Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

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      An Weihnachten war mein Schwager zu Besuch - bis hierhin uninteressant. Er arbeitet und wohnt unter der Woche allerdings in Frankfurt, und hat sich natürlich mittlerweile auch die neue Altstadt angeschaut. Sein Urteil fällt jedoch alles andere als begeistert aus. Er meint, das wirke alles total künstlich, wie eine Filmkulisse, unglaubwürdig. Diese Rekonstruktionen wären überhaupt nicht sein Fall (wobei er damit nicht von irgendeinem ideologischen Standpunkt argumentiert, sein Eindruck war eben nur negativ). Ich beließ es bei dem Einwand, dass die Gebäude ja mit den Jahrzehnten Patina annehmen und auch teilweise erst bewohnt werden müssen, damit sich dort authentisches Leben einstellt. Allerdings finde ich, man muss auch solche Urteile respektieren, zumal wenn sie von Leuten kommen, die nicht im Verdacht stehen irgendwie voreingenommen zu sein. Der Weihnachtsfrieden nahm jedenfalls keinen Schaden, da wir es damit bewenden ließen.
      Ich selbst habe die neue Altstadt noch nicht besucht, ich weiß also nicht wie mein Eindruck wäre. Grundsätzlich glaube uch, dass Rekonstruktionen von mittelalterlichen Gebäuden schwierig sind, weil sie naturgemäß nie den durch Jahrhunderte entstandenen Charme der Abnutzung, Unvollkommenheit und Alterung ihrer Vorbilder erreichen, krumme Balken kann man eben nicht einfach so nachahmen. Eine Reko eines z.b. klassizistischen Gebäudes wirkt sicherlich glaubwürdiger, weil bereits das Vorbild mit fortgeschrittener Bautechnik errichtet wurde. Ist also was dran an der Kritik?
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      @Stuegert

      ich verstehe was dein Schwager meint und kann seine "Kritik" in gewisser Hinsicht verstehen. Mir geht und ging es partiell ähnlich, wobei es deutliche Unterschiede gibt, was die Qualität der Rekos angeht, ich hatte darauf ja bereits hingewiesen.
      Woher kommt dieser leicht künstliche Eindruck?

      1. Zunächst einmal ist alles neu. Keine Altstadt sieht so perfekt und geleckt aus. Nicht mal wenn die Bauten saniert wurden, denn man würde ja nie einen ganzen Altstadtblock auf einmal sanieren, so fehlt jegliche Patina, was einem das Auge etwas übel nimmt, weil es das so eben nicht kennt, schon gar nicht in Deutschland.

      2. Man muss leider festhalten, dass es sich um Neubauten handelt. Und wenn man etwas Anhung hat, dann sieht man das leider auch. Das hat nichts damit zu tun, dass man sich seitens der Architekten etc. keine Mühe gegeben hat, aber bestimmte Dinge lassen heutige Baunormen einfach nicht mehr zu. Am krassesten fällt dies bei den Decken auf. Diese sind, weil es Betondecken sind, auch bei den Fachwerkbauten kerzengrade, wie mit dem Strich gezogen. Kein historisches Fachwerkhaus sieht so aus. Man muss nur zum Römer gehen und dort steht ja noch ein erhaltener Bau. Wenn man diese mit den Rekos vergleicht, dann wird offenkundig, woran es hapert. Es sind die kleinen schiefen Ecken, die durchhängenden Decken, das nicht perfekte Sichtfachwerk, etwas abblätternde Farbe und und und. So wirkt die Altstadt eben nicht nur wegen des aktuell noch perfekten Äußeren, sondern auch konstruktiv so perfekt, dass das Auge in der Summe einen zu cleanen Eindruck bekommt.

      3. Die Farben sind teils nicht besonders glücklich gewählt. Gerade am Rebstockhaus sind sie so speckig und unnatürlich satt, dass man fast den Eindruck bekommt, es ist kein Holz, sondern Plastik, was da im Sonnenschein glänzt. Gerade der Rebstock fällt bei den Rekos deutlich ab. Dazu diese völlig unnatürliche Brandschutzwand, eine völlig missglückte Idee!

      4. Letztlich ist alles vielleicht ein bisschen zu gut geraten, das Pflaster ist perfekt, der Brunnen neu, alles durchsaniert. Auch der Stadtraum an sich ist eben komplett neu und vollkommen einheitlich. Auch das trägt ein bisschen zum Filmseteindruck bei, weil auch sowas findet man in historischen Altstädten so nicht.

      Als Fazit muss man sagen, dass man dem Projekt etwas Zeit geben muss, einige der genannten Faktoren werden sich mit der Zeit abschwächen, die konstruktiv leider notwendigen Einschränkungen werden aber bleiben. Ich muss sagen, dass die Ostzeile am Römerberg wesentlich organischer wirkt. Und dies trotz gerade erfolgter Sanierung und obwohl fast alles Sichtfachwerk ist. Ob dies an den Alterungsprozessen liegt oder ob man beim Wiederaufbau etwas anders gemacht hat, das weiß ich nicht zu beurteilen, als Laie finde ich die Rekos am Römerberg in der Summer zum aktuellen Zeitpunkt aber gelungener.
      APH - am Puls der Zeit
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      Die Ostzeile-Rekos sind im Aufbau authentischer, weil da noch Lasten und Tragen mit dem optischen Eindruck übereinstimmt, vielleicht nicht durchgängig, aber weitgehend. Diese Rekos hatten noch keine Wärmedämmverordnung zu erfüllen. Die Mauern sind noch weitgehend durchgängiges Ziegelmauerwerk (siehe Baubilder von damals). Wer genaueres weiß, korrigiere bitte!
      Man kann verallgemeinern, je weiter der Wiederaufbau vom Zerstörungszeitpunkt entfernt liegt, desto künstlicher erscheint er uns, da die Bautechnologie sich weiter in Richtung industrieller Rationalisierung, mehr künstlichen Baustoffen und den knebelnden Bauverordnungen hin entwickelt hat. Ein Goethehaus heute aufgebaut, würde sicher weniger authentisch wirken, als die bestehende Reko, selbst wenn sie bauhistorisch exakter ausgefallen wäre, oder!?
      Es sei denn, man geht streng wissenschaftlich und mit traditionellen Handwerk und Materialien vor.
      Authentische Rekos kann man wohl heutzutage nur erzielen, wenn man mindestens wie der Dresdner Neumarktverein mit seinem Vorzeigebau in der Rampischen vorgeht, oder wie bei der Frauenkirche oder im Extremfall wie die Franzosen mit ihrem Burgenprojekt in Guedelon. Darin ließe sich auch modernste Haustechnik einbauen, die Mauern wären aber 100% authentisch handwerklich und materialgerecht errichtet.
      Das atmet die Kraft der händischen Ausführung, mit einer guten Verwurzelung im Boden. Das Gebäude ist dann wie eine Ausstülpung der Erde. Und wir dürfen nicht vergessen. Wir sind Kinder der Erde und unsere Gebäude haben sich in den letzten mehr als 100 Jahren immer mehr davon abgehoben. Eine "Moderne", die sich immer mehr von der natürlichen Herkunft des Menschseins abspaltet! Letztlich wäre eine Architektur, die Himmel UND Erde verbindet eine der Zukunft!
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      Ich finde das Pflaster ist der Hauptgrund warum es Kulissenhaft wirkt. Ich weiß dass es alles aufgrund der Barrierefreiheit so gemacht werden musste aber
      nirgendwo sonst in Frankfurt ist das Pflaster so glatt und noch mit Riffeln und Streifen durchzogen wie dort - außer am Bahngleis.
      Ich finde es zwar überaus löblich, dass wohl die Form der alten Bürgersteige im Pflaster aufgenommen wurde, da diese aber eben sind (also "Bürgersteig" und "Straße" gleiche -höhe) und somit keinen Absatz haben wirkt das auch wieder sehr unorganisch...künstlich leider.

      Ich würde tatsächlich so weit gehen zu sagen, dass dieser künstliche Eindruck zu 90% am Pflaster liegt.
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      Ich hätte von deinem Schwager, @Stuegert, und allen die diese ja durchaus begründete Kritik anbringen, dann aber gerne eine Sache gewusst:
      Was hätten sie sich denn stattdessen gewünscht? Wäre ihnen eine Sanierung des technischen Rathauses lieber gewesen? Oder ein modernes Viertel mit abweisender, steriler Klotzarchitektur, wie in dem bekannten Siegerentwurf für das Areal?

      Dass die neue Frankfurter Altstadt mit erhaltenen Altstädten an Authentizität nicht mithalten kann, ist klar und keine neue Erkenntnis, @Apollo hat das gerade ja noch einmal sehr treffend zusammengefasst. Ich finde diesen Vergleich aber ungerecht, in meinen Augen sollte man die neue Frankfurter Altstadt mit seinen Brüder und Schwestern aus der Zeit vergleichen, in der sie erbaut wurde: der heutigen Zeit.
      Und ob all den Kritikern, denen rekonstruierte Häuser und Viertel nicht so recht gefallen mögen, ein Europaviertel in Frankfurt oder das neue Bahnhofsviertel in Berlin wirklich mehr zusagen, wage ich stark zu bezweifeln.

      Was sagt der Schwager denn beispielsweise zum Marktplatz in Stuttgart? Findet er den schön?

      Ich habe so Diskussionen auch schon geführt und darüber nachgedacht, sollte man überhaupt rekonstruieren? Ist gar keine Altstadt dann besser als eine neue, rekonstruierte Altstadt? Sind die Nachteile der neuen Bautechniken so groß, dass man am Besten komplett auf Rekonstruktionen verzichtet? Aber was soll denn stattdessen gebaut werden?
      Und dann läuft es in meinen Augen am Ende immer auf Folgendes hinaus:
      Eine Rekonstruktion mag nicht perfekt sein, aber sie ist in den allermeisten Fällen im Vergleich zu den Alternativen die beste Lösung, die es gibt!

      Gleichzeitig müssen wir dabei aber vielleicht auch einpreisen, zu lernen, vor allen Dingen bei der Bautechnik: Wie bekommt man es noch authentischer, noch schöner hin? Müssen es wirklich Stahlbetondecken sein? Gibt es bessere Techniken, Fachwerk zu rekonstruieren? Welche Rolle spielt die Ausgestaltung der Innenarchitektur und damit verbunden die Nutzung? Wir stehen ja erst (hoffentlich) am Anfang einer größeren Rekonstruktionsbewegung und dass da nicht alles perfekt läuft und man bei den einzelnen Projekten dazulernt, sollte jedem klar sein und positiv gesehen werden.
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      SchortschiBähr schrieb:

      Die Ostzeile-Rekos sind im Aufbau authentischer, weil da noch Lasten und Tragen mit dem optischen Eindruck übereinstimmt, vielleicht nicht durchgängig, aber weitgehend. Diese Rekos hatten noch keine Wärmedämmverordnung zu erfüllen. Die Mauern sind noch weitgehend durchgängiges Ziegelmauerwerk (siehe Baubilder von damals). Wer genaueres weiß, korrigiere bitte!
      Hier mal ein Bild vom Bau des Hauses "Schwarzer Stern" am Römerberg:

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      Hier einige Antworten zum zuvor Geschriebenen (aus "Römerberg - Samstagsberg" aus dem Jahre 2006):

      Riegel schrieb:




      Augenfällig sind Teile des Verputzes und der Putzgefache herausgefallen (oder aus Gründen der Sicherheit und Sondierung herausgeschlagen worden?). Jedenfalls hat man sich hier bei der detailgetreuen Rekonstruktion nicht an die historischen Vorbilder mit Lehm- oder Backsteinausfachungen gehalten, sondern mit Leisten, Dübel, Platten und Hohlräumen ein schliesslich misslungenes Experiment gewagt!





      In der Natur des Holzes liegt dieser Bauschaden begründet. Überall Spalten zwischen den Balken und den Gefachen (Rückseite von Nr. 18 )! Im Gegensatz zum Möbelbau hat man im Hausbau seit je her frisch geschlagenes Holz verarbeitet. Jeder, der schon mit Holz gearbeitet hat, weiss, dass saftfrisches Holz leichter zu bearbeiten ist als trockenes Holz. Nach dem Aufrichten eines Hausgerüstes verkeilt sich dieses durch den Trocknungsprozess des Holzes (Schwinden und Verdrehen) von allein; ein willkommener Nebeneffekt! Schon historische Bauten wurden in relativ kurzer Bauzeit erstellt. Dies bedeutete, dass die Gefachfüllungen bereits zwischen die noch feuchten Holzbalken eingebracht wurden. Durch das Trocknen der Holzbalken und der damit einhergehenden Verringerung des Balkenquerschnittes entstanden Spalten zischen den Füllungen und Balken.

