Pflicht zum Solardach?

  • Quote from "Aedificium"


    Würde man ernsthaft, ohne ideologische Verbrämungen, alle Energieträger in ihrer gesammten Ökobilanz vergleichen, würde die PV Technik nicht als Sieger hervorgehen.


    Man könnte die Dinger an einem Ort herstellen, wo saubere und billige Energie z.B. Wasserkraft, im Überfluß zur Verfügung steht,
    und sie dann an einem Ort installieren, wo sie schmutzige z.B. von Dieselgeneratoren erzeugte Energie ersetzt.


    Aber um mal zu den gesetzlichen Verordnungen zurückzukehren:
    Wie werden eigentlich die ganzen Spaßbäder beheizt, oder das "Tropical Island" in der Cargolifterhalle?
    Was ist mit den Glas-Büropalästen, wo die Klimaanlagen dieser Tage auf Hochtouren laufen?
    Müßte hier nicht der Gesetzgeber zuerst aktiv werden?


    Oder den Supermärkten und Shopping-Zentren?
    Auf den riesigen Dachflächen wären doch die Bedingungen für die Errichtung von PV-Anlagen am ehesten gegeben!

  • Noch eine Anmerkung zur ökonomischen und ökologischen Bilanz. Kurzfristig gesehen mag man diese Bilanzen bei den neuen Technologien noch nicht als perfekt betrachten. Man muß aber auch einmal die langfristige Entwicklung sehen. Ich rede zum Beispiel von der Endlagerung radioaktiver Abfälle (wieviele tausend Jahre?....), Erderwärmung durch Ausstoß von Fluorkohlenwasserstoffen... Auch aus diesen Gründen ist die Entwicklung neuer Technologien dringend geboten. Daß das eventuell erst einmal mit Mehrkosten verbunden ist, dürfte angesichts der Verantwortung für die Welt von Morgen vertretbar sein. Aber, wie gesagt, es gibt andere Methoden, als das Marburger Zwangsmodell.

  • Quote from "Aedificium"

    Ohne hier eine Grundsatzdiskussion anzufangen


    Doch, bitte. Ich fand die Ausführungen von jens und Kardinal sehr interessant. Meine Meinungsbildung ist hier noch nicht abgeschlossen und ich freue mich über weitere Beiträge.


    Mir ist klar, daß sich etwas ändern muss. Atomstrom ist mir unheimlich, gegen Braunkohleabbau (wenn er wertvolle Kulturlandschaften zerstört) habe ich mich hier schon positioniert. Aber ich möchte auch nicht eines Tages auf das silbrig-glänzende Florenz schauen (obwohl sich Solarenergie dort sich noch eher lohnt, als in Hamburg).


    Ein Problem ist sicher auch, der hier schon oft angesprochene Zuwachs der Weltbevölkerung. Selbst wenn wir in Europa Öl und Energie sparen, die riesigen Städte in klimatisch eingentlich hoch ungünstigen Regionen werden diese eingesparte Energie schon kaufen.


    Wie gehts weiter? Was tun?

    "Nichts zeichnet eine Regierung mehr aus als die Künste, die unter ihrem Schutze gedeihen."
    Friedrich der Große

  • Wenn Frau Merkel, die ansonsten doch auch zu treffsicheren Kommentaren fähig ist ("Warum klettern die Leute auf Kühltürme, wenn die AKW's doch so gefährlich sind?"), mal reinen Wein einschenken würde, wäre die Akzeptanz der Energiemaßnahmen vermutlich höher.
    Nicht nur ich kann das ganze Dummgeschmarre von Klimawandel, Feinstaubemissionen und CO2 nicht mehr ab; kriege fast eine Allergie davon.


    Die Notwendigkeit, aus zwingenden wirtschaftsstrategischen Gründen Energie zu sparen und auf vernünftiger(!) Basis die Wirtschaft umzustellen, sehe ich dagegen ein. Daß unser gegenwärtiges kleines Wirtschaftswunder auch der besseren Energieeffizienz deutscher Gerät- und Wohnschaften zu verdanken ist (derweil die Energiefresser ihre liebe Not haben), macht aber diktatorische Maßnahmen wie in Marburg nicht sinnvoller. Denn die Umsetzbarkeit der hohen Pläne hängt vom Leistungsvermögen der Mittelschicht ab. Die gehäufte Rigorosität staatsplanerischer Maßnahmen kann auch zur Kapitalverweigerung der besitzenden Schichten führen - und etwas derartiges ist mit einer wirtschaftlichen Strahlenkrankheit zu vergleichen.

    Nein, die werden gedünstet

  • Erstmal finde ich jedes Joule, was nicht durch Verbrennung fossiler Stoffe gewonnen wird, ein gutes Joule. Es ist nunmal Fakt, dass das Zeugs immer knapper und teurer wird und Verschmutzung generiert. Eh die Sonne versiegt, fliessen noch viele Krustenteile auf dem Mantel entlang.


    Der Weg über zwingende Solardächer halte ich für falsch. Jeder Privatmann sollte selber abschätzen, ob solch eine Anlage dann für ihn selber rentabel ist.


    Wenn aber doch, dann würde ich als kleiner Ästetiker eine Lösung mit Solardachziegeln bevorzugen. Ist ein guter Kompromiss zwischen erneuerbaren Energien und dem Respekt vor alter Bausubstanz.


    Für Städte, Innenstädte besser gesagt würde ich aber eine Form von Solarkraftwerk(en) oder ähnlichen Anlagen an (oder vor) den Stadtgrenzen oder in den Industriegebieten bevorzugen. Da stört die hochtechnische Optik weniger und vollbringt trotzdem ihren Nutzen.

  • Ja, Solardachziegel sind eine gute und ästhetische Möglichkeit zur Stromerzeugung. Wenn man solche Ziegel als Träger für die Fotovoltaikzellen nimmt, die in der Ziegelgrundfarbe den Fotovoltaikzellen ähneln oder sogar gleichen. Hellrote Ziegel mit anthrazitfarbenen Fotovoltaikzellen gehen gar nicht.


    Zu den Thermischen Solaranlagen:
    Diese rechnen sich an geeigneten Lagen heute schon ohne jede Förderung. Die Förderung ist lediglich ein Bonus, der die Anlagen noch schneller rentabel erscheinen lässt. Ich bin auch durchuas dafür, Solaranlagen an geeigneten Lagen zur Pflicht werden zu lassen. Geeignet ist alles, was grob nach Süden ausgerichtet und nicht denkmalschutzwürdig ist. Auch ein Süddach eines Gründerzeiters eignet sich - wenn es nicht gerade die Straßenfront ist. Besser die Euros landen hier erstmal hier bei den Solarklempnern und später, nachdem die Anlage sich rentiert hat, im erweiterten heimischen Konsum.
    Die Alternative wäre, langfristig den OPEC-Ländern immer mehr und mehr Euros in den Ar... zu blasen - und das ist schlecht für die einheimische Wirtschaft!

  • Nachdem das Regierungspräsidium Gießen die umstrittene Solarsatzung wegen erheblicher rechtlicher Mängel beanstandet und damit verhindert hat, klagt die Stadt Marburg nun gegen das Regierungspräsidium Gießen.


    Quote

    Umstrittenes Projekt
    Stadt Marburg will Solarsatzung einklagen - 21. Oktober 2008 Die Stadt Marburg hat Klage gegen die Beanstandung ihrer Solarsatzung durch das Regierungspräsidium Gießen erhoben. Das teilte die Stadt am Dienstag mit. Die Klage sei zunächst zur Einhaltung der Frist an das Verwaltungsgericht Gießen geschickt worden, eine ausführliche Begründung werde noch ausgearbeitet und nachgereicht, sagte ein Sprecher der Stadt. Das Verwaltungsgericht bestätigte am Dienstag den Eingang. Mit der solaren Bausatzung will die mittelhessische Universitätsstadt als erste deutsche Kommune den Einbau solarthermischer Anlagen auf Dächern von Neu- und Altbauten flächendeckend zur Pflicht machen. Die Regelung sollte ursprünglich zum 1. Oktober in Kraft treten.


