Potsdamer Stadtschloss

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    • Na, das hätte ich dann doch lieber kulturell oder eben politisch genutzt.


      Besonders intesssant finde ich diesen Auszug aus dem Artikel:

      Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und der Förderverein für den Aufbau des Stadtschlosses haben am vergangenen Wochenende eine PR-Kampagne für das Schloß initiiert. Vereinschef Michael Schöne bestätigte, daß verschiedene Investoren bereitstünden, wesentliche Teile zu finanzieren.

      Der Potsdamer Landtagsabgeordnete Wieland Niekisch (CDU) sieht in einem Landtag auf dem Alten Markt ein Signal für Folgeaufträge. Dann würden einst stadtbildprägende Gebäude, so der Palast Barberini, wiederentstehen. Auch dafür interessieren sich Hoteliers.



      Anscheinend gibt es ja schon Investoren, dann bleibt ja nur die Frage nach der Nutzung offen...
    • Seltsam, in der FAZ stand etwas anderes:

      Die Abgeordneten sollen nun entscheiden zwischen einer Sanierung des bisherigen Gebäudes auf dem Brauhausberg und einem Neubau mit moderner Fassade am Standort und in der Kubatur des Schlosses. Die Variante "Rekonstruktion des Schlosses" ist damit für eine Nutzung als Landtag vom Tisch. Und OB Jakobs sei für einen Neubau am Alten Markt. Damit ist er faktische gegen eine Reko des Schlosses (oder hab ich da was falsch verstanden?).

      Jetzt kann man also praktisch nur hoffen, daß die erste Variante (Sanierung) den Vorzug erhält, ansonsten ist das Schloßgrundstück endgültig futsch, und außer Jauchs Fortunaportal wird dort in diesem Jahrhundert kein Schloß mehr stehen (sondern ein langweiliger Landtagskasten)!
      Dann würde ich lieber die Brache erstmal lassen und auf bessere Zeiten warten, nämlich auf Investoren, die Stück für Stück das restliche Schloß um das Portal herumbauen, und wenn es 25 Jahre dauert, besser spät als niemals.

      Das sieht nicht gut aus im Moment.
    • Offenbar Mehrheit für Landtagsneubau mit historischer Fassade

      Fraktionsspitzen von SPD und CDU sprechen sich für Standort im Potsdamer Zentrum aus


      Das brandenburgische Landesparlament strebt mehrheitlich einen schlossähnlichen Landtagsneubau auf dem Potsdamer Alten Markt an - dort stand einst das Stadtschloss der Hohenzollern. Sowohl SPD-Fraktionschef Günter Baaske als auch CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek sprachen sich am Dienstag dafür aus, den Landtagsneubau mitsamt einer historisierenden Fassade zu realisieren. Zudem solle der Neubau in der Kubatur des einstigen Stadtschlosses entstehen. Baaske und Lunacek betonten aber, dass die historischen Fassadenfiguren des einstigen Stadtschlosses durch private Sponsoren finanziert werden sollen. Der Berliner Rechtsanwalt Michael Schöne, Vorsitzender des Stadtschloss-Vereins, sprach in der CDU-Fraktionssitzung am Dienstag von einer erheblichen Spendenbereitschaft. Allein die Fassade würde etwa 14 Millionen Euro kosten, davon würden die historischen Figuren mit neun Millionen zu Buche schlagen. SPD- und CDU-Fraktion wollen nächsten Dienstag abschließend entscheiden, ob sie den Landtagsneubau favorisieren oder doch lieber das alte Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg sanieren und erweitern wollen.

      "Die Tendenz geht aber klar zum Landtagsneubau", sagte CDU-Fraktionschef Lunacek. Ein repräsentativer Neubau auf dem Alten Markt sei auch ein Signal für die Länderfusion. "Dann wird Potsdam Parlaments- und Regierungssitz", sagte Lunacek. Zugleich würde die städtische Brache in zentraler Lage endlich wieder bebaut, was weitere Touristen nach Potsdam locken würde. Auch Saskia Funck, die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion, sprach sich für den historisierenden Landtagsneubau aus - zugleich kritisierte sie die von Finanzminister Rainer Speer (SPD) vorgelegten Zahlen für den Landtagsneubau. Der Minister, kein Freund eines Landtagsschlosses, hatte die Kosten für einen Landtagsneubau ohne historische Fassade mit 106 Millionen Euro veranschlagt und die Sanierungskosten des bestehenden Landtagsgebäudes auf dem Brauhausberg auf etwa 80 Millionen taxiert. Lunacek und Funck hingegen betonten am Dienstag, dass der Landtagsneubau mit Fassade nur etwa 95 Millionen Euro kosten würde. "Zudem könnten die Kosten mit einen privatwirtschaftlichen Partner noch einmal gesenkt werden", sagte Funck.

      Die SPD-Fraktion war am Dienstag eigens nach Dresden gereist, um sich den sächsischen Landtag anzusehen. Während man in Potsdam seit Jahren über den Landtagsneubau streitet, wurde der Teilneubau des sächsischen Landtages am Elbufer bereits 1993 fertig gestellt. Plenum, Ausstellungsflächen und ein Dachterrassen-Café befinden sich in einem schicken Neubau mit Glasfassade. Die Abgeordnetenbüros sind in einem repräsentativen Bürogebäude untergebracht, das schon zu Zeiten der Weimarer Republik die Oberfinanzdirektion beherbergte und nach der Wende saniert wurde. Die Kosten für Neubau und Sanierung beliefen sich [...] auf 100 Millionen Euro. Die SPD-Abgeordneten waren von der Lösung durchaus angetan.

      Einzelne Abgeordnete wie Wolfgang Pohl aus Frankfurt (Oder) sprachen sich dennoch gegen einen Potsdamer Landtagsneubau mit Schlossfassade aus. "Ein Schloss? Mit mir nicht", sagte er. Auch SPD-Finanzexperte Mike Bischoff aus der Uckermark möchte lieber einen funktional-schlichten Landtagsneubau auf dem Alten Markt sehen. Andere Abgeordnete wie Christoph Schulze, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, sprachen sich für eine historische Fassade aus. Auch der Ex-Minister Steffen Reiche sagte: "Entweder mit historischer Fassade - oder wir können gleich in den Preußischen Landtag nach Berlin gehen." Das Berliner Abgeordnetenhaus wurde nämlich bereits aufwändig saniert.

      Die PDS und die rechtsradikale DVU lehnen einen Neubau zu den bisher genannten Kosten ab.



      Quelle: berlinonline.de/berliner-zeitung/brandenburg/440834.html


      :grosshuepfen:

      Sehr gut! Weiß jemand, wann die Abstimmung ist?
    • Eines ist bei einer positiven Entscheidung aber auch klar:

      Der Schloßhof wird nicht mehr hergestellt, sondern überbaut werden. Die tollen Stadtansichten aus dem Innenhof sind damit dahin. Auch wird eine angedachte Rekonstruktion des berühmten Marmorsaals im Südflügel sich nicht verwirklichen lassen. Es besteht zudem die Gefahr, daß das unerträgliche Gebäude der Fachhochschule als Zweckbau für den Landtag genutzt wird.

      Kompromisse eben .... :augenrollen:
    • Hmm,
      schwer zu sagen, ob das eine gute Nachricht ist. "Historisierende Fassade" meint doch wohl hoffentlich eine originalgetreue Kopie der Fassade und nicht eine, die so ein bißchen ans Schloß erinnert - letzteres würde ich strikt ablehnen, entweder richtig oder gar nicht.

      Was Du sagst, Philipp, ist natürlich auch so ein Punkt. Ich sage mal, es kommt darauf an, wieviel von dem Schloßhof weggenommen werden müßte, um den Plenarsaal unterzubringen - vielleicht ja nicht alles.

      Wenn es nur soviel wäre wie auf diesem Bild,


      Quelle: http://www.filmmuseum-potsdam.de">www.filmmuseum-potsdam.de

      dann könnte ich zur Not damit leben, wenn dafür alle Fassaden und da Dach originalgetreu rekonstruiert werden. Allerdings - diese Ufo-ähnliche Form des Plenarsaals lehne ich ab, da müßte man eine andere Lösung finden, ein eckiges flaches Gebäude (kann ja etwas in den Boden eingelassen werden, um genug Raumhöhe zu haben), das sich einigermaßen harmonisch anpaßt.

      Bei uns in Wiesbaden sitzt der hessische Landtag auch im Stadtschloß. Alerdings ist der Plenarsaal auch in einem häßlichen Anbau untergebracht (für den damals die historische Reithalle, also ein Teil des Schlosses abgerissen wurde!), der kürzlich abgerissen wurde und durch einen (hoffentlich) etwas ansehnlicheren Neubau ersetzt wird.

      Lange Rede, kurzer Sinn: Es kommt jetzt auf das "Wie", auf die Umsetzung an.
      Und die FH muß natürlich auch weg, da gehören Bürgerhäuser hin. Vielleicht kann man aber auch, wie auf dem Bild angedeutet, die FH mit einer Häuserzeile "zubauen", so daß man den FH-Komplex wenigstens vom Schloß aus nicht mehr sieht. Hoffentlich werden da die richtigen Entscheidungen getroffen.
    • Ich bin auch sehr skeptisch! Man sollte abwarten, wie die endgültigen Entwürfe aussehen. Eines ist jedoch klar. Politiker scheinen sehr auf Stahl, Glas und Beton zu stehen. Man sehe sich nur das neue Regierungsviertel in Berlin an oder den neuen Landtag in Dresden.
      Die SPD-Fraktion war am Dienstag eigens nach Dresden gereist, um sich den sächsischen Landtag anzusehen. Während man in Potsdam seit Jahren über den Landtagsneubau streitet, wurde der Teilneubau des sächsischen Landtages am Elbufer bereits 1993 fertig gestellt. Plenum, Ausstellungsflächen und ein Dachterrassen-Café befinden sich in einem schicken Neubau mit Glasfassade.

      Wenn es schlecht läuft, dann wird der gesamte Innenhof überbaut, so dass nur die äußeren Fassaden rekonstruiert werden und nicht mehr die Fassaden des Innenhofes. Oder man setzt in den Innenhof einen banalen Kubus aus Stahl, Glas und Beton. Dadurch würde das Schloss seinen einzigartigen architektonischen Charakter verlieren. Ich befürchte Schlimmes. Der moderne Anbau egal ob er im Innenhof oder außerhalb des Gebäudes entsteht, wird sich ganz klar in der Architektur vom alten Schloss abgrenzen. Für historisierende neue Architektur fehlt den Politikern der Mut. Ich würde eine Lösung favorisieren, bei der der Plenarsaal im Schlosshof versenkt wird und nur seine Fenster zu sehen sind. Dadurch könnten die Bürger vom Schlosshof in den Plenarsaal schauen und gleichzeitig bliebe der architektonische Charakter des Schlosshofs bestehen. Man müsste dan nur mit einer grossflächigen Verglasung des Schlosshofbodens leben, um eine natürliche Lichtführung zu erreichen. Oder man baut eine kleine Glaspyramide wie beim Louvre in Paris. Auf jeden Fall muss der Plenarsaal unterirdisch, im Schlosshof, untergebracht werden. Schade, Architekt müsste man sein. Hätte schon einige Ideen... :(
    • @Saibo

      Tolle Idee, zumal keine historischen Fundamente im Weg lägen, doch ist das bestimmt sehr kostenintensiv. Die Politiker werden aufgrund der bisherigen Diskussion versuchen, die billigste Variante eines Schloßneubaus zu finden. Ist irgendwie auch verständlich. Die historischen Fassaden sollen dann bestimmt vom Schloßverein durch Spenden aufgebracht werden. Dann doch lieber Spenden für ein richtiges Schloß sammeln und nicht nur für die Außenfassaden. Auf Sicht wird Potsdam, neben Dresden und Leipzig, zu DEN Städten in Mitteldeutschland gehören. Davon bin ich überzeugt. Da stehen die Chancen gut, in ein paar Jahren einen neuen Anlauf zu wagen.

      Weniger ist manchmal mehr.

      Obwohl, Häßlichkeit muß nicht unbedingt preisgünstig sein, wie man am Peter-Löbe- und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus unzweifelhaft erkennen kann (500 Mio. €). Mal sehen, was da in Potsdam hinten rauskommt.
    • Diesen Ansatz finde ich interessant:

      Auch der Ex-Minister Steffen Reiche sagte: "Entweder mit historischer Fassade - oder wir können gleich in den Preußischen Landtag nach Berlin gehen." Das Berliner Abgeordnetenhaus wurde nämlich bereits aufwändig saniert



      @ Philipp: Auch der Glaswürfel am Schloßplatz in Stuttgart ist so ein Beispiel. Und für's Jacob-Kaiser-Haus wurden sogar noch Altbauten abgerissen.[/img]
    • @ Saibo

      Ich finde Deine Idee auch sehr interessant - sie ähnelt ja auch meinem Vorschlag. Ein leicht gewölbtes Glasdach (wie beim Berliner Zeughaus) wäre vielleicht noch dezenter als eine Pyramide.

      Schade, daß wir zwei hier nicht zu entscheiden haben. Ich glaube nämlich ehrlich gesagt nicht, daß die Abgeordneten freiwillig ins Souterrain ziehen werden.

      Deshalb können wir wahrscheinlich froh sein, wenn - vorausgesetzt es kommt überhaupt zum Landtagsbau mit Schloßfassade - ein Plenarsaal in den Hof gesetzt wird, der diesen nicht zu sehr verunstaltet.
    • Ich bin nicht so sehr für die Pyramide sondern eher für eine ebenerdige Verglasung der Plenarsaaldecke. Diese Scheiben wären aus dickerem Glas und für Besucher des Schlosshofs begehbar. Dies hätte auch symbolischen Charakter. Denn die Bürger könnten ihrem Parlament aufs Dach steigen. Abends würden sich im Schlosshof interessante Lichteffekte ergeben, durch den unter ihm hell beleuchteten Plenarsaal. Und außerdem wäre es eine ungewöhnliche Konstruktion. Dadurch wäre der auf diese Weise ins Schloss integrierte Plenarsaal genauso attraktiv wie das historische Schloss. Wenn man sogar den gesamten Schlosshof unterkellern würde, um zusätzliche Räume für Abgeordnete oder Sitzungen zu schaffen,dann könnte der historische Festsaal ebenfalls rekonstruiert werden und für festliche Veranstaltungen der Regierung des Landes Brandenburg dienen.

      Aber was würde das kosten?
    • Ist doch irgendwie eh ein Unding, bei öffentlichen Gebäuden auf Kosten zu achten, denn man versucht überall zu sparen und macht im Schnitt dadurch doch alles teurer weil die Qualität nicht stimmt oder man was halb abreißen und neubauen muss usw.
      Daher beste Qualität und Optik damit es die nächsten 50 Jahre aushält.

      Aber das ehemalige Preußische Herrenhaus finde ich immernoch am interessantesten.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • @Schlossgespenst

      Falls die Abgeordneten wirklich Probleme damit haben ins Souterrain zu ziehen, dann installiert man an die Wände des Plenarsaal multimediale Projektionsleinwände (super modern darauf stehene doch Politiker :D ). Damit könnte man den Saal in jede gewünsche Umgebung teleportieren (z.B. auf eine grüne Wiese). Diese Technik wurde schon mal im kleinen Maßstab in der neuen Kommandantur verwendet. Dort befindet sich an der Decke des Wintergartens solch eine Projektionsfläche. Siehe Bild:

      [/img]

      Vielleicht könnte man auf diese Weise sogar völlig auf Fenster bzw. die Verglasung des Schlosshofes verzichten! Wird alles durch diese Projektionsflächen ersetzt! :lachen: Eine gute Klimaanlage muss doch auch reichen. Wozu reales Tageslicht?
    • saibo' schrieb:

      Eine gute Klimaanlage muss doch auch reichen. Wozu reales Tageslicht?


      Wie gut, dass das dann auch gleich die Energieerzeugungsindustrie fördert *gg*
      Aber für einen Landtag könnte ich ein Auge zudrücken.

      Fände es aber für ein vereintes Berlin-Brandenburg immer noch am schönsten, wenn man den Bundesrat aus dem ehemaligen Preußischen Herrenhaus rausschmeißt. Die können ja die Kroll-Oper als Plenarsaal rekonstruieren um zu zeigen, dass man auch dort demokratisch regieren kann... aber irgendwie scheint mir das nicht möglich weil man Architektur immer politisieren muss.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Fragmente sollen Lust auf Stadtschloß wecken


      Modern oder historisch: Am Mittwoch plazieren sich die Regierungsfraktionen zum Landtag

      Sie sind nur wenige Gramm schwer oder wiegen Tonnen. Tausende von Trümmerteilen, Bruchstücken und komplett erhaltenen Figuren des alten Potsdamer Stadtschlosses warten darauf, im, am oder auf dem Parlamentsneubau, der mit historischer Fassade auf dem Alten Markt errichtet werden soll, wieder ihren angestammten Platz zu finden. Am Mittwoch wollen sich die Regierungsfraktionen von SPD und CDU im Landtag dazu erklären, ob es auf dem Alten Markt einen modernen Neubau geben wird oder ein Gebäude, dessen Fassade an das Stadtschloß anknüpft.

      Auf dem Schirrhof der Potsdamer Schlösserstiftung liegen abgezirkelt Säulenstümpfe neben Fragmenten von Kapitellen, Teile eines Reliefs neben lebensgroßen Sandsteinfiguren, die einst das Dach des Schlosses im Stil des preußischen Rokokos schmückten.

      "Etwa 80 Prozent der Schloßfassade, die dem Markt zugewandt war, sind erhalten", sagt Saskia Hüneke, in der Schlösserstiftung als Kustodin für die Skulpturensammlung zuständig. Von den drei anderen Seiten sind jeweils nur noch zehn Prozent übrig.

      Daß von der Marktfassade so viel vorhanden ist, schreibt Frau Hüneke dem Verdienst des damaligen Chefs der DDR-Denkmalpflege, [...] Deiters, zu. "Er wollte vor dem Abriß 1959 wenigstens Musterstücke retten, um eine spätere Rekonstruktion zu ermöglichten", sagte sie. Dabei kam es zu einer Art Wettrennen zwischen Abrißbirne und Denkmalpflegern - die Denkmalpfleger, die mit der Bergung der Marktfassade begonnen hatten, verloren es.

      Die Zahl der Schloßreste ist nicht erfaßt, aber riesig groß. Allein 2001, bei Ausgrabungen im damaligen Ernst-Thälmann-Stadion, wurden mehr als 2000 Stücke gefunden, die jetzt in Hallen gelagert werden. Teile der Fassade finden sich auch im Wald hinter dem Park von Sanssouci. "Dort wurden die Trümmer nach dem Schloßabriß einfach abgekippt", sagt Frau Hüneke. Teile des Treppenhauses werden im Potsdam-Museum aufbewahrt und ein gutes Dutzend der 70 Sandsteinfiguren, die einst das Schloßdach zierten, bekrönen jetzt das Hauptgebäude der Humboldt-Universität in Berlin. Immer wieder tauchen längst verloren geglaubte Stücke wieder auf. So stand eine der Oberkörper einer Frauenfigur, genannt Babette, jahrzehntelang im Garten eines Arztehepaares in Babelsberg. Jetzt gab die Tochter das ererbte Stück zurück, zu dem sich im auf dem Schirrhof die passenden Beine fanden. Noch nicht gefunden, aber vielleicht noch irgendwo vorhanden sind die Arme.

      Die Restauratoren gehen davon aus, daß sich derzeit noch viele Teile des Schlosses in privater Hand befinden. Kustodion Hüneke ist zuversichtlich, daß die Diskussion um Wiederaufbau oder einen Nachfolgebau viele dazu bringt, sich von ihren Schätzen zum Wohl der Allgemeinheit zu trennen. Wenn es nach Frau Hüneke ginge, würden möglichst viele Teile wieder an der Stelle in den Neubau integriert werden, wo sie sich vor dem Abriß 1959 befanden.

      Besonders gut erhaltene Fragmente werden vom Sommer an in einer Dauerausstellung auf einem Freigelände am Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte zu sehen sein. Das soll die Lust aufs Stadtschloß anfachen.


      Quelle: welt.de/data/2005/04/25/709730.html
    • So viele Fragmente sind noch vorhanden? Das ist ja eigentlich großartig, denn das ist ein weitere Argument für die Reko: Je mehr alte Teile man in den Neubau integrieren kann, umso authentischer wird er, das ganze Projekt geht dann ein wenig in Richtung Frauenkirche, und umso weniger Argumente bleiben der Disney-Las-Vegas-Fraktion!

      Dann gäbe es "nur" noch das Problem mit der Ausgestaltung des Innenhofs zu lösen, und die Unterbringung des Plenarsaals ist ein Thema. Was die Kosten angeht: Das hatte ich ja vor langer Zeit schon mal vorgeschlagen, daß der Staat einfach einen Rohbau finanzieren soll, an den dann die Schloßfassaden (alte und neue Teile) nach und nach drangebaut werden - finanziert durch privater Spender (Jauch sicher auch!). Auf diese Weise ist das Argument "Schloß ist uns zu teuer" auch vom Tisch. Innenräume könnte man ja zunächst schlicht bauen mit der Option, sie später zu rekonstruieren, da müßte also nur die Raumaufteilung wenigstens teilweise beibehalten werden.
    • Die Fraktionen des Brandenburger Landtages wollen morgen entscheiden, dass ein neues Parlamentsgebäude errichtet wird. Es soll das heutige Provisorium in der baufälligen „Kriegsschule“ auf dem Brauhausberg ablösen. Und es sieht so aus, dass sich zumindest SPD und CDU mehrheitlich durchringen werden, den künftigen Landtag im Zentrum der Landeshauptstadt zu bauen – in der äußeren Gestalt des in den 50er Jahren abgerissenen Potsdamer Stadtschlosses auf dem Alten Markt. Passt das, in diesen Krisenzeiten?

      Gewiss, für Populisten aller Couleur ist es leicht, das unpopuläre 90-Millionen-Projekt zu denunzieren. (...) Es ist eine längst überfällige Investition, die eine Grundfrage, die das Selbstverständnis einer Demokratie berührt: Es zeugt von einer gehörigen Missachtung gegenüber ihrer wichtigsten Institution und trägt schon gar nicht zur Identifikation der Bürger mit ihren gewählten Repräsentanten bei, wenn ausgerechnet der Gesetzgeber in einer „Bruchbude“ haust. Kein anderes Parlament in Deutschland arbeitet unter so miserablen Bedingungen wie das Brandenburger, was freilich auch von dessen selbst verschuldetem Bedeutungs- und Einflussverlust, vom fehlenden Selbstbewusstsein des „Souveräns“ zeugt. Diese Einsicht wächst inzwischen, über Parteigrenzen hinweg. Sogar die PDS lehnt einen Parlaments-Neubau inzwischen nicht mehr ab. Bleibt die Frage des richtigen Standortes: Natürlich könnte man das jetzige Provisorium auf dem Brauhausberg verewigen, die Kriegsschule sanieren, dort einen neuen Plenarsaal bauen. So will es die PDS. Und tatsächlich ist das vielleicht ein paar Millionen Euro billiger als ein Parlamentsgebäude auf dem Alten Markt.

      Der Preis aber wäre hoch. Die sozialistische Stadtzerstörung in der alten Mitte Potsdams, nur drei Kilometer Luftlinie entfernt, würde zementiert. Man darf daran erinnern, dass es die SED war, die allein aus ideologischen Gründen die Garnisonkirche sprengen, den Stadtkanal zuschütten und das Stadtschloss auf dem Alten Markt abreißen ließ. Es stünde wirklich lernfähigen PDS-Erben gut an, wenigstens die Reparatur der Potsdamer Stadtsilhouette nicht länger zu torpedieren. Der Alte Markt, einst einer der schönsten Barockplätze Europas, bietet ein trostloses Bild. Es ist aber auch ein Ort, der Sensibilität verlangt, der keine Allerweltsarchitektur à la „Stahl, Glas und Beton“ verträgt, wie man sie an der Bausünde „Potsdam-Center“ und anderswo in Potsdam längst besichtigen kann. Der Zeitgeist der Architektur wandelt sich schnell. Brandenburgs Parlamentsgebäude soll sich jedoch auch noch in hundert Jahren in die barocke Altstadt Potsdams einfügen. Deshalb ist es nur vernünftig, sich bei der Fassade weitgehend am Vorbild des berühmten Knobelsdorff-Schlosses zu orientieren – das viele Freunde und Förderer hat. Siehe Günter Jauch, der schon das Fortunaportal spendierte. Man darf sicher sein, dass die öffentliche Hand nicht allein für diese mit 14 Millionen Euro überschaubaren Mehrkosten der Schlossfassade aufkommen muss. Wer hätte dies gedacht: Es gibt plötzlich eine reale Chance, Potsdams verwundete Mitte zu heilen – es ist, so wie die Dinge liegen, die letzte.


      quelle: http://www.pnn.de">www.pnn.de
    • hoffen wir, dass den entscheidern am mittwoch weisheit und einsicht gegeben werden wird. leider bin ich eher skeptisch - das ist vielleicht eine dumme angewohnheit von mir, hat aber den vorteil, dass man ab und zu auch mal positiv überrascht wird. ;)
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Noch zwei aktuelle Artikel:


      Heute Entscheidung über Landtag im Stadtschloß


      Heute fällt die Vorentscheidung für einen neuen Landtag im wiedererbauten Stadtschloß: Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Fraktionsvorstände folgen, die sich gestern auf den Potsdamer Alten Markt als neuen Sitz des Parlaments verständigt haben. In dem [...] vorliegenden gemeinsamen Antrag erhält die Landesregierung den Auftrag, den Landtags-Neubau in den äußeren Um- und Aufrissen des ursprünglichen Stadtschloß-Gebäudes zu realisieren.

      "Außenseitig werden Putz- und Fassadengliederungsflächen nach historischem Vorbild vorgenommen", heißt es in dem Antrag. Nur sollen West- und Ostflügel des "neuen Stadtschlosses" statt einst zwei künftig drei Etagen haben. Die Außenseiten sollen sich weitestgehend an den Putz- und Fassadengliederungsflächen des originalen Vorbilds orientieren. Die aufwendigen Teile Attika und Figurenschmuck würden über Spenden realisiert.

      Die Regierung wird beauftragt, die Möglichkeit einer "öffentlich-privaten Partnerschaft" zu prüfen. Die Investition wird auf mindestens 100 Millionen Euro geschätzt. Es soll ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Die Architektenkammer bot bereits an, Vorschläge zur Entwicklung des Stadtzentrums zu machen.

      SPD und CDU wollen, daß die Baustelle nach dem Vorbild der Frauenkirche in Dresden und Neugestaltung des Potsdamer Platzes in Berlin eine bürgernahe Schaustelle wird. Die Antragsteller begründen das Vorhaben damit, daß das Landtags-Provisorium nicht mehr die Mindestvoraussetzungen für die Arbeit eines Parlaments erfüllt. Der neue Landtag werde die Entwicklung der Landeshauptstadt unterstützen. Und: "Im ehemaligen Stadtschloß wurde 1685 das Toleranzedikt von Potsdam unterzeichnet. Auf diese guten Traditionen aufbauend kann sich hier die Demokratie selbstbewußt entfalten und den Anspruch antreten, auch Parlament für ein Bundesland Brandenburg-Berlin zu sein." Die PDS will für den Ausbau des derzeitigen Gebäudes stimmen.


      Quelle: welt.de/data/2005/04/26/710168.html

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      Schlösserstiftung will kein Disneyland

      Heute entscheiden SPD und CDU über Standort für Landtagsneubau / Neuer PDS-Vorschlag


      In der Debatte um einen Landtagsneubau auf dem Areal des einstigen Stadtschlosses hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten vor einer möglichen Bausünde gewarnt. "Wir wollen kein Disneyland an dieser Stelle", sagte Ulrich Henze von der Schlösserstiftung [...] der Berliner Zeitung. "Wenn Geschichte rekonstruiert wird, so muss dies mit strengem historischen Bezug geschehen." Alles andere wäre ein "Fantasieprodukt".

      Die Landtagsfraktionen von SPD und CDU wollen heute darüber entscheiden, ob sie einen Landtagsneubau auf dem Alten Markt bevorzugen oder eine Sanierung des maroden Landtagsgebäudes auf dem Brauhausberg favorisieren. In der vergangenen Woche hatte sich bereits eine Mehrheit für einen Landtagsneubau mit historischer Fassade und dem Grundriss des einstigen Stadtschlosses abgezeichnet. Ein solcher Neubau soll nach Angaben der CDU-Fraktion etwa 95 Millionen Euro kosten, wobei die historischen Fassadenfiguren durch private Spender finanziert werden sollen. Das Knobelsdorff'sche Stadtschloss war im Krieg von Bomben getroffen worden und ausgebrannt. Die Ruine war auf Geheiß der DDR-Führung Ende der 50er-Jahre abgetragen worden.

      Eine Sanierung des bestehenden Landtagsgebäudes, ursprünglich in der Kaiserzeit als Reichskriegsschule gebaut, würde hingegen 80 Millionen Euro kosten.

      Die Brandenburgische Architektenkammer warnte am Montag davor, die Diskussion nur auf das ehemalige Stadtschlossareal zu beschränken. "Das halten wir für falsch", sagte Bernhard Schuster, Präsident der Architektenkammer, am Montag. "Wichtig ist eine Lösung für die gesamte Potsdamer Mitte in hoher städtebaulicher, architektonischer und landschaftsgestalterischer Qualität." Zugleich forderte Schuster einen offenen architektonischen und städtebaulichen Wettbewerb. "Nur so können die zu erwartenden Baukosten spezifiziert werden."

      Die PDS-Fraktion lehnt bislang einen Landtagsneubau aus Kostengründen ab. Doch nun hat der einflussreiche Potsdamer PDS-Abgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg einen neuen Standort für den Landtagsneubau vorgeschlagen: Direkt an der Havel, wo heute noch der Wellblech-Bau des Potsdamer Hans-Otto-Theaters steht, könnte ein neuer Landtag entstehen. "Mit Glasfassade zum Wasser und historischer Fassade zum Alten Markt", so Scharfenberg. Der provisorische Theaterbau, wo einst das Palais Barberini stand, soll 2007 ohnehin abgerissen werden. "An diesem Standort müssten nicht wie beim Wiederaufbau des Stadtschlosses Straßen verlegt werden", sagte Scharfenberg.

      Die PDS will heute als Fraktion ihre Position klar machen.



      Quelle: berlinonline.de/berliner-zeitung/brandenburg/442635.html
    • Ach, ich bin irgendwie unetnschlossen...Dieses Gerede, von Wegen "moderner Neubau mit hist. Fassade", "3 statt 2 Etagen", "der Plenarsaal im Hof" usw. geben mir wieder Grund zum Zögern, dass nicht so'n Mischmasch entsteht und danach nur gemeckert wird...Nicht, dass das Schloss, bez. der Lage und des Gebäudes an sich, ideal für einen Landtag wär, aber vielleicht kann man doch noch irgendwie ein richtiges Schloss ohne die o.g. Experimente...

      Allerdings finde ich es interessant, dass die friedliebende PDS darauf besteht, in einer ehem preußisch-imperialistischen Kriegsschule zu bleiben.