Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Ich sehe das ganz pragmatisch. Auch ein OB leidet zumeist unter Phantasielosigkeit - so wie auch viele Architekten, die sich unter einer Reko immer nur Disneyland vorstellen, weil sie selbst nichts anderes hinbekommen würden. Nun haben wir hier aber eine ganz neue Qualität, die beispielgebend ist für weitere Projekte dieser Art.


    Insofern wäre es nur dumm, diesen schon jetzt sichtbaren Erfolg für Frankfurt/M nicht gebührend zu würdigen, indem ein OB damit Werbung macht. Noch konsequenter ist dann natürlich auch ein Rekoprojekt nationaler, wenn nicht europäischer Dimension (Paulskirche). Herr Feldmann, Sie sind gefragt!


    Dann könnte auch endlich das Modell im Haus der Geschichte in Bonn korrigiert werden:
    https://upload.wikimedia.org/w…chichte_Bonn_Germania.jpg

  • 2019 sind in Frankfurt turnusgemäß wieder Bürgermeisterwahlen, oder? Zeit, an Herrn Feldmann heranzutreten!

    Erstens sind die OB-Wahlen bereits 2018. Zweitens wirst Du bei Feldmann auf taube Ohren stoßen. Das ist Zeitverschwendung. Der favorisiert allenfalls Neubaugebiete im noch bestehenden Grüngürtel bzw. hochwertigen Ackerland, und zwar mit massiven Blöcken. Das Altstadtprojekt sehen die meisten Frankfurter Politiker, vor allem von rot und grün, mit der Turmspitze des "Langen Franz", die sie noch begrüßen, als abgeschlossen an. Es bedarf also anderer Leute, um kreative Ideen zu entwickeln. Und anderer Leute, an die Du herantreten kannst.

  • Ich habe keinem Fatalismus das Wort geredet. Ganz im Gegenteil. Es gehört aber zur Umsetzung von Projekten auch Realismus in der Einschätzung der Interessenlagen dazu.
    Du kannst aber gerne an Herrn Feldmann Briefe und Emails schreiben. Niemand hält Dich ab. Ich bin gespannt, ob der Energieaufwand zu irgendetwas Positivem führt.

  • Das habe ich auch schon gedacht bei diesen vielen "Altstadtfeldmannposenfotos" der letzten Monate. Krass!
    Zugute zu halten wäre allerdings, daß er sich nicht scheut, daß auch ein Glanzlicht der neuen Altstadt auf ihn abfälllt, somit scheint es mir ein Zeichen, daß er sich zumindest des Projektes nicht "schämt", es wohl gelitten zu sein scheint, man sich als OB in dessen Aura aufhalten kann

    Ja, wenn sich ein Oberbürgermeister mit einem solchen Projekt "schmückt", dann ist das zumindest immer noch besser, also wenn er sich davon distanziert. Dass anfängliche Kritiker umschwenken, ist ja kein Einzelfall, wenn man etwa an die Architekten Jochem Jourdan und Dietrich Wilhelm Dreysse denkt, die am Anfang gegen jegliche Rekonstruktionen zwischen Dom und Römer regelrecht gewettert und darüber gelästert haben - und nun selbst welche davon bauen. Die werden sich auch darin "sonnen".


    Das zeigt aber vielleicht auch, dass es doch keine komplett verbohrten Ideologen sind, wie mancher Wortführer im BDA. Von dort kam ja auch (neulich irgendwo gelesen) der dümmliche Einwand, die Altstadt sei "ein Fake, weil sie ja auf der Betondecke einer Tiefgarage steht". Dieser Einwurf hätte am Dresdner Neumarkt gepasst, wo ja noch bis Anfang der 2000er Jahre zahlreiche historische, oftmals gut erhaltene Kellergewölbe vorhanden waren, die dann fast komplett zugunsten einer riesigen Tiefgarage vernichtet wurden. In Frankfurt hingegen ist der Abriss der Altstadtreste und der anschließende Bau der Tiefgarage ja nun schon vor Jahrzehnten passiert und kann wohl kaum den Leuten angelastet werden, die nun einige der historischen Häuser rekonstruieren. Hätte man vorher die Tiefgarage abreißen und das Loch mit Erde auffüllen sollen, damit der Untergrund etwas authentischer wird?

  • Hier ein paar neue Eindrücke von der Baustelle.




    Die Rolltreppe am Ausgang Dom ist fertig und in Betrieb, der Ausgang wieder geöffnet. Man "fährt" also direkt und sanft auf die Goldene Waage zu!




    Der Vorplatz des U-Bahn Abgangs vor der Goldenen Waage ist bereits mit dem neuen Pflaster belegt. Direkt am Eingang vor der Treppe und der Rolltreppe befindet sich allerdings derzeit noch eine Art Schutzauflage, die sicher irgendwann noch weg kommt.




    Auch seitlich, Richtung Rebstockhof, wird bereits fleißig gepflastert.




    Hier ist der Weg vom Dom Richtung U-Bahnabgang (rechts) bzw. Goldene Waage (links) zu sehen. Ich frage mich seit langem, wie wohl der Übergang vom bestehenden Frankfurter rotbraunen Altstadtpflaster im Vordergrund (aus den 80er Jahren) und dem neuen, grauen, "barrierefreien" Altstadtpflaster, das für den Dom-Römer Bereich ausgewählt wurde (im Hintergrund, wo die Leute stehen) erfolgen wird.


    Ich hatte schonmal gedacht, dass das alte Pflaster im Zuge des Umbaus vielleicht auch auf dem Samstagsberg und überall anders durch das neue ersetzt würde - was ich schade fand, da ich das rotbraune Pflaster und vor Allem die Rundbogenverlegung eigentlich schöner finde.




    Das dem wohl nicht so sein wird, zeigt dieses Foto. Hier sieht man die Rampe zur Rotunde der sogenannten Schirn-Kunsthalle - die wird gerade in ursprünglichem Pflastermuster und -art ausgeführt.


    Das heißt, es wird dann also vom Römer aus sowie vom Dom aus irgendwelche Übergänge in der Pflasterung geben - was ich persönlich schon jetzt schade finde.




    Auf diesem Bild ist zumindest eine Begründung für die kürzliche Wiedereinrüstung des Stadthausanbaus zu sehen. Das neue, noch glänzende Kupferdreieck zwischen den Dachkanten der beiden Haushälften war vorher nicht vorhanden, wodurch schon früh Spuren von Wasserablauf unterhalb der Stelle am Putz zu sehen waren. Das kann nun nicht mehr passieren.

  • Danke für die Bilder. Man kann sicherlich nirgendwo in Frankfurt schöner aus der U-Bahn kommen, außer vielleicht an der Station Alte Oper, wo man aber den Kopf drehen muss - hier steuert man direkt auf die Goldene Waage zu. Die Lösung, den U-Bahn-Zugang so "einzuhausen", ist brillant. Wenn man das mal mit früher vergleicht, als man unter freiem Himmel rauskam und dann neben dem fiesen Technischen Rathaus stand...

  • Quote

    Für mich ist jede Rekonstruktion doch immer ein Museum, es ist Kulisse. Das hat sogar Fried Lübbecke nach dem Krieg gesagt, der so etwas auch nicht wollte. Er hatte zusammen mit dem Denkmalpfleger Zimmermann bei der Beibehaltung der Struktur etwas Zeitgemäßes geplant, aber keine Rekonstruktion.

    Interessant. Wäre es nach Fried Lübbecke gegangen, hätte man zwischen Dom und Römer wohl so weitergemacht wie beim Salzhaus und Haus Frauenstein. "So'n bisschen ähnlich wie früher mit ein paar Spolien, aber sonst doch eher modern". Naja, teilweise wird ja nun genau das gemacht.

  • Vermutlich werden spätere Generationen vom Zeitalter des Rekonstruktivismus sprechen, wenn sie die heutige Zeit einordnen. Somit entstehen derzeit erstklassige Vertreter eines neuen Baustils. Historismus und Renaissance hat es schließlich auch gegeben und davon ist die Welt künstlerisch reicher und vor allem schöner geworden.


    Dieses als Denkanstoß für weitere Projekte.


    Der Striezelmarkt and der Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt in Dresden bilden schon gefühlt ein Gesamtensemble noch unterstützt vom Weihnachtsmarkt am Dresdner Schloss. Ich hoffe auf eine ähnlich spannende Entwicklung in Frankfurt/M. Der Weihnachtsmarkt auf dem Hühnermarkt.

  • gegen den Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt argumentiert hat

    Er argumentiert, genau genommen, nicht gegen die Altstadt, aber er drückt sich hin- und hergerissen aus. Einerseits sieht er Rekonstruktionen nicht positiv, andererseits erklärt er, dass die Rekonstruktionen wichtig für das Image Frankfurts seien. Also, man sollte diese Worte nicht auf die Goldwaage legen.

  • "Fried Lübbecke [...], der so etwas auch nicht wollte." Klang für mich nach seiner Tendenz dagegen.
    Mir ging es nur darum, zu zeigen, dass bei aller, sagen wir vorsichtig-ablehnender Kritik des Geschäftsführers, die Freunde Frankfurts in das wohl bedeutendste Bauwerk der neuen Altstadt einziehen werden.

  • Die Rede von den Rekonstruktionen als "falsche Kulisse", die dann aber dennoch irgendwie positive Wirkung haben könnte, ist eben wie der Einleitungsspruch "Also, ich habe überhaupt nichts gegen Ausländer", auf den dann mit dem "aber" das eigentlliche Anliegen folgt. :lachentuerkis:

  • Es wirkt jedenfalls recht schnell. Wir können neuere Rekonstruktionen, frühe Nachkriegsteilwiederaufbauten und unzerstörte Originale vielfach ohnehin nicht mehr augenscheinlich unterscheiden. Wer mag kann eine Delhio-Gesellschaft gründen mit einer Petition für den Rückbau des Kölner Doms auf die präwilhelminische Ruine.


    Wie kann es denn jetzt in Frankfurt weitergehen mit der Altstadt?

  • An den Webcams kann man sehen, dass die Rückseite bzw. der Innenhof des Hauses zum Glauburger Hof an der Braubachstraße 31 entrüstet ist. Macht einen ähnlich kühlen Eindruck wie der Haus "Rebstock-Hof 2" an Markt 2.

  • Hatte heute Nachmittag endlich einmal Zeit und Muße, mir die Franfurter Innenstadt und insbesondere die neue Altstadt anzusehen. Ich kenne Frankfurt aus meiner "Ausgehzeit" Mitte der 80 er Jahre. Es ist erstaunlich, wie sehr sich diese Stadt zum Positiven gewandelt hat. Man hat wirklich den Eindruck, dass die Frankfurter ihre schöne Vorkriegsstadt so langsam aber sicher zurückgewinnen. Während z. B. die Stuttgarter Innenstadt immer mehr zu einer Ansammlung hässlicher Gebäude mit Industriecharakter verkommt, eine Baustelle nach der anderen eröffnet wird und man sich mit einem immer trivialer werdenden Stadtbild arrangiert (weil es ja immerhin den Schlossplatz gibt), mausert sich Frankfurt langsam aber sicher zu einer lebendigen und vor allem attraktiven Stadt, in der man sich auch gerne aufhält und auch was fürs Auge geboten bekommt.