• Es ist einfach zu anstrengend, auf jedes solcher grausamen Beispiele einzugehen. Irgendwann ist man einfach der Worte müde. Ich gebe es allmählich auf, auf eine Renaissance der Stadtbaukultur zu hoffen. Nicht in diesem Land.

  • Aus dem obigen Artikel:

    Quote from Nordbayern.de

    Unterdessen rufen mehrere linke Gruppierungen und Parteien zum Protest gegen das LEZ auf. Sie wollen am Vortag und am Morgen der Einweihung demonstrieren und bezeichnen das Projekt in einem in Fürth plakatierten Aufruf "als von der Wirtschaft bestelltes Zentrum neoliberaler Propaganda, das mit unseren Steuergeldern bezahlt wird". Bei einer Kundgebung werden unter anderem Vertreter der Grünen, der Linkspartei und des Sozialforums sprechen.

    Erhard als Begründer des Wirtschaftswunders und der sozialen Marktwirtschaft als Exponent "neoliberaler Propaganda" - irgendwie wirken diese verunglückten Bauten auf mich wie der Ausdruck eines generell aus dem Gleichgewicht gekommenen geistigen Koordinatensystems.


    Wobei "neoliberal" zu Zeiten Erhards natürlich noch ein Synonym für "ordoliberal" war, so daß die Bezeichnung - sicherlich in Unkenntnis der Demonstranten - doch zutrifft, nur ist das eben kein Schimpfwort.

  • Neben dem LEZ wird in naher Zukunft übrigens auch ein weiterer neuer Museumsbau das Stadtbild der selbsternannten "Denkmalstadt" Fürth bereichern. Es handelt sich um den Neubau des jüdischen Museums in der Königstraße.


    Auf diesem Bild sieht man wie sehr sich der Architekt bemüht hat, den Neubau in das historische Ensemble aus Bauten des 18. Jahrhunderts einzupassen.


    Von "Experten" wird das neue Museum positiv bewertet: http://www.nordbayern.de/regio…unst-oder-klotz-1.6323897 (von "Nicht-Experten" wohl eher weniger, siehe Kommentarbereich des Artikels).

  • Bauen im Bestand in der "Denkmalstadt Fürth"


    In Fürth sind in den letzten Jahren mit dem Ludwig Erhard Zentrum, dem Neubau des jüdischen Museums und der Lebenshilfe drei Gebäude entstanden, die von weiten Teilen der Bevölkerung als wenig gelungen angesehen werden, da sie sich zu wenig in um eine Einpassung in das historische Umfeld bemühen. Alle drei liegen mitten in der ensemblegeschützen Altstadt. Im folgenden sollen sie kurz dokumentiert werden.


    1. Ludwig Erhard Zentrum


    Das Ludwig Erhard Zentrum ist ein Museum zur Erinnerung an den in Fürth geborenen Bundeskanzler Ludwig Erhard. Es steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Rathaus. Ursprünglich sollte das Projekt 12 Millionen Euro kosten; am Ende stiegen die Kosten auf auf 17,4 Millionen (größtenteils aus Steuermitteln). Für den Fürther OB Jung ist der Bau ein "Imagegewinn".


    Die ehemalige Heimatpflegerin Barbara Ohm lobte, dass der Neubau „in Einzelteile aufgelöst ist“; er korrespondiere mit den Nachbargebäuden. Ohm spricht von einer „sehr modernen, durchdachten Architektur mit Charakter“. Ohm wünscht den Fürthern die nötige Geduld bei der Auseinandersetzung mit der klaren architektonischen Aussage.


    Ihr Nachfolger als Stadtheimatpfleger Alexander Mayer verließ die Jury des Architektenwettbewerbs dagegen aufgrund des absehbaren Ergebnisses und distanzierte sich von dem Bau. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage der Fürther Nachrichten brachte eine deutliche Mehrheit ihre ablehnende Haltung zur Architektur zum Ausdruck. Die Verantwortlichen erwarten aber, dass sich die derzeitigen architektonischen Akzeptanzprobleme in der Stadtgesellschaft mit der Zeit durch Gewöhnung legen werden.


