Einheitsdenkmal

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    • Ohje, @erbse, ich habe vor einiger Zeit (war es in diesem Strang? Oder ganz unabhängig davon? Jedenfalls in einer Zeitung, WIMRE Tagesspiegel, vor vielleicht so etwa 2 Jahren) mal gelesen, mit dem Bau der Wippe sei eine schwäbische Firma befaßt, und die wären auch schon ziemlich weit damit. Also, bei Schwaben habe ich keinerlei Hoffnung, daß das so schnell kaputtgeht.
      Deswegen gehört das Ding ja meiner Ansicht nach auf die Wiese vor dem Reichstag. Dort fehlt ein Brunnen oder ein anderer Mittelpunkt, da könnte ja auch eine begehbare Obstschale hin.
      Ich finde das auch vom Symbolismus her passender. Die Begehbarkeit soll ja veränderte Mehrheiten erlebbar machen. Dies hat aber sehr viel Bezug zur gegenwärtigen Politik, und paßt somit viel besser zu einem politischen Ort wie dem Reichstag als einem kulturgeschichtlichen wie dem Schloß/Humboldtforum.
      Und für die wartenden Besucher, die den Reichstag besichtigen wollen, wäre es ein zusätzliches Highlight.
      Und "große Schale in Garten vor Gebäude" ist ein klassischer Architekturtopos, siehe Altes Museum.
    • Hervorragend zusammengefasst Loggia! Leider gehts bei dieser Entscheidung wohl weniger um ästhetische Gesichtspunkte als vielmehr ideologische. Siehe die Aussagen von Thierse und Lammert dazu, die das entschieden für die Schloßfreiheit vorangetrieben haben. Vor dem Reichstag kann ich mir die Schale wie gesagt auch ansprechend vorstellen, das wäre der viel bessere Platz.

      Wenn alle Stränge reißen und das Ding doch erstmal auf die Schloßfreiheit gesetzt wird, kann man nach ca. 10 Jahren bei hoffentlich dogmafreierer Berliner Luft eine Umsetzung zum Reichstag ja mal laut andenken... :rolleyes: Deutsche Denkmale sind so vergänglich wie der deutsche Zeitgeist.
    • Haben wir hier eigentlich einigermaßen Konsens, dass als Kompromissvorschlag die Errichtung von "Bürger in Bewegung" (Freiheits- und Einheitsdenkmal) -statt vor dem Schloss- auf der bislang ungepflegten Wiese vor dem Reichstag eine gute Idee ist?

      Bauen will man das ja offenbar ohnehin, also ließe sich so womöglich das Blatt noch wenden. Ein persönliches Anschreiben an die Bundestagsabgeordneten von Stadtbild Deutschland könnte folgen. Gerne formuliere ich das auch. Bei den zahlreichen prominenten Kritikern ließen sich sicher auch gewichtige Unterstützer/Unterschreiber akquirieren.
    • Lieber Erbse,

      das ist auch meine Idee. Die "Einheitswippe" ist m. E. als solche nicht mehr zu verhindern, vielleicht aber der Standort. Für den "Platz der Republik" spricht sehr viel. Hier wurde die Einheit vom 2. auf den 3. Oktober 1990 vollzogen, hier schlägt das parlamentarische Herz der gesamtdeutschen Republik, hier wird kein anderes, bereits vorhandenes Denkmal zerstört, hier gibt es viel mehr Platz für die Touristen und weniger Sicherheitsbedenken, hier werden die Kosten vermutlich deutlich geringer sein (auch wenn das das schwächste Argument gegen Thierse & Co. ist).
      Welche Argumente gegen die Schlossfreiheit sprechen, brauche ich hier ja nicht mehr aufzuzählen. Wichtig ist meiner Meinung nach, eine "positive Vision" der Wippe vor dem Reichstag zu zeichnen, sodass die "Gegner" dem Kompromissvorschlag einer "Einheitswippe" auf dem Platz der Republik weniger entgegensetzten können.

      Ich habe ja zusammen mit Annette Ahme Mitte des vergangenen Jahres (bis zur Bundestagswahl) einen täglichen, siebenwöchigen Protest am Schinkelplatz (in der Presse wurde davon auch berichtet) organisiert und auch daran teilgenommen. Viele waren wir leider nie, aber es war dennoch ein starkes Zeichen, zumal wir die "Wippe" nie abgelehnt haben (auch wenn ich sie selbst etwas idiotisch finde), sondern eben nur den Standort. Wir waren uns aber selbst in der "Gruppe" nicht einig, ob der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals frei bleiben sollte oder die Kolonnaden wiederkehren sollten. Ich persönlich plädiere ja für Letzteres, und zwar aus historischen, ästhetischen udn städtebaulichen Gründen. Nur ist das erst einmal Zukunftsmusik und darf auf keinen Fall mit der Realisierung des Einheitsdenkmals verknüpft werden, da die Aktion dann als "reaktionär" eingestuft werden könnte, Uns alle eint aber der Wille, dass die Wippe nicht vor das Schloss kommen soll.

      Ich habe mir in der Vergangenheit die Mühe gemacht und einige Prominente als mögliche Unterstützer gegen die Wippe an der Schlossfreiheit angeschrieben. Einen möglichen Aufruf an die Bundestagsabgeordneten, den wir aber erst verschicken wollen, wenn geklärt ist, ob es zu einer erneuten GroKo kommt (was ich für die Wippen-Frage eher als nachteilig einstufen würde) oder nicht, wurde von uns bereits formuliert. Solange die Sache aber nicht akut ist, sollte man meiner Meinung nach auch keine schlafenden Hunde wecken. Ich konnte u.a. Dagmar Berghoff, Wilhelm Wieben, Hans Wall, Gregor Gysi (wenn auch nicht als direkten Unterzeichner, da der Aufruf ja an die Bundestagsabgeordneten gerichtet ist und er dem Bundestag selbst angehört, sondern als Unterstützer), Dagmar Frederic, Lea Rosh, Abgeordnete der Berliner FDP, die Vorsitzende der Berliner Linken, aber auch namhafte Kunsthistoriker wie den Schlossexperten Goerd Peschken als Unterzeichner gewinnen. Viele haben aber auch auf mein Schreiben hin nicht reagiert oder waren nicht interessiert.

      Ich bin dabei, weitere prominente Unterstützer zu gewinnen, was aber nicht sehr leicht ist. Helfen könnte meiner Meinung nach - denn nicht viele kennen das Projekt überhaupt - eine professionelle Visualisierung der Wippe vor dem Reichstag, die sie dort von einer äußerst vorteilhaften Perpektive aus zeigt, sowie eine Visualsierung der Wippe aus menschlicher Perspektive (die aktuellen Visualisierungen von halb oben verschleiern ja die Größe dieses Monstrums) vom Schinkelplatz aus, damit man sehen kann, wie das Schloss von der Wippe verdeckt und durch sie das ganze Ensemble ästhetisch erheblich gestört wird. Kennt einer von euch vielleicht jemanden, der solche professionellen Visualisierungen für lau anfertigen könnte? Das wäre sehr hilfreich! Vielleicht können ja einige von euch auch um prominente Unterstützer werben. Sollte es mit der Wippe ernst werden, müssen wir etwas in petto haben und ggf. eine Petition starten, die dann auch die Prominenten unterzeichnen müssten.

      Auch wenn die Wippe vielleicht in 5 Jahren nicht mehr funktionieren wird, der Bund wird alles Geld daran setzen, sie instand zu setzen und zu erhalten. Wenn sie erstmal dort steht, kriegen wir sie nicht wieder weg. Sie muss also dort verhindert und vor dem Reichstag schöngezeichnet werden, auch damit die Kolonnaden, für die ich dann zu gegebener Zeit kämpfen würde, irgendwann wiederkommen der Schlossfreiheit den einzig richtigen und würdigen Abschluss geben können.

      Es wäre also sehr freundlich, wenn ich in euch Unterstützer (insbesondere bei den Visualisierungen und der "Rekrutierung" von Prominenten) finden würde.

      Die Wippe muss doch an der Schlossfreiheit noch zu verhindern sein. Ich will jedenfalls alles dafür tun!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Asgardion ()

    • @erbse, bzgl. "Konsens"
      habe ich mal ca. die ersten 40% dieses Stranges hier durchforstet, wer sich alles explizit für den Platz vor dem Reichstag/Bundestag aussprach, ich fand bis jetzt

      Für Einheitsdenkmal vor dem Reichstag/Bundestag:
      2004 Booni, Ben, Oliver (die Idee kam also schon 2004 auf, bevor der Entwurf da war!)
      2008 Wissen.de
      2009 Waibel
      2014 Treverer, erbse, Ludolf (startete Petition dafür)
      2015 Kaffeesachse, Frank

      Sonst waren noch mehrere andere Orte im Gespräch (Leipziger Platz wg. Leipzig; Marx-Engels-Forum, weil dort 1989 die Demonstrationen waren; Band des Bundes), aber doch recht vereinzelt.

      @Asgardion: das ist die richtige Vorgehensweise, vielen Dank, daß Du dich so engagierst, ich wünschte, ich könnte Visus machen, aber dazu reichen meine Fähigkeiten leider nicht aus. Ich bin völlig deiner Meinung, daß man den Standort "Reichstag/Bundestag" schmackhaft in positivstem Licht zeigen muß, und die Schloßumfeldbaustelle kaum berühren sollte. Davon bin ich auch überzeugt: wenn das Ding steht, bekommt man es nicht mehr weg. Und zwar, weil es enorme Unterkonstruktionen benötigt, um zu funktionieren, und schwer ist es auch.
      Ich werde versuchen, mir noch weitere Argumente aus den Fingern zu saugen (die mE schlagendsten habe ich schon genannt).
      z.B: bekommen die Leute am Kupfergrabenrand nicht Höhenangst? Auf ebenem Untergrund wie vor dem Reichstag würde man nicht ins Wasser fallen, könnte mit Holzschnitzelboden dämpfen.
    • Asgardion schrieb:

      Die "Einheitswippe" ist m. E. als solche nicht mehr zu verhindern, vielleicht aber der Standort. Für den "Platz der Republik" spricht sehr viel. Hier gibt es ....weniger Sicherheitsbedenken,
      Also ich bin ja auch für den Standort vor dem Reichstag, aber Sicherheitsbedenken würde ich nicht als Grund aufführen. Denn ehrlicherweise ist es genau umgekehrt: Direkt vor dem Parlament ist bei der heutigen Sicherheitslage der sensiblere Bereich.

      Die Wippe würde ich dann auch nicht in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs, sondern am anderen Ende des Platzes aufstellen (mit dem Reichstag weiter im Hintergrund). Das würde die Attraktivität der öden Fläche dort auch ungemein aufwerten. ;) Denn dem Namen nach sollte ein "Platz der Republik" eigentlich zum flanieren einladen.
    • Offen gesagt, ich würde lieber ganz auf die Wippe verzichten wollen. Am Reichstag passt sie doch auch nicht hin. Zum einen steht sie dann zur Gänze im ehem. Westteil, zum anderen haben wir in unmittelbarer Nähe doch sowieso schon DAS Einheitsdenkmal schlechthin, das Brandenburger Tor, welches man von der Symbolkraft und seinem Standort direkt an der Nahtstelle zwischen Ost und West absolut nicht toppen kann.

      Die Wippe ist einfach eine Schnappsidee gewesen und man sollte sie ad acta legen. Und wenn man die Kolonnaden vor dem Schloss nicht wieder aufbauen will. Gut. Dann installiert man eben wieder die Mosaiken und stellt Informationstafeln zur ehem. Schlossfreiheit auf. Man könnte auch die Löwen aus dem Tierpark dort wieder aufstellen. Dann hat man wenigstens mit dem Sockel zusammen Fragmente der früheren Situation.
      "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"
    • Die Einheitswippe ist eine spielerische Attraktion für Touristen, die man medial für einen gewissen Zeitraum ausschlachten und als den Höhepunkt für den Berlin-Mitte-Besuch verkaufen kann. Ebenso wie das Judenmahnmal. Wo dann zwei, drei Wachleute drum herum stehen und die ganze Zeit pöbeln "Mach dies nicht, mach das nicht." Noch dazu auf gebrochenem Englisch, wenn überhaupt. Erinnert mich an den Trevi-Brunnen in Rom, wo die Aufpasser trillerpfeifend die Touristen züchtigen. Hat Berlin dann auch.
    • Gmünder schrieb:

      Offen gesagt, ich würde lieber ganz auf die Wippe verzichten wollen. Am Reichstag passt sie doch auch nicht hin.
      Das denkt im Prinzip fast jeder hier. Doch ist es Konsens die Wippe zu akzeptieren, wenn sie nicht vor das Schloss kommt, sondern (die meisten hier stimmten für Platz der Republik und Alexanderplatz) an einen anderen Ort.

      Gmünder schrieb:

      [...] sowieso schon DAS Einheitsdenkmal schlechthin, das Brandenburger Tor, [...]
      Ich hatte es schon einmal geschrieben, aber nochmal: Das Brandenburger Tor ist auch Symbol der Einheit. Das Tor ist aber das wichtigste nationale Denkmal Deutschlands und steht nicht (nur) für die Einheit und kann es auch nicht.

      Duden|Denkmal schrieb:

      [...] zum Gedächtnis an eine Person oder ein Ereignis errichtete, größere plastische Darstellung / Monument [...]
      Damit ist das BB-Tor kein Argument gegen ein Einheitsdenkmal. Ein Monument zu Ehre und Erinnerung für und an die Wiedervereinigung existiert nicht. Aber ob es eins braucht, darüber kann man streiten, ich bin persönlich zum Beispiel dafür.

      Letztendlich scheint die Stille momentan um das Einheitsdenkmal herum nichts gutes zu verheißen. Ich denke das wird jetzt in aller Stille durchgezogen - nach dem Entwurf der Wippe, am Standort auf der Schlossfreiheit.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Im Allgemeinen ist ja um das Einheitsdenkmal recht ruhig geworden...

      Und warum soll das Denkmal nicht am Platz der Republik (im ehemaligen West-Berlin) stehen?! Schließlich wollten die DDR-Bürger ja auch Reisefreiheit und Demokratie!!! Also kann auch das Einheitsdenkmal im ehemaligen Westen vor dem Symbol der (heutigen) deutschen Demokratie ("Berliner Republik") - dem Reichstagsgebäude - stehen.

      Der Ort verkörpert praktisch die Ziele der friedlichen Revolution von 1989!!!

      Ohne die Demos im Osten - kein Denkmal im Westen!

      Also was kann es für einen besseren Standort geben als den Platz der Republik?????????????????????????????????????????
    • tachMarkus schrieb:

      Ebenso wie das Judenmahnmal. Wo dann zwei, drei Wachleute drum herum stehen und die ganze Zeit pöbeln "Mach dies nicht, mach das nicht." Noch dazu auf gebrochenem Englisch, wenn überhaupt. Erinnert mich an den Trevi-Brunnen in Rom, wo die Aufpasser trillerpfeifend die Touristen züchtigen.

      erbse schrieb:

      Am Trevi-Brunnen in Rom gehts ja immerhin um wertvolle, zu schützende Baukunst, in Berlin hingegen...
      In Berlin geht es bei dem Holocaustmahnmal um ein Gedenken an Millionen ermorderter Menschen. Das ist natürlich noch viel schützenswerter als irgendeine Baukunst.

      I.Ü. mag ich die Gestalung dieses Mahnmals nicht, mir erscheint es als graue Protzerei der Erbauer und im Hinblick auf die Opfer würdelos.
      Auch den Standort fand/finde ich ungeeignet (es war von vornherhein abzusehen, wie viele Touristen sich dort daneben benehmen würden).

      Doch nun ist es so vorhanden und muss offensichtlich geschützt werden.

      Für mich sind diese Anweisungen der Wachleute auch kein "pöbeln" und keine "Züchtigung". Und um ein Benehmen einzufordern, das eigentlich selbstverständlich sein sollte, brauchen die auch kein akzentfreies Englisch.
    • erbse schrieb:

      leider ein kompletter Griff ins Klo, gestalterisch-qualitativ.
      Über die Qualität der Ausführung kannst Du doch noch gar nichts sagen. Die gestalterische Kraft des Denkmals hängt natürlich von einer qualitativen Ausführung ab. Ich jedenfalls begrüße das notwendige Denkmal und freue mich, ob es nun vor dem Schloss oder (recht unwahrscheinlich) am Platz der Republik entsteht.
    • Ich habe doch nicht umsonst diese Beschreibung mit Bindestrich versehen. Es geht mir um die mangelhafte Qualität der Gestaltung. Und die bezieht sich immer auch auf den Ort. Für sich genommen mag die Wippe in Ordnung sein, auch das Holocaust-Mahnmal. Doch im Kontext des Ortes ist das beides gestalterisch sehr fragwürdig.

      Mal abgesehen davon, dass auch die Qualität der Ausführung beim Mahnmal nicht allzu rosig ist. Bei der Wippe dürfte es auch sehr schwierig werden, zumindest nach einiger Zeit. Aber ich bin gespannt.