Fachwerkbauten in Nürnberg

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    • Konrad Bedal stuft die Bauzeit dieses Gebäudes als "vor 1500" ein, außerdem hält er es für möglich, daß das Haus ursprünglich ein Halbwalmdach hatte, da der obere Teil des Giebeldreiecks erneuert sei.

      Die Giebelseite macht mir aber auch zu schaffen, besonders die Pfostenstellung im 2. und 3. OG ist mir nicht so recht schlüssig.
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      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • "baukunst-nbg" wrote:

      Konrad Bedal stuft die Bauzeit dieses Gebäudes als "vor 1500" ein, außerdem hält er es für möglich, daß das Haus ursprünglich ein Halbwalmdach hatte, da der obere Teil des Giebeldreiecks erneuert sei.


      Ob der obere Teil des Giebeldreiecks erneuert war, fragte ich mich auch. Die beiden an die Fensterpfosten des 2. Dachgeschosses angelehnten Streben kamen mir erst auch merkwürdig vor. Doch durch einen Blick auf Vergleichsbauten und auch auf die Schwelle des 2. Dachgeschosses kam ich zum Schluss, dass der Giebel original war, oder mindestens keinen Halbwalm hatte. Wäre das ursprüngliche Dach im Bereich des Halbwalmes nur ergänzt worden, würde man irgendwo in den Dachflächen einen Knick oder eine "Beule" sehen, doch dies scheint nirgendwo der Fall zu sein. Es wäre möglich, dass der gesamte Dachstuhl ersetzt worden wäre, doch an einen solch grossen Eingriff glaube ich nicht.


      Blick auf die Schwelle des 2. Dachgeschosses:

      Die Schwalbenschwanzblätter der Steigbänder im 1. Dachgeschoss greifen bis in diese Schwelle; also gehört diese zum Kernbestand. Wäre ursprünglich ein Halbwalm vorhanden gewesen, wäre diese Schwelle gar nicht nötig, denn die Walmsparren hätten direkt auf dem Kehlbalken (=Rähm des 1. Dachgeschosses) oder auf Stickbalken oder Sparrenschuhen aufgelagert werden können.


      Vergleichsbeispiele von Bauten mit doppelten Fussbändern

      Prechtelsgasse 10 (s. Beitrag)


      Entzerrter Ausschnitt aus einer Photo von bildindex der Kunst und Architektur

      Das 1. Dachgeschoss (welches durch die Teilaufstockung zum 3. Obergeschoss geworden war) zeigt zwei Pfosten eines stehenden Dachstuhls. Diese werden durch je zwei angeblattete Fussbänder sowie einem Kopfband, welches als Schwert ins 2. Dachgeschoss weiter läuft, verstrebt. In der Mitte steht ein Bundpfosten, welcher rechts durch eine angeblattete Strebe verstrebt wird. Links hat wahrscheinlich ebenfalls eine solche bestanden (man sieht auf der Photographie nicht recht, ob in der Schwelle eine Blattsasse prangt).
      Das 2. Dachgeschoss ist durch den nachträglichen Einbau der Aufzugsöffnung gestört, doch das Ausbuchten der Wand deutet dort ebenfalls auf einen einstigen Bundpfosten hin. In diesen wären die beiden Wandriegel eingezapft gewesen, und durch die Wegnahme des Pfostens buchteten diese in der Folge aus.
      Im 3. Dachgeschoss ist mindestens in der Brüstung ein Mittelpfosten vorhanden; ob das Fenster ursprünglich ist, ist nicht eruierbar.

      Es wäre möglich, dass ursprünglich ein durchgehender Firststud (ein durch alle drei Dachgeschosse verlaufender Mittelpfosten) vorhanden war. Eine Originalphotographie würde mehr Kenntnisse dazu preisgeben. Jedenfalls kann hier ein Halbwalm über dem 1. Dachgeschoss ausgeschlossen werden, da an der fraglichen Stelle der Walmtraufe zwei ursprüngliche Schwerter eingelassen sind, und damit ein ursprüngliches Weiterlaufen der Wand belegen! Bemerkenswert ist auch die an den Bundständer angelehnte Strebe im 1. Dachgeschoss. Gerade solche "angelehnten Streben" kommen auch bei Obstmarkt 1 vor!


      Am Ölberg 1

      17 Vergrösserung
      Burgstr. bei der Einmündung der Oberen Schmiedgasse und Am Ölberg; rechts des Baumes Am Ölberg 1
      (Quelle: bildindex der Kunst und Architektur)


      Dieses Haus würde auch eine genaue Beschreibung verdienen! Doch dies sei auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, da ich lieber erst zu jedem Fachwerktyp ein Beispiel bringen möchte. Auch bei diesem Haus fallen neben den verdoppelten Fussbändern Gemeinsamkeiten in der Giebelwand auf:
      - im 1. Dachgeschoss zwei stehende Stuhlpfosten, verstrebt durch je ein angeblattes Fussband und ein Steigband
      - in der Mittelaxe ein Bundpfosten, welcher durch alle Dachgeschosse zu verlaufen scheint (also Firststud)
      - im 2. Dachgeschoss zwei angeblattete "angelehnte Streben" (!!!)


      Also alle drei Beispiele weisen grosse Gemeinsamkeiten auf; insbesondere diese "angelehnten Streben", welche mich ihrer Eigenartigkeit wegen erst stutzig machten, sind es, welche mich nicht an die Vermutung eines ursprünglichen Halbwalmdaches bei Obstmarkt 1 glauben lassen.


      Rathausplatz 11

      Ein weiteres Beispiel mit doppelten Fussbändern gab es am Rathausplatz 11. Wenn es auch nichts zur Giebelwandproblematik beiträgt, möchte ich es der Vollständigkeit halber hier aufführen:

      58
      links: Untere Krämersgasse; rechts: Ausschnitt (Quelle: bildindex der Kunst und Architektur)


      und der entgegengesetzte Blick:

      76
      Sebalder Platz/Rathausplatz; im Vordergrund rechts angeschnitten das Walmdach von Rathausplatz 11
      (Quelle: bildindex der Kunst und Architektur)




      "baukunst-nbg" wrote:

      Die Giebelseite macht mir aber auch zu schaffen, besonders die Pfostenstellung im 2. und 3. OG ist mir nicht so recht schlüssig.

      Ich vermute, dass Du die rechten Eckpfosten vermisst. Wie ich im Abschnitt "Bauweise" geschrieben habe, wurde Obstmarkt 1 nächträglich gegen rechts (Norden) um ca. einen halben Meter verbreitert.

      Gegen das nördlich angebaute Haus (rechts) ist das Gefüge über alle Stockwerke nicht mehr in Ordnung. Insbesondere wenn man den Fusspunkt des Dachorts betrachtet, sieht man, dass die Vollgeschosse ca. einen halben Meter breiter sind. Wahrscheinlich steht dies im Zusammenhang mit einem Neubau des Nachbarhauses, oder es befand sich einst ein schmales Gässchen (Ehgraben) zwischen beiden Gebäuden.

      Der ursprüngliche Eckpfosten im 1. Obergeschoss fehlt, wie überhaupt praktisch die gesamte ursprüngliche Bausubstanz an diesem Geschoss. Jener im 2. Obergeschoss fehlt ebenfalls, dafür ist jener im 3. Obergeschoss noch vorhanden, allerdings geschwächt durch den Einschnitt des Fensters rechts aussen.

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    • Es gibt ja noch viel mehr Beispiele mit doppelten Fußstreben (eine Verstrebungsart, die eher im Bereich östlich von Nürnberg vorkommt).

      Zur Wunderburggasse hab ich mal folgenden Plan eingezeichnet:



      Ganz oben Nr. 19, das Eckhaus mit den komplizierten Streben an der Nordseite.
      Nr. 7 ist das Veit-Stoß-Haus.
      Das daran angebaute Eckhaus ist Prechtelsgasse 12.
      Das gegenüberliegende Eckhaus ist Prechtelsgasse 10 (Riegels jetziger Avatar).
      Danach erst Wunderburggasse 5.

      Ich glaube, auch Bedal ist hier möglicherweise durcheinandergekommen. Denn er beschreibt Wunderburggasse 5 als "dreigeschossiges Eckhaus, nachträglich einseitig aufgestockt", und Prechtelsgasse 10 (auch?) als viergeschossiges, ursprg. nur dreigeschossiges Traufenhaus". Wohl meint er in letzterem Falle ein anschließendes, für uns nicht mehr sichtbares Haus in der Prechtelsgasse, das im Zusammenhang mit dem Eckhaus aufgestockt wurde (wg. "Traufenhaus").

      Als "typisch" für die 1. H. des 15. Jh. nennt Bedal die Kombination aus angeblatteten Fußstreben und kurzen Kopfbügen, abwechselnd mit breiten angeblatteten Fußbügen im Bereich der Bohlenstuben.
      Das würde auch mit Riegels Vermutungen zu Waaggasse 11 übereinstimmen.
      Solche Bohlenstuben seien auch zu mehreren, teils übereinander, auch mehrfach in einem Stockwerk, nachweisbar.

      Das "Nürnberger K" mit den in die Fußstrebe eingezapften Riegeln ist übrigens dendrochronologisch erstmals 1509 in der Irrerstraße 1 nachweisbar (heute wieder verputzt).
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    • Jetzt, wo ich diesen historischen Planausschnitt sehe, wird mir vieles klar. Vor allem habe ich bemerkt, dass ich die beiden Eckhäuser Prechtelsgasse 10 und 12 weiter westlich vermutete, und habe sie deshalb fälschlicherweise mit "Ecke Martin-Treu-Str./Heugässchen nordost bzw. nordwest" bezeichnet. Die Frage nach der Lokalisierung stellte sich mir bereits auf Seite 1 dieses Threads... Dann werde ich das natürlich überall korrigieren.

      sg-hausgeschichten.ch/nuernberg/nbg-steppe-ueberlagerung.jpg
      Überlagerung von GoogleEarth mit dem Planausschnitt


      Der grösste Eingriff beim Wiederaufbau war demnach die Neuanlage der Martin-Treu-Strasse, welche im östlichen Bereich vor dem Krieg gar nicht existierte, und in ihrem westlichen Bereich die viel schmalere Prechtelsgasse war (erstaunlicherweise hat man aber die Krümmung der Wunderburggasse belassen, und sogar die Staffelung der Häuser 8 - 14 bei den Neubauten "zitiert"! [zitieren = APH-Reizwort :biggrin: ]). Die Kreuzung Martin-Treu-Str./Heugässchen liegt ca. sieben Häuser weiter westlich. Noch weiter westlich habe ich auch das Haus Dötschmannsplatz 13 eingezeichnet (oranges Rechteck ohne Nummer). Nun kann man auch die folgenden beiden Bilder in einen Zusammenhang setzen:

      70 . 75
      links: Wunderburggasse von Norden mit Nr. 19 im Vordergrund; rechts: Wunderburggasse von Norden bei der Einmündung der ehemaligen Prechtelsgasse mit den Eckhäuser Prechtelsgasse 12 (rechts) und 10 (links) (Quelle: bildindex der Kunst und Architektur)


      Die beiden hellen Häuser im Hintergrund des linken Bildes sind demnach das Veit-Stoss-Haus (Nr. 7) und das Eckhaus Prechtelsgasse 12, welche im rechten Bild mit freigelegtem Fachwerk abgebildet sind. Und ganz im Hintergrund des linken Bildes knapp sichtbar das 1932 ebenfalls noch verputzte Eckhaus Prechtelsgasse 10 (tatsächlich mein aktuelles Avatar)!


      baukunst-nbg wrote:

      Ich glaube, auch Bedal ist hier möglicherweise durcheinandergekommen. Denn er beschreibt Wunderburggasse 5 als "dreigeschossiges Eckhaus, nachträglich einseitig aufgestockt", und Prechtelsgasse 10 (auch?) als viergeschossiges, ursprg. nur dreigeschossiges Traufenhaus". Wohl meint er in letzterem Falle ein anschließendes, für uns nicht mehr sichtbares Haus in der Prechtelsgasse, das im Zusammenhang mit dem Eckhaus aufgestockt wurde (wg. "Traufenhaus").


      Wunderburggasse 5 war doch ein dreigeschossiges Eckhaus (gemäss Planausschnitt lag südlich ein Hof?), hingegen kann man auf der Abbildung nichts von einer Aufstockung erkennen. Und Prechtelsgasse 10 war doch tatsächlich ein viergeschossiges, ursprg. nur dreigeschossiges Traufenhaus (der Hauseingang lag wahrscheinlich an der Prechtelsgasse, und demnach ist es ein traufständiges Haus, auch wenn es einen markanten Giebel zur Wunderburggasse zeigte; die Türe zur Wunderburggasse dürfte nur zu einem Erdgeschosslokal geführt haben).

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    • Der grösste Eingriff beim Wiederaufbau war demnach die Neuanlage der Martin-Treu-Strasse


      Ah, das verstehe ich jetzt auch. Ich hatte mich auch schon immer über den Namen gewundert, weil er so untypisch für die Altstadt ist.

      Was große Eingriffe angeht, wäre aber auch nicht zu vergessen die Verbreiterung des Heugäßchens (im Plan-Ausschnitt ganz links unten) um das fast siebenfache (!).
    • Bedal hat aber bei Eckhäusern auch meist Eckhaus geschrieben und nicht Traufenhaus. Die Beschreibung zu Nr. 5 würde nämlich m. E. mehr zu Prechtelsgasse 10 passen. Aber was soll's, spekulieren können wir hier natürlich jede Menge. Hier nochmal zur Verdeutlichung die Hausnummern:



      Bevor ich mich wieder mal verabschiede, noch zwei Karten, einmal zur Waaggasse 11 und zum Dötschmannsplatz.





      Bis bald!
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    • Vielen Dank für die Hausnummernzuordnung und die Kartenausschnitte!


      Dazu als Wochenend-Lebkuchen noch zwei Zeichnungen zu Wunderburggasse 19:


      Wunderburggasse 19; Umzeichnung des Fachwerks aus Photographien
      rot = ursprüngliches Fachwerk (16. Jh.?), weiss = Fachwerk des 19. Jahrhunderts




      Wunderburggasse 19; Umzeichnung des Fachwerks mit Eintragung der mutmasslichen Verstrebung


      Es sind zwar nicht alle Befunde gesichert und vollständig, da die Zeichnungen auf den relativ unscharfen Photos der vorangegangenen Beiträge basieren. Aber sie sollen einen Eindruck von überkreuzten Streben in Kombination mit Fuss- und Kopfbändern vermitteln.

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    • Erste Auslegeordnung über die Verstrebungsformen

      von der Gotik bis ins 19. Jahrhundert


      Nur schon das genaue Beobachten von bestehenden und photographisch dokumentierten Fachwerkfassaden ermöglicht es, verwandte Fachwerke zu ordnen. Bei den bisherigen Betrachtungen einzelner Bauten haben wir immer wieder Vergleiche mit andern Bauten angestellt, und daher folgt jetzt eine Übersicht über die charakteristischen Verstrebungsarten. Es sind bereits auch andere Verstrebungen aufgeführt, welche bisher hier noch nicht behandelt worden sind.

      Denselben Weg könnte man auch mit anderen Details wie Fenstererker, Dachstühle, Dacherker etc. gehen, um so das Bild über die Entwicklung des Fachwerks in Nürnberg zu verfeinern. Über die Dacherker gibt es meines Wissens eine Abhandlung, und, wie vor kurzem hier von baukunst-nbg verlinkt:
      Altstadtberichte 1994: Wie alt sind die Halbwalmdächer in der Nürnberger Altstadt?, S. 75-88

      Fensteröffnungen sind bewusst noch nicht eingezeichnet, da ich noch keine Kenntnisse über die Fensterformate der ältesten Fachwerke besitze, und weil die Fenster je nach Raumwertigkeit und Geschosshöhen variieren konnten. Bei den älteren Fachwerken kann man meist von einem durchgehenden, zwischen die Pfosten eingesetzten Sturzriegel ausgehen; bei niedrigen Raumhöhen bildet der Rähm selbst den Sturz. Durch Fensterpfosten, welche zwischen den Brust- und Sturzriegel eingespannt sind, ergeben sich dann die Einer- bis Reihenfenster. Später laufen die Fensterpfosten bis zum Rähm durch, und zwischen ihnen sind dann die kürzeren Sturzriegel eingelassen. Wann dieser Wechsel stattgefunden hat, ist schwierig nachzuvollziehen, da die meisten sichtbaren Fensteröffnungen im Verlauf der Zeit immer wieder verändert worden sind.

      Die gewählte Reihenfolge widerspiegelt noch keine definitive Chronologie, sondern wurde nach einem möglichen Entwicklungsverlauf der Verstrebungsformen aufgestellt. Die urtümlichste Verstrebungsform mit kurzen Bändern an allen Ecken hat sich aus konstruktiven Gründen bei den Fenstererkern noch sehr lange gehalten, während sich die Verstrebungen weiterentwickelt hatten.

      Auch vermute ich zwischen der dritten Form (Verstrebung mit angeblatteten verdoppelten Fussbändern und kurzen Kopfbändern) und vierten Form (Verstrebung mit angeblatteten, überkreuzten Fuss- und Kopfbändern) eine zeitliche Verwandtschaft, als sich der Fränkische Einfluss im alemannischen Fachwerk bemerkbar machte. In der Folge resultierte daraus die K-Verstrebung, wobei die alemannische Ausbildung der Fenster mit durchgehenden Brust- und Sturzriegel noch lange beibehalten worden war.

      Zu den Beispielen: die Liste ist nicht vollständig, sie ist lediglich mal wie ein Notizzettel für mich, damit ich bei Bedarf einige Angaben habe, wo weiterzusuchen ist. Die Liste werde ich laufend ergänzen, insbesondere auch mit nachgewiesenen Baudaten und Beispielen bestehender Bauten.

      (edit. 17.5.2014:
      Die Links zu den Beispielen funktionieren infolge Änderung des Hauptforumslinks nicht mehr. Die Beispiele können aber auf der ersten Seite dieses Stranges, wo die Links berichtigt sind, aufgerufen werden)



      Verstrebung mit angeblatteten kurzen Fuss- und Kopfbändern:



      - Burgstr. 27 (zerstört)
      - Halbwachsengässchen 1 (zerstört)
      - Obere Schmiedgasse 64/66 "Pilatushaus" (Vollgeschosse)
      - Weinstadel

      Untertyp: nur kurze Fussbänder an allen Stockwerken infolge Fenstererker (Kopfbänder evtl. durch Erkervormauerung verdeckt)
      - Albrecht-Dürer-Str. 24 (Vorderseite)
      - Am Ölberg 9
      - Schildgasse Nr. ? (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - Winklerstrasse 27 (Hof)



      Verstrebung mit angeblatteten hohen Fussbändern und kurzen Kopfbändern:



      - Albrecht-Dürer-Str. 6
      - Albrecht-Dürer-Str. ? (Dürerhaus)
      - Am Ölberg 3 (?) (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - Augustinerstr. 7 (2. OG)
      - Bergstr. 14 (2. OG)
      - Paniersplatz 20, "Grolandhaus" (2./3. OG, zerstört)
      - Peuntgasse (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - Tetzelgasse Nr. ? (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - Weißgerbergasse 10, 1. Teil, 2. Teil (2. OG)



      Verstrebung mit angeblatteten verdoppelten Fussbändern und kurzen Kopfbändern:



      - Am Ölberg 1 (zerstört)
      - Am Ölberg 1 (Giebelfeld)
      - Rathausplatz 11 (zerstört)
      - Obstmarkt 1 (zerstört)
      - Prechtelsgasse 10 (zerstört)
      - Sachs-Gasse, Sachshaus (überrestauriert?, zerstört)
      - Unschlittplatz 8
      - Untere Kreuzgasse Nr. ?



      Verstrebung mit angeblatteten, überkreuzten Fuss- und Kopfbändern (X-Streben):



      - Bindergasse 1, "Zum Gläsernen Himmel"
      - Hintere Beckschlagergasse 22, 1. Teil, 2. Teil (zerstört)
      - Irrerstr. 9
      - Prechtelsgasse 12 (zerstört)
      - Unschlittplatz 14 (zerstört)
      - Waaggasse 11 (zerstört)

      Spezialfälle:
      - Ludwigstr. 74, 1. Teil, 2. Teil (2. OG)
      - Mühlgasse 2
      - Wunderburggasse 19, 1. Teil, 2. Teil, 3. Teil (zerstört)



      Verstrebung mit eingezapften hohen Fuss- und kurzen Kopfstreben (K-Streben):



      - Augustinerstr. 5
      - Albrecht-Dürer-Str. 24 (Rückseite)
      - Am Ölberg 31
      - Dötschmannsplatz 13 (Martin-Treu-Str./Leonhardsgässchen) (zerstört)
      - Obere Schmiedgasse 64/66 "Pilatushaus" (Giebelgeschosse)
      - Obere Talgasse, 3 zerstörte Gebäude aus Bildindex
      - Oberer Bergauerplatz, zerstörtes Gebäude aus Bildindex
      - Paniersplatz 20, "Grolandhaus" (4. OG, zerstört)
      - Schulgasse Nr. ? (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - "Hexenhäusla" am Vestnertor

      spezielle Bemerkungen:
      - breites Haus östlich vom Dürerhaus: 19. Jh.?



      Verstrebung mit aneinandergereihten Schmuckgliedern in der ganzen Brüstung:



      - Manggasse 3 (Mulzer-Artikel)
      - Untere Schmiedgasse Nr. ? (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - div. Dacherker
      - div. Hofgalerien (z.B. Winklerstrasse Nr. ? (zerstörtes Haus aus Bildindex)



      Verstrebung mit Schmuckgliedern nur unter den Fenstern:



      - Lammsgasse 10 (Hof) (Mulzer-Artikel)
      - Obere Wörthstrasse 21
      - div. Dacherker



      Verstrebung mit einzelnen Brüstungsstreben:
      (konstruktives Fachwerk, für Verputz bestimmt)



      - Adlerstr. 18
      - Geiersberg 2
      - Bergstrasse Nr. ? (Eckhaus zur Oberen Schmiedgasse)
      - Geiersberg 17 (2. OG)
      - Halbwachsengässchen 1 (Nachbarhaus des "Goldenen Posthorns", zerstört)
      - Pfeifergasse (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - Weissgerbergasse (diverse)



      Verstrebung mit wandhohen Streben:
      (konstruktives Fachwerk, für Verputz bestimmt)



      - Obstmarkt 1 (1. OG, zerstört)
      - Unschlittplatz 8 (3. OG)
      - Weissgerbergasse (diverse)
      - Wunderburggasse 19, 1. Teil, 2. Teil, 3. Teil (zerstört)



      Überhaupt keine Verstrebung:
      (konstruktives Fachwerk, für Verputz bestimmt, meist bei Umbauten)

      - Adlerstr. 20
      - Augustinerstr. 15
      - Obere Schmiedgasse 56(?) (nur Vorderfassade)
      - Untere Krämersgasse Nr. ? (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - Vordere Landauergasse Nr. ? (zerstörtes Haus aus Bildindex)
      - Wunderburggasse 7 (Wohnhaus Veit Stoss, zerstört)

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    • Obere Schmiedgasse 64/66, "Pilatushaus"
      (erbaut 1489, Dach 1596)



      Pilatushaus (Photo von baukunst-nbg)

      Das Pilatushaus habe ich schon einmal in einem Beitrag (28.7) kurz erläutert, allerdings mehr in Bezug auf den Fenstererker und das Dach.


      1. - 3. Obergeschoss:

      Der einzige "Schmuck" am Fachwerk der Vollgeschosse sind die angeblatteten kurzen Fuss- und Kopfbänder, und zwar beidseits von jedem Eck- und Bundpfosten. Kopfbander sind auch am 3. Obergeschoss hinter den Fenstererkern vorhanden, wobei sie an den Eckpfosten eigenartigerweise fehlen (nur ersichtlich bei der Frontalansicht).

      Alle Bänder habe eine normale Breite. Bei andern Gebäuden sind die Fussbänder bei Wandpartien mit Fenstererkern oft sehr breit, was ihnen einen sehr altertümlichen Eindruck verleiht (Grolandhaus, Waaggasse 11, Wunderburggasse 19). Beim Pilatushaus sind die Fussbänder am 3. Obergeschoss nicht breiter als üblich, und hier kennen wir mit 1489 auch ein verlässliches Baudatum. Somit sieht man, dass von einer altertümlich anmutenden Form nicht auch auf ein sehr hohes Alter geschlossen werden darf (ich meine damit 13. und 14. Jahrhundert)!

      Weiter fällt auf, dass alle Kopfbänder ein bisschen kleiner als die Fussbänder sind; ein vordergründig unwichtiges Detail, aber vielleicht stellt man dies einmal auch bei einem anderen Objekt fest, und kann dann das Pilatushaus zu einem Vergleich heranziehen.

      Seine Fassaden sind im 18./19. Jahrhundert sehr stark verändert worden, aber vielleicht erkennt man von aussen in den Ständern noch Spuren des ursprünglichen Zustandes. Von ihm habe ich noch eine interessante Aufnahme im verputzten Zustand gefunden:

      Vergrösserung
      Pilatushaus im verputzten Zustand (links) (Quelle: bildindex der Kunst und Architektur)

      Auf Bodenhöhe zwischen dem 2. und 3. Obergeschoss ist ein Vorsprung erkennbar. Das 3. Obergeschoss kragt aber nicht aus, wie man auf dem nachstehenden Photo nach der Freilegung des Fachwerks sehen kann. Nur der Fenstererker steht vor. Der Schattenwurf an den Stürzen der drei Giebelfenster ist aber grösser als bei den unteren, und es fehlt auch der Dachvorsprung. Vor dem Verputzen des Fachwerks wurden zuerst die Brüstungspartie unterhalb der Fenstererker sowie das ganze Giebeldreieck mit Backsteinen vorgemauert. Diese Vormauerungen sind heute wieder entfernt. Die Folge ist aber, dass der umlaufende Fenstererker heute wahrscheinlich nicht mehr in der ursprünglichen Form besteht (fehlende Konsolen und oberer Abschluss) und deshalb nicht mehr im Detail mit jenem am Grolandhaus verglichen werden kann.

      Vergrösserung
      Pilatushaus (Quelle: bildindex der Kunst und Architektur)


      Die axiale Fenstergliederung machte auch vor dem Fenstererker nicht halt. Da die originalen Eck- und Bundpfosten ebenfalls in regelmässigen Abständen angeordnet sind, macht die Fassade keinen verwirrenden Eindruck, wie das bei andern stark veränderten Fachwerken sonst der Fall ist. Zum ursprünglichen Fachwerk zählen alle Schwellen, Rähme und Pfosten samt Bändern. Im 3. Obergeschoss dürfte auch der Fenstererker samt den Brüstungen mit nur einem Pföstchen dem Originalbestand angehören. Alle Wandpartien innerhalb der "Achtecke" des 1. und 2. Obergeschosses zeugen vom Umbau des 18./19. Jahrhunderts. Es wäre möglich, dass auch an diesen beiden Geschossen einst Fenstererker sassen; vielleicht lassen sich noch Spuren davon an den Pfosten finden.


      Dachgeschosse:

      Das Giebeldreieck zeigt in der Tat ein verwandtes Fachwerk mit jenem im Giebel des Grolandhauses. Somit hätten wir mit 1596 ein erstes mögliches Datum für diese Verstrebungsart, wenn man die Denkmalliste zu Hilfe nimmt (Haus Nr. 66 1489 (dendro.dat.) erbaut, Giebel bzw. Giebelgeschoss wohl nach 1596 (dendro.dat.) verändert). Es gibt aber noch zwei Details am Giebeldreieck festzuhalten: das 1. Dachgeschoss besteht aus einem liegenden Stuhl, denn in der Giebelwand sind liegende Stuhlsäulen erkennbar. Eigentümlich, und nicht zur Verstrebungsart mit Fuss- und Kopfstreben passend, sind die beiden die äusseren Pfosten kreuzenden wandhohen Bänder (oder Streben) im 2. Dachgeschoss. Diese Verstrebungsart passt eher zu stehenden Dachstühlen, und diese wiederum in die Zeit der Errichtung des Pilatushauses 1489.

      Was könnte nun der Grund für den Ersatz eines lediglich gut hundert Jahre alten Dachstuhls gewesen sein? Oder war es nur ein Umbau des ursprünglichen Dachstuhls? Von einem Raumgewinn gehe ich nicht aus, da auch für 1489 mit derselben Dachneigung gerechnet werden kann. In Frage käme aber ein Brand. Eine weitere Möglichkeit wäre noch die Entwicklung vom stehenden Stuhl zum liegenden Stuhl während dieser Zeitspanne. Ein liegender Stuhl ist technisch anspruchsvoller, aber im Gegensatz zum stehenden Stuhl bot er einen stützen- und schwellenfreien Dachraum, was der Lagerhaltung wiederum zu Gute kam. Dies könnte den Umbau des Dachstuhls veranlasst haben, und die beiden relativ nahe beieinander liegenden Dendrodaten sowie die beiden Verstrebungsformen an der Giebelwand erklären, wenn man das Haus nur von aussen zu Gesicht bekommt, nicht aber von innen.


      Um das zu verdeutlichen, habe ich die erwähnten erwähnten Strebenformationen farbig markiert:


      Ausschnitt aus MI07687c01a von bildindex der Kunst und Architektur

      Die Farben markieren keine Bauphasen, sondern heben nur die unterschiedlichen Verstrebungsarten hervor!

      rot: Im 1. Dachgeschoss erkennt man einen liegenden Dachstuhl an den von aussen sichtbaren liegenden Stuhlsäulen unmittelbar unter den Sparren. Das Giebelwandfeld selbst ist mit K-Streben ausgesteift. Im 2. Dachgeschoss sind ebenfalls K-Streben vorhanden, aber neben stehenden Stuhlsäulen. Die Wandpartien mit K-Streben dürften der Bauphase von 1596 angehören.

      orange: Die stehenden Stuhlsäulen im 2. Dachgeschoss sind mit Steigbändern ausgesteift. Normalerweise sind Steigbänder angeblattet, aber beim Pilatushaus konnte ich das noch nicht sehen. Die Anblattung ist die ältere Verbindungsform als die Verzapfung (wie bei den K-Streben), und deshalb vermute ich hier einen (wiederverwendeten?) Überrest des ursprünglichen Daches von 1489.

      Natürlich gibt es auch Übergangszeiten, während denen zwei unterschiedliche Konstruktionsformen am gleichen Haus vorkommen können. Ein Blick in den Dachstuhl könnte diese Frage der Gleichzeitigkeit oder der Teilwiederverwendung alter Bauteile klären.

      Zum Giebeltürmchen kann ich noch nicht viel sagen. Auffallend sind die kleinen Fussstreben; ob sie angeblattet oder eingezapft sind, ist aus den Photos nicht ersichtlich. Eingezapfte Fussstreben zusammen mit K-Streben kommen beispielsweise auch am Haus Dötschmannsplatz 13 vor.


      Fazit:

      - gleichmässige Pfostenstellung über alle drei Obergeschosse von 1489
      - an allen Pfosten beidseits angeblattete Fuss- und Kopfbänder
      - Kopfbänder ein bisschen kleiner als die Fussbänder
      - umlaufender Fenstererker am 3. Obergeschoss
      - in der Giebelwand K-Streben von 1596 und auch Steigbänder

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    • So, jetzt bin ich wieder da.

      Deine Theorie, daß das 1. und 2. OG früher auch komplett Fenstererker hatten, halte ich für durchaus glaubwürdig. Soweit ich mich erinnern kann, ist die Verwendung der kurzen Fußstreben sehr häufig im Zusammenhang mit Fenstererkern zu beobachten. Dein Satz, daß die "altertümliche" Form des Fachwerks mit kurzen Fußstreben nicht auf das Baualter hinweisen muß, wird insoweit relativiert, weil die Verwendung der kurzen Fußstreben auch zu einer insoweit späteren Zeit einen bestimmten Sinn hatte und nicht aus optischen Gründen gewählt wurde. Auch dies spricht für die "Fenstererker-Theorie"

      Ich habe mir eben nochmal die Balkenlage an der Traufseite angesehen. Im 3. OG - das mit den Fenstererkern - stimmen die Balken auffällig genau mit Pfosten, Fußstreben-Fußpunkt und Fensterpföstchen überein - ein ungewöhnlich regelmäßiges Bild, an anderen Häusern haben wir das m. E. bislang so nicht beobachtet. Im 2. OG sieht man insoweit die Abweichung, als die "innerhalb" der Achtecke liegenden "Fenster-Pföstchen" keinen Bezug zur Balkenlage mehr haben, jedoch noch die Pfosten und die Fußbänder. Die Decke unterhalb des 1. OG hat offenbar dünnere Balken als die darüberliegenden Geschosse! Hat dies evtl. mit einem späteren Bau der darüberliegenden Geschosse zu tun? Oder mit einer evtl. "Versteinerung" des Fußes? Auch ist die Beziehung dieser Balken zu den Streben und Pfosten darüber nicht so ausgeprägt wie im 2. und 3. OG.

      Vielen Dank auch für die hervorragende Aufstellung der verschiedenen Fachwerktypen. Ich meine, man könnte noch zwei Ergänzungen vornehmen: zum einen den Urtyp: nur Ständer mit großen Abständen, keine Fuß-, sondern nur Kopfbänder (Obere Schmiedgasse 54/56) sowie nicht nur als Untertyp den Vorläufer des Nürnberger K mit Riegeln, die bis zum Pfosten durchlaufen.

      Wunderbar im Wortsinn ist Deine Zeichnung der Wunderburggasse 19. Mir sind die Blattsitze gar nicht aufgefallen, mit denen wir auf die Verdopplungen ja auch so hätten aufmerksam werden können. Doch die Seitenansicht beweist ja die Plausibilität Deiner Rekonstruktion. Super! Ich glaube nicht, daß in Nürnberg dies schon jemals einer ausgearbeitet hat. Auch scheinen dickere Fußbänder gerne bei Fenstererkern verwendet worden zu sein.

      Aus meinem Archiv möchte ich noch einige Fotos von Details der Augustinerstraße 7 zeigen, mir sind spontan die Blattsassen in der Rähm des EG aufgefallen - wohl von einem früheren Fachwerk-EG. Außerdem auch hier wunderschöne kleine Konsolen und profiliertes Gesims am Fenstererker. Ich frage mich, was die "Balken in den Balken" des 3. OG sind?















      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
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    • Ich habe mir eben nochmal die Balkenlage an der Traufseite [Anm.: Pilatushaus] angesehen. Im 3. OG - das mit den Fenstererkern - stimmen die Balken auffällig genau mit Pfosten, Fußstreben-Fußpunkt und Fensterpföstchen überein - ein ungewöhnlich regelmäßiges Bild, an anderen Häusern haben wir das m. E. bislang so nicht beobachtet. Im 2. OG sieht man insoweit die Abweichung, als die "innerhalb" der Achtecke liegenden "Fenster-Pföstchen" keinen Bezug zur Balkenlage mehr haben, jedoch noch die Pfosten und die Fußbänder. Die Decke unterhalb des 1. OG hat offenbar dünnere Balken als die darüberliegenden Geschosse! Hat dies evtl. mit einem späteren Bau der darüberliegenden Geschosse zu tun? Oder mit einer evtl. "Versteinerung" des Fußes? Auch ist die Beziehung dieser Balken zu den Streben und Pfosten darüber nicht so ausgeprägt wie im 2. und 3. OG.

      Dass die Fussbänder Bezug auf die Balkenlage nehmen, denke ich, ist eher Zufall. Auch sind die Deckenbalken über dem Erdgeschoss nicht dünner als jene der höheren Balkenlagen, nur der Balkenabstand ist grösser. Meistens kann man enggelegte Balkenlagen über den Hauptstuben ausmachen. Oft läuft dann nur jeder zweite Balken durch das ganze Haus hindurch, und jeder andere zweite Balken verläuft dann nur über der Stube. Jedenfalls könnte man auch hier eine Systematik herausfinden (Stichworte):

      - Verlaufsrichtung
      - bei welchen Geschossen
      - über welchen Räumen
      - chronologische Erfassung


      Ich meine, man könnte noch zwei Ergänzungen [Anm.: zu den Fachwerktypen] vornehmen: zum einen den Urtyp: nur Ständer mit großen Abständen, keine Fuß-, sondern nur Kopfbänder (Obere Schmiedgasse 54/56) sowie nicht nur als Untertyp den Vorläufer des Nürnberger K mit Riegeln, die bis zum Pfosten durchlaufen.

      Diese zwei Typen gehören sicher dazu. Mulzer hat in seinem Artikel (s. Literaturangabe auf S. 1 dieses Stranges) auf S. 313 den "Urtyp" des Fachwerkhauses ohne Schwelle auch schon angetönt, aber keine bestehende Bauten mehr vorfinden können. Am Schluss des Artikels gibt es zwei Abbildungen von schwellenlosen Bauten. Abbildung 25 zeigt eine Zeichnung eines nicht näher bezeichneten Baus, dessen Ständer direkt auf Fundamentsteinen sitzen; Abbildung 26 zeigt einen Bauantragplan von 1608 für eine Aufstockung eines bestehenden Hauses, bei welchem ebenfalls keine Schwelle gezeichnet ist. Es kann sich hier allerdings auch um eine zeichnerische Ungenaugkeit handeln. Obere Schmiedgasse 54/56 scheint bisher das einzige bekannte Beispiel dieses Typs zu sein.

      Der andere Typ "K-Streben mit bis an die Pfosten reichenden Brustriegel" ist mir auch schon aufgefallen, und ich merke mir auch Beispiele hierzu. Diese Bauweise ist im Umland von Nürnberg häufiger anzutreffen.


      Aus meinem Archiv möchte ich noch einige Fotos von Details der Augustinerstraße 7 zeigen, mir sind spontan die Blattsassen in der Rähm des EG aufgefallen - wohl von einem früheren Fachwerk-EG. Außerdem auch hier wunderschöne kleine Konsolen und profiliertes Gesims am Fenstererker. Ich frage mich, was die "Balken in den Balken" des 3. OG sind?

      (EG)

      (2./3. OG)


      Ein sehr schön restauriertes Haus, und dazu noch mit praktisch unveränderten Fensteröffnungen! Es verdiente eine genauere Vorstellung - doch zu einem späteren Zeitpunkt! Insbesondere quillt der Verputz am 2. und 3. Obergeschoss nicht so schokoladetäfelchenartig hervor, so wie bei früher restaurierten Fachwerkbauten. Dies hat damit zu tun, dass heute wieder vermehrt Kalkputze Anwendung finden, und nicht mehr Zementputze, welche viel dicker aufgetragen werden mussten.

      Die Blattsassen am Erdgeschoss sind wirklich bemerkenswert; am rechten Fassadendrittel sind drei solche erkennbar, und alle verlaufen nach rechts! Ich denke, dass hinter dem Schild "die bar" die Gegenstücke dazu versteckt sind.

      Und nun zu den "Balken in den Balken" des 3. OG's: anhand der Verstrebung und Verzapfung erkennt man, dass das 3. Obergeschoss nachträglich aufgestockt worden ist. In die Balkenlage über dem 2. Obergeschoss waren die Sparren des ursprünglichen Daches eingezapft. Aus bautechnischen Gründen (Abscheren) standen horizontal beanspruchte Balken (durch den Druck der Sparren nach aussen) ca. 10 cm über die Fassade vor (diese 10 cm werden "Vorholz" genannt). Die Oberfläche der Sparren fluchtete am Fusspunkt mit der Fassadenebene. Als dann das Haus aufgestockt wurde (oder erst beim Verputzen des Hauses), wurden die vorstehenden Balkenköpfe fassadenbündig abgesägt, wodurch das Zapfenloch für den Sparren angeschnitten wurde. Dieses Zapfenloch wurde dann mit einem Holzklötzchen ausgefüllt. Siehe dazu das Detailbild des Pilatushauses oben; auch dort habe ich dieses Vorholz am Dachfuss eingezeichnet.

      Dieses Detail ist ein sehr wichtiges bei der Bauforschung, und man kann so auch die ungefähre Neigung von vor Jahrhunderten verschwundenen Dächern bestimmen, auch wenn nur die Fassade renoviert wird (die Dachneigungen sind meist bei den Haustrennwänden besser ersichtlich, sofern der Randsparren nicht entfernt worden ist). Ich zeige dies anhand eines Beispiels aus St. Gallen, wenn auch nur sehr klein angedeutet. Betrachte dazu die untere Ecke:
      Der dunkelbraune Sparren blieb bei der Aufstockung des ockerfarbenen Geschosses in der Haustrennwand noch erhalten. Beim Absägen des Vorholzes und des Sparrens (seine Oberfläche fluchtete nicht mit der Fassade, sondern stand weiter vor) wurde die Zapfenverbindung sichtbar.
      Dasselbe geschah bei der Aufstockung der roten Bauphase wieder (richtigerweise eine Erhöhung des ockerfarbenen Geschosses). Die Deckenbalken und Sparren der ockerfarbenen Bauphase waren miteinander verblattet, und nicht verzapft wie bei der braunen Bauphase.


      Baugeschichtliche Untersuchung Turmgasse 8 in St. Gallen (CH): Aufnahme 3. OG/DG, 1997


      .
      links: Detail aus obigem Aufnahmeplan der westlichen Ecke; rechts: selbes Detail (Eckpfosten) aus dem Fassadenaufnahmeplan

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    • @Riegel: Die Erklärung mit den angeschnittenen Balken und Sparrenlöchern ist sehr spannend, vielen Dank für den Hinweis. Es ist geradezu faszinierend, was man an einer freiliegenden Fachwerkfassade alles lesen kann, wie in einem offenen Buch.

      Gleich nebenan (Augustinerstr. 5) finden wir übrigens eine Kombination der durchlaufenden Riegel mit K-Streben und Andreaskreuze. Die darunterliegenden Geschosse sind (sinnvollerweise) verputzt geblieben.



      @William: Das paßt meine ich thematisch besser in den "Wiederaufbau"-Strang. Vielleicht könntest Du das dort nochmal ansprechen.
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    • Gut, dass Du gerade ein Beispiel von K-Streben mit bis an die Pfosten reichenden Riegeln zeigst. Du hast zwar geschrieben "durchlaufende Riegel mit K-Streben", aber die Riegel sind ja gerade nicht mehr durchlaufend! Wohl laufen sie bis an die Pfosten, und das ist ja der Unterschied zur älteren Form der K-Streben mit nicht bis an die Pfosten durchgehende Brustriegel. Aber sie werden hier durch ein tieferes Fenster unterbrochen. Die Fensterpfosten verlaufen von der Schwelle bis zum Rähm, und somit macht sich bereits das Fachwerk des 18. Jahrhunderts bemerkbar. Ein weitere Hilfe für die Datierung könnten die Andreaskreuze sein. Solche kommen zwar bereits am Weinstadel (1446/48 ) und am Dürerhaus (Aufstockung von 1502) vor, aber in ihrer einfachen Form hatten sie eher gegen das 18. Jahrhundert hin ihre Hochblüte.

      Diese Verstrebungsform von K-Streben mit unterbrochenem Brustriegel könnte als weitere Gruppe bezeichnet werden. Somit hätten wir:

      Verstrebung mit eingezapften hohen Fuss- und kurzen Kopfstreben (K-Streben):
      - K-Streben mit durchgehendem, nur bis an die Fussstreben reichendem Brustriegel (Dötschmannsplatz 13)
      - K-Streben mit durchgehendem, bis an die Pfosten reichendem Brustriegel ()
      - K-Streben mit unterbrochenem, bis an die Pfosten reichendem Brustriegel (Augustinerstr. 5)
    • Schon richtig, daß die Brustriegel nicht durchlaufen, sondern unterbrochen sind, und dennoch bis an die Pfosten reichen.

      Aber Augustinerstr. 7, 2. Stock, sehe ich nicht als K-Streben, weil die Kopfstreben am Pfosten und nicht an der Fußstrebe beginnen.

      Zu der Dichte der Balkenlage habe ich noch ein schönes Beispiel gefunden, Mostgasse 2:



      Die von mir gemeinte Stelle ist mit Pfeilen gekennzeichnet. Im Geschoß darunter sieht man die größeren Balkenabstände. Das weist offensichtlich auf die Stube hin. Aufgrund der fehlenden Kopfstreben stelle ich die Theorie auf, daß - unabhängig von späteren Veränderungen des Fachwerks - früher hier ein Fenstererker gewesen sein könnte.

      Im Giebelfeld übrigens auch hier K-Streben mit Riegeln, die bis zum Pfosten reichen.

      Des weiteren stützt das auch die Erkenntnis, daß die Traufseite bei Eckhäusern oft Reste ursprünglicher Konstruktion aufweist.

      Ein weiteres interessantes Objekt ist Unschlittplatz 8, wobei ich aber meine Beobachtungen auf später verschieben muß. Immerhin sieht man hier verschiedene, vermutlich ältere Bauformen, und nicht zuletzt verdoppelte Fußstreben:

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    • "baukunst-nbg" wrote:

      Aber Augustinerstr. 7, 2. Stock, sehe ich nicht als K-Streben, weil die Kopfstreben am Pfosten und nicht an der Fußstrebe beginnen.

      Da hast Du natürlich recht; ich hatte im vorletzten Beitrag fälschlicherweise Augustinerstr. 7 als Beispiel für K-Streben angegeben... das muss ich natürlich ändern...

      Zu der Dichte der Balkenlage habe ich noch ein schönes Beispiel gefunden, Mostgasse 2: [...] Die von mir gemeinte Stelle ist mit Pfeilen gekennzeichnet. Im Geschoß darunter sieht man die größeren Balkenabstände. Das weist offensichtlich auf die Stube hin.

      Genau!

      Aufgrund der fehlenden Kopfstreben stelle ich die Theorie auf, daß - unabhängig von späteren Veränderungen des Fachwerks - früher hier ein Fenstererker gewesen sein könnte.

      Ich bin mir da nicht so sicher, da ich vermute, dass das ganze Haus (abgesehen von der Fensterteilung des 19. Jahrhunderts) erst im 17. Jahrhundert entstanden ist. Zuerst müsste man schauen, ob es sich um eingezapfte Fussstreben oder angeblattete Fussbänder handelt. Erstere würden auf das 17. Jahrhundert hinweisen - auf eine Zeit, in welcher m.E. keine Fenstererker mehr erstellt wurden. Auch falls es sich um angeblattete Fussbänder handeln sollte, glaube ich eher nicht an Fenstererker, da sie eine normale Breite aufweisen. Bei Fenstererker konnten wir doch meist sehr breite Fussbänder feststellen!

      Im Giebelfeld übrigens auch hier K-Streben mit Riegeln, die bis zum Pfosten reichen.

      Wie ich gestern schrieb, kann man diese Form vor allem im Umland von Nürnberg feststellen. Dort handelt es sich jedoch meistens um Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, und somit vermute ich, dass diese Form die jüngere ist als die Form "K-Streben mit nur bis an die Fussstreben reichendem Brustriegel".

      Des weiteren stützt das auch die Erkenntnis, daß die Traufseite bei Eckhäusern oft Reste ursprünglicher Konstruktion aufweist.

      Ich würde das aber nicht als Regel festhalten. Die Hauptfassade bei Eckhäusern zu bestimmen ist nicht immer einfach. In der Regel befindet sich der Hauseingang an der Traufseite, und demnach ist ein Gebäude auch zu jener anliegenden Gasse zugehörig nummeriert (mal abgesehen von repräsentativen Gebäuden wie das "Pellerhaus" oder Kopfbauten). Eine Rolle, welches die "Schokoladenseite" eines Hauses ist, spielt auch die Ausrichtung nach der Sonne. Bei Wunderburggasse 19 ist die Giebelseite besser besonnt, und wahrscheinlich auch wegen der repräsentativeren Lage zu einem kleinen Platz wurde hier die Giebelseite aufwändiger gestaltet und dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Bei Prechtelsgasse 10 ist die Bestimmung der Hauptfassade schon schwieriger. Beide Seiten (gegen Osten und Norden) waren nicht gut besonnt, und wohl deshalb hatte sich keine eigentliche "Schokoladenseite" herausgebildet. Der Hauseingang befand sich traufseits an der schmaleren Prechtelsgasse, und nicht giebelseits an der breiteren Wunderburggasse. Beide Seiten wurden im 19. Jahrhundert nur "halbherzig modernisiert". Bei Dötschmannsplatz 13 befand sich der Hauseingang auf der Giebelseite; die Hauptfassade war hier aber eindeutig die Traufseite.
      Bei Wunderburggasse 19 hat sich also mehr ursprüngliche Bausubstanz an der Traufseite erhalten, bei Dötschmannsplatz 13 hingegen auf der Giebelseite.

      Bin gespannt auf deine Ausführungen zu Unschlittplatz 8!
    • Zu Unschlittplatz 8 nur soviel:



      - EG war wohl früher Fachwerk, auch hier Blattsitze schwach aber eindeutig an der Rähm oberhalb der Sandsteine zu erkennen

      - 1. OG mit angeblatteten Fußstreben bzw. Fuß- und Kopfbügen; die Lage der dicken Fußbüge zeigt evtl. an, wo Bohlenstuben lagen, ob Fenstererker ebenfalls vorhanden waren, kann ich nicht sagen.

      - 2. OG ziemlich regelmäßig mit angeblatteten Fuß- und ziemlich kurzen Kopfbändern, Fußbändern an den Hausecken verdoppelt, mit relativ deutlich vorstehenden Balken überhängend; sehe ich das richtig oder sind hier wie teils im EG die Pfosten verdoppelt?

      3. OG/Dach wohl spätes 18./wahrscheinlich erst 19. Jh?


      Ich vermute jetzt mal, daß 1. u. 2. OG gleichzeitig entstanden sind, aber sicher bin ich mir da keineswegs.
      Mal sehen, ob ich war gelernt habe. Leider kenne ich die Seitenansicht nicht auswendig.
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    • Bemerkenswert finde ich das linke Wandfeld des 1. Obergeschosses; links ist es mit einem grossen Fussband verstrebt, und rechts mit einem sehr breiten Fussband (wie sie normalerweise bei Fenstererker anzutreffen sind) - sehr aussergewöhnlich! Bei den anderen beiden Feldern mit breiten Fussbändern an allen Ecken vermute ich auch einstige Fenstererker. Vielleicht sieht man noch Spuren davon in den Pfosten? Das ist ein Punkt, welchen ich näher betrachten werde, wenn ich die Häuser eins zu eins zu Gesicht bekomme.

      Weiter bemerkenswert ist auch die Auskragung des 2. Obergeschosses, was in Nürnberg selten anzutreffen ist.

      Ich vermute, dass bei der Restaurierung zu Beginn der Siebziger Jahre einiges an dieser Fassade rekonstruiert worden ist, weshalb ich noch vorsichtig mit einer Beschreibung bin. Beispielsweise fällt auf, dass die Sturzriegel des 1. Obergeschosses exakt waagrecht eingebaut sind, während der Rähm darüber nach links ansteigt. Somit können diese Sturzriegel nicht dem Originalbestand angehören, denn diese hätten sonst die Senkung des Hauses mitmachen müssen.

      "baukunst-nbg" wrote:

      - 2. OG [...] sehe ich das richtig oder sind hier wie teils im EG die Pfosten verdoppelt?

      Meintest Du anstatt "EG" das "1. OG"? Diese anscheinende Pfostenverdoppelung ist mir auch aufgefallen; könnten es aber nicht auch breite Pfosten mit einem Schwindriss in der Mitte sein?
    • Halbwachsengäßchen 1 (Nachbarhaus des "Goldenen Posthorns")


      In dieselbe Gruppe wie das Pilatushaus mit kurzen Fuss- und Kopfbändern gehören zwei Bauten, welche im 19. Jahrhundert stark verändert worden sind, und heute nicht mehr bestehen. Es handelt sich um ein Haus am Rathausplatz und um das Eckhaus Burgstrasse/Obere Schmiedgasse.


      Vergrösserung
      Aufnahme vom Chor von St. Sebald Richtung Norden (Quelle: bildindex der Kunst und Architektur)


      Über einem gemauerten Erdgeschoss erheben sich vier Fachwerkgeschosse und drei Dachgeschosse. Unter der Annahme eines Kellers umfasste dieses nur wenig tiefe Haus neun Geschossebenen! Vor allem das 1. und 2. Obergeschoss hatten sich gegen den Rathausplatz zu geneigt, und wohl deshalb wurde das Fachwerk im 1. Obergeschoss der Giebelseite durch Mauerwerk ersetzt.

      Die ersten drei Fachwerkgeschosse sind stockwerksweise abgezimmert, und mit kleinen, angeblatteten Fuss- und Kopfbändern ausgesteift. Ob ursprünglich an allen Ecken Bänder angebracht waren, lässt sich anhand der Aufnahme nicht bestimmen. Auch eine Systematik über ihre Grösse lässt sich wegen der geringen Anzahl nicht feststellen (kleinere Kopfbänder als Fussbänder wie beim Pilatushaus). Die Bundpfosten stehen übereinander, und beziehen sich auf die Deckenbalken. Über jedem Geschoss besteht eine enggelegte Balkendecke! Die Fenster haben ein klassizistisches Format, und sind axial gegliedert. Dazu passt auch das konstruktive, mit einem Verputz rechnende Fachwerk mit einfachen Brüstungsstreben und geschosshohen Wandstreben. Es fällt auf, dass alle Streben so angeordnet sind, als wenn sie das Haus gegen das "Goldene Posthorn" (links) drücken wollten.

      Das 4. Obergeschoss ist niedriger, und besitzt keine Eckbänder, und erweist sich demnach als Aufstockung. Unter dem linken Fenster sitzen zwei eingezapfte Brüstungsstreben (Typ Dötschmannsplatz 13), und rechts davon eine geschosshohe Wandstrebe. Diese hat allerdings einen dickeren Querschnitt als die Balken des 19. Jahrhunderts. Da sie auch unter das rechte Fenster reicht, sehe ich sie als ursprünglich an. Das Fachwerk dieses Stockwerks ist in Analogie zu andern Bauten auf Sicht bestimmt. Die Fläche rechts aussen könnte auch im 19. Jahrhundert verändert worden sein, da sie keinen durchlaufenden Brustriegel aufweist, sondern nur einen Riegel auf halber Geschosshöhe. Vermutlich wurde die ursprüngliche Strebe in die andere Richtung gedreht, um auch dieses Geschoss ans Nachbarhaus zu drücken.

      In einem möglichen Bauphasenplan sieht dies so aus:


      Entzerrter Ausschnitt aus obiger Aufnahme
      orange=Kernbau (15. Jh.?); rot=Aufstockung (17. Jh.?); blau=Veränderungen 19. Jh.

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