• Ist dieses wuchtige Kaufhaus im Kern noch erhalten? Zumindest auf dem Foto von 1964 würde ich vermuten, dass das Gebäude (rechts neben dem Backsteinbau) kriegszerstört und modern aufgebaut wurde, aber kein Neubau ist. Wenn es noch steht, wäre dies ein spannender Rekokandidat.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • @ erbse,


    ein schönes Farbphoto aus der Zeit vor der Zerstörung. Man sieht auch sehr gut, daß unpassende Ladeneinbauten nicht erst in der Nachkriegszeit begonnen haben.


    Aber ich kann mir nicht so recht vorstellen, daß nur dieses eine Haus die Bombardierung überstanden hat. Gern würde ich ein Bild von 1945 sehen. Da wäre sicher noch mehr zu retten gewesen. Wie so oft. Nur wollte man sicher wieder einen radikalen Neuanfang.

  • Tatsächlich ist ein weiterer Altbau am Markt erhalten, der heute sehr unscheinbar und reduziert wirkt. Der iranische Geschäftsmann Reza Ghassemian will dieses Haus kräftig sanieren und wieder zum alten Glanz bringen, eine Teilrekonstruktion steht zu erwarten!


    Es geht um den rechts zu sehenden mittigen weißen Altbau mit dem hohen Schmuckgiebel (Alter Markt 13):



    Gemeinfrei, Alter Markt, Ecke Dänische Straße; um 1906. Fotograf: Edlefsen, Hermann (1877-1914)



    Und so verstümmelt kommt der Bau heute daher: https://abload.de/img/dsci83624is2z.jpg


    Artikel dazu in den KN: https://abload.de/img/scan10028kvqqh.jpg


    Siehe auch SSC/DWF: http://www.skyscrapercity.com/…p=145881437#post145881437



    Ob der Dachbereich gleich mit rekonstruiert wird, ist allerdings fraglich, da dort aktuell zur Vermietung ausgeschrieben wird: ImmoScout

  • Nun ja. Die Aussagen des Investors klingen zunächst ganz nett. Aber es ist noch zu früh, um sich zu freuen. Schon zu oft wurden großspurige Ankündigungen bitter enttäuscht. Ein Beispiel ist der Oldenburger Rathausmarkt.


    Wie es scheint, ist der rechte Nachbar des Hauses Alter Markt 13 auch noch ein verstümmelter Altbau. Wäre ja toll, wenn die beiden Häuser zusammen etwas verschönert werden könnten.


    Hier zu sehen bei Google Maps:


    https://www.google.de/maps/pla…3d54.3233732!4d10.1401497

  • Ob der Dachbereich gleich mit rekonstruiert wird, ist allerdings fraglich

    Gerade die Giebel aber sind die Landmarke, die dieses und das Nachbargebäude erst zum Wahrnehmbaren Schmuckstück machen würden.
    Dass die anderen Diskutanten bei "skyscrapercity" sich bei dieser bescheidenen Stadtreparatur gleich über "wilhelminischen Pomp" echauffieren, wirft natürlich auch ein bezeichnendes Licht auf die dort oben herrschende Mentalität. Die fühlen sich in ihrer Nachkriegs-Tristess noch richtig wohl.

  • Naja, ist wohl das selbe Phänomen wie im Ruhrpott. Wenn man fast ausschließlich von schnöder Hässlichkeit umgeben ist, findet man das eben normal, da hat man kaum einen Blick für das Schöne... Erst wenn man mal rauskommt aus diesen Löchern, kann einem das die Augen öffnen.


    Insofern betreibe ich da auch viel Bewusstseinsarbeit im sehr aktiven Kielforum. ;)

  • Im Kieler Stadtteil Brunswik (Holtenauer Str. 100) wird derzeit die 1890 erbaute Gründerzeitvilla "Portwich" saniert. Bis Ende Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.



    Georg Gauri saniert Villa seiner Eltern in Kiel


    Ansicht der Villa

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Aus Kiel erfährt man jetzt, was der Denkmalschutz tut ... er beschwert sich über Fahrradaufpumpstationen und Tische vor Waschbetonklötzen.


    http://www.ln-online.de/Nachri…el-Posse-um-Denkmalschutz
    http://www.kn-online.de/Nachri…ation-an-der-Uni-soll-weg


    Na, wenn das die Sorgen des Denkmalschutzes sind und nicht etwa das oder das, dann sind wir ja zufrieden.

    Herzliche Grüße


    Bilder von mir finden sich auch bei Wikimedia.

  • Moin, in einem vorherigen Post (Nov. 2014) wurde der Abriss eines Altbaus (Falckstr. 16) in der Kieler Innenstadt beklagt. Jetzt hat der Nachfolgebau einen Architektenpreis erhalten :S .



    https://www.kn-online.de/Kiel/…rren-Preis-geht-an-Rohwer


    Hier sieht man den Vorgängerbau, welcher aus angeblich statischen Gründen und weil eine Sanierung zu teuer gewesen wäre, abgerissen werden musste:



    https://www.kn-online.de/Kiel/…mmerhaufen-mit-Geschichte


    Interessanterweise gab es vor dem Neubau einen Architektenwettbewerb, bei dem ein historisierender Entwurf nicht gewonnen hat. Und zwar aus folgendem Grund:

    "Das Preisgericht würdigt den Ansatz der Übernahme und Interpretation traditioneller Gestaltungselemente und Typologien. Die Grundrisse und Raumaufteilungen sind angemessen. Die Durchmischung der Funktionen im Erd- und 1. Obergeschoss widerspricht dem Fassadenbild. Nicht überzeugen kann die zu historisierende Anmutung der Fassaden im Kontext der Nachbarbebauung."


    https://riemann-luebeck.de/pro…falckstr-16-kiel-161.html



    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Man reist etwas ab, was dort über 100 Jahre stand und die komplette Zerstörung der Kieler Altstadt im zweiten Weltkrieg überlebt hat. Dann baut man neu, aber denkt garnicht daran etwas zu bauen, was aussah wie vorher. Nein es muss jetzt zur Nachbarbebauung passen, die so aussieht ....:



  • "Henning Thomsen hat eine besondere Methode entwickelt, um mit wehmütigen Kielern umzugehen, die dem Gebäude nachtrauern: Er besorgt ihnen Erinnerungsstücke aus den Trümmern."


    Ach wie rührend...mit solchen Leuten die an dem alten Krempel hängen muss man halt irgendwie "umgehen", da braucht es viel Fingerspitzengefühl während der Zerstörungsarbeit. Aber danach bitte nicht mehr so romantisch glotzen.

    In dubio pro reko

  • Nicht überzeugen kann die zu historisierende Anmutung der Fassaden im Kontext der Nachbarbebauung.

    Na so etwas. Seit wenn sind Architekten oder Preisgerichte denn gegen "spannende Kontraste"?

  • Bzw. wieso hat harmonische Einfügung in Ensembles bei diesen auf einmal Priorität?


    Machen wirs kurz: Nur die historisierende Architektur ist diesen Leuten ein Dorn im Auge. Warum haben diese Dogmatiker immer das letzte Wort wenn es um solche Entscheidungen geht?

    In dubio pro reko

    Edited once, last by Königsbau ().

  • Fundstück: In einem Asia - Imbiss habe ich dieses Foto entdeckt.
    Es handelt sich um die Ecke Westring und Eckernförder Str.



    Früher:



    Heute:

  • Es scheint sich, trotz der auf den ersten Blick ähnlichen Kubatur, um einen Nachkriegs-Neubau zu handeln. Nach meinem Eindruck hat es Nachkriegs-Entstuckungen in Kiel auch kaum gegeben. In Kiel ist man eigentlich recht pfleglich mit den gründerzeitlichen Fassaden umgegangen, wie überhaupt im norddeutschen Raum.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Ja, ich glaube auch, dass es sich um einen Nachkriegsneubau handelt (Geschosshöhe).


    In einzelnen Straßenzügen gab es leider auch in diesem Gebiet viele Bombentreffer, obwohl der Stadtteil zu einem der besser erhaltenen gehört.


    Daher vermute ich, dass es dort einen Treffer gegeben haben muss...

  • (...) In Kiel ist man eigentlich recht pfleglich mit den gründerzeitlichen Fassaden umgegangen,... (...)

    In Kiel hat man aber leider auch massenhaft erhaltene Bausubstanz beseitigt. Bei Skyscrapercity gibt es das Thema "Das alte Kiel". Darin finden sich einige Bilder, die mich regelrecht sprachlos machen. Bilder aus den 1960er Jahren. Sie zeigen viele schöne Altbauten, mit Angabe der Adressen. Gibt man die Adressen bei Google Maps ein, trifft man in so ziemlich jedem Fall auf einen klotzigen Nachfolgebau. Einfach nur schlimm. Da hat man die letzten verbliebenen attraktiven Reste der Stadt abgerissen. Kiel war in den 1960ern scheinbar noch recht ansehnlich. - Hier ist ein Link zum genannten Thema im SSC:


    https://www.skyscrapercity.com…ead.php?t=1412694&page=37


    Besonders krass ist der Abriss dieses Schmuckstücks:


    https://abload.de/img/fotos_46571.jpgsid95c7vdu6.jpg

  • Was ich meinte ist, dass man an den erhaltenen gründerzeitlichen Bauten in Kiel in der Regel keine Entstuckungen durchgeführt hat wie zum Beispiel in Berlin. Es gibt in Kiel tatsächlich durchaus gut erhaltene Viertel mit weitgehend intakter gründerzeitlicher Bebauung, wie Kiel-Süd, die Gegend um den Schrevenpark und Kiel-Gaarden. Das Problem bei Kiel war und ist, dass der Bereich um die Nikolaikirche und überhaupt die Altstadtinsel komplett verhunzt wurden und als historische Keimzelle der Stadt nicht mehr wirklich erlebt werden können. Andere, im Zentrum ähnlich stark zerstörte Städte wie Münster, Osnabrück, Paderborn, Braunschweig, haben sich zusammenhängende Bauensembles in ihren historischen Bereichen erhalten; Kiel hat dies nicht getan, sondern den Alten Markt mit den 1970er-Pavillonbauten noch aktiv zerstört. Die einzige relevante Traditionsinsel in Kiel ist der gründerzeitliche Rathausplatz mit den umgebenden Bauten; aber der Rathausplatz liegt doch abseits der Passantenwege und bietet kaum Aufenthaltsqualität.
    Mir braucht man nichts mehr über Kiel zu erzählen, ich bin geborener Kieler und habe dort bis zu meinem 24. Lebensjahr gelebt. Übrigens habe ich dort auch meinen Stadtbild-Tick entwickelt und bin schon mit Anfang 20 mit der Kamera durch die Straßen geradelt und hab fotografiert. Hier zwei Fotos, die ich dies Jahr digitalisiert habe:


    Die Harriesstraße in Kiel-Süd 1987, eigentlich die schönste Straße Kiels, wie ich finde - durch den fast vollständig erhaltenen Bestand an schlichten gründerzeitlichen Backsteinfassaden und das Gefälle hin zur Förde:



    Kiel-Süd, Kirchhofallee, 1987:


    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • (...) Mir braucht man nichts mehr über Kiel zu erzählen,... (...)

    Falls das in meine Richtung ging, tut es mir Leid. Ich wollte niemanden kränken, oder anmaßend sein.


    Die von Dir eingestellten Bilder sind wirklich sehr schön. Die tolle Harriesstraße wurde ja leider vor einiger Zeit aus einem weniger schönen Anlass hier im APH erwähnt. - Eines der Häuser hat bekanntlich eine sehr störende weiße Wärmedämm-Fassade erhalten. Das ist äußerst ärgerlich. Man kann nur hoffen, daß diese Dämmschicht irgendwann wieder entfernt wird und nicht noch mehr Häuser auf diese Weise verunstaltet werden.


    http://www.nordlichtblicke.de/…,medium.2x.1458255184.jpg


    Vielleicht könntest Du bei Gelegenheit eine kleine Galerie erstellen? :blumen:


    Mit der Familie haben wir früher oft Urlaub an der Ostsee gemacht. Dabei sind wir auch hin und wieder nach Kiel gefahren. Leider sind meine Erinnerungen daran ziemlich verblasst.