• Lieber Neusser, es tut mir leid, wenn das von mir wiederum so patzig rüberkam... Du hattest mich etwas missverstanden, aber es lag auch daran, dass ich es nicht ausreichend deutlich formuliert habe. Ich schätze Deine Beiträge allgemein sehr!


    Ja, die Harriesstrasse ist für mich ein etwas traumatisches Thema, wegen der Fassadenverunstaltung durch das WDVS, aber auch wegen des verlorenen Altbaus am Ende der Strasse - den Unterschied kann man in den Fotos (mein altes Foto, verglichen mit der heutigen Perspektive in dem verlinkten Artikel) ebenfalls gut sehen.
    In Kiel wurden und werden leider weiterhin auch ältere Häuser abgerissen. Auch die Neu- und Umbauten sind nicht immer erfreulich, auch wenn gute Ansätze mancherorts erkennbar sind.
    Gerne stelle ich mal ein paar Fotos ein, wenn ich mit dem Digitalisieren voran komme!

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Hier mal was Positives (finde ich) - auch wenn der Denkmalschutz (nach Kräften) sich Mühe gegeben hat, die Arbeiten zu behindern...


    Neue (alte) Fenster und eine historische Tür hat er damit immerhin verhindert


  • Die Einwände der Denkmalschutzbehörde waren leider nur frei aus der Luft gegriffen - hier am Giebel der Kirchhofallee 12 (der wurde fertiggestellt, bevor der Baustopp kam), seien "die Türmchen viel zu groß" - die hätte man so nicht genehmigt. Auf (mehrfache) Nachfrage gab es aber keine sachliche Grundlage, sondern nur ein Bauchgefühl. Das einzige existierende Bild (Luftwaffenluftbild aus 1944) ist leider zu unscharf, um etwas Genaues zu erkennen - und an die Bauzeichnung haben sich die Bauherren 1889 dann leider nicht ganz gehalten...


    Für die Haustür haben Sie dann auf die Haustüren in der Parallelstraße (Herzog-Friedrich) verwiesen - wo es aber nur überhaupt noch drei historische Haustüren gibt. Die drei sind allerdings fast identisch - wie der Rest der Fassaden dort auch - und haben nichts vom Reiz der Gründerzeit. Daher bleibt erst einmal alles wie es ist.


    Mit der Behörde kann man (in Kiel) nicht wirklich sinnvoll zusammenarbeiten - außer es geht einem nur um steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten. Aber das sollte nicht wirklich der maßgebliche Grund sein, sich mit solchen Vorhaben zu beschäftigen.

  • Bei diesem Objekt ist der Denkmalschutz dann tatsächlich mit Baustopp dazwischengegangen - leider zum Nachteil des Objekts, weil wir die Arbeiten dann (schweren Herzens) unvollendet eingestellt haben:



    Begründung: bei den (nicht genehmigten) Arbeiten sei "die historische Putzfassade des Gebäudes" entfernt worden - und die sei wiederherzustellen. Unschwer zu erkennen, dass das Gebäude (außer EG) nie verputzt gewesen ist. Nicht genehmigt waren die Arbeiten übrigens, weil die Anfrage bei der Denkmalbehörde im Jahr vor den Arbeiten ergab, dass kein Denkmalschutz besteht und man "daher nicht helfen könne". Mitten in den Arbeiten - Monate nach Gerüststellung - wurde das Objekt dann unter Denkmalschutz gestellt.


    Mir tut es immer wieder weh, an dem unfertigen Haus vorbeizufahren, zumal der gesamte fehlende Außenstuck einbaufertig vor Ort ist - genau wie die letzten fehlenden maßgefertigten Handstrichziegel. Jetzt wird es Jahre bis zur gerichtlichen Entscheidung dauern - so lange wird der Anblick wohl unverändert bleiben

  • Erst einmal herzlich willkommen im Forum KielerJung !


    Aus Kiel hört man hier ja leider nicht so viel. Aber möglicherweise ändert sich das jetzt. :wink:


    Deine Schilderungen über den Denkmalschutz sind ja unfassbar. Als würde es den Leuten Spaß bereiten, den Bauherren Steine in den Weg zu legen. Und dann auch noch so unbegründet.


