Fürth - Neue Mitte

  • In den letzten Tagen wurde in den Fürther Nachrichten geschrieben, daß es Pläne für ein neues Zentrum gibt. Es soll - mal wieder :( - ein großes Einkaufszentrum entstehen. Es würden dafür einie Häuser abgerissen werden. Ein paar unschönere Gebäude, aber auch das Parkhotel und soweit ich weiß ein paar schlichte Altbauten.


    Mehr dazu hier...
    http://www.fuerther-nachrichten.de/artikel.asp?art=847039&kat=12\r
    http://www.fuerther-nachrichten.de/arti ... 039&kat=12

  • Wozu gibt es eigentlich überhaupt noch einen Denkmalschutz, wenn der Schutz des Denkmals vor Abriss doch gar nicht gewährleistet ist? :?

  • Wieviele Fassaden sind denn insgesamt betroffen?
    In dem Text is ja nur von den 3 denkmalgeschützten Gebäuden die zerstört werden die Rede, sowie von zwei weiteren Baudenkmälern, die gnädigerweise entkernt als Fassade weiterexistieren dürfen.



    Deutschland im Jahr 2008: Ein ganzer historischer Häuserblock verschwindet, der Denkmalschutz und die Politik stehen voll dahinter, der kritische Heimatpfleger sieht sich allein auf weiter Flur...


    Es werden die finalen Schläge gegen die letzten intakten historischen Stadtbilder geführt. Archtektonisch rücksichtsloser und großflächiger als man es sich vorstellen mochte.


    Die 60er sind zurück. Man freue sich schon auf die neuen 70er!

  • Quote from "Dirk"

    Wozu gibt es eigentlich überhaupt noch einen Denkmalschutz, wenn der Schutz des Denkmals vor Abriss
    doch gar nicht gewährleistet ist? :?


    Ich kenne den Gesetzestext des Bayrischen Denkmalschutzgesetzes
    nicht, in Baden-Württemberg gibt es jedoch die Klausel der
    Unzumutbarkeit der Erhaltung für den Investor und den
    Aspekt der Höherwertigen Interessen, für welche Verwaltung und
    Gemeinderatsmitglieder im öffentlichen Interesse :? den
    Abbruch eines Denkmals der Kategorie 2 jederzeit bestimmen können.


    In welchem Interesse dies geschieht, braucht man nicht erst zu erwähnen.
    Der Denkmalschutz ist eine schwammige Angelegenheit, wird ausgehöhlt
    und zur Farce, wo der Verwaltungsspitze und den gewählten
    Bürgervertretern die Vorrangigkeit des Ortsbildes fehlt...
    und entsprechend sehen dann folglich auch die Städte und Dörfer aus! :boese:


    Die Wertigkeit des Denkmalschutzes hat meiner Einschätzung nach
    kontinuierlich Mitte der 90er Jahre im Zuge von Wirtschaftsliberalisierung
    und -dominierung abgenommen.
    Eine Gegenbewegung stellt vielleicht u.a. auch die aktuelle Rekonstruktionsbewegung dar?
    Da wo von staatlicher Seite der Denkmalschutz zwar nach wie vor
    groß auf die Fahne geschrieben wird, dieser jedoch unzureichend
    gefördert und scheinbar machtlos preisgegeben wird, musste u.a. das
    Rekobedürfnis Weise zunehmen. Die Inkonsequenz,
    mit der inzwischen Denkmalpflege betrieben wird, führte zwangsläufig
    zum Negativimage selbiger.

  • passt zwar nicht so recht zur Überschrift


    aber ganz gut zum aktuellen Thema:



    Da kann ich dir vollkommen recht geben. In Ingolstadt will ein Investor mittten in der Innenstadt ein neues Einkaufszentrum :augenrollen: -ich kann dieses wort nicht mehr hören- auf einem ehemaligen Brauereigelände errichten, dass unter Ensembleschutz steht und auch ettliche Einzeldenkmäler besitzt.
    Noch ist nichts entschieden, aber wie üblich pokert der Investor hoch und hat schon mal verkündet, dass er so gut wie alles abreissen lassen will. Letztendlich wird sich die Stadt wahrscheinlich auf irgendeinen Kuhhandel einlassen um ja dem Investor nicht zu verschrecken.


    Siegfried Dengler, Leiter des Stadtplanungsamtes: "Auch ein Baudenkmal ist nicht sakrosankt."


    :wuetenspringen:


    ich bin gespannt wie weit der Denkmalschtz dieser Einkaufszentrumspest einhalt gebietet.


    http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/art599,1902719\r
    http://www.donaukurier.de/lokales/ingol ... 99,1902719


    Ingolstadt, das einerseits ein vorbildliches Leerstandsmanagement für historische Bauten in der Altstadt hat, auf der anderen Seite aber gerade in den letzten Jahren mit einem abgrundtief hässlichen Sparkassengebäude direkt neben dem historischen Rathaus und anderen hässlichen Dingen auf sich aufmerksam machte.

  • Ich habe auch große Bedenken. Ich kenne Fürth sehr gut und bin bestimmt schon schon 100 Mal durch die betroffenen Straßen gegangen. Eine Überdachung wäre schon reizvoll, wenn man es richtig macht. Aber nicht mit dem "Blick in den Keller", dann geht das Gefühl der "überdachten Straße" verloren. Das Hotel sollte man in seiner gründerzeitlichen Pracht am besten totalrekonstruieren 8) Denkmäler würde ich keinesfalls zur Disposition stellen.


    Hier die Website des Stadtheimatpflegers:


    http://www.dr-alexander-mayer.de/


    dort kann man unter "Rundbriefe" den pdf-Rundbrief zum Einkaufszentrum herunterladen.

  • Dr. Alexander Meyer hat sich ja aber geäußert und gemeint, daß er sich nicht gegen ein Projekt stellen wird, wenn alle Bürger dagegen sind, obwohl er gegen das Projekt ist.


    In den Fürther Nachrichten war ein Bericht, in dem es um die Meinung der Bürger ging. Es gab einige Kritikenm, und überschwängliche Jubelfreue von Jugendlichen, die in ihr Freizeit nichts besseres anfangen zu wissen, als Einkaufen zu gehen.


    Jetzt aber mal eine Frage. Könnte man nicht noch irgendein Projekt gegen das Einkaufszentrum ins Leben rufen?


    Oder könnte man die Planer nicht auf etwas besseres umstimmen. Ich könnte mir zum Bsp. gut vorstellen, daß man die Altbauten läßt, die Nachkriegsbebauung abreißt und dann die Straße überdacht und eine traditionell anmutende Einkaufspassage mit Überdachung daraus macht. D.h. daß das ganz also so ein bißchen das Flair von einer Passage wie die Galleria Vittorio Emanuele in Mailand bekommt?!? Sowas in der Art fehlt in Deutschland eh... Und ich finde, man könnte mit guter Planung und behutsamen Umgang ähnliches in Fürth gestalten... Zumindest wenn unbedingt ein neues Einkaufszentrum kommen muß, was ich und auch viele Bürger für einen "Schwachsinn" empfinden.

  • Sehr schoen demonstriert und zusammengefasst, Zeno. Der reine Horror! Siehe das Monstrum von Ingolstadt und die Europapassage in Hamburg. :schreckgrau:


    Armes Fuerth! :weinenstroemen: Deutschland begeht Selbstmord.

  • Ich habe jetzt mal einen Brief an den Stadtheimatpfleger geschrieben. Er meinte, daß er jede Unterstützung wünscht, nur nicht schon wieder gleich ein Bürgerbegehren starten will. Damit hat er schon Mißerfolge gehabt.


    Briefliche Kritik an die Stadt ist erwünscht!
    Also falls ihr hier auch eure Kritk äußern wollt, macht das Bitte!

  • Der weiter oben erwähnte Rundbrief Nr. 34 des Stadtheimatpflegers Dr. Alexander Mayer liegt mittlerweile in einer überarbeiteten Fassung vor.


    Ferner gibt es in meinem recht fürth-o-zentrischen Blog unter


    http://zonebattler.twoday.net/stories/5050019/


    eine Diskussion zu diesem Thema. Übrigens findet bereits jetzt ein Kahlschlag anderer Art in Fürth statt: Dem Bau der S-Bahn von Nürnberg nach Forchheim fallen in Kürze nicht nur alte Gärten und Grünstreifen, sondern auch historische Bahnbauten wie das Stellwerk an der Ottostraße zum Opfer...

  • Ich bin erstaunt, dass für kurzlebige Investoreninteressen die Stadtväter so wie es ausschaut vermutlich einen Teil des historischen Stadterbes opfern werden. Als "global player" seziert der portugiesische Investor alle Städte über 100.000 Einwohner und pflanzt seine Einkaufszentermonster in die Stadtgefüge als seien es Filialen eines Schnellrestaurants. Die Mieter (z.B. Mobilfunkbuden) überziehen nach dem selben Muster Deutschland mit ihren Filialen. Wollte man dieser unsinnigen Nachfrage folgen, so müsste Fürth vermutlich noch den Rest des innerstädtischen Zentrums für weitere Einkaufszentren opfern. Erstaunlicherweise stellt sich keiner den Investor in den Weg.


    Egal wo und wie der Investor baut - es scheint alles erlaubt zu sein (zumindestens in Deutschland). So wird der portugiesische Investor demnächst mit einem Mega-Einkaufszentrum in Weiterstadt die Innenstadt von Darmstadt attakieren. Mit dem hässlichen Einkaufszentrum in Berlin am Alex hat der Investor der Stadt schon eine bonbonfarbendes Disneylandarchitektur für das Zentrum "geschenkt". Allles sehr bitter.

  • Vielen Dank für die interessanten Beiträge zum Thema!
    Mein neuer Rundbrief http://www.dr-alexander-mayer.…sitionen-rundbrief-35.pdf bringt Zusatzinfos.
    Auszug:
    Prinzipiell war bekannt, dass Verhandlungen im Gange sind, aber Umgriff und Ausmaß des Eingriffes waren für mich so nicht abzusehen, vor allem die vollständige bzw. de-facto Zerstörung der meisten Baudenkmäler und der Fassaden in der Rudolf-Breitscheid-Straße (im fraglichen Bereich). Abgesehen davon gibt es einige nicht denkmalgeschützte Fassaden bzw. Fassadenteile, die durchaus erhaltenswert sind und in jedem Fall besser, wie das, was kommen wird.
    Ergebnis einer 1 ½ jährigen top-secret „Abstimmung“ zwischen Investor und Stadt: Anhand einer vagen, ausschließlich vom Investor bestimmten Faktenlage wird ein ganzes Stadtquartier in die Hand eines Privatunternehmens gegeben. Der Vertreter von Sonnae Sierra bedankte sich bei der Präsentation im Stadtrat denn auch für die willfährige Unterstützung der Stadt für die Planung.
    Zudem:
    - Die Planung des Stadtzentrums einer Großstadt wird einem kommerziellen Unternehmen überlassen.
    - Die Rudolf-Breitscheid-Straße wird dem öffentlichen Raum entzogen und für privaten Kommerz als Verteilerflur zweckentfremdet.
    - Ein ganzes Stadtquartier und damit eine historisch gewachsene Struktur wird zerstört und von der Kunstwelt eines Shopping Center ersetzt, das einem Flughafenterminal ähnelt.
    - Das Konzept entspricht einem provinziellem Verständnis von Modernität und keinesfalls dem Konzept der Denkmalstadt Fürth.
    - Wer sich so billig verkauft wie die Stadt Fürth, wird auch billig bewertet und eingeschätzt.

  • Alexander Mayer: klasse zusammengefasst - super Statement zur unerträglichen Lage in Fürth.


    Noch etwas kurzes zu Esslingen: ich habe gestern in einem Buch gelesen, dass Esslingen nach dem 2. Weltkrieg für eine neue Strassenführung 150 Häuser abreissen ließ. In dieser Stadt hat wohl das vertilgen von historischer Bausubstanz eine Tradition...

  • Damit ist vermutlich die vierspurige Straße gemeint, die wie eine Schneise um die Innenstadt herumgeführt wird - kann gut sein mit den 150 Häusern, gleich hinter dem Neuen Rathaus ist eine gewaltige Betonkonstruktion mit Straßen, welche die Altstadt durchschneidet und von den Weinbergen trennt. Auf dem Foto ist aber eher der Bahnhofsbereich zu sehen, also nicht die eigentliche Altstadt (gegenüber liegt das häßlichste Gebäude Esslingens, ein riesiges Parkhaus mit Waschbetonplatten).