Molkenmarkt und Klosterviertel

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    • Wann sind denn "die Berliner" das letzte Mal "aufgestanden"? Aus moralischen Gründen vielleicht oder aus naiven Erwägungen des Weltfriedens. Aber aus Gründen des Städtebaus oder der Architektur? Ich kann mich nicht erinnern und die Litaratur gibt da auch nichts her.

      Nein, am Molkenmarkt entstehen die gleichen Großblöcke wie an der Karl-Liebknecht-Straße oder an der Heidestraße. Die Bebauungspläne stehen ja und nun könnten nur noch nennenswerte archäologische Funde das Projekt verzögern. Parallel zur Umverlegung der Straßen wird die Grundstücksvergabe geben, die angesichts der vom Senat bestimmten Jurys sicher ähnliche Architekturen wie das Strichcodehotel hervorbringen wird.

      Aufregen wird sich darüber niemand, die Öffentlichkeit wird es schulterzuckend hinnehmen wie die Bebauung des Kapelleufers oder des Alexanderplatzes. Das Beispiel aus Frankfurt zeigt ziemlich genau das gleiche Straßenprofil, dass an der Grunerstraße vorgesehen ist. Und leider auch die zu erwartende Architektur, es muss ja wegen des Straßenlärms zu 90 % Gewerbe sein.

      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Ja, aber dann sind die Berliner selber schuld, wenn sie dieses Ergebnis dann so hinnehmen. So ein Protest muss dann aus der Stadtgesellschaft kommen und kann nicht von außen organisiert werden. Und wer weiß, irgendwann kommt man vielleicht auch in Berlin auf neue Gedanken. Dass der Tagesspiegel überhaupt mal auf die Frankfurter Idee für Berlin hin gewiesen hat, ist ja für dieses Blatt schon eine kleine Revolution, man sollte also nie nie sagen.

      Aber natürlich ist es in Belrin viel schwieriger wie in anderen Städten, weil erstens Berlin sehr auf die jeweiligen Stadtteile schielt und man als Berliner gefühlt zumindest in erster Linie erst mal aus Charlottenburg oder Kreuzberg kommt und erst in zweiter Reihe Berliner ist, was die Bindung an die Berliner Mitte und das historische Stadtzentrum eben deutlich schwächt.

      Zudem ist Berlin von so vielen Zuzügen geprägt, dass es die verwurzelte Bevölkerung in diesem Maße nicht in ausreichender Form gibt. Ferner ist das linke Milieu in Berlin extrem stark und das klassische Bürgertum konzentriert sich auf einige Bereiche im Westen.

      Berlin hat eben viele Zentren und ganz andere Strukturen als viele andere deutsche Städte. Somit nimmt der Berliner, der vielleicht aus Charlottenburg kommt, Mitte nicht vordringlich als sein Problem wahr. Aber das gilt es eben schrittweise zu verändern und dem Berliner zumindest näher zu bringen, wo die Stadt als Ganzes eben mal entstanden ist und wie fahrlässig es wäre, die Chance einer Sichtbarmachung dieser Wurzeln jetzt einfach für diese furchtbaren Pappburgen weg zu werfen!
      APH - am Puls der Zeit
    • Ich denke die moderne Architektur wäre wesentlich angenehmer, wenn sie kleinteiliger wäre. Kleine Parzellen, die von unterschiedlichen Architekturbüros bebaut werden würden, hätten sicher nicht diese grauenhafte Monotonie auf mehrere hundert Meter länge Straßenfront zur Folge.
      Aber selbst großparzellige Investorenarchitektur muss ja nicht häßlich sein. Tietz war ein gutes Beispiel. in zahlreichen Städten kaufte er zahlreiche alte Häuser auf, ließ sie abreißen und baute dann ein gewaltiges Kaufhaus auf dieses Areal.
      Die fähigen Architekten schafften es, diese Riesenbauten trotzdem abwechslungsreich zu gestalten, so dass sie nicht störten. Im Gegenteil sie waren sogar ein städtebaulicher Gewinn. Heutzutage sind soche Riesenkaufhäuser immer Altstadtzerstörend.



      Tietz in Berlin:

      Tietz in Aachen:
    • Konstantindegeer schrieb:

      Rekonstruktionen, auch einzelner Bauten, sind nicht vorgeshen und durch den B-Plan auch nur durch krasse Verschiebungen theoretisch möglich. Ein Wiederaufbau des Jüdenhofes wird ausgeschlossen. Auch der französische Kirchhof soll nur abstrakt als Platzform wiederentstehen. Irgendwelche "Leitbautenkonzepte" gibt es nicht.
      Was die Architektur betrifft stimmt dies leider. Der Jüdenhof selbst kehrt sehr wohl zurück, zum Teil auch deutlich kleinteiliger mit zwei bis vier Vollgeschossen als die übrigen Blöcke:



      (Ausschnitt aus B-Plan 1-14, online unter: fbinter.stadt-berlin.de/ScansBPlan/01_mit/0100014_Bl1.pdf)

      Es liegt also in der Tat an der Zivilgesellschaft, wenigstens hier Rekonstruktionen oder eine angepasste Architektur wie in Lübeck zu fordern.
    • ^^Aber nur der Form halber, keine rekonstruierten Fassaden. Und der Jüdenhof darf erst gebaut werden, wenn die Schallabschirmung durch die Gewerberiegel schon errichtet ist.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Der B-Plan gibt aber nicht vor, wie die Fassaden auszusehen haben (zumindest nicht die Karte, die Begründung habe ich gerade nicht zur Hand). Insofern wäre es jetzt in der Tat die Chance, über Rekonstruktionen nachzudenken, gerade, wenn durch die Ausgrabungen, den Straßenbau und die Lärmschutzbebauung noch ein wenig Zeit bleibt.

      Ich habe die Ausstellung in der Parochialkirche auch genau unter dem Aspekt verstanden, dass die Debatte von der Gesellschaft Historisches Berlin und weiteren Vereinen angestoßen wird - sonst hätte man sich die Veranstaltung auch sparen können. Allein der Glaube, dass man beim Senat auf offene Ohren stößt, der fehlt mir.
    • Aber ich habe "die Begründung zur Hand". Es soll ausdrücklich keine Reknstruktion werden. Dass hatten viele Bürgervereine schon vor mehr als 10 Jahren (!) vorgeschlagen.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft