Kassel - die ehemalige Altstadt

  • Als kleiner Veranstaltungshinweis - ich stelle ihn einmal hier ein, auch wenn er nicht mit der Altstadt im engeren Sinne zu tun hat:


    http://www.hna.de/kasselstart/…ell_wieder_aufgebaut.html


    Dabei soll es um die Möglichkeiten und Grenzen einer virtuellen Rekonstruktion des historischen Stadtbilds gehen, mit einer Computersimulation des historischen Friedrichsplatzes:
    Am Mittwoch, 23. Sept., 19.00 Uhr im Stadtmuseum Kassel


    Das dürfte eine ganz interessante Veranstaltung werden - jedenfalls bin ich schon mal gespannt, auf welcher Quellenbasis gearbeitet wird und wie realitätsnah die Ergebnisse sind.

  • Vielen Dank für den Link, Chatte!
    Noch eine kurze Ergänzung zu dem Bericht: Eigentlich ist es keine Stadtmauer, sondern ein Teil der frühneuzeitlichen Festung; zur Veranschaulichung gebe ich mal einen Ausschnitt aus dem Stadtplan von 1673 (Osten ist oben; den Wall oberhalb der Mauer habe ich rot markiert, die Ahna blau)):



    Es handelt sich um den Rest eines Vorwerks, das um 1625 vor dem Ahnaberger Tor errichtet wurde (das Tor stand im Verlauf der heutigen Weserstraße), zwischen Stadtgraben und Ahnagraben. Der Ahnagraben war im späten 16. Jh. angelegt worden, um den kleinen, bisweilen reißenden Fluß von der Stadtbefestigung fernzuhalten (vorher mündete der Fluß einfach in den Stadtgraben, und nur ein kleiner Teil des Wassers floß bis ins 19. Jh. weiterhin durch die Stadt). Als die Kasseler Befestigungswerke ab 1767 geschleift wurden, blieb von dem Vorwerk nur die Mauer entlang der Ahna erhalten; das Stück westlich der Weserstraße wurde allerdings um 1830 und 1955 weitgehend beseitigt.
    Das Bild in dem Zeitungsartikel ist leider ziemlich unglücklich, weil es von der ehem. Wallseite her aufgenommen ist und man die große Mauerhöhe an der Ahna überhaupt nicht erkennt (ich habe jetzt leider auch kein Photo, aber wenn ich mich richtig erinnere, dürfte die Höhe hier ca. 4-5m betragen). Das Mauerwerk war seit Jahren in ziemlich schlechtem Zustand, und es ist erfreulich, daß sich hier endlich etwas getan hat. Immerhin: Diese Mauer ist außer den Resten der Schloßbefestigung und dem Großen Finkenherd der letzte sichtbare Rest der frühneuzeitlichen Festungswerke.

  • Die im vorigen Beitrag verlinkte Seite ist in der inzwischen vergangenen Zeit noch deutlich erweitert worden und stellt eine wohl außergewöhnliche, noch nicht erreichte Dokumentation des alten Kassel und seiner Zerstörung dar. Viele Vergleichsbilder, neu entdeckte qualitativ hochwertige Filmaufnahmen aus den späten 30ern und interaktive Karten sowie auch ein kaum anhand der Bilder zu lösendes Memory-Spiel mit Vorher/Nachher-Aufnahmen sind hinzugekommen.


    Und zu guter Letzt hat die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine Zeitung die ausgezeichneten und eindrücklichen Vergleichsluftbilder samt Anmerkungen/Erläuterungen in größerem Format bei Flickr eingestellt:
    http://www.flickr.com/photos/hnaonline

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Was Kassel besonders schlimm macht, ist der besonders krasse Unterschied früher-heute. Früher eine der sehenswertesten Städte des damaligen Deutschlands (und das will was sagen!), heute in der Altstadt und Innenstadt vollkommen unansehnlich und banal. Dieser damals-heute Unterschied macht Kassel dann doch schlimmer als Pforzheim, Darmstadt oder Kiel, weil diese Städte auch vor dem Krieg nicht herausragend schön waren.
    Kassel war insgesamt durch Altstadt, Stadtanlage und Landschaft wirklich etwas ganz Besonderes.

  • Ahnatalstraße 59


    Wo steht denn dieses einzige erhaltene Fachwerkhaus? Ich bin einmal durch die ehem. Kasseler Altstadt gelaufen, aber ich habe es nicht gesehen.

    Du kannst das Haus auch nicht finden, da es nicht in der Innenstadt steht. Es wurde in der Kaiserzeit in einen Vorort transloziert. Habe das mal im "Dumont-Kunstreiseführer- Nordhessen" gelesen. Bei Interesse kann ich das genaue Jahr der Umsetzung, bzw. den Ortsteil nachschlagen.

    Brandmauer:


    Das Haus wurde 1901 nach Harleshausen versetzt (Ahnatalstraße)


    Der historische Standort in der Altstadt war Marställer Platz 7:

    Kassel Marstaellerplatz 1844 [Public domain], by Ludwig Emil Grimm (1790–1863)
    (rechts im Bild, mit Fachwerk)


    Jetzt steht es im Stadtteil Harleshausen, Ahnatalstraße 59:

    Kassel-harleshausen-fachwerkhaus-ahnatalstrasse-v-nw [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], by No machine-readable author provided. EvaK assumed (based on copyright claims)., from Wikimedia Commons


    https://ssl.panoramio.com/photo/67450427


    https://de.wikipedia.org/wiki/…3%A4ller_Platz_7_(Kassel)

  • Ich hatte auf dem Flohmarkt ein Bild vom Kasseler Auetor (um 1824) gesehen mit dem etwas überdimensionierten Adler von 1876. Gibt es dazu irgendwelche Informationen, außer einer Kriegszerstörung. Um 1907 soll es versetzt worden sein und zum Kriegerdenkmal umfunktioniert, gegen 1943 dann abgegangen. Einzelne Teile erhalten, andere verschollen.

  • War heute mal wieder im Stadtmuseum in Kassel und habe diesen Plan entdeckt:


    Ein Schock,der Vorschlag des Hessischen Landeskonservator für den Wiederaufbau der Kasseler Innenstadt aus dem Jahre 1946.
    Aber am besten ihr sehr selbst.
    Erstmal die Legende:



  • Wie es anders hätte kommen können, sieht man in Münster. Die Stadt wurde extrem stark zerstört, wirkt jedoch immer noch wie Münster, mit alten Fotos findet man sich gut zurecht, obwohl manche Straßenzüge keinen einzigen Altbau mehr aufweisen. Man hat aber alle wichtigen Gebäude erhalten und wiederhergestellt, andere sind "Neuschaffungen im alten Rhythmus" (ein schöner Begriff).

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Erkläre mal die Bilder:
    Teil 1:
    1. Die Martinskirche um 1958,das Schiffe hatte schon wieder ein neues Dach,die Türme wurden erst 3 Jahre später überbaut.


    2.Die Brüderstraße mit dem Deichmannhaus (Rechts)


    3.Der Vierflüssebrunnen auf dem Friedrich-Wilhelms-Platz.
    1956 abgebaut,hat den 2.Weltkrieg überlebt wurde er zu Beton verarbeitet.


    4.Blick vom Nordturm der Martinskirche nach Südwesten.


    5.Hochwasser am Karlshospital,Ecke Fliegengasse.


    6.Der zur 1000.Jahrfeier kurzzeitig erbaute Brunnen vor der Drei Erker Gruppe am Altmarkt.


    7. Nächtliche Gala im Landgrafenmuseum (Frankfurter Straße,Ecke Fünffensterstr.)


    8.Die Nächtliche Martinskirche von der Obersten Gasse aus

  • Teil 2


    1.Wildemannsgasse 14,Alte Garnisonschule.


    2.Drei Erker Gruppe am Altmarkt.
    Die Erdgeschosse der beiden Rechten Häuser wurden erst 1955 beseitigt.


    4.Gasthaus zur Pinne in der Wildemannsgasse vom Judenbrunnen aus.