Reiterdenkmal in Windhoek

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Reiterdenkmal in Windhoek

      Status und Zukunft des Reiterdenkmals – eine Denkschrift (Teil 3)

      Vor wenigen Tagen ist die Debatte um das Reiterdenkmal in Windhoek neu entbrannt. Dieses soll laut Kabinettsbeschluss von 2001 versetzt werden und vor der Alten Feste seinen neuen Platz finden. Der Historiker und Denkmalexperte Dr. Andreas Vogt hat dazu aus aktuellem Anlass eine Denkschrift verfasst, welche die AZ in drei Teilen veröffentlicht.

      ...



      az.com.na/lokales/status-und-z…kschrift-teil-3.68675.php
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Hallo!

      "Pilaster" schrieb:

      Solchen Einsatz moechte ich tausendfach bei den deutschen Denkmalschuetzern sehen.

      Ich nicht, nein danke. Der Erhalt von glorifizierenden Selbstdarstellungen aus den unrühmlichen Epochen deutscher Geschichte liegt mir nicht am Herzen … wohl aber das Erinnern an das begangene Unrecht.

      "Andreas Vogt" schrieb:

      Es ist zu bezweifeln, dass das Personal des Denkmalrates oder die Nordkoreaner, die diese Aktion vornehmen werden und keinen kulturellen oder professionellen Bezug dazu haben, das nötige Know-how zu einer derartigen delikaten Operation mitbringen.

      Das ist in der Tat maßlos interessant … aber was soll man schon erwarten von einer Zeitung, die »Nachrichten auf gut Deutsch« bringt :augenrollen:

      In Afrika arbeiten viele Asiaten, allgemein gesagt, vor allem wohl Chinesen.

      "Andreas Vogt" schrieb:

      […] seine fortwährende Nutzung als Kultstätte (sakral)[…]

      Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von dieser Nutzung halten soll *seufz*

      Nun ja, aber das alles ist ja weniger eine Frage des Denkmalschutzes …

      Grüße
    • "Flüchtling" schrieb:

      Der Erhalt von glorifizierenden Selbstdarstellungen aus den unrühmlichen Epochen deutscher Geschichte liegt mir nicht am Herzen … wohl aber das Erinnern an das begangene Unrecht.


      Zuerst: Grundsätzlich gehört es zur Verarbeitung vergangener Vorgänge, die Abläufe mit Abstand zu betrachten und auch eigene Schuld und eigenes Unrecht einzugestehen. Das ist richtig und hat etwas mit Reife zu tun.

      In der offiziellen Gedenkkultur liegt die Sache aber problematischer und verlogener. Bei dieser Sache interessant ist nämlich, daß es immer nur bestimmte ethnische und politische Gruppen sind, an deren angeblich begangenes Unrecht erinnert wird bzw. werden soll.
      "Glorifizierende Selbstdarstellungen", wie "Flüchtling" es nennt, sind nun einmal ein allgemein übliches Mittel zur Selbstvergewisserung, zur Identitätsfindung. Der Mensch braucht Vorbilder, er benötigt positive Leitbilder, um Kraft für die eigene Selbstbehauptung finden zu können. Daß im westlich-abendländischen und verstärkt noch einmal im deutschen Kulturkreis das Bedürfnis der Identitätsfindung durch Erinnerung an angeblich selbst verursachtes Unrecht besteht, mag auf den ersten Blick eine noble, humane Geste sein, auf den zweiten Blick aber ist es langsamer Selbstmord. Es ist zumindest ein Luxus, den man sich erlauben kann, so lange man sich noch sicher glaubt. Und es ist auch Feigheit, denn die Demutsgeste soll das Gegenüber, dem man überhaupt nicht mehr auf die Füße treten will, ja auch vorsorglich gnädig stimmen.

      Die starken Völker kennen nämlich diese Selbstzweifel nicht. Sie bestehen auf "glorifizierende Selbstdarstellung". Oder findet sich zum Beispiel in Simbabwe ein Denkmal für die ermordeten weißen Farmer? Oder in der Türkei eines für verfolgte Christen? Oder in Rußland für vergewaltigte ostpreußische Frauen? Natürlich nicht. "Erinnern an das begangene Unrecht" findet eben nur bei schwachen, verunsicherten Völkern statt, deren Lebenszeit sich dem Ende zuneigt. Das sieht man auch daran, daß sie nur des von ihnen begangenen Unrechts gedenken wollen, nicht aber des an ihnen begangenen Unrechts. Ich verweise nur mal auf die würdelose Debatte um das "Zentrum gegen Vertreibungen".

      Konkreter Fall: Die deutsche Minderheit in Süd-West-Afrika steht faktisch mit dem Rücken an der Wand. Sie ist mit einer wachsenden Zahl an anderen Ethnien konfrontiert und deren zunehmenden ideellen und sozialen Forderungen. Dabei ist die Herero-Debatte nur Mittel zum Zweck. Die Herero, ebenso wie manche andere schwarzen Stämme, waren auch nicht unbedingt nur Humanisten und Pazifisten. Doch jede Gruppe gedenkt eben ihrer Toten und Helden. Und wir Bundesbürger sollten uns hüten, die damalige Weltlage vor 100 Jahren mit fachlicher Unkenntnis und der arroganten moralischen Brille von 2008 zu betrachten. Würden die Südwester anfangen, den einseitigen (und stumpfsinnigen) deutschen Schuldkult zu übernehmen, wären sie schneller Weg vom Fenster, als naseweise BRD-Bürger denken können. Ein paar von ihnen würden wohl dran glauben müssen (denn der Sozialneid verlustiert sich gerne an schwachen Tieren), einige würden vielleicht flüchten, die anderen dürften als Parias weiterwursteln.

      Ich interessiere mich selber nur ganz am Rande für diese ganze Debatte und das Denkmal. Vermutlich werden sich die Weißen in Afrika mittelfristig ohnehin nicht halten können.
      Bloß: Das sind nur Vorboten. Afrika wird auch bald in Europa Realität werden. Und es werden diejenigen eben verschwinden, die meinen, immer nur an vermeintlich selbst begangenes Unrecht zu denken müssen. Das ist dann fast "biologische" Evolution.
    • Ich wäre sehr dafür, die verbleibenden Europäer heimzuholen. Von den Buren und Namibiadeutschen dürften wir profitieren und die Afrikaner ebenso. Gut, eher ihre Staatschefs. Obwohl einen das Gefühl überkommt, daß es in diesen Ländern gegen die gutemn Sitten verstößt, wenn der Chef weder vollkommen korrupt oder ein perverser Psychopath ist. Naja, sollen sie mal machen, die kommen bestimmt auch ohne uns zurecht. Verderben wir sie nicht länger mit der Dekadenz westlichen Kapitals.
      Nein, die werden gedünstet
    • Ja Hallo!?! Wo bin ich denn hier gelandet? In einer Versammlung von völkischen Sozialdarwinisten, Geschichtsrevisionisten und latenten Rassisten?

      "Heimdall" schrieb:

      Der Mensch braucht Vorbilder, er benötigt positive Leitbilder, um Kraft für die eigene Selbstbehauptung finden zu können.

      Lothar von Trotha und die ›Schutz‹truppe sind keine positiven Leitbilder.

      "Heimdall" schrieb:

      Sie ist mit einer wachsenden Zahl an anderen Ethnien konfrontiert […]

      Wer hätte damit gerechnet? Dabei leben sie doch in Deutsch-Südwest!

      "Heimdall" schrieb:

      "Erinnern an das begangene Unrecht" findet eben nur bei schwachen, verunsicherten Völkern statt, deren Lebenszeit sich dem Ende zuneigt. […] Afrika wird auch bald in Europa Realität werden. Und es werden diejenigen eben verschwinden, die meinen, immer nur an vermeintlich selbst begangenes Unrecht zu denken müssen. Das ist dann fast "biologische" Evolution.

      Hast du Angst?

      "silesianospostato" schrieb:

      sich jetzt aber gekonnt als Opfer stilisieren

      Meinst du etwa in dieser Art:

      »Zum ehrenden Angedenken an die tapferen deutschen Krieger, welche fuer Kaiser und Reich zur Errettung und Erhaltung dieses Landes waehrend des Herero- und Hottentottenaufstandes 1903 bis 1907 und waehrend der Kalahariexpedition 1908 ihr Leben liessen. Zum ehrenden Andenken auch an die deutschen Buerger, welche den Eingeborenen im Aufstande zum Opfer fielen. Gefallen, Verschollen, verunglueckt, ihren Wunden erlegen und an Krankheiten gestorben, von der Schutztruppe: Offiziere 100, Unteroffiziere 254, Reiter 1180, von der Marine: Offiziere 7, Unteroffiziere 13, Mannschaften 72, im Aufstande erschlagen: Maenner 119, Frauen 4, Kinder 1.«

      Nur zur Erinnerung: zwischen 24000 und 64000 Herero und etwa 10000 Nama starben bei den Aufständen … aber richtig, daran darf ein »starkes und selbstsicheres Volk« ja gar nicht denken, wenn es nicht »seinen eigenen Untergang besiegeln« will.

      "Wissmut" schrieb:

      Von den Buren und Namibiadeutschen dürften wir profitieren […]

      Wir? Bist du in der NPD? Denn die würde am meisten von so einer Heim-ins-Reich-Aktion profitieren.

      :übelkeit:
    • "Flüchtling" schrieb:

      Ja Hallo!?! Wo bin ich denn hier gelandet? In einer Versammlung von völkischen Sozialdarwinisten, Geschichtsrevisionisten und latenten Rassisten?


      Das mußt Du Dir selbst beantworten. Denn auf dumme Fragen verkneift man sich lieber passende Antworten. Die richtigen Sprüche für den Dummbatz-Diskurs hast du ja offenbar bereits in der Schule gelernt.

      "Flüchtling" schrieb:

      Hast du Angst?


      Vor Dir? Nöö. :)
    • Auf jeden Fall finden sich solche in der "neuen Zeit" (die IMO stark dem israelischen und WASP-Glaubensprinzip ähneln dürfte) am schnellsten zurecht: Es werden die rabiatesten Verfolger, die erbittersten Agitatoren, die unversöhnlichsten Verteidiger des Neuen Realismus (oder wie der Terminus auch immer lauten wird).

      Man hat ja was "wiedergutzumachen". :D
      Nein, die werden gedünstet
    • "Flüchtling" schrieb:

      Nur zur Erinnerung: zwischen 24000 und 64000 Herero und etwa 10000 Nama starben bei den Aufständen … aber richtig, daran darf ein »starkes und selbstsicheres Volk« ja gar nicht denken, wenn es nicht »seinen eigenen Untergang besiegeln« will.


      Vielleicht dazu noch ein paar Worte. Das eine Gedenken schließt das andere ja nicht unbedingt aus. Wenn der nötige historische Abstand besteht, jede Partei posthum die andere ehrt und sich dann beide die Hände reichen, ist das ein positiver Prozess, alte Feindschaften irgendwann auch mal zu begraben. (Dafür entstehen dann natürlich meist irgendwo anders neue Feindschaften mit neuen Kontrahenten. So ist das eben leider, den Weltfrieden gibt es nicht.) Für einen solchen Friedensprozeß bedarf es aber selbstbewußter Parteien, die auf halbwegs gleicher Augenhöhe agieren. Bei zu großen Unterschieden im moralisch-ideologischen Selbstverständnis oder im Kräfteverhältnis ist ein Gelingen von ausgewogenen Friedensprozessen langfristig sehr fragwürdig.
    • Nur zur Erinnerung: in Belgisch-Kongo starben so ungefähr 8 bis 12 Millionen Menschen, ohne daß das heute noch irgendjemanden interessieren würde - damals war dies sogar Thema einer internationalen Konferenz zu den sprichwörtlichen "Kongo-Gräueln". Im Zentralafrika-Museum in Tervuren bei Brüssel habe ich jedenfalls nirgendwo irgendein Mahnmal dazu entdeckt.

      Abgesehen davon wird immer der Eindruck erweckt, Afrika sei eine Art Paradies gewesen, bevor die Europäer dort ankamen. Natürlich ist das Nonsens, die Araber holten sich dort schon zuvor Sklaven, die diversen schwarzen Königreiche/Stämme bekriegten sich genauso grausam wie überall sonst auf der damaligen Welt, und Gefangene der Gegenseite wurden mit der größten Selbstverständlichkeit versklavt oder getötet (was übrigens natürlich nicht auf Afrika beschränkt war, sondern beispielsweise auch in Asien üblich - die extreme Unterbevölkerung des heutigen Laos ist in wesentlichen Teilen auf die Deportation weiter Bevölkerungsteile durch Siam Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzuführen).

      Ghana hieß früher nicht umsonst "Goldküste", wobei der Reichtum im Wesentlichen darauf beruhte, daß die Ashanti ihre umliegenden Ethnien versklavten und weiterverkauften...

      In Namibia rotteten die Herero zuerst die Nama weitgehend aus, bevor sie selbst durch die Orlam weitgehend dezimiert wurden... und alles, worüber heute diskutiert wird, ist wieder einmal die "deutsche Schuld". Und das nervt langsam... oder würde jemand von "belgischer Schuld" (siehe oben) oder - wieder ganz aktuell dank Karadzic - von "serbischer Schuld" sprechen?
    • Habe dieses Interessante Thema erst heute entdeckt.Es gibt über das Massaker an die Herrero einen interessanten Dokumentarfilm der BBC.
      Leider sieht man schon am Titel, Genocide and the second Reich, wie der BBC und die Englischsprächige welt im Allgemeinen mit Deutschland und seine Geschichte umgeht.Schade, bei die sonstige Qualität des dokumentarfilmes.

      video.google.com/videoplay?doc…o=0&type=search&plindex=2
    • Das Reiterdenkmal ist mittlerweile in die "Alte Feste" versetzt worden. Wäre jetzt nicht so schlimm, aber in einer Nacht- und Nebelaktion am 25. Dezember wurde dann heimlich still und leise auch die "Alte Feste" geschlossen...

      Naja, von der benachbarten "Kaffeemaschine" kann man noch das Denkmal im Hof sehen:



      Und noch ein paar weiter Eindrücke von unten selbst, aber hinein kommt man nimmermehr:













      Eigene Fotos
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit!"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Exilwiener ()

    • Exilwiener schrieb:

      Wäre jetzt nicht so schlimm wäre, aber in einer Nacht- und Nebelaktion am 25. Dezember wurde dann heimlich still und leise auch die "Alte Feste" geschlossen...

      Was erhofft man sich davon? Geschichte ungeschehen zu machen?
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller