Frankfurter Altstadt (Dom-Römer-Areal)

  • Na Klasse! Also ist das Pellerhaus sein Vorbild :augenrollen:


    Aber gleichzeitig ist es für uns ein Glücksfall: Durch Norimbergus haben wir gewissermaßen den Beweis, dass Bartetzko eine Art der Bebauung durchsetzen möchte, von der er haargenau weiß, dass sie nicht auf Gegenliebe stoßen wird. Und das bedeutet, dass ihm der Bürgerwille wurscht ist. Lässt sich von uns doch prima verwenden, oder? :zwinkern:


    Mir fällt dabei noch ein, dass ich eine Sache in meinem Bericht vergessen hatte:
    Nachdem der Psychoanalytiker seine Theorien dargelegt hat, warum die Sehnsucht nach der Altstadt so schlimm, schlimm ist, ist Bartetzko kurz auf diesen Zug aufgesprungen und hat irgendwas in der folgenden Art gesagt: Es habe ja schon einmal eine Zeit gegeben, in der man sich nach alter Architektur gesehnt habe - der Historismus. Eine solche Architetkur spiegle gewissermaßen die Mentalität einer Gesellschaft wieder, und wie wir ja alle wüssten, habe dies im Falle des Historismus ja im Ersten Weltkrieg geendet.
    Der Fairheit aber sei hinzugefügt, dass Bartetzko dann noch gesagt hat, dass er ja nicht davon ausgehe, dass eine heutige historisierende Bebauung unbedingt in einen Krieg münden müsse... :gg:


    @ Norimbergus:
    Hast du die FAZ, in der Bartetzkos Artikel abgedruckt war? Ich würde ihn gerne mal vollständig lesen, wenn wir dafür irgendeine Möglichkeit finden könnten (Scanner?).

  • Die Website für das Bürgerbegehren ist da


    http://www.frankfurter-altstadt.de/\r
    http://www.frankfurter-altstadt.de/


    Darf ich den Vorschlag machen, dass wir den in unsere Linksammlung aufnehmen? :gg:


    Dann noch ein schöner Artikel aus der Welt:


    Hilfe vom Psychotherapeuten


    http://www.welt.de/data/2005/10/20/791214.html?s=1\r
    http://www.welt.de/data/2005/10/20/791214.html?s=1


    Quote

    Irgend etwas ist in der Diskussion über den Städtebau aus dem Lot geraten. In der vor drei Tagen veröffentlichten Studie des Hamburger BAT-Instituts rangiert eine "historische Altstadt" mit 71 Prozent der Stimmen an der Spitze aller Stadtqualitäten. Ein Stimmungsumschwung, auf den die Planer offenbar nicht vorbereitet sind.
    [...]
    Jetzt hat das Thema Deutschlands "modernste" Stadt Frankfurt erreicht, und die Irritation darüber ist so groß, daß für den Abend im Architekturmuseum eigens ein Psychotherapeut aufgeboten worden war. Er sollte erklären, was in die Leute gefahren sei. Ein junger Mann mit langen Haaren und offnem Hemd fand das weniger lustig. "Wollen Sie uns zu Kranken stempeln?" fragte er. Und viele bis hinauf auf die Galerie applaudierten. Nun sollen die Wogen in mehreren Bürgerversammlungen geglättet werden. Daß das ohne Umsteuern in der Planungspolitik gelingen könnte, scheint mehr als fraglich.


    Und ein Artikel aus dem Wiesbadener Kurier:


    Hitzige Diskussion um Altstadtbebauung


    http://www.wiesbadener-kurier.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=2088413\r
    http://www.wiesbadener-kurier.de/rhein- ... id=2088413


    Quote

    Ein Moderator hat normalerweise die Aufgabe, eine Diskussion zu leiten, zwischen unterschiedlichen Meinungen zu vermitteln und alle Seiten zur Sprache kommen lassen. Bei der Besetzung eines Podiums sollte er darauf achten, dass es ausgewogen ist. Dietrich Wilhelm Dreysse entsprach diesen Anforderungen nicht. Bei einer öffentlichen Debatte im Architekturmuseum über die Bebauung des historischen Stadtkerns machte er gleich klar, was er als Vorsitzender des Städtebaubeirates von der Idee, die alte Altstadt wieder aufleben zu lassen, hält: "Die Nazis wollten die Altstadt ja auch schon mal als Vorzeigemodell, als Handwerkerstadt. Das Fachwerk sollte als Modell für Neubauten dienen.
    [...]
    Ob solcher Dreistigkeit und Arroganz hatten es die Altstadt-Fans unter den über 200 Zuhörern schwer."

  • @ Restitutor Orbis


    Das ist ja ein richtig guter Artikel im Kurier! Der Autor ist übrigens derselbe, von dem ich Dir erzählt habe, der in einem Artikel behauptet hatte, die Ostzeile seien Fachwerkhäuser, die so nie dort gestanden hätten, was ich dann mit einem Leserbrief kritisierte, worauf er sich per E-Mail zu rechtfertigen versuchte.


    Naja, mit diesem Artikel hat er seinen Lapsus wieder gutgemacht. 8)


    Die FAZ berichtet heute ebenfalls über die Veranstaltung, aber leider recht unkritisch und oberflächlich; der Artikel gibt hauptsächlich das wieder, was die Podiumsfritzen gesagt haben sowie die Äußerungen von Herrn Hübner.


    @ Kardinal


    Auch von mir willkommen im Forum (ich bin der, der anschließend im N.Y.C. als letzter sein Pils bekommen und dann noch mit Euch angestoßen hat - falls Du Dich erinnerst... :prosit: ). Wie ich Dir gesagt hatte - hier sind viele versammelt, die Euer Vorhaben mehr als begrüßen und Dich gerne irgendwie unterstützen, und wenn's auch nur moralisch ist..).

  • Quote from "Restitutor Orbis"

    Aber gleichzeitig ist es für uns ein Glücksfall: Durch Norimbergus haben wir gewissermaßen den Beweis, dass Bartetzko eine Art der Bebauung durchsetzen möchte, von der er haargenau weiß, dass sie nicht auf Gegenliebe stoßen wird. Und das bedeutet, dass ihm der Bürgerwille wurscht ist. Lässt sich von uns doch prima verwenden, oder? :zwinkern:


    Er macht sich keine Illusionen über die frühere und aktuelle Meinung, aber danach schreibt er:

    Quote

    Eines Tages - vielleicht dann, wenn Berlin am Schlossplatz statt einer historischen Fassadenattrappe einen Neubau wagt, in dem die geretteten Spolien des Stadtschlosses ihren Platz finden - wird man sich auf das Pellerhaus besinnen.


    Quote from "Restitutor Orbis"

    @ Norimbergus:
    Hast du die FAZ, in der Bartetzkos Artikel abgedruckt war? Ich würde ihn gerne mal vollständig lesen, wenn wir dafür irgendeine Möglichkeit finden könnten (Scanner?).


    Ein so gutes Gedächtnis, daß ich mich an wörtliche Zitate aus einem fast sechs Jahre alten Artikel erinnern kann, habe ich wahrlich nicht ;). Sprich: ich habe den Artikel damals ausgeschnitten und aufgehoben.
    Einen Scanner habe ich zwar neben mir stehen, aber ich habe Software-Probleme. Wenn Du mir per PN Deine Anschrift schickst, dann kann ich Dir aber eine Kopie per Post zuschicken.

  • Meine Güte, jetzt verbeißt euch doch nicht in Bartetzko und seine krausen Vorstellungen!


    Wenn überschüssige Energie und / oder Kapazität vorhanden ist, warum diese nicht besser in Form von Unterstützung für den Initiatoren des Bürgerbegehens verwenden? Besonders die noch dürftigen Texte auf der Webseite könnten überarbeitet und ausgebaut werden. Wenn jemand möchte und Zeit hat: ich glaube kaum, dass solche Unterstützung ausgeschlagen würde. http://www.frankfurter-altstadt.de">http://www.frankfurter-altstadt.de

  • Und jetzt muss ich mich mal ausdrücklich lobend über die SPD äußern!!!


    Lest das hier:


    http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frankfurt_und_hessen/frankfurt_und_hessen/?cnt=744433\r
    http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frank ... cnt=744433


    Quote

    SPD will Fachwerk in der Altstadt


    Franz Frey: "Die Menschen möchten nicht nur in Glas und Beton leben" / Wettlauf mit der CDU bahnt sich an


    Die Frankfurter SPD-Führung spricht sich für den Bau von Fachwerkhäusern auf dem Areal des Technischen Rathauses aus. "Der Wunsch der Bürger nach Geborgenheit ist nicht reaktionär", sagt die SPD. Am Tag der OB-Wahl im April 2007 soll die Bevölkerung über den Entwurf abstimmen.

  • Im Prinzip wollen doch eigentlich alle die Altstadt rekonstruieren bis auf eine selbsternannte elitäre Gruppe... bin mal gespannt was jetzt kommen wird. Hoffentlich kein schlechter Kompromiss.


    ... und Jourdan... naja, ich hätte den zu dem Thema eigentlich nichtmal gefragt...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • So isses...


    Kommentar aus der E-Paper-Ausgabe der Rundschau:


    Quote

    Mut zur Treue
    Von Claudia Michels
    Gut, dass wir darüber gesprochen haben! Es regen sich ja viele Leute in der Stadt auf über die neue Debatte um Masse und Maß der geplanten Häuser auf dem Boden der Altstadt. Tatsächlich ist diese Auseinandersetzung aber, wie man am Dienstagabend im Architektur-Museum verfolgen konnte, ein erfreuliches Zeichen.
    So richtig gestritten hat man über Frankfurts Stadtbild schon lange nicht mehr, eher still gestöhnt. Jetzt, wo sich an der Braubachstraße der Boden der Altstadt auftut, kommt raus, dass in dieser modernen Stadt, die sich gern die amerikanischste Stadt Deutschlands nennt, Viele ihre Emotionen runtergeschluckt haben. In der Architektur nach Geborgenheit zu suchen, hat aber nichts mit einer reaktionären Haltung zu tun. Wohnen nicht die Architekten vieler wuchtiger Büro-Maschinen, wie sie etwa die Mainzer Landstraße prägen, am liebsten in den Wohnquartieren, die die Vorväter geschaffen haben? Wer solche Emotionen überheblich überspielt, braucht sich über den Wunsch nach Fachwerk-Kulissen nicht zu wundern.
    „Mut zur Treue“ ist in der Städtebau-Debatte im Museum gefordert worden. Das meint: beim Bauen das überkommene Maß der Umgebung berücksichtigen, die vorgegebenen Grundrisse einhalten, Materialien anpassen, die Versorgungs- und Kommunikations-Bedürfnisse mit bedenken. Eigentlich liegt das auf der Hand, aber es ist hier lange einer falsch verstandenen Moderne gehuldigt worden. Gut, dass man jetzt drüber spricht.


    EDIT:
    Störend und ganz einfach sachlich falsch ist allerdings, dass Frau Michels von "Fachwerk-Kulissen" redet. Man kennt ja Kulissen von Film und Theater und weiß, was das ist. Wenn Dominik Mangelmann sagt, er wolle eine Bebauung mit wirklichen Fachwerkhäusern, dann hat das nichts zu tun mit Kulissenarchitektur.

  • Quote from "Restitutor Orbis"

    Störend und ganz einfach sachlich falsch ist allerdings, dass Frau Michels von "Fachwerk-Kulissen" redet. Man kennt ja Kulissen von Film und Theater und weiß, was das ist. Wenn Dominik Mangelmann sagt, er wolle eine Bebauung mit wirklichen Fachwerkhäusern, dann hat das nichts zu tun mit Kulissenarchitektur.


    Nein, aber wenn man zum Vergleich den Dresdner Neumarkt heranzieht, wo leider wirklich überwiegend Kulissen entstehen, darf man sich über solche Äußerungen nicht wundern oder beschweren. Ich habe es immer gesagt, mit dem Dresdner Kulissenbau stellt man Rekonstruktionen allgemein in ein negatives Licht und zerstört viele gute Argumente, die für ihre Errichtung sprechen. Vielen hier geht Authentizität leider am Allerwertesten vorbei und jetzt wundert man sich, dass man der "Gegenseite" damit Munition liefert.

  • Naja.. Kulissen... das Hotel de Saxe und die anderen Baywobauten vielleicht, aber die Prisco und VKK-Bauten bestehen doch überwiegend aus Ziegeln - zwar moderneren Porotonsteinen aber dennoch Ziegeln - genau wie ihre Vorgängerbauten.
    ... und das bisschen Beton... naja, wir leben halt wirklich nicht mehr in der Vergangenheit, daher darf man ruhig auf Baumaterialien von heute zurückgreifen... wenn auch nicht ausschließlich.
    Ich glaube auch nicht, dass bei einer Rekonstruktion der Frankfurter altstadt aus Fachwerkhhäusern derselbe Aufwand betrieben wird wie bei der Römerberg-Ostzeile, sprich Fachwerk von über 200 Jahre alten Scheunen, Ställen und Schuppen verwenden sondern schon neu gehauenes Holz. Wenn man es per Hand sägt wird es trotzdem authentisch aussehen - eben wie die verputzen Fassaden von Prisco und VKK es werden.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • @ singa:


    Wäre das "Kulissenarchitektur" auf Dresden bezogen worden, dann hätte ich anders argumentiert - nämlich mit einer Debatte darüber, ob Kulissen eigentlich was Schlechtes sind (und ob es nicht sogar aus der Baugeschichte unzählige Beispiele für Kulissenarchitektur gibt). Im Falle von Frankfurt war der Punkt eben, dass es von vorneherein überhaupt nicht zutrifft: Wenn hinter einer Fachwerkwand auch ein Fachwerkhaus ist, dann liegt keine Kulisse vor.

  • So ganz kann ich diese "Authentizitätsdebatte" nicht nachvollziehen - was war denn eigentlich am Vorgängerbau des Hotel de Saxe "authentisch"?


    Das bestand bekanntlicherweise aus einer Reihe entkernter Einzelgebäude, denen eine neue Fassade vorgeblendet wurde, wohl um die Kosten für einen kompletten Neubau zu sparen.


    Somit war doch dieser Bau schon selbst eine "Kulisse", um diese Terminologie mal zu verwenden.


    Genauso gut kann ich doch einen Betonbau dieselbe Fassade vorblenden... wichtig ist doch in erster Linie die zugrundeliegende ästhetische Idee und nicht das Alter des verwendeten Materials.

  • Stephan


    Ja. stimmt....


    Was ist dann eine Müller in eine Fachwerk-haus....oder eine Plus in eine giebel-haus....was übrig bleibt ist ja nur Fassade....


    .....Ûbrigens sind die meiste Schlösser auch illusionszauber....wie zum beispiel Marmorstuck...falsche türe und Wände....

  • Leute, ich finde Kulissen klasse. Man verbindet ein ästhtisches (bei Rekos auch: historisches) Äußeres mit einem funktionalen Inneren - ist doch super!
    Gut, wenn genug Geld da ist, könnte man die Ästhetik (das Historische) im Inneren weiterführen, aber wenn nicht, dann besser so als anders.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Fassaden waren schon immer "Kulissen". Das Äußere eines Gebäude stellt immer eine Kulisse dar, soll sie doch den Blick auf sich ziehen, sei es durch reiche Ornamentik wie in der Vergangenheit oder durch kühle Schlichtheit wie in der Moderne.
    Wir könnten ja sonst mal moderne "Stararchitekten" wie Calatrava oder Behnisch fragen, was der ganze aufgeblähte Aufwand wie Zeltdach, asymetrische Bauform und umständliche Konstruktionstechnik bringen soll. Natürlich soll auch das Münchner Olympiastadion eine Kulisse bilden, die weit über den eigentlichen Nutzwert hinausgeht.
    Dasselbe gilt auch für Kulisssen eines Altbaus (ich nenne es lieber Innenstadtarchitektur). Dort soll die verspielte Fassade mit ihrer Ornamentik ebenfalls den Blick des Betrachters inmitten eines Häusermeeres genau auf dieses Bauwerk richten. Der liebenswerte Wettstreit der Fassaden hat unsere Städte einst so lebendig und schön werden lassen.
    Wichtig wäre auch, daß die Architekten wieder die Demut vor der gewachsenen Umgebung erlernen und daß Anpassung an diese Umgebung kein Makel sondern eine Tugend ist. Nicht jeder Architekt darf und kann an jeder Stelle seinen Leuchtturm errichten, sondern muß sich an den Nachbarbauten messen lassen.
    In Deutschland haben wir den Sonderfall, daß die gewachsene Umgebung durch den Krieg oft nicht mehr vorhanden ist. Hier muß die Diskussion über das "Recht auf lesbare Geschichte im Stadtbild" neu geführt werden. Die Bauformen vergangener Jahrhunderte sind nicht überholt, sie sind der Moderne sogar (alleine durch ihre Haltbarkeit) überlegen.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Ich antworte später noch auf den Beitrag von Münchner...


    Jetzt erstmal etwas, das mir aufgefallen ist: Die Artikel im Wiesbadener Kurier und im Wiesbadener Tageblatt sind vom gleichen Verfasser und inhaltlich nahezu identisch - außer, dass der im Tageblatt erschienene Artikel gewissermaßen eine entschärfte Fassung des Artikels im Kurier darstellt.


    Formulierung aus dem Wiesbadener Kurier (http://www.wiesbadener-kurier.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=2088413\r
    http://www.wiesbadener-kurier.de/rhein- ... id=2088413):


    "Ob solcher Dreistigkeit und Arroganz hatten es die Altstadt-Fans unter den über 200 Zuhörern schwer."


    Formulierung aus dem Wiesbadener Tageblatt (http://www.wiesbadener-tagblatt.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=2087309\r
    http://www.wiesbadener-tagblatt.de/rhei ... id=2087309):


    "Da hatten es die Altstadt-Fans unter den über 200 Zuhörern schwer."

  • Quote from "GanskeStortSett"

    So ganz kann ich diese "Authentizitätsdebatte" nicht nachvollziehen - was war denn eigentlich am Vorgängerbau des Hotel de Saxe "authentisch"?
    Das bestand bekanntlicherweise aus einer Reihe entkernter Einzelgebäude, denen eine neue Fassade vorgeblendet wurde, wohl um die Kosten für einen kompletten Neubau zu sparen.
    Somit war doch dieser Bau schon selbst eine "Kulisse", um diese Terminologie mal zu verwenden.


    Derartige Kulissen werden doch schon seit Jahrhunderten produziert. In Böhmen finden sich ganze Marktplätze deren mittelalterlichen Häusern in Renaissance oder Barock eine damals moderne Fassade vorgeblendet wurde.

  • Das zeigt doch zugleich, wie absurd das heutige statische Verständnis von Denkmalpflege ist - Gebäude waren immer "Work in progress" und wurden häufig grundlegend umgebaut. Durch jeden Umbau entstand wieder ein neues "authentisches" Gebäude, wieder ein neues Original.


    Nur heute scheint in der Diskussion von der Fiktion ausgegangen zu werden, daß das Gebäude X zu einem bestimmten Zeitpunkt Y erbaut und dann niemals in irgendeiner Form modifiziert wurde. Und dieser vermeintlich unveränderliche Zustand (oder vielmehr der Zustand des zufällig letzten Umbaus) wird dann zum Dogma erhoben, an dem unter keinen Umständen mehr etwas geändert werden darf, weil es ja sonst nicht "authentisch" ist.


    Deshalb kann ich auch diese aufgeregten Diskussionen um ein Stockwerk mehr oder einen modifizierten Fenstersims nicht so ganz nachvollziehen... geschweige denn die "Rekonstruktionsverbote", die von Bartezko und Co. ausgesprochen werden.

  • In der FAZ vom Samstag plädiert Egon Wamers, Direktor des Archäologischen Museums, dafür, die sich jetzt bietende Chance für einen "Piazza del Duomo" zu nutzen:


    Quote

    Sollte angesichts der ohnehin radikalen Zerstörung der Altstadt durch Krieg und Wiederaufbau und der jetzt gegebenen einmaligen städtebaulichen Gelegenheit nicht doch überlegt werden, wieweit man dem jahrhundertealten Wahrzeichen Frankfurts nicht etwas mehr Luft zum Atmen gewährt, auch wenn Mittelalter und Neuzeit dem heiligen Dom rücksichtslos 'auf den Pelz' rückten, wie man es in den Städten südlich der Alpen niemals gewagt hätte? Stünde Frankfurt ein weiterer Platz, eine Piazza del Duomo, nicht gut zu Gesicht?


    Habe mich mal mit Dominik Mangelmann drüber unterhalten... er hat zu Recht darauf verwiesen, dass die Vorstellung, das Mittelalter sei einem mittelalterlichen (!) Dom ungebührlich auf den Pelz gerückt, etwas sonderbar ist. Der Dom war von Anfang an nicht dafür gebaut worden, frei zu stehen. Seine wahre Wirkung entfaltet er daher auch erst, wenn er dicht umbaut ist. Einen solchen Domplatz gab es in Frankfurt niemals.


    Ich muss mir nachhher mal die FAZ von heute besorgen. Habe bisher nur gehört, dass die Direktorin des Architekturmuseums, Ingeborg Flagge, offenbar einen Clown gefrühstückt und versucht hat, eine Parodie auf die Reko-Befürworter zu schreiben. Ich erwarte ein äußerst peinliches Machtwerk vorzufinden...