Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Ich sehe es ähnlich wie Rohne. Die Willkür und Beliebigkeit ist aus meiner Sicht inakzeptabel. Den ursprünglichen Gebäuden halten die Füllbauten nicht stand. Ohne Not wird hier auf Kompromisslösungen gesetzt. Ein einziger Entwerfer hat sich getraut traditionelle Sprossenfenster zu verwenden - starke Leistung!



    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

  • Wenn solche Entwürfe zukünftig wieder zum verfügbaren Portfolio der deutschen Architekten gehören, wäre schon ungeheuer viel gewonnen - unabhängig davon, welche Entwürfe konkret umgesetzt werden. Ich halte das prämierte Spektrum - abgesehen von den hier gemeinsam ausgemachten Ausreißern nach unten - für sehr wohltuend. Warum sollte dies nicht ein Aufbruchsignal sein, endlich wieder mehr natürliche Rythmik, Abwechslungsreichtum und auch harmonischere äußere Gestaltung in der diesbezüglich überwiegend idelogisch verblendeten Zunft Einzug halten zu lassen? Ich finde die Ergebnisse insgesamt durchaus ermutigend.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich bin mehr als positiv überrascht, das hätte ich niemals erwartet. Das glatte Gegenteil der Gestaltungskommissionslieblinge am Dresdner Neumarkt. Hoffentlich läuft es in Potsdam ähnlich positiv.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Dann will ich auch mal meine Bewertungen abgeben. In diesem Bereich ist gut nicht gut genug, insofern bin ich auch kritisch:


    - Braubachstraße 27: Die Entwürfe gefallen mir eigentlich alle ganz gut, am besten wohl Landes. Dort sollte allerdings schon noch eine Figurennische hin. Eigentlich eine Schande, daß nach Dreysse-Studie von der 1970 abgerissenen Fassade keine Spolien existieren sollen.


    - Braubachstraße 29: Knerer und Lang ist sicher ein interessanter Entwurf, hat für mich aber zu wenig mit dem schönen Vorgängerbau zu tun. Dem kommt der zweite Platz von Meurer schon viel näher. Aber hier fehlt der Fassadenschmuck. Also eine Giebelreko samt Figurenschmuck sollte bei diesem exponierten Jugendstil-Bau schon drin sein, würde ihn ja auch enorm aufwerten.


    - Braubachstraße 25: Ungewöhnlich historisierend, wenngleich es nichts mit dem Vorgängerbau zu tun hat. Ein schöner Entwurf, aber aus historischen Gründen bevorzuge ich einen Dreiecksgiebel.


    - Braubachstraße 25: Gotisierend-expressionistisch. Interessant. Die Fenstereinschnitte und Gauben sind mir aber ein wenig zu wuchtig geworden. Hier würde ich die Form ein wenig mäßigen, zurücknehmen.


    - Hühnermarkt 16: OK.


    - Hühnermarkt 18: Überzeugt mich nicht recht, trotz Orientierung an den Grundformen. Hier fände ich eine Rekonstruktion angebracht.


    - Hühnermarkt 20: Überzeugt mich noch weniger. (Vielleicht liegt´s auch nur an der Zeichnung) Sieht aus wie ein Neubau. Vermutlich ein guter Füllbau in irgendeiner Gründerzeitstraße, mehr aber auch nicht. Wenigstens ein Dreiecksgiebel muß her.


    - Hühnermarkt 22: Top. Sehr gut. Optisch fast eine Rekonstruktion.


    - Hühnermarkt 24: Gefällt mir auch ausgesprochen gut. Optisch beide Entwürfe fast eine Rekonstruktion.


    - Markt 10: Kann ich mit leben. Gefällt mir gut. Allerdings bevorzuge ich natürlich die Rekonstruktion.


    - Markt 11: Bin mir nicht sicher, ob das wirklich Markt 11 sein soll. Der Bau an sich ist aber so schlecht nicht.


    - Markt 12: Orientiert sich am Vorbild. Gut. Allerdings bevorzuge ich natürlich die Rekonstruktion.


    - Markt 13: Auch der Bau ist an sich gut. Aber ich bin bezüglich der Nummerierung verwirrt.


    - Markt 14: Auf jeden Fall nur der Entwurf von Johannes Götz. Eingartner Khorami schaffen eine störende Unruhe an der Ecke mit dieser nicht passenden expressionistischen Fassadenstruktur. Notfalls lasse ich mir noch den schlichten Bau von jessenvollenweider gefallen. Der macht wenigstens nichts kaputt.


    - Markt 26: Den Entwurf können Eingartner Khorami hingegen getrost verwirklichen. Er ist weniger expressiv, dezenter an dieser Stelle.


    - Markt 28: Der Entwurf an sich ist durchaus gefällig. Er ersetzt aber meines Erachtens nicht eine Rekonstruktion des Hauses Würzgarten. Hier plädiere ich ganz eindeutig für eine Reko, die allemal die anspruchsvollere Lösung wäre.


    - Markt 30: Ähnliches hinsichtlich der Reko sage ich hier. Der Entwurf ist interessant, aber trotz der übergroßen Fenster nicht richtig einladend. (Interessant, daß es noch Spolien gibt, diese aber - laut Dreysse - in den USA lagern. Wenn das Beutekunst sein sollte, gäbe es ja einen Anspruch auf Rückgabe.)


    - Markt 23 (es ist wohl 32 gemeint): Absolut daneben. Hier hilft nur eine Rekonstruktion. Der Entwurf ist eine Katastrophe.


    - Markt 34: Verstehe ich nicht so richtig. Passt irgendwie gar nicht zu meinem Plan.


    - Markt 36: Ich wünschte mir eher eine Dachform in Anlehnung an den barocken Zustand.


    - Markt 38: Überzeugt mich nicht. Passt stilistisch nicht zum Ensemble. Da sollte besser eine Rekonstruktion her.


    - Markt 8: Jordi & Keller ist der eindeutig überlegene Entwurf. Er orientiert sich überzeugender am historischen Vorbild und schafft einen harmonischen Übergang zum moderneren Haus am Dom. Gefällt mir.


    - Markt 9: Sehr schön.


    - Neugasse 4: Schöner Entwurf.


    Auch mit dem Rebstock-Hof kann ich gut leben.

  • Über Details wie Sprossenfenster etc. würde ich mir derzeit noch keine Sorgen machen, denn die Entwürfe sind eben nur das, keine verbindlichen Bauzeichnungen. Detailänderungen dürften mit Sicherheit noch bei allen Entwürfen einfließen. Über die Qualität kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen, insgesamt eine sehr positive Überraschung, vom westlichen Markt natürlich abgesehen. Es scheint fast, als hätte man diese Ecke bewusst den auf Kontrast ausgerichteten Architekten zur Verfügung gestellt.


    Die große Preisfrage bleibt nun, wie Markt 40 aussehen wird, schließlich wird es dereinst das "Gesicht" der neuen Altstadt sein.


    Amüsant auch, dass Häuser wie die Braubachstraße 25 offiziell nicht rekonstuiert werden können, der prämierte Entwurf scheinbar aber genau das vorsieht...

    Was sagt sie uns für Unsinn vor?
    Es wird mir gleich der Kopf zerbrechen.
    Mich dünkt, ich hör’ ein ganzes Chor
    Von hundert tausend Narren sprechen.

    Goethe, Faust I

  • Also ich empfinde die Enwicklung in diesem Stadium als außerordentlich gefährlich, gerade wenn ich manche Kommentare lese: "gar nicht so schlecht", "akzeptabel, sollte es zu keiner Reko kommen" etc. Bisher sind nur 8 Rekos sicher beschlossen. Mit Sicherheit wird der ein oder andere Investor/Interessent für die 9 optionalen Rekos jetzt ins Wanken kommen. Siehe hierzu auch die Kommentare von Mäckler am gestrigen Tage.


    Ich würde mir auch wünschen, dass sich weitere Forumsmitglieder noch einmal mit einem Leserbrief für den "Weißen Bock" stark machen. Denke hier stehen die Chancen für eine weitere Reko gar nicht so schlecht, da keiner der modernen Entwürfe überzeugen konnte. Zudem sollte man argumentativ darauf hinweisen, dass die Goldene Waage sonst alleine stünde, bzw. ist das Gebäude eines der wenigen, für das Spolien (Kragsteine) in nennenswertem Umfang zur Verfügung stehen.

  • Das kein Entwurf für Markt 40 (3 Römer) prämiert wurde, lässt vielleicht doch noch hoffen, dass der Kulturpalast fallen wird. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben....

  • Ich bin hocherfreut über das vorligende Ergebnis. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die Architekten doch vielfach über sich hinausgewachsen sind und der ganze Wettbewerb nun doch in die richtige Richtung läuft. Noch vor 10 Jahren hätte niemand gehofft, dass an dieser Stelle ein so hochwertiges Ensemble wiederaufgebaut wird.

    MODERNExit

  • So gelungen ich die Entwürfe ja im großen und ganzen auch finde, bin ich doch ähnlich wie Götzenhainer sehr zwiegespalten. Wenn es Entwürfe für Füllbauten wären, die an Stellen stehen, an denen Rekonstruktionen ohnehin ausgeschlossen sind, wäre ich begeistert.


    Aber man bedenke bitte, dass diese Entwürfe ganz explizit Konkurrenzentwürfe zu denkbaren Rekonstruktionen sind. Und so qualitätvoll sie sein mögen: Rekonstruktionen können sie deshalb nicht ersetzen, weil ihnen die Geschichtstiefe der Bauten fehlt, die dort bis zu ihrer Zerstörung standen.


    Das ändert andererseits nichts daran, dass ich diese Entwürfe prinzipiell großartig finde und regelrecht die Hoffnung habe, dass sie ein Fanal für eine neue, qualitätvolle Architektur in Deutschland werden könnten. Nur möchte ich eben nicht, dass sie echte Rekonstruktionen verdrängen. Stünden sie irgendwo sonst, wäre meine Begeisterung auch nicht zu bremsen ... aber so?!


    Ich fürchte fast, da werden in Zukunft noch harte, auch interne Diskussionen auf uns zukommen.

  • Richtig, Philon. Ob es sinnvoll ist die ohnehin nicht besonders wertvollen Gründerzeitler der Braubachstraße (ab 1904) zu rekonstruieren darüber kann man ja streiten. Hier gibt es auch wirklich schöne "moderne " Entwürfe. Wir müssen jedoch festhalten, dass bezüglich der vor 1904 entstandenen Bauten kein Enwurf besser ist als das zerstörte Original. Die Alternativen zu den klassizistischen Massivbauten am Hühnermarkt gehen ja noch, gerade im Vergleich zu den zerstörten Fachwerkbauten versagen die neuen Entwürfe jedoch völlig.


    Machen wir uns nichts vor, im Vergleich zu den Rekos werden die Neubauten günstiger sein. Wir wissen doch wie Investoren denken......


    Nochmals die Bitte, schreibt Leserbriefe, damit wir wenigstens die neun zusätzlichen Rekos "in trockene Tücher" bekommen.

  • Ich halte es nicht für richtig, bei Häusern der wilhelminischen Ära immer gleich von "ohnehin nicht besonders wertvoll" sprechen. Ist mir zu pauschal. Die Fassade von Braubachstraße 29 halte ich für sehr gelungen arrangiert und rekonstruktionswürdig. Hier sollte wirklich nachgebessert werden, zumal man dies notfalls auch nicht so kostenintensiv mittels Gußsteinen könnte. Ansonsten natürlich d´accord. Je mehr Rekonstruktionen, umso gelungener, und umso besser dürfte das Quartier angenommen werden.

  • Hier in Mainz sieht man sehr gut, dass die Balance zwischen Füllbauten und Altbaubestand/Rekos sehr sehr fragil ist.
    In der Augustinerstraße z.B gibt es im südlichen Bereich viele Bauten die den neuen Entwürfen am Markt ähneln. Sie passen sich gut ein und ergänzen die Rekos/Pseudorekos/Altbauten prima. Denkt man sich letztere aber weg, welche den Blick auf sich ziehen, so wäre das Ergebnis sehr "fake", und steril.
    Dort wo diese Balance nicht existiert geht die Altstadtatmosphäre sofort verloren.


    Diese Wettbewerbsergebnisse sind eine gute Basis, jetzt hier etwas zu schaffen, auf das sich alle freuen können. Wenn jetzt hier Rekokandidaten zugunsten von Neubauten verloren gingen, wäre das eine fatale Entwicklung, die die postiven Egebnisse des Wettbewerbs ins Gegenteil verkehren würden.
    Jetzt ist es wichtig, dass auf jeden Fall die neun Rekos alle kommen (auch Braubachstr. 25, allein schon wegen dem Lämmchenhof), und mindestens dort wo es offenbar keine befriedigende Lösung gab (weißer Bock, 3 Römer, Goldenes Kreuz, auch altes Kaufhaus) ebenfalls zu rekonstruieren.
    Die "abgespeckten" Versionen von Flechte und Schildknecht dürfen auf keinen Fall Realität werden!Sowas ist 10mal mehr "Disneyland" als es eine Reko je sein könnte.


    Außerdem gehen mir diese eckigen Gauben bei vielen Entwürfen auf den Sack. Was soll das?
    Edit: Wenn, wie zu lesen, dem Ergebnis des Preisgerichts gefolgt werden soll, werden Markt 30 und 32 genauso kommen wie zu sehen! :daumenunten:

    Edited once, last by Götz ().

  • Was Philon angesprochen hat, gibt zu denken. Aber ich vertraue darauf oder hoffe zumindest, daß die Interessenten, die wirklich rekonstruieren wollen, weil sie das schon immer wollten und die auch das Geld dafür haben - z.B. Frank Albrecht - daß diese Leute ihr Vorhaben auch durchziehen werden, unabhängig davon, was es für Alternativvorschläge gibt.


    Wenn mir vorstelle, die in der Grafikdes FAZ-Artikels eingezeichneten beschlossenen und möglichen Rekonstruktionen kommen wirklich alle (21 zähle ich) und werden durchmischt mit den 25 besten Entwürfen des Wettbewerbs (laut Planzeichnung rund 15), dann ergäbe das schon eine Altstadt, die diesen Namen verdient. Zwar nicht duchgängig rekonstruiert, aber mit einer Mischung aus historischen und historisch anmutenden Fassaden - insgesamt ein kleines, aber feines Viertel der Sorte, um die ich als alter Frankfurter andere Großstädte immer beneidet habe.


    Nicht perfekt, aber zumindest ohne gewollte Brüche von dieser Sorte:



  • Also ich bin ziemlich positiv überrascht! Meine Favoriten sind das Kollhoff Haus Hühnermarkt 22, Markt 10, Hühnermarkt 14 und auf jeden Fall auch Braubachstraße 25! Absolut daneben finde ich jedoch Markt 30 (beklemmend) sowie Markt 26 mit seinen unruhigen Fenstern - hoffentlich werden diese beiden Parzellen rekonstruiert! Ansonsten großteils Hut ab. Man sieht, erst wenn man den Architekten eine Vorgabe gibt, kommt etwas Anständiges heraus (wie bei kleinen Kindern halt - beide haben etwas gemeinsam: sie müssen noch lernen, aber wenn man ihnen Anweisungen gibt, dann... ;) )


    Ich wünsche mir für Potsdam ähnliche Ergebnisse. Für Dresden wäre so etwas auch möglich gewesen, wenn man nur gewollt hätte.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

    Edited 2 times, last by Exilwiener ().

  • Zitat aus dem FR-Artikel v. 24.03.11 "Altstadt, neu gesehen": "Gerade der Nachwuchs habe teilweise „so konservative Entwürfe vorgelegt, dass wir erschrocken sind“. Ein Fachwerkhaus zum Beispiel, direkt an den Ausstellungstrakt des Kunstvereins grenzend, sei gleich aussortiert worden." Ich bin überrascht von unserem Nachwuchs;-) Ansonsten, toll was gerade in Frankfurt/M. auf die Beine gestellt wird. Schade, dass Dresden nicht mit gleicher Konsequenz wiederaufgebaut hat.

    MODERNExit

  • Ich denke ohne Dresden hätten sich viele nicht getraut " konservative" Entwürfe vorzulegen. Durch Dresden ist viel bewegt worden!!

  • Da hast Du natürlich Recht, aber ich meinte die Füllbauten und die sind in Dresden fast durchwegs mies, während in F die Füllbauten fast alle vorzüglich zu werden scheinen.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Eine unfassbar unsachliche Entgleisung erlaubte sich gestern die Frankfurter Rundschau in ihrem Artikel "Alt um jeden Preis". Orginalzitat "Die CDU der Mainmetropole beharrt auf einer Zuckerbäcker-Richtlinie für die Wiederrichtung des 1944 zerbombten Stadtkerns, der 1933 gerne massiv Rot mit Hakenkreuz flaggte." http://www.fr-online.de/frankf…2798/8265404/-/index.html

    MODERNExit

  • Wikos
    Der von Dir verlinkte Artikel klingt aber ist aber eigentlich eh in Ordnung - hast Du vielleicht einen anderen Artikel gemeint oder wurden Passagen herausgestrichen? Dein Zitat kan ich jedenfalls nicht dort finden?

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)