäude.


    Dann lassen wir halt mal die Fahrgasse selber weg. Ich nahm sie nur als ungefähre Grenze im Osten für ein Gebiet, was ich selber "zu rekonstruiertende bzw. adäquat zu bebauende Altstadt" nennen würde (PietFfm kennt sich hier besser aus).


    Es gibt um das Dom-Römer Areal eine Menge "Gassen" in denen (leider) kein einziges Haus von vor 1945 mehr steht, und in denen wirklich nur Schrott steht.....und mir fiel einfach auf, egal in welcher dieser Gassen man sich bewegt, dass sie mausetot waren. Es ist nicht nur die Architektur an Banalität nicht zu überbieten, sondern die Gebiete hatten, als ich zuletzt dort war, auch Null Infrastruktur. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies heute anders sein sollte als vor wenigen Jahren - wenn sich dort architektonisch gar nichts änderte. Aber wie gesagt, kommt vielleicht noch.....

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Ich denke, dass noch mehr kommen wird. Die Rekonstruktionen werden die Stadt weiter aufwerten, und auch für Wohnraum und Mieteinnahmen sorgen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Menschen lieber in den Altstadtquatieren wohnen.

  • Zumindest in den nächsten 30 Jahren wird hier sicher nichts kommen, weil:


    - Römerberg-Westzeile 2018 gerade saniert -und zwar mit Absicht vor Eröffnung des Dom-Römer-Projektes um keine weiteren Begehrlichkeiten zu wecken (sagt einem jeder Politiker unter der Hand auch direkt so ins Gesicht) , somit scheitert Römer 2.0, da hier die wichtigsten Reko's gewesen wären, zudem Probleme wegen dem Grundriss


    - Römerberg-Nordzeile, teilweise saniert und unter Denkmalschutz


    -Alter Markt, Deckel über den U-Bahn-Abgang, wegen dem Schirn-Cafe kein originalgetreuer Aufbau möglich


    -Garküchen, Antrag zum Wiederaufbau gerade gescheitert


    -Gebiet um die Buchgasse/Karmeliterkloster saniert und-/ oder neu bebaut


    -Gebiet um die Fahrgasse/Fischerplätzchen saniert und-/oder neu bebaut


    -Schirn, gerade Saniert, damit in Zusammenhang die Saalgasse. Die postmodern bebaute Nordseite negiert den originalen Straßenverlauf, womit es auch für die Südseite schlecht aussieht


    -Umgebung Hirschgraben/ Weißadlergasse gerade neu bebaut (Helvetia Versicherung, Romantik-Museum etc.)


    -Mainuferbebauung saniert, oder neu bebaut (Mäckler-Projekt an der Leonhardskirche, Projekt am Fahrtor)


    -Töngesgasse, in den letzten Jahren rege, moderne Neubautätigkeit


    Klar eine einzelne Reko eines Idealisten ist natürlich immer möglich, größere Projekte scheiden aber praktisch aus

  • um keine weiteren Begehrlichkeiten zu wecken (sagt einem jeder Politiker unter der Hand auch direkt so ins Gesicht)

    Eben. Mit der gegenwärtigen politisch tonangebenden Kaste ist hinsichtlich Rekonstruktionen kaum etwas möglich. Ich sage mal besser nicht, welche Parteien dabei noch federführend sind. Natürlich weiß man nicht, wie sich die politische Landschaft in 20 Jahren verändert hat. Allerdings dürften eben auch die Finanzmittel der Kommunen geringer werden, da diese jetzt schon teils überschuldet sind.

    Hinsichtlich des Areals hinter der Römerberg-Westzeile bin ich nicht ganz so pessimistisch. Auch hinsichtlich der Südseite der Saalgasse. Aber letztlich hat "Götzenhainer" Recht, dass dort derzeit eigentlich nur Rekonstruktionen durch Spendenaktionen und idealistische Bauherren möglich sind.

  • Und wenn das hier gekommen wäre, wäre ich im Traum nicht darauf gekommen nach Frankfurt zu fahren:


    Selbst meine Kinder fragten erstaunt: Was in aller Welt willst du in Frankfurt??? Ich bin nun in dem vergangenen halben Jahr zweimal da gewesen, das zweite Mal mit Übernachtung. Ich stehe mit meiner Begeisterung anscheinend nicht alleine da: im vorletzten Spätsommer war ich einer von 30.000 Besucher beim Tag der Offenen Baustelle am Humboldtforum. 30.000 Besucher an einem Wochenende! An einer Baustelle! Welche moderne Architektur kann das? Das Thema ist hier sicherlich schon hundertmal breitgetrampelt worden, aber ich wollte es einfach mal gesagt haben.