      Aus bauarchäologischen Untersuchungen geht oft hervor, dass dieser Baumangel schon früher in Kauf genommen wurde, ja sogar als normal angesehen wurde. Oft hat man die Füllungen durch einschlagen kleiner Holzkeile und Verfüllen der Spalten mit feinem Mörtel wieder gefestigt.

      Gut ist hier auch die Oberflächenbearbeitung des Holzes ersichtlich: die rohen Sägespuren heben die neuen Balken deutlich von den zweitverwendeten (vorwiegend an der Vorderfront eingebauten) alten Balken ab. Eine ehrliche, feine Spur, welche die Rekonstruktion verrät.





      Die vorgenannten Schäden sind beim Engel bereits behoben worden, wie man es an den Verputzrändern erkennen kann. Gekünstelt wirken hier die geschrobbten Balkenoberflächen (auch in Querrichtung des Holzfaserverlaufs!!), ein Vorgang, welcher das Holz auf alt trimmen sollte. Ein Vorgang, welcher vergebens nach einem historischen Vorbild sucht, dem Laien aber nicht ins Auge springen dürfte.
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      @Centralbahnhof

      Wolf Jobst Siedler hat es in seinem berühmten Aufsatz über das Berliner Schloss mal so ausgedrückt: Man wird den Verlust nicht ungeschehen machen können und die Rekonstruktion ohne Triumphgeheul angehen müssen. Denn jeder, der die Rekonstruktion ablehnt, muss doch die Frage beantworten, was denn sonst an dieser Stelle, an diesem Ort?! Es gibt nichts, was der Geschichte sonst gerecht würde. Deswegen bleibt nur die Rekonstruktion in Demut trotz ihrer Unzulänglichkeit.

      (aus dem Gedächtnis)
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      stuegert schrieb:

      Sein Urteil fällt jedoch alles andere als begeistert aus. Er meint, das wirke alles total künstlich, wie eine Filmkulisse, unglaubwürdig. Diese Rekonstruktionen wären überhaupt nicht sein Fall (wobei er damit nicht von irgendeinem ideologischen Standpunkt argumentiert, sein Eindruck war eben nur negativ). Ich beließ es bei dem Einwand, dass die Gebäude ja mit den Jahrzehnten Patina annehmen und auch teilweise erst bewohnt werden müssen, damit sich dort authentisches Leben einstellt. ...
      Ich selbst habe die neue Altstadt noch nicht besucht, ich weiß also nicht wie mein Eindruck wäre. Grundsätzlich glaube auch, dass Rekonstruktionen von mittelalterlichen Gebäuden schwierig sind, weil sie naturgemäß nie den durch Jahrhunderte entstandenen Charme der Abnutzung, Unvollkommenheit und Alterung ihrer Vorbilder erreichen, krumme Balken kann man eben nicht einfach so nachahmen. Eine Reko eines z.b. klassizistischen Gebäudes wirkt sicherlich glaubwürdiger, weil bereits das Vorbild mit fortgeschrittener Bautechnik errichtet wurde. Ist also was dran an der Kritik?

      Die möglichen Antworten der letzten Frage liegen schon in deren Denkansatz.
      Was will man eigentlich?
      Für meinen Teil ist es leicht gesagt: Schöne alte Gebäude, falsch, doch nicht ganz so leicht, schöne, leider untergegangene Gebäude wiederhaben.
      Natürlich können diese Gebäude nicht alt sein. Natürlich kann die FFer Altstadt keine Patina aufweisen. Wären wir über eine solche Patina wirklich glücklich? Würde eine solche Patina nicht gewisse Beschimpfungen evozieren, und das, wie gesagt werden muss, nicht ganz ohne Berechtigung? Warum darf ein neues Haus nicht frisch und neu, in diesem Fall "künstlich" aussehen? Es ist ja gewissermaßen "künstlich", also nicht "organisch"aus der Epoche seines Stiles stammend oder gewachsen.
      Die alte Altstadt ist untergegangen, was nicht rückgängig gemacht werden kann. Man kann sie nur neu erbauen. Die Alternative war, etwas anderes zu erbauen, hinzustellen. In FF hat man beides probiert. Ich würde sagen (ohne die neue Altstadt gesehen zu haben): kein Vergleich.
      Wirkt eine Reko klassizistischer Gebäude "glaubwürdiger"?
      Nun, sie ist leichter zu bewerkstelligen und wird vom Ergebnis her weniger "künstlich" wirken*, aber was soll uns diese "Glaubwürdigkeit"? Sind wir Fälscher?
      Sonst freut man sich ja auch oft darüber, dass Dinge nagelneu sind, und auch im Mittelalter haben sich die Leute über die neuen Häuser gefreut.
      *Generell schlage ich diese Formel vor: je aufwendiger und formal komplizierter, desto unproblematischer die Reko.
      Man vergleiche in DD bloß das Hotel de Saxe mit der Rückseite des gleichnamigen Hotels.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
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      Stuegert schrieb:

      Er meint, das wirke alles total künstlich, wie eine Filmkulisse, unglaubwürdig. Diese Rekonstruktionen wären überhaupt nicht sein Fall (wobei er damit nicht von irgendeinem ideologischen Standpunkt argumentiert, sein Eindruck war eben nur negativ).
      Die Frage wäre jetzt allerdings, ob dieser Gesamteindruck bei ihm durch die echten Rekonstruktionen entstanden ist oder vielleicht doch eher durch die (mehr oder weniger) "traditionellen Neubauten".

      Unter letzteren finden sich einige, die wirklich sehr künstlich, platt und kulissenhaft wirken, weil sie "nicht Fisch, nicht Fleisch" sind, also weder Rekos, noch kreative Neuschöpfungen im Geist der Vergangenheit. (Übrigens neben anderen, die sehr gelungen sind, weil sie genau das sind: kreative Neuschöpfungen aus dem Geist der Tradition).

      Das kann bei jemandem, der dafür sensibel ist, schnell den Eindruck hervorrufen, alles sei bloße Kulisse. Zudem ist das Dom-Römer-Viertel natürlich auch sehr, sehr klein und zwischen die vielbefahrene Braubachstraße und die unsägliche modernistische Schirn eingequetscht. Dadurch fehlt dem Viertel völlig der städtebauliche Kontext, was auch zu einem "kulissenhaften" Eindruck führen kann.
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      Stuegert schrieb:

      Eine Reko eines z.b. klassizistischen Gebäudes wirkt sicherlich glaubwürdiger, weil bereits das Vorbild mit fortgeschrittener Bautechnik errichtet wurde. Ist also was dran an der Kritik?
      Das Gegenteil ist der Fall: Am wenigsten authentisch wirken - auch meinem Eindruck nach - in der "neuen Altstadt" die Rekos von klassizistischen Bauten/Fassaden bzw. diejenigen "traditionellen Neubauten", die versuchen, sich an den Klassizismus anzulehnen.

      Am authentischsten wirken demgegenüber die Rekos mittelalterlicher bis frühneuzeitlicher Bauten: Goldene Waage, Rotes Haus, Goldenes Lämmchen, Haus Rebstock. Gerade die wirken, als hätte sie immer da gestanden, während man den anderen sofort anmerkt, dass sie von 2018 sind.
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      Ich denke, man sollte da keiner Selbsttäuschung verfallen, die bei dem Begriff Patina hier im Forum immer ganz gerne mitschwingt. Die Gebäude sind neu und sie dürfen auch gerne so aussehen. Generell habe ich zur These der charmanten Alterung ein eher gespaltenes Verhältnis. Einerseits gilt natürlich auch das Gegenteil zum erstgenannten, dass man einem alten Gebäude natürlich sein Alter ansehen darf und sollte. Aber wo verläuft die Grenze zum Verfall? Schon bei der Kupfer- oder Bronzepatina bin ich kein Freund der oft gelobten Türkisfärbung.
      Das ist für mich in erster Linie ein Zeichen der Notwendigkeit baldiger Erneuerung (Wenn es schon wieder braun durchschimmert) und zudem lästig beim Bemühen ums Erkennen von Details. Am besten gefällt mir dort der dunkelbraune Farbton der ersten Jahre. Für Fassaden gilt das gleiche. Ich erlebe gern die Farbigkeit der barocken Fassaden am Dresdner Neumarkt. Von der eher tristen Stimmung auf dem Platz vor dem Krieg wäre ich in Kenntnis des heutigen Farbspektrums wohl eher enttäuscht. In Frankfurt ist es ja nicht viel anders. Man sollte sich doch an der Farbprächtigkeit der Goldenen Waage erfreuen, solange es geht. Dreckig und verschmutzt ist es meiner Ansicht nach schneller, als uns lieb ist.

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