Dresden, Neumarkt - Allgemeines

  • Im Zusammenhang mit einer Buchbesprechung, die hier einige interessieren würde, äußert Dieter Bartetzko Erstaunliches. Das Buch heißt "New Urbanity".

    Er schreibt dort:

    Quote

    Das gilt auch und erst recht für Dresden, dessen rekonstruierter Neumarkt rings um die Frauenkirche allgemein als Gemeinheit, als abschreckendes Zeugnis hilf- und phantasieloser, wirklichkeitsfeindlicher Flucht in verklärte Vergangenheit gilt. Tatsächlich eignet den kopierten Barockfassaden, die wie Tapeten auf monumentalen Betoncontainern kleben, etwas Gespenstisches. Doch das lässt – worauf Arnold Bartetzky in seinem Essay hinweist – eine wesentliche städtebauliche Qualität dieses Projekts übersehen: Mit den Fassadenattrappen kamen nämlich die historischen öffentlichen Räume, die geschwungenen Gassen und Straßen, die weiten Plätze und intimen Innenhöfe des Viertels zurück. In ihnen sich aufzuhalten ist ein Genuss für jeden, der sich täglich mit den niederschmetternden Einöden abfinden muss, die der Städtebau zwischen 1945 und 1980 in unsere Städte schlug.

    Quelle: Die europäische Stadt im 21. Jahrhundert: Wie Urbanisierung in Zukunft aussieht - Sachbuch - Feuilleton - FAZ.NET

  • Quote from "Vitruv"

    Dieter Bartetzko schreibt: Das gilt auch und erst recht für Dresden, dessen rekonstruierter Neumarkt rings um die Frauenkirche allgemein als Gemeinheit, als abschreckendes Zeugnis hilf- und phantasieloser, wirklichkeitsfeindlicher Flucht in verklärte Vergangenheit gilt. Tatsächlich eignet den kopierten Barockfassaden, die wie Tapeten auf monumentalen Betoncontainern kleben, etwas Gespenstisches. Doch das lässt – worauf Arnold Bartetzky in seinem Essay hinweist – eine wesentliche städtebauliche Qualität dieses Projekts übersehen: Mit den Fassadenattrappen kamen nämlich die historischen öffentlichen Räume, die geschwungenen Gassen und Straßen, die weiten Plätze und intimen Innenhöfe des Viertels zurück. In ihnen sich aufzuhalten ist ein Genuss für jeden, der sich täglich mit den niederschmetternden Einöden abfinden muss, die der Städtebau zwischen 1945 und 1980 in unsere Städte schlug.

    Wahnsinn!!
    Ich denke wir werden hier gerade Zeugen des Sinkens der Titanic!
    Gaaaaanz ganz langsam neigt sie sich - fast unmerklich. Aber sie wird untergehn, definitiv untergehn!!!

  • Quote

    Wahnsinn!!
    Ich denke wir werden hier gerade Zeugen des Sinkens der Titanic!
    Gaaaaanz ganz langsam neigt sie sich - fast unmerklich. Aber sie wird untergehn, definitiv untergehn!!!

    Na, ich will ja kein Wasser in den Wein bzw. Heißgetränke auf den Eisberg schütten ... aber abgesehen von dem wirklich interessanten Ton, in dem es gesagt ist, vertritt Bartetzko inhaltlich nichts anderes als das, was er schon seit Jahrzehnten vertritt: Ja zur Wiederaufnahme von Grundrissen und Kubaturen, aber ein striktes (und hochpolemisches) Nein zu echten Rekonstruktionen.

    Also im Prinzip die so genannte "Kritische Rekonstruktion" (wobei ich mich ja immer gefragt habe, was es am barocken Dresden oder am gotischen Frankfurt eigentlich zu kritisieren gibt), die er schon seit jeher propagiert.

    Ich fürchte die Wandlung Bartezkos vom Saulus zum Paulus werden wir nicht mehr erleben.

  • Quelle: GHND

    APH - am Puls der Zeit

  • Wow, habe diesen Text von der FDP gerade gelesen und bin überrascht von einer solchen "Anbiederung" an die GHND und ihre Ziele. Da scheint ja langsam ein Umdenken stattzufinden, das einem Hoffnung machen kann. Zur Zeit ist die CDU in Dresden sehr eng mit den Linken am Kuscheln. Mir kommen bei denen und der netten Halma ja keine recht positiven Gedanken.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Quote from "Philon"

    Ich fürchte die Wandlung Bartetzkos vom Saulus zum Paulus werden wir nicht mehr erleben.

    Niemals.
    Vor kurzem durfte er das Neue Museum begehen und hat anschließend in einem Artikel in der FAZ die Kritiker des Chipperfieldschen Konzeptes als "Geiferer" beschimpft - der Altlinke B. wird böse und verbittert. Es spricht natürlich auch nicht gerade für die "Alte Tante", daß sie so etwas abdruckt.

  • Da haben wir den Salat! Könnte bitte jemand den heutigen Bericht in der SZ betreffend das Hotel Stadt Rom veröffentlichen? Habe Lust mir das Wochenende etwas zu versauen. :boese: Vielen Dank.

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Quelle: SZ


    Das Spiel geht in die nächste Runde. Alles ist so durchschaubar.

    APH - am Puls der Zeit

  • Quote

    Für seinen Vorschlag habe er bei Denkmalschützern und teilweise in der Gestaltungskommission Zustimmung erhalten.


    Na so was. :D

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Quote

    Gunter Blobel gilt als Verfechter des originalgetreuen Wiederaufbaus am Neumarkt. „Er will das Haus möglichst auf den historischen Grundmauern errichten“

    Sind die nicht sowieso schon vor gut einem Jahr abgerissen worden?

  • Meine Güte... als ob nicht vor dem Bau der Schützresidenz klar war, dass das Hotel Stadt Rom irgendwann wiederkommt. Jetzt kommen so komische Ideen wie das Gebäude 5m zu verschieben. Als ob alles ein riesiges Spielbrett wäre, wo so lange hin und her geschoben wird bis alle zufrieden sind. Dabei ist dann auch egal, wie der Neumarkt früher einmal aussah. Lieber mal ein paar Gebäude verschieben und Fassaden verdoppeln, den Touristen ist es ja egal, hauptsache es sieht nett aus.

    ... meiner Meinung nach sollte man einfach sagen Pech gehabt und gut ists. Als ob sich die Schützresidenz nicht auch mit ein paar etwas dunkleren Wohnungen voll vermieten lassen würde.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Die Herrschaften der Schütz-Residenz haben sich doch selbst um das Stadt Rom beworben, den Zuschlag aber nicht bekommen. Der ging bekanntlich an Blobel. :zwinkern:

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Und weil das Kind das Spielzeug nicht bekommen hat, ist es jetzt trotzig und will zumindest dafür sorgen, dass der andere es nicht bekommt.
    Würde Herr Blobel verzichten und es den Schütz-Gesellschaftern überlassen wären die Bedenken sicherlich schnell zerstreut und es könnte nächste Woche losgehen! Aber das ist Dresden! Dagegen ist der Kölsche Klüngel gar nichts!

    APH - am Puls der Zeit

  • Wenn man allerdings einmal ganz ehrlich in sich geht, muss man zu dem Schluss kommen, dass wohl niemand in einer derart hochpreisigen Wohnung leben möchte, wo die Lichverhältnisse derart schlecht sind. So gesehen kann man jeden Mieter der Schütz-Residenz verstehen, der nicht mit einer solchen Bebauung zufrieden ist und dies auch seinem Vermieter kommuniziert.
    Nicht umsonst war der Dredner Stadtkern vor dem Krieg größtenteils entvölkert, ehemalige Wohnungen zu Büros und Geschäftsräumen umgestaltet worden. Und der Rest des noch vorhandenen Wohnraums war in einem schlechten Zustand und entsprechend billig. Alles in allem verträgt sich eine Altstadt nicht in jedem Fall mit hohen Wohnansprüchen, leider!

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Paperlapap und blabla!

    Wer sich einigermaßen mit Seniorenresidenzen auskennt und das sollte auch die Martinshof-Gruppe wissen (und ja, sie weiß es ganz genau!), der wird wissen, dass gerade bei seniorengerechten Immobilien die Wohnungen möglichst schattig und nicht zu hell sein dürfen! Wenn zu viel Licht in die Aufenthaltsräume gelangt, dann sehen die betagten Senioren die Kontraste schwächer bis überhaupt nicht mehr und auch die Aufenthalstqualität schwindet. Deshalb sind in seniorengerechten Neubauten die Wohnungen alle gut beschattet und nordseitig ausgerichtet(sic!)! Alles wissenschaftlich erwiesen.

    Ich habe mich letzten Sommer sehr ausführlich mit diesem Thema befasst. Wenn jemand von der GHND mitliest, dem kann ich den Kontakt zu dem Doyen der Seniorenresidenzen in Österreich vermitteln der immer wieder genau auf dieses Thema aufmerksam macht! Vielleicht wäre gerade ein nahes HSR neben der SR die Lösung, damit wenigstens ein Bruchteil der dortigen Wohnungen vermietet werden kann...

  • Das ganze Theater ist doch wirklich nur lächerlich. Ein neuer Schritt zur Verhinderung. Die Methoden der Verhinderer werden immer albener. Die verschobene Stadt Rom sah auf Animationen einfach beschissen aus, und für die lichthungrigen Schützresidenzbewohner kann nur gelten: wenn sie wirklich so blöd waren und von der historischen Situation und den Aufbauplänen nichts gewusst haben, ihr Solitärdasein also als gottgegeben und ewigwährend angesehen haben - Pech gehabt. In einer historischen Innenstadt gibt es eben keine splendid isolation.

  • Und das scheint mir einfach nur Zynismus zu sein.
    Irgendwie ist es traurig, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Vor ein paar Monaten waren noch alle voll des Lobes ob der großartigen Rekonstruktionsleistung der Martinshof und nun sollen sie plötzlich Grund allen Übels sein?!

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe