Konstanz

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    • Das denkmalgeschützte Pförtnerhaus (Baujahr 1911) der Hoerlé-Villa wird saniert.

      Dabei bleiben alte Elemente wie die originalen Türen, Böden, Treppen und Fenster erhalten. „Etwa 100 Jahre alte Häuser sind oft sehr solide gebaut“, sagt der städtische Denkmalpfleger Frank Mienhardt. „Das Glück in diesem Fall war, dass das Haus seit der Erbauung nie saniert wurde, im Gegensatz zur größeren Villa, die in den 80er-Jahren völlig entkernt wurde.“ So ist auch noch der historische Wurfputz erhalten, ebenso die ursprünglichen Fenster. „Unser Architekt Christoph Bauer vom Büro Raumwerk hat lange nach einem Handwerker gesucht, der statt der einfachen Verglasung eine Doppelverglasung in die alten Rahmen setzen kann“, erzählt der Bauherr.

      suedkurier.de/region/kreis-kon…ben-ein;art372448,8626755
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
    • Der Konstanzer Hauptbahnhof

      Hafenstädte errichteten im 19. Jahrhundert die ersten Bahnhöfe möglichst nah an bestehende Häfen. Die Eisenbahn diente nicht nur dem Personenverkehr, sondern von Anfang an auch dem Güterverkehr. So auch in Konstanz, als die Bahnlinie von Waldshut über Singen 1863 in Konstanz ihren vorläufigen Endpunkt fand. Erst acht Jahre später wurde die Bahnlinie weiter auf Schweizer Boden entlang dem südlichen Bodenseeufer bis nach Rorschach weiter geführt.

      So zwängen sich die Bahnanlagen heute noch zwischen Altstadt und Hafen. Historisch war die Altstadt gegen das Seeufer mit einer Mauer und Türmen abgeschlossen. Das Gebiet der Altstadt im Umfeld des Bahnhofes war bis ins 19. Jahrhundert nur leicht bebaut und bestand auf einer vor rund 500 Jahren begonnenen Seeaufschüttung.

      Vogelschauansicht bei www.bing.com/maps/

      Das heute noch bestehende Aufnahmegebäude wurde 1865 fertig gestellt und bildet mit weiteren historischen Bauten des Hafens ein Ensemble. Die meisten Hafengebäude sind heute umgenutzt für Gastronomie und Läden. Sicher bilden die Bahnanlagen eine Zäsur im regen Treiben zwischen der Altstadt und dem Hafengebiet. Eine massive Verkehrsberuhigung auf dem Bahnhofplatz vor vier Jahren linderte diese.

      Der Bahnhofplatz macht heute einen wenig gepflegten Eindruck, doch Studien scheinen hier nur Positives vorzusehen. Es ist geplant, seitlich des Bahnhofgebäudes zwei neue dreigeschossige Baukörper zu erstellen, anstelle der bisherigen eingeschossigen Bauten (Schweizer Bahnhof und Zoll im Süden, Ladenzeile im Norden). Die Gebäudevolumen wurden ausnahmsweise mal nicht maximiert, sondern nach Berücksichtigung der historischen städtebaulichen Situation bemessen

      Link zum Rahmenplan Bahnhof Konstanz (5.3 MB)

      Die historische Entwicklung des Gebiets ist auf einer Grafik im folgenden Link dargestellt (die Bahnlinie ist auf dem 3. und 4. Bildchen gestrichelt eingezeichnet):

      konstanz.de/umwelt/01557/01586/01588/




      Doch nun zum Bahnhofgebäude selbst:

      Anlässlich der 2011 fertiggestellten Restaurierung erschien ein Denkmalportrait mit viel Wissenswertem über den damaligen Bahnbau und das Bahnhofgebäude selbst. Der Wikipedia-Artikel sollte vorsichtig gelesen werden. So steht bspw. geschrieben, dass das Vorbild für den Bahnhof der Palazzio Vecchio in Florenz gewesen sei. Doch abgesehen von ihren Türmen haben beide Bauwerke nichts Gemeinsames. Vielmehr hat der Bahnhofturm (oder einfach der Uhrturm) allgemein norditalienische Türme zum Vorbild.






      1) Bahnhofplatz von Süden

      Der konsequent durchgeführte Stil in Neugotik und der schlanke Uhrturm sind charakteristisch für den Konstanzer Bahnhof. Die Verjüngung des Turmschafts nach oben erinnert an einen Leuchtturm, was ganz passend für diese Situation ist. Die Neugotik war in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Konstanz nicht unbekannt, wurde doch zehn Jahre vor dem Bahnbau das Münster mit seiner charakteristischen neugotischen Turmspitze versehen!

      Bahnhöfe waren ja eine neue Bauaufgabe im 19. Jahrhundert, und so war es nicht von vorneherein klar, in welchem Stil diese errichtet werden sollten. Die Neugotik war der Stil für Kirchen und Rathäuser schlechthin, und weniger für Bahnhofsbauten. Oftmals werden Bahnhöfe auch Kathedralen des 19. Jahrhunderts genannt. Dies aber vielmehr wegen ihren grossen Räumen und Gleisüberdachungen.






      2) Bahnhofstrasse von Westen

      Kurz nach der Eröffnung des Bahnhofs wurde die hier nur locker bebaute Altstadt mit einem orthogonalen Strassenraster überformt, wobei die Bahnhofstrasse auf den Uhrturm ausgerichtet wurde. Das Bahnhofquartier war aber nie so belebt wie die Altstadt selbst, da ihre wichtigsten Strassen nicht zum Bahnhof führten. Man sieht hier gut, wie sich gewachsene Altstädte nur schwer in ein neues "Korsett" zwängen lassen, ausser man hat Tabula rasa mit ihnen gemacht.






      3) Uhrturm vom Gleisperron aus.






      4) Vordachdetail auf der Perronseite. Wenigstens hat man nichts abgeschlagen, sondern "drumherum" gebaut. Eine neue Überdachung der Perrons ist zwar vorgesehen, aber noch nicht im Detail geplant.






      5) Der Uhrturm von Norden

      Im Hintergrund das vor gut zehn Jahren eröffnete Lago Shopping-Center, das auf grösstenteils brachliegendem Gelände zwischen Altstadt und Gleisanlagen zu stehen kam.





      6) Der Uhrturm markiert zugleich auch den Haupteingang.






      7)

      Für die Modelleisenbahnfreaks unter uns noch folgende Werbung, wenn man mal nicht weiss, was mit 500 Euro anzufangen:

      modelplant.eu/Spur-N/Gebaeudeb…f-Konstanz-Spur-N-46.html
    • Die Innenräume des Konstanzer Hauptbahnhofs



      8 ) Das spitzbogige Portal im Mittelrisalit unter dem Uhrturm führt in eine gewölbte Halle. Geradeaus kommt man zum Bahnsteig, und seitlich führen zwei Arkadengänge zu den daran angeschlossenen Dienstleistungsbetrieben. Die Halle darf durchaus mit der Vierung einer Kirche gleichgesetzt werden, und sie zeichnet tatsächlich auch den Uhrturm im Grundriss nach.

      Im Gewölbescheitelfeld ist die ursprüngliche Bemalung mit der Inschrift "Erbaut in den Jahren 1863 - 1865" erhalten geblieben oder freigelegt worden. Die Deutsche Bundesbahn zeigt hier schlicht und selbstbewusst mit ihrem Logo, wer hier der Herr im Haus ist. Das Emblem ist schlicht, und der Raum unbeeinträchtigt von jeglicher Werbung. Ursprünglich hing hier wohl ein Leuchter.






      9) Der Blick vom südlichen zum nördlichen Arkadengang durch die Vierung mutet wie ein Seitenschiff in einer Kathedrale an. Auch im Innern sind die Risalite und Seitenflügel klar durch Mauern mit grossen spitzbogigen Öffnungen gegliedert. Die Decken der Seitenflügel bestehen aber aus Holz und erinnern in ihrer Form und den Eisenkonsolen an englische Kathedralen. Das hinterste Feld ist weiss gestrichen, und dokumentiert wohl den Zustand vor der 2011 beendeten Restaurierung des Bahnhofs.






      10) Die Arkadengänge erschlossen die Billetschalter, Gepäckaufgabe, Wartesäle etc., und an ihren Enden gelangte man durch neugotisch gerahmte Portale in die beiden Seitenrisalite. Einen Plan mit den originalen Grundrissen und eingetragenen Nutzungen konnte ich nirgends im Web finden.

      Ein Teil des südlichen Arkadenganges ist durch eine schlichte Abtrennung dem Café zugeschlagen worden. Überhaupt sind die modernen Einbauten wie Türen, Fenster und Beleuchtung schlicht gestaltet.






      11) Die Decken der Arkadengänge bestehen aus satteldachförmigen Pfettendächern (nicht identisch mit dem Gebäudedach!). Die Felder zwischen den Pfetten füllen Holpaneele, die ihrerseits mit Profilleisten versehen sind. Der rötlich-braune Ton des Naturholzes harmoniert mit den weissen Wänden, grauen Sandsteinelementen (Rorschacher Sandstein) und dem anthrazitfarbenen Boden und Innenausbau. Dem ursprünglichen Farbklima der 1860er Jahre dürfte dies aber kaum entsprechen.






      12) Im Bereich des heutigen Cafés fehlte offenbar ein Teil der Decke und wurde während der Sanierung um 2008/2011 ergänzt.






      13) Nebst dem Café gibt es auch eine Buchhandlung/Kiosk, die ihrerseits mit weiteren kunstvollen Holzdecken aufwartet. Wegen dem sehr grellen Licht sind sie aber schwer zu fotografieren.

      Die Decken sind in Längsrichtung, also parallel zu den Arkadengängen, basilikal aufgebaut: in der Mitte wiederum satteldachförmig, aber als Sparrendach, und seitlich als Flachdecken. Sie liegen auf Holzträgern auf, deren hohe schlanke Form die Wirkung eines Obergadens ergibt, allerdings ohne Fensteröffnungen. Die gewählte Konstruktion war sehr vorausschauend, liess sie doch in ihrem 150-jährigen Bestehen mehrfach Grundrissveränderungen zu, ohne dass die Decken dabei verlustig gingen!






      14) An einem Ende (gegen den zentralen Mittelgang) ruhen die Unterzüge auf Säulenpaaren aus Holz (oder Gusseisen?) und benutzen als zusätzlichen Sattel zur Lastverteilung ein Gusseisenelement mit Masswerkformen.






      15) Die durchbrochene Querwand in der Mitte des Ladens gehört sicher zum originalen Bestand, denn beidseits von ihr gibt es unterschiedliche Ausführungen der Auflager für die Unterzüge. Die südliche Hälfte der Mitteldecke fehlt heute, oder sie war so schadhaft, dass sie wieder zugedeckt wurde. Dafür weisen die beiden seitlichen Decken, die erst in der Schlussphase der Bahnhofrestaurierung entdeckt wurden, eine ornamentale Bemalung auf.
      > Zeitungsartikel im Südkurier vom 3.8.2011






      16) Die Konstruktion und die Bemalung weisen einige Fehlstellen auf. Der starke Durchhang gegen rechts (Süden) weist darauf hin, dass der Raum ursprünglich grösser war (fehlende Stütze oder Aufhängung), und zudem gab es gegen das Mittelschiff hin eine heute verschwundene Konstruktion. Überhaupt sind die Unterzüge in diesem Teil höher als im Bereich der noch ganz erhaltenen Decke.






      17) Die Bemalung ist nach ihrer Entdeckung wohl nur retuschiert worden. Sie ist eine Kombination aus Schablonenmalerei und Linien. An den Enden der Bretttafeln sitzen Leisten mit Flachschnitzereien. Der heraustretende Balkenkopf und die fehlende Stützkonstruktion beim Unterzug zeigen, dass die Querwand (unten im Bild) eine nachträgliche Zutat ist.






      18)

      Nördlich des Mittelgangs befinden sich die Bahndienstleistungsschalter. Leider ist hier nur noch ein Drittel der Holzdecken sichtbar, dafür aber die reichhaltigste unter ihnen. Ob dies ursprünglich der Wartesaal 1. Klasse war? Der Raum hat noch die originale Grösse, aber die Metallklammern an den Unterzügen zeigen, dass auch hier statische Probleme zu lösen waren.




      Ich war sehr überrascht, als ich vor zwei Monaten das Innenleben des Konstanzer Bahnhofs entdeckte. Viele Einheimische mögen den Bahnhof nicht besonders, kennen sein Inneres aber wohl nicht. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass er lange Zeit ungepflegt war und durch Schutznetze am Uhrturm einen baufälligen Eindruck erweckte.

      Mich jedenfalls reizt diese Entdeckung, der ursprünglichen Ausstattung weiter nachzugehen. Ich finde es eine sehr gelungene Restaurierung mit einem einzigen Wermutstropfen. Wie man an den Flecken auf den naturbelassenen Holzdecken sieht, sind diese abgelaugt worden (mit Ausnahme einer Partie im nördlichen Arkadengang und jener mit der Dekorationsmalerei). Damit wurden aber gleichzeitig die originalen, überstrichenen Dekorationsmalereien zerstört. Ich hoffe nur, dass diese vorher noch dokumentiert worden sind, um dereinst eine Rekonstruktion zu ermöglichen!

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    • Liste der Häusernamen in Konstanz (vor 1877)

      Bis zum Jahr 1774 gab es nur Häusernamen statt Hausnummern. Die Namen bildeten sich heraus nach natürlichen Kennzeichen in der Nähe (z. B. Bäumen, Brunnen, Tore, Flurnamen), nach baulichen Besonderheiten, Farbattributen, Zweckangaben, Hausschmuck, Handwerk und Gewerbe, religiösen Symbolen, Name des Hausbewohners, Heraldik.

      In den Jahren 1774 bis 1776 gab es erste Nummerierungen.

      Von 1786 bis 1876 wurde die badische Hausnummerierung eingeführt.

      Ab dem Jahr 1876 wurde die heutige Nummerierung eingeführt.

      Ludwig Leiner gab den Konstanzer Straßen im Jahr 1876 Namen.

      Nach Einführung der Hausnummerierung wurden Hauszeichen übermalt, zerschlagen oder entfernt.
      Der ursprüngliche Gebäudenamen geriet in Vergessenheit
      Eine Sammlung Konstanzer Häusernamen, teilweise bebildert.
      Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_H%C3%A4usernamen_in_Konstanz


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Danke für die Verlinkungen, Andreas.
      Die Beschäftigung seitens der Hochschule mit der lokalen Baugeschichte zur Gestaltung des Areals ist nicht mehr selbstverständlich und von daher, ohne auf die Entwürfe einzugehen, ein interessantes Projekt.


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    • Was für ein fantastischer Klosterbau, wirklich schade drum, daß es ihm über die letzten Jahrhunderte so übel mitspielte.

      "Ein moderner Ausstellungsbau (Architekten Lohrer, Stuttgart, 2002) wird vor die Ostfassade des ehemaligen Klosters gestellt, anstatt die Baulücke des Kirchenabbruches zu schliessen."
      Quelle: obiger Link

      Was auch sonst?
      Stoppt SEM Wahnsinn - Für Stadt, Land und Mensch
    • Marktstätte 1: Kapuzinerkloster/ Postgebäude/ Sparkasse

      Die lange Geschichte des Konstanzer Sparkassengebäudes: Einst war es der Stolz der Reichspost


      Wo Hotel, Gewerbe und Gastronomie einen Platz erhalten sollen, befand sich lange Zeit ein Dreh- und Angelpunkt des Postwesens. An der Marktstätte 1 war der Stolz auch der Badischen Post. Und entstand im 19. Jahrhundert ein Viertel fast komplett neu.
      Quelle: suedkurier.de/region/kreis-kon…chspost;art372448,9606785

      Ein interessanter Bericht, der bildlich auch Eindrücke vor der Bebauung des Postgebäudes widerspiegelt.


      Jeder, der sich die
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      www.archicultura.ch