Fürth

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    • Fürth: wie geht es weiter?


      Es gibt wieder neues aus Fürth zu vermelden.

      Nach dem fragwürdigen Einkaufszentrum soll nun auch die Erweiterung des Jüdischen Museums in "moderner" Form erfolgen.

      Informationen dazu findet man hier:

      competitionline.de/site/200120…9&e=3&wettbewerb_id=11432

      Wettbewerb fr Jdisches Museum entschieden / Neues in Frth - Architektur und Architekten - News / Meldungen / Nachrichten - BauNetz.de

      Mal wieder so ein öder Quaderbau, der ein einigermaßen intaktes Altstadtessemble zerstört. Aber offensichtlich ist es das, was Fürths Kommunalpolitiker möchten. Sensibler Umgang mit gewachsenen Stadtbildern sieht jedenfalls anders aus als dieser Klotz.

      Dabei hätte gerade diese Baulücke ein Betätigungsfeld für kreative Architekten geboten, um aufzuzeigen, wie man historisch angepaßte Architektur mit einem im Inneren modern ausgestatteten Haus für ein Museum kombinieren könnte.

      In die Trabantenstadt Langwasser würde dieser einfallslose Quaderbau ja passen, aber nicht nach Fürth.
    • Da hat auch mal jemand wieder kräftig den Schwallomat benutzt. Lest euch nur mal das grenzdebile Gefasel aus dem ersten link durch:

      In Proportion und Volumen an die umgebenden Gebäuden angelehnt, zeigt sich der monolithische Museumsbau als autonomer Raumkörper - scheinbar wie ein Innenraum, der sich mit seinen schlichten Wänden nach aussen stülpt und den es zu entdecken gilt. Strukturell sind Alt - und Neubau durch einen kleinen Innenhof voneinander getrennt und in Dimension und Architektursprache klar ablesbar. [...] Die architektonische Form entsteht primär aus der innenräumlichen Organisation. Im Wechselspiel von Verbindung Alt - Neu und von Fluchten sowie Kanten im städtebaulichen Kontext werden die Verknüpfung der Gebäude und die Öffnung zur Stadt mit hohem ästhetischen Anspruch gefunden.


      Mein Gott, merken die nicht, wie lächerlich sie sich machen.
    • Also viel lieber hätte ich gelesen:

      „Als verantwortungsbewußte Kommunalpolitiker sehen wir uns in der Pflicht, das bauliche Erbe der Denkmalstadt Fürth auch für kommende Generationen zu bewahren und behutsam zu ergänzen. Leider harmonierte keiner der Entwürfe des Architekturwettbewerbs mit der historischen Bausubstanz der Fürther Altstadt, sondern stellten einen groben Bruch mit der bestehenden Bebauung dar. Aus diesem Grund mußten wir sämtliche eingesandte Entwürfe ablehnen; für die anstehende Museumserweiterung wurde daher jetzt ein Architekturbüro beauftragt, welches u.a. bereits mit Rekonstruktionen in Dresden, Berlin und Frankfurt am Main umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet traditioneller Architektur vorweisen kann. Und schließlich ist das Jüdische Museum Franken auch ein Museum mit regionalen Bezug: es befaßt sich mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Judentums in Franken. Alleine schon, um diesen regionalen Bezug zu unterstreichen, ist als Erweiterung für das bestehenden Stammhaus ein Gebäude im regionaltypischen fränkischen Baustil in traditioneller Sandstein- und Fachwerkbauweise die erste Wahl. Ein in Fachkreisen angesehenes Museum sollte schließlich auch durch eine qualitativ hochwertige Architektur gewürdigt werden.“
    • "Zeno" schrieb:

      http://www.dr-alexander-mayer.de/downloads/positionen-rundbrief-37.pdf


      Na ja, das war doch klar, das die Damen und Herren Architekten nichts anderes hervorbringen können als langweilige Schuhkartonarchitektur. Was mir aber weitaus mehr Schmerzen verursacht, ist die Tatsache das hier zwei markante und schöne Gebäude und deren Inneneinrichtungen vernichtet werden sollen! :kopfwand:
      Allein diese 50er Jahre Inneneinrichtung des E-Werks ist in diesem original Kontext absolut erhaltenswert. Wenn man da nicht genau hinschaut, haben wir in ein paar Jahren nur noch abgerissene oder überformte 50er Jahre Bauten und diese wichtige Epoche ist verloren!

      Gibt er Bestrebungen hier etwas zu retten??
      Labor omnia vincit
      (Vergil)
    • Das führt jetzt zwar etwas vom Thema weg, aber generell sind ja Anlagen früherer Elektrizitätsversorgung inzwischen stark in ihrem Bestand gefährdet, gerade auch Trafotürmchen, die nur mangels Hochspannungsmasten selbst in vielen ländlichen Regionen inzwischen überflüssig sind. Dabei sind da nicht selten schöne Exemplare im historistischen oder im Heimatschutzstil dabei, die sich sehr gut in die gewachsene Umgebung einfügen.
    • Das hat jetzt nicht viel mit dem Thema zu tun, aber ich erzähle mal was über Fürth. Mein Vater hat als Jugendlicher dort Briefe ausgetragen, auch in der Altstadt. Es soll alles dreckig, armselig, veraltet und heruntergekommen gewesen sein. Die Stadt hatte er in grausamer Erinnerung. Darum war er kaum dazu zu bewegen sich heute mal die Altstadt anzusehen.
      Er bereute es nicht. Die Leute müssen dort unheimlich viel renoviert haben in den letzten Jahrzehnten. Es hat sich aber noch nicht so herumgesprochen, dass man es mit einer sehenswerten Stadt zu tun hat, die fast nur aus alten Häusern zu bestehen scheint. Eine unheimliche Vielfalt im Baustil, nette Geschäfte und eine große Kneipenzahl hat Fürth zu bieten. Außerdem hat die Architektur wegen des vielen Schiefers etwas eigenes. Auch die Fußgängerzone ist attraktiv. Man sollte also aufpassen, was man in so einer Stadt baut.
    • Vor einigen Jahren gab es sogar mal eine Radiosendung im Bayerischen Rundfunk, in der das Schmuddel-Image von Fürth thematisiert wurde. Durch gezielte Fördermaßnahmen wurde die Stadt deutlich aufgewertet - mir persönlich gefällt sie ebenso wie Nürnberg nicht, da ich dieses braun in grau ziemlich deprimierend finde (habe sogar mal direkt im Zentrum von Fürth übernachtet, in einem etwas sinistren Hotel).
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      Grund genug für eine kleine Gruppe engagierter Bürger, Fürths Bewerbung für die Liste der Unesco-Weltkulturerbestädte anzuregen.


      Also bei aller Liebe zu Fürth: das ist nun wirklich reiner Größenwahn. Was soll denn ein durchschnittliches Ackerbürgerstädtchen des 17. Jahrhunderts, das im 19. Jahrhundert ein paar nette Neoklassizismus- und Gründerzeitviertel dazubekommen hat als Weltkulturerbe qualifizieren?!

      Gut auch, dass die verträumte Innenstadt – abgesehen vom Gänsbergviertel – der Modernisierungswut nicht interessant genug erschien.

      "Abgesehen vom Gänsbergviertel" ist ja wohl der pure Zynismus: das Gänsbergviertel (rund 250 Häuser aus dem 17., 18. und teilweise frühen 19. Jahrhundert) machte über 40% der Fürther Altstadt aus und es wurde in den 60'iger Jahren systematisch bis auf den letzten Stein abgerissen. Ein erschreckenderes Beispiel für Modernisierungswut wird man deutschlandweit kaum finden.
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      Also in Bayern würde mir schon noch das eine oder andere Welterbe einfallen, aber auf Fürth würde ich nicht mal im Vollrausch kommen. Allenfalls als mahnendes Beispiel für den verantwortungslosen Umgang mit Altbausubstanz im Nachkriegs-Westdeutschland.
      Leider wird der Welterbe-Titel hierzulande vor allem als Tourismus-Marketinginstrument verstanden. Der eigentliche Gedanke, Stätten von besonderer kultureller Relevanz für die Menschheit zu bewahren, kommt viel zu kurz.
      Ich halte die bayerischen Königsschlösser (bizarre Variante des Historismus), Dinkelsbühl (Ensemble, Beispiel für beginnenden Denmlaschutzgedanken des frühen 19. Jhdts.), Rothenburg u. Nördlingen (wg. Stadtmauern) und von mir aus Oberammergau (Lüftlmalerei) für UNESCO-würdig. Sind aber touristische Selbstläufer und deshalb scheut man die Mühen der Bewerbung. Schade.

