Fachwerkbauten in Nürnberg

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Die Partie zwischen dem roten F und H ist mir noch schleierhaft. Das, was man heute dort sieht, ist ja keine echte Mauer, sondern ein Gebäude in Form einer sehr dicken Mauer. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass Turm H ein Bunker sei... aber es ist auch möglich, dass der ganze Komplex der drei Türme und "Mauerpartien" dazwischen ein Bunker ist. Die Bildindex-Bilder sind mir auch schleierhaft... mal sehe ich dort auf Bildern kurz nach 1945 eine Lücke mit Resten von zerstörten Hausfassaden, und auf einem andern eine geschlossene Mauer. Just in diesem Abschnitt stand - halbwegs im Zwinger, halbwegs im Graben - ein grosses Haus aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.

      Der Frage möchte ich dann mal in einem speziellen Strang zur Stadtmauer nachgehen, und nicht schon hier im Fachwerkstrang. Trotzdem möchte ich hier vier Bilder mit provisorischem Kurzkommentar zeigen, damit man einen Eindruck von den Beschädigungen erhält, und auch einen Eindruck, wie schwierig die Bildinhalte zu interpretieren sind. Die Bildangaben von Bildindex stimmen alle, was leider keine Selbstverständlichkeit ist.

      Vergrösserung (Bildquelle:bildindex.de)
      Hinter der Lücke folgt das rote "E" und dann "F". Hinter dem "F" scheint eine Mauer zu stehen. Ganz links das im Graben stehende Haus aus dem 19. Jahrhundert.


      Vergrösserung (Bildquelle:bildindex.de)
      Im Vordergrund das rote "E" und hinten dann das "F". Rechts hinter dem "F" scheinen Reste von Hausfassaden zu stehen, und links hinter dem "F" wieder das Haus aus dem 19. Jahrhundert.


      Vergrösserung (Bildquelle:bildindex.de)
      Im Vordergrund der Grabenturm IX, dahinter das rote "E", und links davon das rote "F". Links vom "F" sieht man wieder eine Mauer.


      Vergrösserung (Bildquelle:bildindex.de)
      In der Mitte das rote "J", und rechts davon das rote "G". Rechts vom "G" scheint wieder eine Mauer zu stehen (gemeint ist nicht das niedrige Gebäude quer im Graben und Zwinger). Hinter dem niedrigen Gebäude wiederum das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert.
    • Über diesen Bunker ("Hochbunker am Färbertor 27") findet man im Netz fast nichts. Ein Link ist aber aufschlussreich:
      geschichtsspuren.de/datenbanke…hbunker-Färbertor-27.html
      Demnach wurde er in den ersten Jahren des 2. Weltkriegs anstelle der Stadtmauer errichtet und als solche wieder "getarnt".

      (edit. 23.5.2014: der Bunker wurde nicht anstelle der Stadtmauer errichtet, denn die Stadtmauer wurde in diesem Bereich bereits in den 1880er jahren abgebrochen >> siehe nächste Beiträge)

      Eigenartigerweise findet man in der Bayerischen Denkmalliste keinen einzigen Hinweis dazu.

      Für weitere Recherchen merke ich mir mal den Förderverein Nürnberger Felsengänge E.V. . Folgend ein Hinweis auf eine Seite von ihnen:
      felsengaenge-nuernberg.de/presse/2009/08072009.html

      Der Zusammenhang mit den Bildindex-Bildern im vorletzten Beitrag erschliesst sich mir noch nicht recht, insbesondere das zweite Bild. Vielleicht wurde es schon vor 1946 aufgenommen, als der Bunker noch nicht stand. Auf den andern drei Bildern scheint er bereits zu bestehen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Riegel ()

    • Rotes F ist historisch. Ob im Krieg beschädigt und danach wiederaufgebaut kann ich nicht sagen, aber jedenfalls nicht schon im 19. Jahrhundert abgerissen und im Krieg als Bunker wiederhergestellt.
      Der Bunker beginnt mit dem daran anschließenden Mauerabschnitt und endet mit Rotes H, wo sich der Zugang zum Bunker befindet. Daten und Bilder (v. a. vom Inneren) findet man beispielsweise unter geschichtsspuren.de/datenbanke…hbunker-Färbertor-27.html

      Der Bunker war übrigens vor einigen Monaten zu besichtigen:
      nordbayern.de/region/nuernberg…im-kalten-krieg-1.3364947
      felsengaenge-nuernberg.de/aktu…ngen-ab-2januar-2014.html

      Und um die Kurve zum eigentlichen Thema zurückzufinden: Das Fachwerk im Turm Rotes H stammt also sicher aus den frühen Vierzigern oder aus der Nachkriegszeit.
    • Riegel schrieb:

      Der Zusammenhang mit den Bildindex-Bildern im vorletzten Beitrag erschliesst sich mir noch nicht recht, insbesondere das zweite Bild. Vielleicht wurde es schon vor 1946 aufgenommen, als der Bunker noch nicht stand. Auf den andern drei Bildern scheint er bereits zu bestehen.
      Das Bild kann durchaus 1946 aufgenommen worden sein. Daß die Stadtmauer schon zu einem Zeitpunkt, zu dem der Bunker noch nicht gestanden hat, derartige Kriegsschäden hatte, ist äußerst unwahrscheinlich.
      Der fast völlig zerstörte Turm im Vordergrund müßte Rotes E sein, der rechte (mit dem Färberschulhaus im Hintergrund) rotes F. Rechts davon beginnt der Bunker, aber davon sieht man nichts, weil der Mauerrest des Hauses der Mauer gegenüber und die anschließende höhere erhaltene Mauer zum Nachbargebäude den Blick versperren.
    • Jetzt ist mir auch das zweite Bildindex-Bild klar. Man muss es wirklich fest vergrössern, damit man erkennt, dass die ruinösen Hausfassaden von den der Stadtmauer gegenüberliegenden Häusern stammten, und nicht in der Verlängerung der Stadtmauer standen. Die besonnte Abbruchkante lässt die Situation perspektivisch so erscheinen, als wenn eine Lücke zwischen dem Turm "rotes F" und den Fassaden bestünde.

      Und das Haus aus dem 19. Jahrhundert, dass im Graben stand, war in dem Fall das Färberschulhaus. Ist es möglich, dass der Stadtmauerabschnitt für den Schulhausbau abgerissen worden war?
    • Riegel schrieb:

      Und das Haus aus dem 19. Jahrhundert, dass im Graben stand, war in dem Fall das Färberschulhaus. Ist es möglich, dass der Stadtmauerabschnitt für den Schulhausbau abgerissen worden war?
      Das ist gut möglich. Ein enger zeitlicher Zusammenhang besteht auf jeden Fall, denn im Stadtatlas Nürnberg findet sich eine Karte von 1878, auf der die Mauer noch intakt ist und das Schulhaus noch nicht steht und eine Karte von 1888, auf dem sowohl die Mauer geschleift ist als auch das Schulhaus eingezeichnet ist. Zu diesem Zeitpunkt hat übrigens das neugotische Färbertor von 1848 selbst noch gestanden, es wurde erst 1891 abgerissen.
      Zum Schulhaus selbst habe ich auf die Schnelle nicht viel rausgefunden. Einen eigenen Artikel dazu gibt es im Stadtlexikon nicht, aber es scheint 1885 in Betrieb genommen worden zu sein. Meist ist vom Schulhaus am Frauentorgraben die Rede und es wurde wohl unterschiedlich genutzt, hauptsächlich als Mädchenschule (Portsches Institut für Töchter, städtische Haustöchterschule), aber bei Stayfriends findet sich auch eine "Volksschule am Frauentorgraben, Nürnberg" (Frauentorgraben/Färberstraße). Irgendwo muß ich aber auch mal die Bezeichnung Färberschule oder Färbertorschule oder so etwas ähnliches gelesen haben, denn von selbst wäre ich auf die Bezeichnung nicht gekommen.
    • Laufertormauer, Turm „schwarzes S“


      Schalenturm um 1400, 1945 ausgebrannt und unter Fassadenveränderung wiederhergestellt, stadtseitig Fachwerk ohne jegliche Verstrebung.
      nuernberg-aha.de/galerien/Befestigung/imagepage24.html




      Turm „schwarzes T“


      Schalenturm um 1400, 1945 ausgebrannt und unter Fassadenveränderung wiederhergestellt, stadtseitig Fachwerk ohne jegliche Verstrebung.
      Bild in der Bayerischen Denkmalliste




      Turm „schwarzes V“


      Schalenturm um 1400, 1945 ausgebrannt und unter Fassadenveränderung wiederhergestellt, stadtseitig am obersten Geschoss Fachwerk ohne jegliche Verstrebung.


      (Bildquelle: commons.wikimedia.org)




      Marientormauer, Turm „blaues A“


      (Bildquelle: commons.wikimedia.org)

      Kurzbeschreibung gemäss Bayerischer Denkmalliste:
      spätes 14. Jh., um 1540/45 zu Geschützturm bastionsartig ausgebaut, nach Kriegszerstörung (1945) 1979/80 wiederhergestellt“.

      Ganz eigentümlich ist das Fachwerk in der Rundbogenöffnung (ihr ursprünglicher Sinn ist mir unklar) und wirkt dort deplaziert. Auch das rekonstruierte Fachwerk der südlichen Anbauten ist irgendwie zu viel des Guten. Vor allem das Fachwerk des Wehrganges ganz rechts entspricht sicher nicht einem historischen Vorbild. Formal sollten die eingezapften Streben angeblattete Bänder darstellen. In diese wiederum sind die Brustriegel eingezapft, was aber nur bei K-Streben-Fachwerk vorkommt.

      Davor stand noch ein weiterer, eingeschossiger Bau mit unbeholfenem Fachwerk. Kurz nach vollendeter Rekonstruktion des Turmes präsentierte sich die Situation so:
      hansgruener.de/docs_d/kanal_orte/nuernberg_hs_nue_923.htm

      Anstelle des eingeschossigen Baus wurde 2009 ein moderner Saalbau in Stahlfachwerk errichtet:




      Ich bitte jetzt aber, hier keine Diskussion wegen diesem Saalanbau zu beginnen, denn eine solche fand bereits 2009 im Nürnbergstrang statt!!



      edit. 5.6.2014: (als Antwort auf den nächsten Beitrag)
      V
      V
      V
      @ Konstantindegeer:
      An diesem "Fehler" (wegen diesem Saalanbau anstatt wegen dieses Saalanbaus) kann man erkennen, dass Schweizerdeutsch meine Muttersprache ist, und nicht Hochdeutsch. Im Schweizerdeutschen gibt es nämlich keinen Genitiv, weshalb wir Schweizer dann beim Übersetzen ins Hochdeutsche oft diesen Fehler machen. :wink:

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Riegel ()

    • Frauentormauer, Turm „rotes H“


      Bild: nuernberg-aha.de/galerien/Stadtbefestigung/imagepage9.html

      Die Bayerische Denkmalliste bezeichnet den Turm fälschlicherweise als „Sandsteinbau, um 1400“. Dabei handelt es sich um einen Neubau von etwa 1940 als Teil eines damals errichteten Hochbunkers (zusammen mit dem „roten H“ und den anschliessenden Mauerabschnitten). Der ursprüngliche Turm wurde in den 1880er Jahren abgerissen (siehe dazu die Beiträge 300 bis 338).

      Gegen die Gasse Färberplatz/Frauentormauer befindet sich am 2. Obergeschoss Fachwerk mit überkreuzten Streben. Es dürfte ebenfalls vom Neubau von ca. 1940 stammen, da der Turm im Krieg nur leichte Schäden erlitt. Die Bunkeranlage, und damit auch dieses Fachwerk, haben insofern eine Bedeutung, als dass es sich um eine Rekonstruktion eines Stücks „Stadtmauer“ zur Zeit des Nationalsozialismus handelt.



      Zwischen dem Turm „rotes J“ (mit Spitzhelm) und dem in den Graben hinein
      gebauten Schulhaus erkennt man das „rote H“ mit abgedecktem Dachstuhl.
      Vergrösserung
      (Bildquelle: bildindex.de)





      Turm „rotes K“



      Vergrösserung (Bildquelle: commons.wikimedia.org)

      An den Seitenwänden findet sich feldseitig am obersten Geschoss Fachwerk mit K-Streben. Dieses steht gegenüber dem Mauerwerk leicht zurück. Es ist möglich, dass ursprünglich Backsteinmauerwerk vorgemauert war. Der von etwa 1400 stammende Turm überlebte den Krieg samt Holzbauteilen mit nur leichten Schäden. Die vielen ersetzten Sandsteinquader liessen einen andern Schluss zu.


      Links vom „roten J“ (mit halb zerstörtem Spitzhelm) folgt das „rote K“ mit unbeschädigtem Dach.
      Vergrösserung
      (Bildquelle: bildindex.de)





      Jakobstor, Turm „rotes L“





      Das Jakobstor als solches wurde erst 1893 mit zwei Durchbrüchen durch die Stadtmauer zu beiden Seiten eines gewöhnlichen Mauerturms geschaffen. Beim Turm handelt es sich um einen Sandsteinbau um 1400, dessen oberstes Geschoss stadtseitig Fachwerk mit Sichtbacksteinausmauerungen zeigt. Die angeblatteten Kopfbänder weisen dieses ins 15. Jahrhundert. Die Mittelpartie mit dem Fenster ist später verändert worden.

      Das rechts anschliessende Fachwerk des Wehrganges zeigt ebenfalls Sichbacksteinausmauerungen. Der bauhistorische Zusammenhang mit dem Turm ist aber noch unklar. Alle Holzbauteile überstanden den letzten Krieg fast schadlos.






      Aussenansicht 1946.
      Vergrösserung
      (Bildquelle: bildindex.de)
    • Mit dem Turm „rotes L“ sind wir fast wieder beim Spittlertorturm angelangt und haben die 4 km lange Stadtmauer „abgelaufen“. Ein Bauwerk aber, von dem nur noch ein Torso existiert, möchte ich anfügen, auch wenn es sich nicht um ein echtes Befestigungswerk handelte.




      Fürther Tor



      (Bildquelle: commons.wikimedia.org)

      Bei diesem Tor handelt es sich nicht um einen mittelalterlichen Stadteinlass, sondern um eines der im 19. Jahrhundert neu geschaffenen „Stadttore“. Nach Abbruch des Turmes „rotes S“ wurde zwischen 1894 und 1898 im Zwingerbereich ein mächtiges Gewölbe und darüber ein eigenartiges Gebäude errichtet, das offenbar pittoreskes Mittelalter nachahmen sollte. Allerdings hätte dieses historistische Ungetüm nicht den damaligen Verteidigungszwecken entsprochen. Ein Trakt gegen die Feldseite war nämlich in (konstruktiv sinnlosem) historistisch-fränkischem Sichtfachwerk errichtet. Für eine wirksame Verteidigung wäre das stark geliederte Bauwerk zu verletzlich gewesen. Die nördlich (links) anschliessende Bastion von 1527 wurde damals in den Komplex einbezogen.



      “Gartenrestauration Ludwigstorzwinger“
      1927 gelaufene Ansichtskarte. Franz Klahr, Photo-Anstalt, Nürnberg



      Bereits einer der ersten Bombardierungen Nürnbergs viel das Anwesen zum Opfer, sodass heute nur noch das unwirtliche Gewölbe existiert.


      Vergrösserung (Bildquelle: bildindex.de)
    • Wehrgänge


      Die Wehrgänge zeigen auch typische, aber auf die wesentlichen Primärbalken reduzierte Fachwerkkonstruktionen. Der grösste Teil von ihnen ist 1945 zerstört worden und ein paar wenige überdauerten in lädiertem Zustand. Schon um 1900 waren aber nicht mehr alle Mauern mit einem Wehrgang bekrönt, beispielsweise an Teilen der Spittler- und Laufertormauer. Durch den Alterungsprozess sind die rekonstruierten Wehrgänge fast nicht mehr von den Ursprünglichen zu unterscheiden. Nur die Konstruktionsdetails verraten ihren Entstehungszeitraum.



      a) ursprüngliche Wehrgänge

      Die ältesten Konstruktionen zeigen eine Verstrebung mit angeblatteten langen Kopfbändern jeweils nur zu einer Seite eines Pfostens, oder dann mit angeblatteten Steigbändern. Diese Wehrgänge dürften spätestens dem 15. Jahrhundert angehören.


      Beispiel mit Steigbändern an der Frauentormauer:


      Frauentormauer zwischen den Türmen „rotes C und D", 1946.
      Vergrösserung; (Bildquelle: bildindex.de)




      Frauentormauer mit den Türmen „rotes B, C, D und E“, 2009.


      Beispiel mit langen Kopfbändern an der Maxtormauer:


      Maxtormauer zwischen den Türmen „schwarzes E und F“, 1946.
      Vergrösserung (Bildquelle: bildindex.de)



      Beim Tiergärtnertor existierte eine Konstruktion mit eingezapften langen Fussstreben und in sie eingezapfte Brustriegel (>> „vereinfachte“ K-Streben). Der Wehrgang dürfte im Zusammenhang mit dem Bau der Bastion vor dem Tiergärtnertor 1538-45 erneuert worden sein, wozu die Verstrebungsart passen würde. Allerdings wurden bei der Rekonstruktion nach 1945 die Brustriegel bis an die Pfosten gezogen, und nicht wie ursprünglich nur bis zu den Fussstreben.


      Tiergärtnertor um 1900. (ungelaufene Ansichtskarte, Verlag Dr. Trenkler Co., Leipzig)


      Stellenweise gibt es auch Wehrgänge ohne jegliche Verstrebung. Dies ist vor allem dort der Fall, wo zwei Türme nahe beieinanderstehen, und dem Wehrgang direkt seitlichen Halt geben.

      Manchmal sind die Brüstungen innen oder aussen verbrettert, oder seltener auch ausgemauert. Letzteres ist dort der Fall, wo der Wehrgang nutzungsmässig in Zusammenhang mit einem Turm steht (bspw. Vorraum, Wohnraumerweiterung).


      Die drei beobachteten historischen Wehrgangkonstruktionen:


      oben: mit angeblatteten langen Kopfbändern; mitte: mit angeblatteten Steigbändern; unten mit eingezapften Fussstreben.



      b) rekonstruierte Wehrgänge

      Grösstenteils wurde bei der Rekonstruktion der Wehrgänge nach 1945 das Muster mit den angeblatteten Bändern beibehalten, wohl wegen der Angleichung an die unzerstörten Partien. Stellenweise kam aber auch eine ahistorische Verstrebung mit eingezapten Fuss- und Kopfstreben zur Anwendung, wie beispielsweise beim Fürthertor:


      Schlotfergergasse, Fürther Tor von innen, 2009.


      Marientormauer:


      Marientormauer mit den Türmen „blaues G, H und K“, 1946.
      Vergrösserung (Bildquelle: bildindex.de)




      Marientormauer mit dem Turmstumpf „blaues G“ und Turm „blaues H“ im Hintergrund, 2009.
      Rekonstruierter Wehrgang mit Steigbändern als Verstrebung.



      Neutormauer:


      Neutormauer zwischen dem Turm „grünes J“ und dem Neutorturm.
      Um 1950/60 rekonstruierter Wehrgang mit Steigbändern, 2009.



      Maxtormauer:


      Maxtormauer zwischen den Türmen „schwarzes J“ und „K“. 2007/08 rekonstruierter Wehrgang mit Kopfbändern, 2009.


      Bei den rekonstruierten Wehrgängen fällt auf, dass der Holzauswahl grosse Beachtung geschenkt worden ist. Es wurden Balken mit Mark verwendet, sodass mit der Zeit Schwindrisse mittig an den Aussenseiten entstehen konnten, wie es schon in den Jahrhunderten früher der Fall war. In der heutigen Zimmereikunst werden die Baumstämme geviertelt, wodurch sich das Holz weniger verzieht und vor allem keine Schwindrisse entstehen. Dafür entsteht auch kein vertrautes Bild historischer Bauten mit Schwindrissen in den Balken.

      Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von Riegel ()

    • Jakobstraße 34 in Nürnberg

      Wir sind auf diesen Artikel aufmerksam geworden und haben uns über die professionelle Art des Berichtes sehr gefreut. Und vielleicht können wir ja etwas als Information zu dem Objekt beitragen. Die Jakobstraße 34 ist in der Denkmalliste bezeichnet, als Bürgerhaus, schmaler massiver dreigeschossiger Bau mit breitem Zwerchhaus.
      Das Entstehungsjahr konnte nun mit 1448 beziffert werden.

      Wir sind gerne an Bildern interessiert, die unser Haus zeigen.

      Wenn sich hier wirklich Interessierte finden, dann führen wir gerne auch einmal durch das - zur Zeit noch unrestaurierte Haus und halten gerne auch während unserer Sanierung alle auf dem Laufenden.

      Rückmeldungen gerne an uns!

      Besten Dank von den Kleinod Eigentümern

      Riegel schrieb:

      Jakobstr. 34

      baukunst-nbg schrieb:

      Für Bauforscher zeigt sich momentan ein Kleinod: nach Abbruch einer Mauer in der Jakobstr. 34-36 ist sehr bemerkenswertes und vollständiges mittelalterliches Fachwerk zu Tage getreten, an dem die Entstehungsgeschichte des Hauses schön ablesbar ist. In Google Street View ist noch die alte Mauer zu sehen. Auf meiner Facebook-Seite habe ich mit freundlicher Genehmigung der Behörde bzw. des Urhebers ein Foto veröffentlicht:

      facebook.com/photo.php?fbid=10…1518043368&type=1&theater
      (Beitrag im allgemeinen Nürnberg-Strang)

      Die Baulücke westlich vom Haus war mir auch schon aufgefallen. Vom einst hier stehenden Gründerzeithaus hatte sich ein Fassadenrest erhalten, weshalb ich 2009 Aufnahmen davon machte. Niemals hätte ich gedacht, dass dahinter so eine Wand verborgen sein könnte! Aber Haustrennwände sind für den Bauforscher immer die interessantesten Stellen, was sich hier wieder einmal bewahrheitet hat.


      Jakobstr. 34 von Süden mit westlich anschliessendem Brandmauerrest
      der ehemaligen Nr. 36, 2009




      Offenbar ist nun diese Brandmauer niedergelegt worden, und zum Vorschein kam die Seitenwand der Nr. 34. Aus Urheberrechtsgründen stelle ich die Fotografie vom aktuellen Zustand nicht ein, und verweise auf den Facebook-Eintrag im Zitat.

      Offensichtlich handelt es sich um eine ehemalige Aussenwand, was die drei zugemauerten Fenster in der Mittelaxe verraten. Auch die Gefachputzreste sprechen dafür, auch wenn es sich um Innenfassungen des später angebauten Nachbarhauses (Vorgängerbau des Gründerzeithauses?) handeln könnte. Nicht selten wurde bei einem Neubau die Seitenwand eines Nachbarhauses gleich mit verwendet, und sich den bau einer eigenen Wand zu sparen… Die Fachwerkkonstruktion gehört eindeutig zum Haus Nr. 34, da die Bundebene aussen liegt. Es könnte ja sein, dass die Wand zum ehemaligen Haus Nr. 36 gehörte, das dann für den Gründerzeitbau abgebrochen wurde. Dann müsste die Bundebene aber auf der andern Seite liegen.

      Man erkennt sofort, dass das Haus vorne und hinten aufgestockt worden ist. Der Kernbau war eine zweigeschossige Fachwerkkonstruktion und darauf ein zweigeschossiger, stehender Dachstuhl mit etwa 45° geneigten Dachflächen. Der Kernbau ist ausschliesslich mit angeblatteten Fuss- und Kopfbändern sowie mit Steigbändern verstrebt. Es ist also offensichtlich eine typische Konstruktion des 15. Jahrhunderts.

      Der folgende Plan ist aus der Entzerrung und Umzeichnung der Fotografie im Facebook-Beitrag entstanden:


      Jakobstr. 34, ehemals frei stehende Westwand. Aufnahmeplan mit farbig eingetragenen Bauetappen.
      Braun = Kernbau (Erdgeschoss frei ergänzt), rot = südliche Aufstockung,
      blau = nördliche Aufstockung, südliche Dacherhöhung und Reparatur im 1. OG



      Erdgeschoss:

      Zwei Bundpfosten unterteilen das Erdgeschoss in drei Wandfelder, wobei nur der Rechte einen Unterzug trägt. Von daher war das Erdgeschoss wohl in zwei hintereinander liegende Räume aufgeteilt. Alle Pfosten werden durch sehr lange angeblattete Kopfbänder verstrebt, sodass kaum Platz für Fussbänder übrig blieb. Der linke Eckpfosten besitzt noch ein zusätzliches kleines Kopfband. Vermutlich standen die Pfosten auf einem Steinsockel, und noch nicht auf einer Schwelle. Da mir zu wenig Material zur Verfügung steht, habe ich mich noch nie mit der Frage der schwellenlosen Erdgeschosse beschäftigen können.

      Vergleichsbeispiele: Untere Krämersgasse 18 (1454/1477), Augustinerstrasse 7, Kühnertsgasse 18 (1434), Neutormauer 42 (Abbruch nach Teilzerstörung)


      1. Obergeschoss:

      Auch hier unterteilen zwei Bundpfosten die Wand in drei Felder, wobei nur der rechte Bundpfosten einen Unterzug trägt. Demnach bestanden auch hier nur zwei hintereinander liegende Räume. Die Pfosten werden durch lange Fussbänder und kurze Kopfbänder verstrebt. Hinter dem rechten, nicht mehr original erhaltenen Wandfeld dürfte die Stube gelegen haben. Die Blattsasse im rechten Bundpfosten sowie im Rähm deuten auf kurze, breite Bänder hin, wie sie typisch bei Bohlenstuben sind. Die strassenseitige Fassade scheint durch Mauerwerk ersetzt worden zu sein, wodurch die Bohlen der Westwand nicht mehr eingebunden waren und ebenfalls ersetzt werden mussten.

      Vergleichsbeispiele: „Dürerhaus“ Albrecht-Dürer-Str. 39 (1418/19), Zirkelschmiedsgasse 30 (1422), "Grolandhaus" (1489?), Albrecht-Dürer-Str. 6 (1437), Augustinerstr. 7, Untere Krämersgasse 18 (1454/1477) und viele mehr


      2. Obergeschoss (ursprünglich 1. Dachgeschoss)

      Die beiden Stuhlpfosten des stehenden Dachstuhls werden durch Steigbänder und kurze Fussbänder verstrebt.

      Vergleichsbeispiele: die gleichen wie beim 1. Obergeschoss

      Die südliche Aufstockung zeigt ein sehr spärliches Fachwerk, das an der oberen Ecke eine eingezapfte Strebe aufweist. Solche Streben sieht man oft an den Seitenwänden der Dachaufzugserker mit vorspringendem Walmdächlein. Diese sind typisch für das 16. und 17. Jahrhundert, und liefern den einzigen Hinweis auf eine Datierung der Aufstockung. Zur Zeit der Aufstockung stand das Haus wohl immer noch gegen Westen frei, da auch die Aufstockung Reste von Gefachputz zeigt.

      Die nördliche Aufstockung dürfte jünger als die Südliche sein, da sie nur teilweise einen Aussenputz trägt. Demnach dürfte das Grundstück der Nr. 36 damals bereits mit dem Vorgängerbau des Gründerzeithauses bebaut gewesen sein. Auf seine Höhe lässt der jüngere Putzrest schliessen, der an seiner Unterkannte das Dach dieses Baus abzeichnet. Gleichzeitig mit dieser Aufstockung wurde abermals die südliche Dachfläche erhöht. Diese Massnahme scheint im 19. Jahrhundert stattgefunden zu haben, wozu der strassenseitige Dacherker passt.

      Mit der nördlichen Aufstockung könnte auch die Strassenfassade durch Mauerwerk ersetzt worden sein. Diese Bauphase lässt sich vielleicht noch archivalisch nachweisen. Auch könnten die verwendeten Backsteinformate Hinweise auf die Datierung liefern.



      Für den Bauforscher ist diese Fassade des Kernbaus nicht besonders spektakulär, da sie ein einfaches, standardmässiges Fachwerk des 15. Jahrhunderts zeigt. Selten ist aber die vollständige Existenz einer Erdgeschosswand aus dieser Zeit! Auch die (zeitgleichen?) Ausfachungsputzreste bedürfen einer Untersuchung. Interessant wäre zudem die Kenntnis der Ausfachungsart. Wohl sieht man überall eine Backsteinstruktur, aber diese rührt vermutlich als „Abdruck“ von der Backsteinwand des Gründerzeitbaus her. Es ist möglich, dass die Gefache aus einem mit Lehm und Kalkputz verstrichenen Rutenflechtwerk bestehen.

      Fazit:

      Standardmässige Fachwerkkonstruktion aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts einfacher Bauart. Substanzmässig ist die einst frei liegende Westwand ausserordentlich gut erhalten, mit einem evtl. schwellenlosen Erdgeschoss und original erhaltenen, aber zugemauerten Fensteröffnungen.

      Aufstockung südseits im 16./18. Jahrhundert, nordseits im 19., evtl. auch 18. Jahrhundert, wohl gleichzeitig mit der Erneuerung der südlichen Strassenfront in Massivbauweise.


      Moderationshinweis (Zeno): Beitrag repariert (Zitat war misslungen, so dass der ganze Beitrag nur als ein Zitat erschienen ist)
    • Hallo "Kleinod"

      Willkommen im Forum! Das ist natürlich eine sehr unerwartete Überraschung, nach anderthalb Jahren wieder eine Reaktion auf einen Beitrag zu erhalten, und das sogar vom Hauseigentümer selbst! Vielen Dank :smile:

      Gerne nehme ich ihr Angebot an, bei meinem nächsten Nürnberg-Besuch das Haus auch von innen besichtigen zu dürfen. Ich denke, dass auch andere Forumsmitglieder aus Nürnberg Interesse daran haben werden. Schön wäre es natürlich, hier weiterhin Beiträge von Ihnen lesen zu können, insbesondere wenn es dann an die Bauarbeiten geht. Ich werde Ihnen noch eine private Nachricht zukommen lassen.