    Ein paar Links:


    Superikonoskop, LEZ, CC BY-SA 4.0




    Kamran Salimi, LEZ vom Rathausturm 1, cc-by-sa-3.0



    Robert Söllner, 2018-06-03-LEZ, cc-by-sa-3.0




    Ralph Stenzel, 2018-05-04 LEZ, cc-by-sa-3.0


    2. Anbau des jüdischen Museums Franken
    Der Anbau des jüdischen Museums in der Königstraße wurde vom Bamberger Architekten Ulrich Manz entworfen und kostete 6,2 Mio. Euro. Er wurde im Mai diesen Jahres fertiggestellt.


    Kommentar des Stadtheimatpflegers Alexander Mayer zur Architektur: "Als ich zur Präsentation des Architektenwettbewerbs gefahren bin, dachte ich mir, was wird den Architekten des 21. Jahrhunderts wohl dazu eingefallen sein? Bestimmt ein Würfel. Und was war das Ergebnis? Ein Würfel"



    Kamran Salimi, Neubau Jüdisches Museum Franken 2018 2, cc-by-sa-3.0




    Kamran Salimi, Jüdisches Museum Franken Fürth 2018, cc-by-sa-3.0


    3. Neubau der Lebenshilfe in der Ludwig-Erhard-Str.
    Der Neubau (nicht weit entfernt vom oben angesprochenen Ludwig Erhard Zentrum) wurde bereits 2008 fertiggestellt und stammt vom Fürther Architekten Peter Dürschinger. Auch dieses Gebäude bildet einen Kontrast zur gewachsenen historischen Umgebung.


    Heimatpfleger Meyer sprach von "Sargdeckel-Bunker-Architektur", die Ludwig-Erhard-Straße habe sich zu einer Geisterbahn verwandelt. Architekt Dürschinger hingegen ist stolz, dass es diese Gebäudeform weltweit nur fünf Mal gibt. Architektur muss spannend sein, lautet sein Credo.


    Fürther Nachrichten: Architektonisches Ausrufezeichen am Rathaus



    Vidicon, Ludwig Erhard Strasse 13ff, cc-by-sa-3.0




    Kamran Salimi, Lebenshilfe img1967, cc-by-sa-3.0

  • Gruselig. Ludwig Erhardt würde sich womöglich im Grab umdrehen, wenn er sehen könnte, wie dieser Bunker in den Altbaubestand hineingepresst wurde. Da haben sie im zweiten Weltkrieg gefälliger gebaut.


    Und erst der Lebenshilfe-Neubau...

    Architekt Dürschinger hingegen ist stolz, dass es diese Gebäudeform weltweit nur fünf Mal gibt. Architektur muss spannend sein, lautet sein Credo.

    Wenn sie denn unbedingt spannend sein muss, kann doch gefragt werden, warum sie deshalb gleich so hässlich zu sein hat? Die braune Plattenverkleidung, das Stelzen-Erdgeschoss, der Glasplattenrand, die eingeschnittene Balkongalerie und das aufgestockte Plattenbau-Schrägdach. Das sieht aus, als hätte jemand alle Bausünden der späten 80er/frühen 90er-Jahre noch mal hervorgekramt, um sie besonders hässlich zu kombinieren. Wenn es diese Gebäudeform wirklich weltweit nur fünf Mal gibt (was nur die Kombination betreffen kann), dann scheint die Welt noch mal mit einem halben Auge davongekommen. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt oder die Zahl in Zukunft kleiner wird.


    Das jüdische Museum ist hingegen weit gefälliger. In der Kubatur, in Größe und Material bzw. Farbton ist dieser moderne Bau der Bestandsstruktur durchaus relativ angepasst. Ein Würfel zwar leider, aber doch ein immerhin halbwegs eleganter.

  • Das Fürther Stadtbild hat durch diese drei Neubauten nicht wirklich hinzugewonnen. Für mich als Nürnberger ist ein Hauptgrund Fürth zu besuchen, das geschlossene historische Stadtbild. Die meisten Menschen fahren für soetwas zwar eher nach Italien oder Frankreich, aber Fürth tut es auch. Nebenbei geben wir in Cafes und Geschäften noch Geld aus. Je mehr solche Kuben und Kästen dazwischenkommen, desto mehr verliert Fürth an Charme und Einzigartigkeit.


    Aber ich kann es verstehen, dass man als OB unbedingt irgendwas hinterlassen möchte und solche Neubauten unterstützt. Es ist halt sehr plakativ und wenig nachhaltig. Wenn es einmal anfängt das schöne Stadtbild zu zerfressen geht das immer so weiter. Bis es so aussieht wie Nürnberg mit ein paar historischen Einzelbauten. Schade!