Potsdamer Stadtschloss und Umfeld

  • Dass heutiges Kupfer keine grüne Patina mehr ansetzt wie früher, hängt auch damit zusammen, dass es viel reiner ist. Die Verunreinigungen im Kupfer förderten (oder ermöglichten) offenbar die grüne Patiierung viel stärker. Ich habe diese Information von einem Spengler, und konnte im Netz nichts darüber finden. Darüber, wie weit der Patinierungsgrad mit dem sauren Regen oder dem Sauberkeitsgrad der Luft zusammenhängt, konnte ich ebenfalls nichts finden.


    Der Kirchturm neben meiner Wohnung wurde 1980 neu mit Kupfer eingedeckt, und ist heute noch völlig dunkelbraun, und zeigt nur an den weniger steil abfallenden Flächen einen Hauch von hellerer Patina. Die alte Kupferverkleidung stammte von 1913, und die war nur mässig hellgrün. Ziemlich zeitgleich erhielt ein Neubau in der Nähe ein Kupferdach, das dann gesäuert wurde, weil der Effekt der Grünfarbung gewollt war, doch mit den Jahren wusch der Regen diese künstlich erzeugte Patina allmählich wieder weg, sodass das Dach heute eher dunkelbraun/schwarz als grün erscheint. Ebenso konnte man bei Turmhelmen von Jugendstilbauten, erstellt zwischen 1900 und 1910, feststellen, dass die Kupfereindeckung von Anfang an hellgrün-blau gestrichen worden war, offenbar weil man eine einheitliche Färbung haben wollte, und keine solche mit Striemen.


    Hier noch einige Links zur Problematik:
    Patina – Wikipedia
    Erzeugen einer Kupferpatina - Mikrocontroller.net
    Grüne und schwarze Kupferpatina - Anorganische Chemie - ChemieOnline Forum

  • Beton. Nun, mir ist der Materialfetisch einerlei. Heute kann man schneller und besser bauen mit solchen Werkstoffen, braucht auch noch Wärmedämmung usw. Was Fertigteile betrifft, da kann in den Zeiten computergestützter Produktion Maßarbeit vom Fliessband geleistet werden. Darauf kommt dann die Fassade. Im Gegensatz zu den historischen Beiträgen übersteht Beton Luftangriffe. Dann die Unregelmässigkeiten des Originals. Nun ja.


    Ob Stadtschloss Potsdam oder Dresdner Zwinger. Das waren Bauwerke, mit Bauschäden. Egal was jetzt gebaut wird, es wird viel hochwertiger und stabiler ausgeführt.

  • Na, sollte ich mich doch getäuscht haben? :lachen:
    Entschuldigung, liebes "Schlossgespenst". cheers:)
    Ist ja wirklich sagenhaft dieser neue Baustoff Beton. Offenbar kommen bei ihm nicht mal Bauschäden vor. Selbst rostende Stahlträger halten Jahrhunderte lang. Und die bevorstehenden Luftangriffe auf Potsdam werden auch noch einfach abgeblockt. Beton ist also kriegssicher. Klasse.

  • Genau das gleiche mit Kupfer. Kann man natürlich patinieren. Was wir kennen ist meistens Bronze mit Kupferpatina. Schwarz ist Kupferoxid. Kupfer patiniert nicht so schnell grün. Die chemischen Verfahren sind nicht für großflächige Objekte geeignet. Auch da wäre es einfacher gewesen ein Zinkdach kupfergrün zu streichen.

  • Und die bevorstehenden Luftangriffe auf Potsdam werden auch noch einfach abgeblockt. Beton ist also kriegssicher. Klasse.

    :lachentuerkis:
    Obwohl ja rein theoretisch etwas dran ist: Unterstellt, ein Luftangriff stünde bevor - und der Angriff wäre technisch auf demselben Niveau wie im Zweiten Weltkrieg. Damals sind ja in der Tat meist die aus Stahlbeton gebauten Gebäude stehengeblieben (z.B. Weinhaus Huth am Potsdamer Platz in Berlin und das heutige Bundesbankgebäude in Dresden).


    Da das eine aber so abwegig ist wie das andere, gibt es nur noch ein Argument für Beton, und das ist die Schnelligkeit der Bauarbeiten. Was die übrigen Eigenschaften angeht, so sollten sich die Befürworter lieber erst einmal informieren (darüber wurde auch hier im Forum schon oft gesprochen, und zwar auch von Fachleuten).

  • Dass heutiges Kupfer keine grüne Patina mehr ansetzt wie früher, hängt auch damit zusammen, dass es viel reiner ist.

    Ja, das hab ich auch schon mal gelesen, und zwar hier im Forum. Aber trifft das wirklich auf jedes heute verwendete Kupfer zu?


    Ich lese hier immer was von "grün streichen" - aber dann brauche ich doch aber kein Kupfer! Dann hätte man ja Kulkas Aluminiumdach lassen können. Beim Hotel Adlon jedenfalls ist das Dach aus Kupfer, und zwar aus künstlich oxidiertem Kupfer. Die Lösung finde ich dann doch noch besser, als da Frabe draufzuklatschen (die dann irgendwann stückweise abplatzt, bis das Ganze schäbig und peinlich aussieht).

  • Quote

    ...in Braunschweig bei St Martini sind die Türme auch grün geworden


    ..dann muss man also nur ein Stahlwerk, eine Fabrik eines Autoweltkonzerns sowie 2 - 3 Kraftwerke mit entsprechenden Auswirkungen auf die Luftqualität der Umgebung bauen, dann wird das Dach schneller grün... :biggrin:


    Der Marktkirchturm in Hannover wurde 1985 neu gedeckt, je nach Witterung ist entweder ein ganz leichter, graugrüner Schimmer erkennbar, oder (wenn es nass ist) braun-schwarzgrüne Flächen

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

    Edited once, last by Ein_Hannoveraner ().

  • Ich habe mir gerade die Webcam Bilder vom Schlosshof angesehen und fürchte nun, dass an den Flügelbauten die Pilaster im Innenhof nicht rekonstruiert werden, wie hier schon mal befürchtet wurde. Weiss jemand mehr ?

  • Ich habe mir gerade die Webcam Bilder vom Schlosshof angesehen und fürchte nun, dass an den Flügelbauten die Pilaster im Innenhof nicht rekonstruiert werden, wie hier schon mal befürchtet wurde. Weiss jemand mehr ?


    Ich teile deine Skepsis, aber noch besteht Hoffnung, denn die anderen Fassadenabschnitte bekamen ihre Pialster auch erst nachdem die Ziegelwand fertig war. Anscheinend werden die Pilaster nicht direkt im Mauerwerk verankert, sondern irgendwie nachträglich angeklebt.

  • Es gibt unterschiedliche Kupferverbindungen, die grüne Farbe erhalten. Die Beimischung von Zinn verhindert, dass es schnell abgewaschen wird. Auch so ein Gedanke, den man beachten sollte, Schwermetalle im Grundwasser sind ja nicht so prima. Wenn man Patina haben will, am besten einen gewissen Zinkanteil und eine raue Oberfläche.


    Immer beachten aus welchen Entfernungen man die Dachlandschaft sieht. Ein Imitat ist die einfachere und umweltfreundlichere Lösung.

  • Schmuckstücke für Landtagsneubau
    - Historische Säulen des Stadtschlosses in Potsdam werden montiert - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg


    Quote

    Der Neubau des Landtages Brandenburg erhält ein weiteres Stück des früheren Antlitzes des einstigen Potsdamer Stadtschlosses. Ab heute werden die ersten der erhaltenen historischen Säulentrommeln des Stadtschlosses wieder an ihren ursprünglichen Standorten eingebaut, teilte das Finanzministerium als Bauherr mit.[...]

  • Sehr schön. Wenn ich morgen mehr Zeit hätte (fahre nämlich zu Springsteen nach Berlin cclap:) ), würde ich glatt mal ´nen Abstecher machen.

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Achitektonisch finde ich das Projekt höchst spannend. Allerdings ist es in meinen Augen eine Art Bankrotterklärung an die zeitgenössische Baukunst. Doch nicht nur auf der Ebene fehlen mir die Visionen. Auch gesellschaftlich finde ich das alles höchst zweifelhaft. Wozu wird bspw. das Schloss in Berlin-Mitte gebaut? In der Hoffung, dass da wieder ein König einzieht?

  • Und auch das wieder erlebbar machen Jahrhundertealter Kulturgeschichte, die man, da pauschal als "schlecht" interpretiert, aus den Stadtbildern hat tilgen wollen.

  • Klar, Schloss=König...Freu mich schon auf Die Krönung in Dresden, wenn da endlich alle Bauarbeiten beim Schloss abgeschlossen sind :rolleyes:.


    War Sonntag vor Ort (leider nur mit Handy bei doofem Licht).


    An der Ostseite ist ja im Grunde nur noch die Fassade zu streichen :lach:.


    Die Sockel der Risalite sind größtenteils auch schon mit Sandstein verkleidet...


    Auch an der Westfassade...


    Originalteil...

  • Vielen Dank für die im Angesicht der Prominenz der Baustelle recht raren Fotoupdates!


    Bei Bankrotterklärung fällt mir was ein:


    Quote

    Was Sie hier sehen, meine junge Freundin, ist die Bankrotterklärung der Architektur. Häuser werden nicht mehr gebaut, sondern produziert wie eine beliebige Ware und an die Stelle des Architekten ist der Ingenieur getreten.

    Quelle: Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand, Berlin 1998, S. 154.


    und weiter:


    Quote

    Wir sind Funktionäre der Bauindustrie geworden, für die Gestaltungswille und Baugesinnung Fremdwörter sind, von Ästhetik ganz zu schweigen.

    Quelle: Ebd., S. 154.


    Leider scheint sich gegenüber dem Erscheinungsjahr 1974 nicht soviel verändert zu haben.


    @ Benni


    Nimm es nicht so ernst. In Braunschweig etwa ist doch mittlerweile der Kunde König!