    Was würde denn passieren, wenn man die unfertigen Häuser einfach vervollständigt? Es wurden ja schließlich schon denkmalgeschützte Häuser illegal abgerissen, ohne, daß die Eigentümer dafür hart bestraft wurden. Zumindest habe ich davon nichts gehört.


    (...) ...Anfrage bei der Denkmalbehörde im Jahr vor den Arbeiten ergab, dass kein Denkmalschutz besteht und man "daher nicht helfen könne". Mitten in den Arbeiten - Monate nach Gerüststellung - wurde das Objekt dann unter Denkmalschutz gestellt. (...)

    Da sehe ich das Recht aber klar auf Deiner Seite. Wenn zu Beginn der Arbeiten noch kein Denkmalschutz bestand, und die Bauteile schon hergestellt wurden, muss die Arbeit auch beendet werden dürfen. Was soll sonst mit dem Außenstuck passieren? Da wurde schließlich Geld investiert. Da wäre ich am Ausgang der Geschichte interessiert.


    Was sagt der Denkmalschutz eigentlich zu der weißen Fassade, wahrscheinlich Wärmedämmung, in der Harriesstraße? Diese helle Fassade stört das einheitliche Bild der Häuser doch ganz erheblich. Da hätte man mal besser reagieren sollen.


    http://abload.de/img/_dsc3314_10243gun5.jpg


    Auf der Harriesstraße 4 befindet sich noch eine Baulücke/Minderbebauung. Da wäre eine Aufstockung sehr wünschenswert.


    https://media-cdn.tripadvisor.…/f2/e1/peanuts-hostel.jpg

  • Kieler Jung, zunächst mal Glückwunsch zu Deinem vorbildlichen Engagement! Könnte es eventuell sein, dass die Denkmalbehörde irrtümlich angenommen hat, dass das Haus früher verputzt war und daher nicht nachvollziehen konnte, dass Du den Originalzustand wiederherstellen wolltest? Und sich nun schwer damit tut, ihren Fehler zu korrigieren...

    Gibt es denn noch weitere Baudokumente? Ich finde, dass es alleine anhand des von Dir eingestellten Fotos schwer zu erkennen ist, ob das Haus früher verputzt oder ziegelsichtig war. Wenn man nur dieses eine Foto hätte, könnte man eventuell fälschlicherweise zu dem Schluss kommen, dass die Fassade ursprünglich verputzt war.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Für mich war das Haus eindeutig ziegelsichtig. Wenn man das sw-Bild vergrößert, kann man die Ziegelstruktur erkennen, einschließlich einzelner herausgebrochener Ziegel. Wäre doch auch ortstypisch. Das ist wohl nur zwischenzeitlich überstrichen gewesen.

  • Vielen Dank!


    Sicher hat sich der Denkmalschutz hier "einfach" getäuscht. Die Bilder (hier vor Baumaßnahme mit mehr Detail) zeigen recht deutlich, dass das Objekt jedenfalls vor den Arbeiten nicht verputzt war.



    Aber als Begründung, dass vorher (doch) Putz auf der Fassade gewesen sein soll, reichte dem Denkmalschutz der Hinweis auf die Beschreibung in der Denkmalliste. Für die Erstellung der Denkmalliste sind zwei Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes bei jedem Objekt vor Ort gewesen und haben sich einen Eindruck verschafft.


    Und wenn die Putzfassade erst einmal in der Denkmalliste steht, dass stören die Tatsachen vor Ort einfach nur: Immerhin schon 6 Wochen nach dem Baustopp haben dann drei Mitarbeiter (1 x Bauamt, 1 x Denkmalschutz und 1 x Landesdenkmalamt) insgesamt über 2,5 Stunden lang auf dem Gerüst die gesamte Fassade abgesucht, ob man nicht doch irgendwo Putzreste finden kann - ohne Erfolg. Ich bin nicht vom Bau, aber ob eine Ziegelfassade über 100 Jahre alt ist oder neu, kann ich in 99% der Fälle auf den ersten Blick erkennen (glaube ich).


    Statt aber den (offensichtlichen) Fehler einzuräumen, beharrt das Amt weiterhin schlicht darauf, dass es "keine Fehler gemacht hat". Und produziert damit Gerichtskosten für den Steuerzahler und bindet einfach Kräfte (intern und extern) - und das wegen der Prozessdauer beim Verwaltungsgericht auf unbestimmte Zeit.


    Dafür passieren dann Dinge wie das WDVS in der Harriestraße...


    Ich halte Euch über den Prozess auf dem Laufenden, aber rechnet da nicht mit baldigen Neuigkeiten

  • Hier noch zwei Bilder der frisch gereinigten Fassade (JoS-Verfahren), die verputzten Stellen sind Löcher, die 1943 eine auf der Kreuzung vor dem Objekt detonierte Splitterbombe hinterlassen hat. Für die Stellen haben wir dann Handstrichziegel im passenden Maß anfertigen lassen.


       


    Auch wenn die Steine "sauber" sind, sollte sich das Alter an Fugen, Setzrissen, Fugenausbrüchen, Abplatzungen etc. erkennen lassen

  • Lieber Kieler Jung, wenn man sich das von Dir eingestellte alte Foto des Hauses ansieht und mit dem Zustand vor der Sanierung vergleicht, stellt man fest, dass zwar einzelne leicht herausragende Ziegel erkennbar sind, die Fassade insgesamt jedoch etwas glatter wirkt, als man dies bei einer rein ziegelsichtigen Fassade erwarten würde. Ich bin zwar auch nur Baulaie, aber könnte die Erklärung hierzu nicht sein, dass die Ziegelfassade geschlämmt war: ein eher seltenes Verfahren der Oberflächenbehandlung einer Ziegelfassade, die einem unbedarften Betrachter wie eine Verputzung erscheinen könnte - gerade, wenn noch ein Farbauftrag darauf gelegt wurde, wie offenbar in diesem Fall.

    Eine Schlämmung ist jedoch keine Verputzung im engeren Sinne. Vielleicht könnte dieser Begriff eine tragbare außergerichtliche Kompromissfindung erleichtern, denn wie Du ja richtig schreibst, entsteht Dir der größte Schaden, wenn das Haus auf Grund des Verfahrens nun noch jahrelang in einem halbfertigen Zustand verbleibt. Du könntest dann anbieten, die Ziegelfassade noch zu schlämmen, was keine übermäßig hohen Extrakosten verursachen und das attraktive ziegelsichtige Erscheinungsbild leidlich erhalten würde.

    Hier ein Beispiel für eine geschlämmte Ziegelfassade (Haus Bastian an der Museumsinsel)

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Ich glaube nicht, dass da etwas geschlämmt war - 1886 hat man halt noch "sauber" gemauert


    Hier noch ein Bild aus Froschperspektive vor der Reinigung - und eins nah der Entfernung der Farbe, vor dem Strahlen. Sieht für mich (weiterhin) wie "sauberes" Mauerwerk aus:



    Und von jemandem, der für die Einträge der Objekte in die Denkmalliste verantwortlich ist, erwarte ich schon genaues Hinsehen. Da er auch ein Kieler Dach aufgeschrieben hat, scheint er an dem Tag aber entweder nicht vor Ort oder nicht bei der Sache gewesen zu sein.


    Kompromisse sind nach dem ganzen Prozedere in der Tat schwer zu finden. Und ich mag den neuen, alten Glanz der gelben Fassade - auch wenn nicht nach der Bebauung im Umfeld fest mit roten Ziegeln gerechnet hatte...

  • Das wichtigste bei diesen Häusern sind die richtigen Fenster.

    Und da scheint Kiel ja immensen Nachholbedarf zu haben.

    Einfach einbauen. Schönheit siegt.


    In Chemnitz sind die Bürger wegen des drohenden Abrisses ihres Viaduktes auf die Barrikaden gegangen.

    So etwas sollte doch bei der Levensauer Hochbrücke auch möglich sein.