      Aber Fürth - darauf muss man erst mal kommen...
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      Nicht nur, dass Fürth sich deutschlandweit selbst nur auf Platz 3 in Sachen Geschlossenheit (gemeint ist wohl eine gründerzeitliche Geschlossenheit) sieht, weshalb es überhaupt keinen Grund gibt, sie auf die Welterbeliste zu hieven. Nein, es sind auch folgende Ansichten der - sicher gut gemeinten - Initiative, die keine Voraussetzung für einen Welterbetitel erfüllen:

      Für die Initiative ist klar, dass Weltkulturerbe nicht mit dem Denkmalschutz gleichgesetzt werden darf. Schließlich hat die Geschäftsentwicklung Spuren auch im Gründerzeitviertel hinterlassen. Die Erdgeschosse wurden vielerorts zu Geschäftszwecken umgebaut. Auch Solarzellen auf den Dächern sollten nicht zum Nachteil ausgelegt werden.


      Und an den Sat-Schüsseln, wie auf Bild Nr. 1 zu sehen, soll sich die Unesco wohl auch nicht stören...
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      "Zeno" schrieb:

      Das ist Fürths Innenstadt. Die gründerzeitliche Innenstadt ist Fürths große Last: Es ist kein Prachtviertel; es ist ein heruntergekommenes Viertel mit alten, grauen, schwarzen Häusern. Deswegen mag ich Gründerzeit nicht, weil ich Wiesbadens Prachtviertel nicht kenne und uns hier als Gründerzeit sowas präsentiert wird!
      [...]
      Andere Gründerzeitviertel dagegen sind völlig anders: ordentlich, sauber, gepflegt. Als ich, Augsburg und München kennend, das erste Mal sah, wie Fürths Innenstadt aussieht, war ich entsetzt.


      Na ja - über diese Argumentation sehen wir mal hinweg. :zwinkern:
      Wahr ist allerdings, dass Fürths Gründerzeitbereich wohl recht viel angedunkelten Sandstein aufweist und die hell und abwechslungsreich verputzten Häuserfronten sich in Grenzen halten - von der wohltuenden Leichtigkeit der Jugendstilgestaltung und -ornamentik mal ganz zu schweigen. Das wirkt dann in der Tat ein wenig schwer, staubig und erdrückend.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      Das einzige Welterbeobjekt im Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen das ich mich vorstellen kann, ist die Nürnberger Stadtmauer mitsamt der Burg. Diese ist einzigartig genug, vor allem dann, wenn sie weiter restauriert und von allzu üppigem Baumbewuchs befreit wird.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      @Zeno

      mmh...versteh ich nicht? Sicherlich, dieses Viertel ist nicht wirklich ansprechend, aber gerade mit Nürnberg würde ich es nicht unbedingt vergleichen. Man müsste es halt ziemlich aufmascherln und den Sandstein reinigen, die Glotzfenster herausreissen und vernünftige Bewohner ansprechen. Wenn ich mir Dein Foto ansehe, dann würde ich aber meinen, dass es sogar diese drei Häuser locker 90 % der Nürnberger Innenstadtzeilen in den Schatten stellt.
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf.Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      Nur drei kurze Anmerkungen:

      1. Der gezeigte Straßenzug ist eigentlich nicht gründerzeitlich. Was man hier sieht, und was in den Vierteln steht, die Zeno im Auge hat, stammt meist aus der Phase der Frühindustrialisierung zwischen ungefähr 1845 und 1865 und ist eigentlich eher noch neoklassizistisch. Die i.e.S. gründerzeitlichen Viertel Fürths um die Königswarter Str. und die Hornschuchpromenade sehen dagegen schon nochmal anders aus (wenn sie auch teilweise ähnlich heruntergekommen sind).

      2. Das Problem bei Fürth ist schlicht und einfach, daß die besagten Viertel aus der Zeit der Frühindustrialisierung den bei weitem größten Teil der Innenstadt ausmachen und doch sehr runtergekommen sind (es sind vorwiegend die Wohnviertel der Türken, Araber, Rumänen, Albaner etc.; dementsprechend hört man da auch praktisch kein Deutsch mehr) und Abhilfe leider kaum in Sicht ist. Wo derartige Straßenzüge dagegen saniert sind, sehen sie eigentlich gleich äußerst ansprechend aus: die Fassaden sind zwar relativ schlicht, aber die Proportionen stimmen tadellos.

      3. Die besagten Viertel haben in der gesamten Region seit über hundert Jahren (also auch schon vor den Migrationswellen des späten 20. Jahrhunderts) einen - auch und gerade in ästhetischer Hinsicht - extrem schlechten Ruf: sie gelten als düster, häßlich und abstoßend und fast jeder Nürnberger, Fürther, Erlanger etc., den man fragt plädiert für Abriss, selbst wenn er sonst der glühendste Freund von Altbauten (oder sogar Rekonstruktionen) ist. Diese Abneigung hat also quasi schon Tradition. Als unvoreingenommener Beobachter kann man das teilweise nicht wirklich nachvollziehen.
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      "Zeno" schrieb:


      Da es kaum möglich ist, ein paar hundert Häuser gründlich zu sanieren, habe ich wenig Hoffnung. Denn wer sollte das tun?


      Von heute auf morgen geht das natürlich nicht. Aber wenn man ein längerfristiges Programm auflegt sollte es da durchaus Wege und Mittel geben, ein Sanierungsprogramm durchzuziehen. Gibt es von Bund und Land nicht eigens eine Städtebauförderung?

      Natürlich erfordert das ein gewisses Durchaltevermögen aber wenn sich Fürth schon als "Denkmalstadt" definiert sollte man die Denkmäler auch pflegen. Und dazu gehört auch, Neu- und Anbauten in angepaßter Architektur auszuführen.

      Die Fenster der Häuser auf dem Bild von Zeno sehen mir übrigens mehr nach Einflügelfenstern aus, wie man sie in den 50er bis 70er Jahren verbaut hat. Die waren zwar noch aus Holz, hatten aber auch schon keine Sproßen mehr. Erkennbar sind diese Fenster an der alten Ausführung der Doppelverglasung, bei der beide Scheiben im Gegensatz zur "echten" Isolierverglasung in zwei separaten, aneinandergesetzten Holzrahmen gelagert sind. Da die alten Sproßenfenster teilweise noch vorhanden sind, zeigt dies, daß man auch damals nur das allernötigste in die Häuser investiert hat.
    • Re: Fürth: wie geht es weiter?

      1 Die Abneigung gegen Fürth Altstadt/innenstadt ist für ein Aussenseiter schwer zu nachvollziehen. Sicher ist die Gebäuden nicht in besten schuss und sicher könnte man alles durchgrünen. Schlimmere Beispiele von runtergekommene Altstädte/Innenstädte habe ich schon in Frankreich und Italien gesehen.

      2 Ich fand die Alstadt von Fürth ganz nett. Ich bin da ein paar mal hingefahren und fand es mehr ansprechend als die Steinviertel.

      3 Ich finde es steckt viel Potential im Fürth. Die Steinhäuser errinnert mich ein bisschen an Edinburugh oder manche teilen von Bath oder die Dörfer von Cottswolds in Grossbrittanien.