    Das Regierungspräsidium hatte die heftig umstrittene Solarsatzung Anfang Oktober wegen erheblicher rechtlicher Mängel beanstandet und damit verhindert, dass sie in Kraft tritt. Die Satzung verstößt nach Angaben der Aufsichtsbehörde nicht nur gegen den Denkmalschutz, sondern auch gegen die Hessische Bauordnung. Demnach dürften Gemeinden zwar Regelungen zur Verwendung bestimmter Brennstoffe oder Heizungsarten treffen, wenn dies nach den örtlichen Gegebenheiten geboten sei. Spezifische örtliche Verhältnisse habe die Stadt Marburg aber nicht dargelegt. Kritiker lehnen die Satzung vor allem als Eingriff in die Eigentumsrechte ab. [...]


    Umstrittenes Projekt: Stadt Marburg will Solarsatzung einklagen - Hessen - FAZ

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Quelle: Brigachtal: Liefert Pfarrhausdach bald Solarstrom? - Brigachtal - Schwarzwälder Bote


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

  • Bei Solardächern gilt wie bei anderer Technik, dass sich die Produktionskosten rasant halbieren. Das ist der eigentliche Hebel. Die Chinesen sagen auf der Messe, dass der break-even in den nächsten 2-3 Jahren erreicht wird. Das heisst dann sind Solardächer sogar ohne Subvention wirtschaftlich im Vergleich zur Konkurrenz und werden massenhaft eingeführt werden. Solardächer ermöglichen uns Energieautonomie, eine Dezentralisierung der Energieversorgung.

  • Klimaschutz – Sofortprogramm 2022


    Bei dem Entwurf des "Klimaschutz-Sofortprogramms 2022" handelt es sich um einen Zwischenstand. Danach plant die Bundesregierung für a l l e Neubauten eine Pflicht zur Installation von Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlagen ab 2022! Auch bei größeren Dachsanierungen soll das zur Vorschrift werden. Zudem sind verschärfte Regelungen für Dämmungen vorgesehen. Ab 2025 ist mit einer weiteren Verschärfung der Vorgaben zu rechnen.


    Quelle: https://www.tagesschau.de/inla…egierung-planung-101.html


    Was solch eine Regelung für die Dachlandschaft ungeschützter Stadt- und Ortsbilder bedeutet, kann sich jeder mit etwas Weitsicht ausmalen. Inwieweit Aspekte des Denkmal- oder Ensembleschutzes bei dieser Pflicht nachrangig behandelt werden, bleibt abzuwarten.


    Insgesamt ginge es den deutschen (!), städtebaulich ohnehin schon durch Krieg und Modernismus in hohem Maßen zerstörten, Städten und Dörfern damit noch mal so richtig an den Kragen. Mit nachhaltiger, ökologischer Politik hat dieser propagierte politische Irrsinn indes wenig bis nichts zu tun.

  • Das wäre auch bei künftigen Rekonstruktionen, die ja rechtlich als Neubauten gelten, interessant zu beobachten. Einige bemängeln bis heute das Dachrestaurant auf dem Humboldt-Forum. Anderen gefällt das Dach des Potsdamer Stadtschlosses nicht so recht. Wie aber sähen sie mit Solar-Paneelen aus? Und wie wird das erst bei anstehenden Rekonstruktionen, z.B. Fachwerkhäusern? Und was ist mit Reetdach-Häusern? Sind diese zukünftig verboten?

    Das wird spannend.

  • Ich oute mich als größter Hersteller in Europa in diesem Bereich. Dennoch lehne ich eine Pflicht ab!

    Diesen Standpunkt vertrete ich auch gegenüber Verbänden und Politikern.


    PV muss eine freie Entscheidung sein.

  • Das mit den Solarzellen könnte ich mir noch gafallen lassen. Mittlerweile gibt es ja auch schon Solar-Dachziegeln.

    Es stellt sich allerdings die Frage, ob Du auch ein Hauseigentümer bist, der das zu bezahlen hat. Vielleicht wird es aber auch versteckt umgelegt als Mieterhöhung? Ob sich das die Mieter gerne gefallen lassen?


    Das ist so ähnlich wie in der Verkehrsdiskussion, wo ich hier vor einigen Tagen las, dass man ja das Benzin verteuern könne, da es dann nur die Vielfahrer treffe. Auch hier liegt der Denkfehler im mangelnden Verständnis des sich dahinter abzeichnenden Klassenkampfes. Zu der geplanten Benzinpreiserhöhung der "Grünen" hat die "Linke" immerhin in einem ihrer wenigen Lichtblicke passend reagiert. (Siehe hier) Eine Benzinpreiserhöhung trifft nämlich nicht Vielfahrer, sondern Geringverdiener. Spitzenpolitiker, hohe Beamte, Rundfunkredakteure, Manager usw., die sich solches Zeug ausdenken und/oder es propagieren, trifft das nämlich gar nicht. Die verdienen ihre 5000 Euro aufwärts und lachen über ein paar Cent pro Liter. Sie fühlen sich noch als die großen Ökologen, ohne sich spürbar einschränken zu müssen. Es trifft den kleinen Arbeiter/Angestellten, der mit 1500 Euro im Monat auskommen muss.


    Und so ist das auch mit den Solar-Dächer und Solar-Dachziegeln. Dazu muss klar sein, was es kostet, ein Dach neu decken zu lassen. Bei einem Solardach wird bei der Verbraucherzentrale von einer Lebensdauer von 20 bis 40 Jahren ausgegangen. Da steht geschrieben:


    Quote

    Solarziegel werden häufig aus optischen Gründen eingesetzt oder als Energiequelle auf denkmalgeschützten Häusern. Im Vergleich zu Solardächern verzeichnen Solarziegel einen um mindestens ein Drittel geringeren Energieertrag. Ebenso ist mit erhöhten Reparatur- und Wartungskosten zu rechnen, da die Ermittlung einer Fehlerquelle bei möglichen Störungen oder abfallenden Leistungen aufgrund der einzelnen Solardachziegel aufwendiger ist.

    (https://verbraucherzentrale-en…ar/solardach-solarziegel/)


    Ergo: Solarziegel sind eine tolle ästhetische Idee, was ich ganz ernst meine. Sie sind aber bei einer Lebenserwartung von im schlechten Fall 20 Jahren, bei gleichzeitigen erhöhten Reparaturkosten und einem geringeren Energieertrag, ein teures Hobby.


    Dem steht ein konventionelles Dach mit Dachziegeln gegenüber, bei dem von einer Lebenserwartung von 60 bis 80 Jahren ausgegangen wird. Also das Doppelte bis Dreifache. (Man überdenke auch mal die Energiebilanz für Produktion, Transport, Abtransport usw.) Bei Schieferdächern wird gar von 100 Jahren Lebensdauer ausgegangen.

    (https://www.wuestenrot.de/de/i…lange-haelt-ein-dach.html)


    Fazit: Solche Überlegungen denken sich Bürokraten und der Realität völlig enthobene Berufspolitiker in ihren gesicherten Hinterzimmern aus. Diesen Leuten ist es völlig egal, wenn sie kleine Hausbesitzer in den Ruin treiben. Es stehen womöglich genug Immobilienfonds für superreiche Anleger parat, die dann für wenig Geld die Insolvenz-Häuser aufkaufen können. Würde mich nicht wundern, wenn die betreffenden Bürokraten und Politiker längst freundliche Kontakte zu diesen Leuten aufgenommen haben.

  • Was an dieser Stelle wieder einmal ausgeblendet wird, dass bei diesem Spektakel vermutlich auf dieser Welt wieder nur ein Land mitmachen „will müssen“...ich verspreche Euch, dass D den Ausstieg aus der Atomenergie wieder rückgängig machen wird.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)