Hildesheim - Rekonstruktion 'Umgestülpter Zuckerhut'

  • Ein nettes Filmchen vom Zuckerhut mit ein wenig vom KHA in zeitgenössisch-kritischer Kommentierung.


    http://www.ndr.de/fernsehen/se…ia/kulturjournal1155.html


    Als Fazit zum Zuckerhut scheint irgendwie gezogen zu werden: Natürlich ist die Rekonstruktion eine tolle Handwerkskunstleistung, aber man sollte die triste Bebauung und das Stadtbild der weiteren Umgebung, an das man sich schließlich gewöhnt hat, jetzt nicht noch weiter in Unordnung bringen, da es die Einheitlichkeit stört.


    Als Text:
    http://www.ndr.de/kultur/rekonstruktion101.html

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Moin,
    jetzt habe ich mir das <Filmchen auch mal zu Gemüte geführt, und das Fazit des Films kann man nur Teilen, "... man muss nur darauf achten, dass es auch passt". Ich finde der Zuckerhut passt schließlich steht er ja an seine angestammten Stelle! das neue Pfeilerhaus passt nicht, schließlich gehört es da nicht hin !!

  • Quote

    Als Fazit zum Zuckerhut scheint irgendwie gezogen zu werden: Natürlich ist die Rekonstruktion eine tolle Handwerkskunstleistung, aber man sollte die triste Bebauung und das Stadtbild der weiteren Umgebung, an das man sich schließlich gewöhnt hat, jetzt nicht noch weiter in Unordnung bringen, da es die Einheitlichkeit stört.


    Es bleibt immer wieder erstaunlich, was sich die Modernisten und Denkmalschützer für irrsinnigen Argumenten ausdenken.. :gehtsnoch:


    Was für ein wortwörtlicher Schwachsinn.

  • Hallo.


    Kann es sein, daß hier einige Beiträge gelöscht wurden? Auf meinen letzten Text gab es doch auch Antworten. Die sind nun plötzlich weg. Oder fange ich schon an zu halluzinieren? :verrueckteaugengelb:


    Moderationshinweis (Palantir):
    Schau doch bitte kurz in den Nachbarstrang mit dem schönen Titel "Hildesheim" (ist das zuviel verlangt als Eigenleistung?), wo jenes besser hingehörte. Hier geht es doch um den Zuckerhut.


    Mein erster und sofortiger Gedanke zu diesem Filmbeitrag war, daß man dieses steinerne Pfeilerhaus beseitigen und die Fachwerkversion rekonstruieren muß. Heinz Geyer hat ja auch selber gesagt, daß er diese beiden Häuser immer als Ensemble gesehen hat. Kennt sich hier jemand besser aus? Wie steht es mit dem Pfeilerhaus? Gibt es Chancen für die Entlassung aus dem Denkmalschutz? - Denn nur ein rekonstruiertes Pfeilerhaus ist tatsächlich passend für diesen Platz. Damit hat dieser Film schon Recht.


    Meine Meinung zum Braunschweiger Schloss sieht auch etwas anders aus. Ob es nun ein Museum ist oder ein Einkaufszentrum. Hauptsächlich zählt an diesem Ort die Fassade. Man wird heute mit großer Sicherheit kein Schloss mehr zu 100% rekonstruieren. Damit meine ich den Innenraum. Das ist dann natürlich wieder ein gefundenes Fressen für die Gegnerschaft. "Das ist ja alles nichts Echtes mehr" oder "Disneyland". Die nehmen ja bekanntlich jedes dumme Argument um Rekonstruktionen zu blockieren.

  • @Palantir (Moderator):
    Nein, in einem anderen Strang nach Einträgen zu suchen ist sicher keine unüberwindbare Hürde. Nur bin ich leider nicht auf die Idee gekommen, daß hier die Beiträge munter hin und her verschoben werden.


    Zum Pfeilerhaus. Im Netz habe ich gesehen, daß jemand bereits die Fassade des Hauses etwas mehr dem Zuckerhut angepasst hat:
    http://www.hildesheimer-allgemeine.de/index.php?eID=tx_cms_showpic&file=uploads%2Fpics%2Fhi-12-pfeiler2.jpeg&width=1000&height=1000&bodyTag=%3Cbody%20style%3D%22margin%3A0%3B%20background%3A%23fff%3B%22%3E&wrap=%3Ca%20href%3D%22javascript%3Aclose%28%29%3B%22%3E%20|%20%3C%2Fa%3E&md5=770c091ab8c3543b2dea023419df459d


    Und nun habe ich in dilettantischer Nacharbeit (es sollte schnell gehen) auch noch die Farbe etwas angeglichen. Stehen Fenster und Fassadenanstrich eigentlich auch unter Denkmalschutz und dürfen nicht verändert werden? Sonst wären etwas Farbe & neue Fenster doch schon ziemlich gut.


    http://img707.imageshack.us/img707/3986/hi12pfeiler2b.jpg


    Uploaded with ImageShack.us

  • ich glaube diesen Artikel mit Bildern vom Inneren hatten wir noch nicht:


    http://www.hildesheimer-allgemeine.de/treppenhaus.html


    Quote


    [...]
    Enge ist der erste Eindruck, und der ist massiv. Kaum im Zuckerhut, steht der Besucher vor der Treppe. Sie beherrscht einfach alles. Die bis oben reichende Stahlkonstruktion ist gigantisch Selbst die dicken Eichenbalken entfalten nicht genügend Wucht dagegen. Das Verhältnis zwischen der riesigen Treppe und den winzigen Räumen ist so schief, dass der störende Ersteindruck gar nicht verschwindet. Die Frage taucht auf, wo denn die Menschenmassen herkommen sollen, die der Treppe angemessen wären? Klar, es gibt kaum vergleichbare Erfahrungen. Wer kennt schon Häuser, die aus nichts als Treppe bestehen? Selbst Leuchttürme, die unten nur Wendeltreppe sind, erfüllen oben im Turmaufsatz wenigstens ihren Zweck.
    [...]

  • Tja, es ist nun mal ein Neubau und hat sich an die derzeitigen Bauvorschriften zu halten. Daher: wenn Treppe, dann in heutigen Maßvorgaben. Anders wäre es nur gegangen, wenn jede Etage vom Pfeilerhaus erschlossen worden wäre. So ist es wohl Deutschlands schönstes Treppenhaus...

  • Wenn ich mir etwas für Hildesheim wünschen dürfte, wäre es, daß noch viel mehr dieser Treppenhäuser zur Stadt gehören würden. Ich habe den Zuckerhut vor zwei Jahren während eines Zwischenstops in noch sehr frischem Zustand gesehen. Wie in so vielen Städten ist der Kontrast zwischen den letzten Resten der alten Stadt und den Ergebnissen des "Wiederaufbaus" kaum zu ertragen. Umso wünschenswerter wäre es auch für Hildesheim, daß weitere Projekte wie der Zuckerhut realisiert würden.

  • Leider zeigt der Artikel des HAZ auch, daß es noch immer völlig mainstream ist, lieblos und ironisch-herablassend über solche Rekonstruktionen zu sprechen. Dabei ist der heutige Zuckerhut nur deshalb so merkwürdig, weil hier vom Denkmalschutz und von gleichgesinnten eine komplette Rekonstruktion des Gebäudes "Pfeilerhaus mit Zuckerhut" erfolgreich verhindert wurde. Deshalb sollte man, wenn man am Andreasplatz weitere skurille Ergebnisse will, so weitermachen. Für ein ernsthaftes Gelingen des Andreasplatzes ist aber, wie beim Marktplatz, eine komplette Historisierung oder besser Rekonstruktion notwendig.

  • Die Rekonstruktion des Pfeilerhauses hätte die Treppe im Zuckerhut wohl nicht verhindert - es wäre auch jetzt möglich gewesen, die Zugänglichkeit aus dem Pfeilerhaus zu organisieren. Und die Treppe ist wie gesagt den Bauvorschriften geschuldet.

  • Ich frage mich nur, wieso man dem Zuckerhut nicht die normalste Nutzung gegeben hat... eine einzige Wohnung ab dem 1. Obergeschoss. Und schon hätte sich das Treppenproblem von allein gelöst, weil sie dann nicht als Fluchttreppe hätte dienen müssen. Innerhalb einer Wohnung sind nach wie vor schmale Treppen erlaubt; sogar auch gewendelte. Aber nun hat man eine Treppenanlage gebaut und eine Hülle drum herum...

  • Leider zeigt der Artikel des HAZ auch, daß es noch immer völlig mainstream ist, lieblos und ironisch-herablassend über solche Rekonstruktionen zu sprechen. Dabei ist der heutige Zuckerhut nur deshalb so merkwürdig, weil hier vom Denkmalschutz und von gleichgesinnten eine komplette Rekonstruktion des Gebäudes "Pfeilerhaus mit Zuckerhut" erfolgreich verhindert wurde. Deshalb sollte man, wenn man am Andreasplatz weitere skurille Ergebnisse will, so weitermachen. Für ein ernsthaftes Gelingen des Andreasplatzes ist aber, wie beim Marktplatz, eine komplette Historisierung oder besser Rekonstruktion notwendig.


    Diesbezüglich zitiere ich mal aus dem von "thommystyle™" verlinkten Artikel:

    Quote

    Nach dem Rundgang innen fällt der Blick außen noch einmal auf das Ensemble: Pfeilerhaus, Pavillon, Zuckerhut. Weil der Pavillon weder zum Zuckerhut, noch zum Pfeilerhaus passt, verbindet er beides. Das ist doch reizvoll. Es ist dieser Dreiklang, den sich der Andreasplatz bei weiteren Baumaßnahmen dringend bewahren sollte, auch gegen eine komplette Historisierung.

  • Ich frage mich nur, wieso man dem Zuckerhut nicht die normalste Nutzung gegeben hat... eine einzige Wohnung ab dem 1. Obergeschoss. Und schon hätte sich das Treppenproblem von allein gelöst, weil sie dann nicht als Fluchttreppe hätte dienen müssen. Innerhalb einer Wohnung sind nach wie vor schmale Treppen erlaubt; sogar auch gewendelte. Aber nun hat man eine Treppenanlage gebaut und eine Hülle drum herum...

    Ich weiss nicht, ob jemand in so einem Schaustück wohnen wollen würde, gewissermaßen auf dem Präsentierteller. Die Flächen wären ja auch sehr klein. Das wäre wahrscheinlich auch nur dann sinnvoll gegangen, wenn man die Räume an das Pfeilerhaus angeschlossen hätte. Alleine eine Naßzelle (für mehr hätte es ja vom Platz eh nicht gereicht) hätte mehr Aufwand bedeutet, mit Leitungen etc. Durch den Zuckerhut ein Abwasserrohr zu führen, wäre auch nicht schön gewesen.

  • 2009 hatte ich angekündigt, mir den Zuckerhut mal aus der Nähe anzusehen. Vier Jahre später habe ich es dann auch tatsächlich geschafft!


    So, und nun zu meinen Eindrücken:


    - Prinzipiell ist mein Eindruck positiv, allerdings mit den nachfolgend erwähnten Abstrichen.
    - Auf den ersten Blick wirkt der Zuckerhut noch etwas "künstlich". Das Wort "künstlich" ist dabei sicherlich nicht ideal (jedes Gebäude ist künstlich, denn Häuser wachsen nicht in der Natur), aber ich denke, ihr versteht mich: ein bisschen sehr neu, sehr sauber, sehr nüchtern. Während die Rekos auf dem Marktplatz wie echte Häuser wirken, hat man hier manchmal noch eher den Eindruck, ein 1:1-Modell eines richtigen Gebäudes vor sich zu haben (wobei mir schon klar ist, dass das kein wissenschaftliches Unterscheidungsmerkmal ist). Aber vielleicht muss man dem Zuckerhut nur etwas Zeit geben, um Patina anzusetzen.
    - Die Verglasung im Erdgeschoss stört wiederum überraschend wenig. Sie mag Reko-Freunden sicherlich nicht ideal erscheinen, aber sie dominiert auch nicht den Anblick, den der Zuckerhut bietet.
    - Das Innere: Es gibt ja keine rekonstruierten Innenräume - soweit ich weiß, wusste man auch gar nicht, wie die aussahen. Statt dessen befindet sich im Innern diese große Treppe (oder böser gesagt: Das Innere ist ein einziges Treppenhaus). Diese Tatsache verstärkt den Eindruck, ein Modell statt eines lebendigen Hauses vor sich zu haben.


    So, warum komme ich trotzdem zu einem positiven Fazit?


    Man könnte sagen, dass selbst eine eher modellhafte Nachbildung (anstelle einer Reko mit Atmosphäre) den Standort trotzdem aufwertet und Lust auf mehr macht. Der Zuckerhut ist so, wie er ist, sicher nicht die perfekte Reko, aber er schafft es dennoch zu faszinieren. Unterm Strich also eindeutig ein Gewinn für Hildesheim.

  • @ restitutor


    vielen Dank für deinen Bericht und ich freue mich, mal wieder was von dir zu hören!

  • Bei meinem ersten Besuch in Hildesheim (im März 1990 als gerade 16-jähriger) kam mir das Knochenhaueramtshaus auch sehr "künstlich" vor, trotz Eindeckung der riesigen Dachflächen mit zweitverwendeten, bereits stark patinierten Hohlpfannen... Es lag wohl an den sauberen Fugen, den frischen, hellen Eichenbalken sowie den noch knalligen Farben der (modern) bemalten Windbretter... So etwa 1995 waren die Balken dann plötzlich dunkel, entweder sind die in der Zeit stark nachgedunkelt, odere wurden nachträglich lasiert.
    Putzig fand ich den damaligen Slogan der Altstadtinitiative: "Hildes Heim darf nicht sterben"... smile:)

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Hallo Restitutor Orbis, interessante Einblicke, ich habe mir gerade noch mal diesen Bericht mit Photos vom Innern des Zuckerhuts angeschaut. Der Eindruck eines überdimensioniert wirkenden Treppenhauses ist wirklich nicht von der Hand zu weisen. Eine ganz dumme Frage, die sicherlich auf einigen der vielen Seiten dieses Strangs bereits beantwortet wurde: Wofür wird das Haus momentan noch mal genutzt?

  • In der Nachbetrachtung und bei Ansicht der Bilder aktuell habe ich doch irgendwie Bauchschmerzen mittlerweile. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich weiß nicht, ob ich mich über die Reko wirklich freuen soll, weil es fast weh tut, sich diesen Kontrast anzusehen.
    Wenn man es als Zwischenzustand betrachtet, bis endlich zumindest das Pfeilerhaus zurückkehrt, dann ist es auch schon schwer zu ertragen, aber es scheint ja eher jetzt ein dauerhafter Zustand zu werden, da man von weiteren Rekos nichts mehr hört und da muss ich schon sagen, dass der Anblick schockierend grotesk ist.


    Der Zuckerhut ist eben aus sich heraus schon so besonders, dass er ein Ensemble braucht, welches ihn stützt. Der jetzige Zustand verhöhnt ihn eher als dass es irgendwas fürs Stadtbild tut, ich leide da irgendwie mit dem Bau, weil es völlig seltsam wirkt. Man hätte den Bau mit dem Pfeilerhaus zusammen denken müssen, ich weiß, es ging damals nicht, aber es jetzt dauerhaft so zu belassen, ich tue mich damit extrem schwer.


    Ich hoffe, es geschehen noch Wunder und man erlöst den Zuckerhut alsbald und stellt ihm die historische Häuserzeile zur Seite. Nötig wärs!