  • Zumindest in den nächsten 30 Jahren wird hier sicher nichts kommen, weil:


    - Römerberg-Westzeile 2018 gerade saniert -und zwar mit Absicht vor Eröffnung des Dom-Römer-Projektes um keine weiteren Begehrlichkeiten zu wecken (sagt einem jeder Politiker unter der Hand auch direkt so ins Gesicht) , somit scheitert Römer 2.0, da hier die wichtigsten Reko's gewesen wären, zudem Probleme wegen dem Grundriss


    .....

    Ich muss Götzenhainer recht geben. Wir haben jetzt eine völlig andere Ausgangssituation als beim Abriss des Technischen Rathauses. Damals konnte mit Druck das DomRömer-Projekt umgesetzt werden. Und heute? Die bürgerliche Mitte in der Stadt ist auf ein Minimum geschrumpft. Nicht nur die Parteien sind nach Links gerückt, sondern auch die Stadtführung und die Medien. Dazu kommt: Mit Dieter Bartetzko ist 2015 der herausragende, Stadtgeschichtskenner und FAZ-Architekturkritiker verstorben. Einige Journalisten haben, nach meinem Wissensstand die Seiten gewechselt: Günter Murr (ex Stadtredaktion FNP) ist jetzt Sprecher von Baudezernent Schneider, Nils Bremer (ex-Chefredakteur Journal F.) jetzt Leiter des Büros von OB Feldmann, Stefan Jäger (ex-HR) jetzt Referent von OB Feldmann. Andere, wie die FAZ-Architekturkritiker werden vom BDA "hofiert".

    Gute, traditionelle Architektur hat leider in der Stadt fast keine Stimme, keine Lobby mehr in den Medien und in der Politik.

  • Wie schade, es hätte ein Aufbruch sein können. Ich habe Euch immer beneidet.

    Immerhin: Dank Frankfurt spricht man mittlerweile in Nürnberg ganz offen über Rekonstruktionen, alleine dieser Gedanke war früher unvorstellbar bzw. nicht existent.

  • Tatsächlich ist die Straße recht belebt. Es gibt einige kleinere und größere Geschäfte, einige Galerien, beliebte Restaurants und vor allem auch Cafés. Einen Späti gibt es da auch noch, ein Designbüro und die ganzen internationalen Supermärkte nicht zu vergessen. Seit 2017 hat das beliebte Kiosk und Treffpunkt "Yok Yok" aus dem Bahnhofsviertel in der Fahrgasse 21 ein zweites Kiosk eröffnet. Das Konzept verbindet Kiosk mit Kunstausstellungen und ist ein echter Szenetreff.


    Letztes Jahr war ich im Spätsommer mit Freunden in der Gegend unterwegs. Vor einem Späti waren Tische und Bänke aufgebaut und es waren einige Leute, die hier und dort gemütlich saßen. Viele junge Menschen mögen den Charakter der Nachkriegsarchitektur, die großen Schaufenster ermöglichen Platz für hippe und coole Plakate und Schriftzüge. Obwohl die Straße sehr einheitlich und monoton gehalten ist, herrscht eine große Durchmischung und vor allem die Räumlichkeiten auf der Fahrgasse sind unkonventionell.


    Es wird sich dort in den nächsten Jahren sicher nicht viel an der Bebauung ändern. Aber natürlich hätte die Straße potenzial, vor allem punktuelle Rekonstruktionen wären hier oder in der näheren Umgebung angebracht und nötig. Die ganze Gegend ist aber wirklich beliebter geworden, ich denke, das hat auch damit zu tun, weil das Fischerplätzchen am Main durch die vielen Cafés so belebt ist und die neue Altstadt und die Braubachstraße natürlich auch ihre Strahlkraft haben.


    Vielleicht oder ganz sicher sind in den nächsten Jahren keine oder nur sehr wenige Rekonstruktionen möglich. Aber Fakt ist, die neue Altstadt hat bei den Menschen in Frankfurt und auch in anderen Städten das Thema Rekonstruktionen wieder in Erinnerung gerufen und überhaupt ein neues Bewusstsein für die Geschichte und Bebauung der Altstadt ermöglicht. Das wird hoffentlich in Zukunft dazu führen auch andere Teile der Altstadt in kleinen Etappen wieder aufleben bzw. sich an den historischen Vorbildern inspirieren zu lassen und feinfühliger mit der Architektur umzugehen.

  • Die Nachkriegsbebauung neben dem Samstagsberg und dem Eingang zur neuen Altstadt müsste doch bald auch sanuerungsfällig sein, oder? Dann wäre die Möglichkeit zu Rekonstruktionen gegeben.

  • Im Bereich Römerberg wurde fast alles unlängst saniert. Und woher nimmst Du die Vermutung, dort wäre die "Möglichkeit zur Rekonstruktionen gegeben"?

    Kennst Du die Hausbesitzer? Hast Du mit ihnen gesprochen? Haben sie gemeint, dass sich das Sanieren nicht lohne, weil es zu teuer sei, weshalb man lieber sein Haus abreiße und durch eine eventuell kleinere Rekonstruktion ersetze?

  • Da bleibt mir gerade etwas die Spucke weg. Was haltet ihr davon?


    Aus der Frankfurter Rundschau:


    Sturmschäden am Dom - "Eine einmalige Chance für Frankfurt"

    Domverwaltung veröffentlicht aufsehenerregende Pläne für Kaiserdom.


    Frankfurt am Main: Am 10. Februar stürzte durch das Sturmtief Sabine ein tonnenschwerer Kran auf das Dach des Doms. Dabei wurde das Dach des Querschiffes schwer beschädigt, ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro ist entstanden. Seitdem ist es um die laufenden Sanierungs- und Reparaturarbeiten still geworden: kein Wunder, die Corona-Pandemie hat die Welt und ihre Nachrichten in kürzester Zeit in Beschlag genommen, zurecht. Doch nun gibt es spektakuläre Neuigkeiten: Dombaurat Stefan Argmüller stellte gestern auf einer virtuellen Tagung neue, spektakuläre Pläne für das Dach des Frankfurter Doms vor, dafür habe man sich niemand geringeren als den Stararchitekten Daniel Libeskind ins Boot geholt.


    Die Pläne Libeskinds sehen vor, den Sturmschaden zu belassen und mit zeitgenössischer Architektur zu ergänzen. Dazu soll eine gläserne wippenförmige Aussichtsplattform auf zwei Betonkuben über dem Dach errichtet werden. Der Ausleger des Krans wird mit einer technisch aufwendigen Lösung im Dach belassen, so dass es aussieht, als sei der Kran gerade erst herabgestürzt. "Das wird ganz großartig, Architektur von Welt. Das ist eine einmalige Chance!" findet auch Frankfurts Bau-Bürgermeister Raol Schmidt-Lamontaine (Grüne). und ergänzt: "Wir lassen die Beschädigung sichtbar und zeigen damit die Verletzlichkeit dieses monumentalen Riesens.", denn auch Sturmtief Sabine sei eine der vielen, schwerwiegenden Folgen des globalen Klimawandels. Eine ganz eigene Interpretation hat der Frankfurter Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: "Ich deute das ganze als ein Schiff -ein urchristliches Symbol. Wie eine rettende Arche erhebt sich dieses Schiff über unsere wunderbare Kirche. Das wird den Menschen Hoffnung geben, gerade in diesen Zeiten!"

    Auch Dombaurat Argmüller findet: "Wir müssen ein Zeichen setzen, dass das Thema Klimawandel trotz Corona nicht vom Tisch ist. Mit leuchtenden Augen führt er weiter aus: "Wer in großen Zeiten lebt, soll groß bauen können! Alles andere wäre eine vertane Chance, wir wollen der Welt zeigen, dass wir mehr als Fake-Fachwerk und niedliche Hexenhäuschen können und Frankfurt sich der Zukunft und ihren Herausforderungen stellt."

    Auch der Denkmalschutz gibt nach anfänglichen Bedenken grünes Licht, Paul Ignaz Clemens, Vorsitzender des Frankfurter Denkmalamts gab zu "Der Dachtstuhl stammt aus dem Wiederaufbau der 1950er Jahre". Anders als bei dem denkmalgeschützten, ebenfalls aus der Nachrkriegszeit stammenden Dach der Paulskirche seidas hier geradezu primitiv, nichts erhaltenswertes, so Clemens weiter. "Ein ganz einfaches Walmdach, schneiden Sie es auf, haben sie ein Dreieck, das ist geradezu banal." Dem folgert er: "Der mordernen Ergänzung steht von unserer Seite aus nichts im Weg, im Gegenteil, der Dom wurde zu allen Zeiten zeitgenössisch ergänzt und somit freue ich mich auf den neuen Dachaufbau, das ist ja wirklich großartige Architektur, die einen unglaublich spannenden Dialog mit der gotischen Architektur eingeht!".

    Das Projekt wurde mittlerweile auch durch den Stadtrat abgesegnet, deren nun coronabedingte Onlinesitzungen allerdings in der öffentlichen Wahrnehmung etwas untergehen. Finanziert werden soll das Domprojekt neben Mitteln aus der Strukturförderung durch den symbolischen Verkauf von bedrucktem Toilettenpapier. Stolz präsentiert uns Argmüller eine Rolle vierlagiges Toilettenpapier mit der aufgedruckten Silhouette des Kaiserdoms- Natürlich mit Liebeskinds Aufbau: "Unterstützen Sie uns mit 5€ pro Rolle, die voll in das Projekt gehen".


    Imposant, doch technisch höchst anspruchsvoll: "Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Zahnstocher mit einer Plombe an einem kariösen Zahn fixieren." , so Dombaurat Stefan Argmüller.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski