Berlin - Stadtentwicklung historisches Zentrum (allgemein)

  • Später geht's wohl nicht...


    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Wundert doch, gerade in der Gegend wären Leuchtreklamen oder Ähnliches wohl nicht so unpassend. Schlimm sind jedenfalls oft die Ladenzonen, speziell kleine Orte sollten hier striker dagegen vorgehen (eben auch, weil Portale und Erdgeschoßzonen zum Bedeutendsten gehören)!


    lg

    "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940

  • Antwort zur betreffenden Frage aus anderem Thema.
    @ Georg-Friedrich:


    Ja, die Gestaltungssatzung ist auch kurz vor der Verabschiedung.
    Sie heißt auch "Gestaltungssatzung historisches Zentrum", aber das Gebiet umfasst gar nicht das tatsächliche historische Stadtzentrum (Alt-Berlin & Alt-Cölln).


    Hier das Gebiet der Gestaltungssatzung:

    Wer das genauer sehen will:
    http://<woltlab-metacode-marker data-name="size" data-uuid="5bb376c7-1756-4afb-98e8-b4cadddd380e" data-source="W3NpemU9MTBd" data-attributes="WyIxMCJd" />http://www.lfw-berlin.de/fileadmin/user_upload/lfw_landesverbaende/LFW_BB/Dokumente/Daten___Fakten/Entwurf_Gestaltungssatzung_Berliner_Zentrum.pdf <woltlab-metacode-marker data-uuid="5bb376c7-1756-4afb-98e8-b4cadddd380e" data-source="Wy9zaXplXQ==" /> (>5 MB)


    Du siehst vielleicht, dass Schlossbezirk, Molkenmarkt, Fischerinsel usw. bei Weitem gar nicht enthalten sind, dagegen jedoch der Bereich des MonbijouPARKS.


    Ich war bei der öffentlichen Vorstellung in der Bauakademie, bei der der Entwurf diskutiert werden sollte. Doch in der von der unseligen und langweiligen schweizer Senatsbaudirektorin Regula Lüscher moderierten Veranstaltung - wurde lediglich ein Podium von Architekten und Bauunternehmern und Baustadträten befragt. Nach 1 1/4 von 1 1/2 angesetzten Stunden bin ich entnervt gegangen, da es nicht zu ertragen war und man auch gar nicht zu Wort gekommen wäre. :boese:

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  • Toller Beitrag, Palantir! :applaus: Sehr schoen gesagt.


    Nicht nur weist Du darauf hin, dass sich die neue Berliner Gestaltungssatzung im Grunde nicht auf den richtigen und darum wichtigsten Teil der Stadt bezieht, sondern Du beschreibst auch das unangenehme langweilige und Kommentare ausschliessende Dauerklima in all den vielen Sitzungen mit dem jeder, der sich fuer seine gebaute Umgebung interessiert (und in unserem Falle wahrscheinlich fuer die Erhaltung derselben) abfinden muss, sei es nun ein staedtisches Gremium, der volle Stadtrat oder was auch immer. Deutschlandweit muss das ueberall dasselbe sein, ob Kommune oder Grossstadt. Die Leute wollen uns abschrecken und weich machen damit sie ohne Widerspruch ihres Amtes walten und einen Abriss nach der anderen Kiste absegnen koennen. :boese:

  • Danke für die Informationen, Palantir. Ob Frau Lüscher überhaupt weiß, dass das historische Zentrum Berlins (Alt-Berlin & Alt-Cölln) sich gar nicht im Geltungsbereich der Gestaltungssatzung befindet? Solange dieser Bereich nicht inkludiert ist, ist die Bezeichnung "Verordnung über die äußere Gestaltung baulicher Anlagen im historischen Zentrum [sic!] Berlins im Bezirk Mitte, Ortsteil Mitte" irreführend. Aber auch eine durchgängige Ausdehnung nach Norden bis zur Spree und nach Westen bis zur Ebertstraße (Pariser Platz und Wilhelmstraße werden von der Satzung gar nicht berührt!) wäre unbedingt notwendig. Mit der südlichen Begrenzung kann man sich wohl am ehesten abfinden, aber selbst sie ist eigentlich noch zu weit nördlich.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Tante Ingeborg lässt verkünden

    Quote

    Neue Baugestaltungsverordnung für das Historische Zentrum
    Am 21. August 2009 unterzeichnete Senatorin Junge-Reyer eine neue Baugestaltungsverordnung für das Historische Zentrum. Mit der Veröffentlichung im Gesetz- und Verordnungsblatt am 12. September 2009 wird die Verordnung rechtskräftig.
    Mit einer Gestaltungsverordnung werden besondere Anforderungen an die äußere Gestaltung von baulichen Anlagen gestellt. Ziel ist, das Erscheinungsbild der historischen Mitte Berlins zu bewahren und gleichzeitig eine behutsame und nachhaltige bauliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Bauherren und Architekten sollen angeregt werden, zu einer dem Ort angemessenen Gestaltung und architektonischen Ausprägung beizutragen. Gegenstand der Verordnung sind bauliche Veränderungen an bestehenden Gebäuden und Neubauten.[...]


    Quote

    Im Internet kann die Verordnung ab sofort aufgerufen werden unter:
    http://www.stadtentwicklung.be…etzestexte/de/bauen.shtml


    Weiterführende Dokumente: Baugestaltungsverordnung für das Historische Zentrum

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  • Ein recht langer Artikel von Hans Stimmann zur Situation/Perspektive der sog. Berliner Altstadt.


    Quote

    Sehen wir uns am Neuen Markt?
    Schlossterrassen, Molkenmarkt oder Petriplatz – viele Ortsmarken des historischen Stadtgrundrisses sind durch Krieg und DDR-Kahlschlag verschwunden. Berlin läuft Gefahr, dass Politik und Stadtentwicklung die historische Chance verspielen, diese zentralen Orte wiederherzustellen. [...]

    http://www.tagesspiegel.de/ber…adtplanung;art270,2915806

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  • Wie steht der gute Hans Stimmann eigentlich zu äußerlichen Rekonstruktionen, die dem verlorenen Original sehr nahe kommen, wie z. B. am Neumarkt in Dresden? Was er unter "kritischer Rekonstruktion" versteht, hat ja mitunter kaum noch etwas mit den Wünschen der Mehrheit hier im Forum zu tun. Im Ergebnis würden seine Vorstellungen offenbar nicht selten darauf hinauslaufen, zwar den alten Stadtgrundriss wiederherzustellen, aber darauf die handelsüblichen, "zeitgenössischen" Investorenkisten zu platzieren. Bei diesem Mann - so gut seine theoretischen Ausführungen auch über weite Strecken klingen mögen - weiß ich nie so recht, ob er "Freund" oder "Feind" ist.

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    Arthur Schopenhauer

  • Mit diesen Zweifeln hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen, Georg-Friedrich.


    Mit Hans Stimmann kann man nicht nur Planwerk Innenstadt, Wiederherstellung alter Straßenraster, Kaprizierung auf 22 Meter Traufhöhe verbinden, sondern auch beispielsweise die Verhinderung der Rekonstruktion der Französischen Botschaft am Pariser Platz und nicht zuletzt die Untersagung historisierender Bebauung der Friedrichstraße nach den seinerzeitigen Bauvorschriften. Schmerzlichstes Beispiel dessen ist das prominente Kaufhaus Dussmann, das nach dem Willen Peter Dussmanns wohl eher als Schmuckstück denn als Banalität gebaut worden wäre. Stimmann war dem vor.
    Vielleicht hat er sich aber auch gleich seinem Freund Hans Kolhoff in den letzten Jahren diesbezüglich eines besseren besonnen?

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  • hans stimmann hat sich bislang immer als gegner von rekonstruktionen zu erkennen gegeben; zuletzt bei der kommandantur (die nun in der tat ein reichlich schizophrenes projekt geworden ist). wichtiger als die rekonstruktion von fassaden ist ihm die wiedergewinnung der bürgerlichen stadtstruktur. und insofern ist stimmann auch ein bekennender kritiker des dresdener neumarktes, wo über einer tiefgarage mit wenigen grundeigentümern parzellenübergreifend renditemaximierte investorenobjekte realisiert worden sind, die von mehr oder weniger gelungenen fassaden maskiert wurden. wenn es nach stimmann gegangen wäre, wären wohl gemäß des historischen parzellenplans bauherren für einzelne häuser gesucht worden, die dann auch gerne zeitgenössisch hätten bauen dürfen. in seinem unlängst erschienenen buch zur berliner altstadt findet sich kein einziger leitbau, den es seiner meinung nach wiederzuerrichten gelte, selbst für die petrikirche werden fünf neue testentwürfe der üblichen verdächtigen (kollhoff, kahlfeldt, meuser, burelli, hilmer & sattler) gezeigt. wobei man sagen muss, dass die berliner altstadt auch wenig kunsthistorisch bedeutende bürgerhaussubstanz besessen hat, so dass sich die qualität einer neubebauung tatsächlich eher an der kleinkörnigkeit der besitzverhältnisse und der maßstäblichkeit des raums misst.

  • Hm, das ist alles recht ernuechternd. Der einzige verbleibende Trost scheint der der Kleinkoernigkeit/Parzellen zu sein. Dies mag nicth unbedingt Hinreissendes versprechen, aber wenn die Grundstuecke nicht vergroessert werden sollte doch jedenfalls ein gewisser Grad von visuellem Interesse erstehen koennen.

  • Quote from "Palantir"

    Mit Hans Stimmann kann man nicht nur Planwerk Innenstadt, Wiederherstellung alter Straßenraster, Kaprizierung auf 22 Meter Traufhöhe verbinden, sondern auch beispielsweise die Verhinderung der Rekonstruktion der Französischen Botschaft am Pariser Platz und nicht zuletzt die Untersagung historisierender Bebauung der Friedrichstraße nach den seinerzeitigen Bauvorschriften.

    Wie bitte? Gab es da denn ernsthafte Pläne bzw. Absichten, war das alles im Gespräch, und Stimmann hat es verhindert? Dann ist der Mann, den ich immer für vernünftig hielt, für mich erledigt.

  • Quote from "Schloßgespenst"

    Wie bitte? Gab es da denn ernsthafte Pläne bzw. Absichten, war das alles im Gespräch, und Stimmann hat es verhindert? Dann ist der Mann, den ich immer für vernünftig hielt, für mich erledigt.


    Na ja, zumindest die Rekonstruktion der Französischen Botschaft - die seitens der Französischen Regierung gewollt war - hat er (mit)verhindert.
    Stimmann spricht sich auch auf jeder Veranstaltung, auf der ich ihn bislang gehört habe, gegen Rekonstruktionen aus. Lediglich wenn ein Investor oder ein Privatmann unbedingt rekonstruieren wolle, solle man es ihm halt in Gottes Namen erlauben.


    Der Mann gehört halt letztlich auch der "Alten Schule" an.

  • Quote

    Lediglich wenn ein Investor oder ein Privatmann unbedingt rekonstruieren wolle, solle man es ihm halt in Gottes Namen erlauben.

    Damit wäre er zumindest nicht ganz so schlimm wie Teile des Dresdner Gestaltungsbeirats - aber wieso verbietet er der französischen Regierung, was er privaten Investoren erlaubt? :?

  • Hans Stimmann als den Buhmann für die Berliner Bausituation zu machen ist lächerlich. Stimmann hat zu dieser Zeit regelrecht gegen Windmühlen angekämpft. Er musste sich permanent gegen die grenzenlose Arroganz von modernistischen Architekturlobbyisten durchsetzen. Ein großer Teil der politischen Fraktionen war gegen ihn und auch die Medien, Investoren und linke Bündnisse hatten zu Zeiten des Planwerkes Innenstadt Stimmann massiv wegen seinen Bemühungen zur Stadtreparatur bekämpft. Nur ihm ist es zu verdanken dass nach der Euphorie des Mauerfalles ein planvolles in Gestaltungssatzungen gemeißeltes "steinerndes Berlin" innerhalb eines historischen Stadtgrundrisses umgesetzt werden konnte. Er hat gegen politische Wiederstände das Maximun des möglichen herausgeholt.

  • Quote from "Wikos"

    Hans Stimmann als den Buhmann für die Berliner Bausituation zu machen ist lächerlich.


    Macht das jemand? :zwinkern:


    Dass jemand viel Gutes bewirkt hat, heißt nicht, das man nun keine Kritik mehr an ihm üben darf.
    Wir sind in einem Diskussionsforum und differenzierte Kritik ist immer erwünscht.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Noch gar nix dazu zu lesen hier?


    Aus dem gerade verabschiedeten Berliner Doppelhaushalt:


    Gestaltung der historischen Mitte


    Vom kommenden Jahr an wird die Gestaltung der historischen Mitte zwischen Fernsehturm und Schlossplatz, zwischen Petriplatz und Molkenmarkt sowie entlang der Breite Straße zum Thema eines öffentlichen „Dialog-Verfahrens“. Die Diskussionen und Kongresse sollen die Voraussetzungen für den noch für das Jahr 2015 beschlossenen Städtebaulichen Wettbewerb schaffen.


    Für die Durchführung des Wettbewerbs hat die Koalition zusätzliche 300 000 Euro bereit gestellt. Zuvor waren bereits 75 000 Euro für das kommende Jahr und noch einmal dieselbe Summe das Jahr 2015 für das Dialog-Verfahren im Haushalt eingestellt.


    Quelle: http://www.tagesspiegel.de/ber…-fuer-berlin/9105988.html

  • Die Stufenpläne und Schwarzpläne für die Bebauung von Berlins Mitte bis 2025 sind auf den Seiten der Senatsverwaltung veröffentlicht worden.

    Quote

    Stufenplan Berlins Mitte
    In den kommenden Jahren wird sich das Gesicht von Berlins Mitte entscheidend verändern. Der Stufenplan zeigt die zeitliche Entwicklung der wichtigsten Projekte im Betrachtungsraum bis 2025. In vier Zeitscheiben unterteilt wird der Wandel von Berlins Mitte erfahrbar.


    http://www.stadtentwicklung.be…orische_mitte/stufenplan/

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