Berlin - Molkenmarkt und Klosterviertel

  • Sieht aus wie eine "Kristall-Stufe", so unter Mineraliensammlern genannt. Insofern die Architekten auch Kristallografie studiert hätten, oder sich zumindest über die "rechten", meine hier stimmigen Winkel in Kristallen kundig gemacht hätten (wobei ich sagen will, haben sie wahrscheinlich nicht) käme sicher eine interessante, wohltuende Außenwirkung heraus. Diese mit den entsprechenden edlen Materialien noch gesteigert und es könnte sogar etwas Einzigartiges entstehen. Aber so wird's wohl nur ein Kristallabklatsch ohne tieferes Verständnis für das Wesen der Kristalle. Schade!!!

  • HSH-Architektur die Schöpfer vom Cölln-Palais sagen auf Ihrer Webseite zur Arbeitsweise des Büros: "In der Auseinandersetzung mit der bestehenden Bausubstanz liegt für uns ein großer Reiz. Die Frage nach dem Verhältnis von Alt und Neu stellt sich dabei nicht nur bei konkreten Umbauvorhaben sondern auch im Kontext der Nachbarbebauung. Die besondere Herausforderung besteht darin, die Qualitäten von Alt- und Neubauten miteinander zu verbinden. Durch einen behutsamen Umgang mit der vorhandenen Substanz einerseits sowie die selbstbewusste Addition neuer Bauteile andererseits unterstreichen wir die Vielschichtigkeit des jeweiligen Ortes. Die Besonderheiten, Spuren und Widersprüche werden betont und zugleich moderne Räume geschaffen, die den hohen Anforderungen der neuen Nutzer gerecht werden."
    In meinen Augen, sehr schmeichelhafte Lippenbekenntnisse...mehr nicht.

  • Das ist genau die hohle, ueberhebliche Art von Architektengequassel die mich auf die Palme bringt.


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    "In der Auseinandersetzung mit der bestehenden Bausubstanz liegt für uns ein großer Reiz.


    Ja, der grosse Reiz, der baulichen Vergangenheit, der Geschichte und dem Charakter der ueberlebenden Bausubstanz den Finger zu zeigen.


    Das Argument mit den angeblichen "hohen Anforderungen der neuen Nutzer" ist doch purer Hohn. Halte mich bitte einer fest! :wueten:

  • aber lieber henry, das icc ist eine der hauptsehenswürdigkeiten west-berlins: eine zeitreise in die mauerstadt, einschließlich der spacigsten (und weitläufigsten) interieurs der bundesrepublik. nein, nein, wenn man ein bauprojekt der 1970er jahre gesehen haben muss und in allen details erhalten sollte (die unselige abrissdiskussion wurde ja glücklich beendet, aber was den angekündigten umbau betrifft, bin ich in großer sorge), dann dieses - eine solche liebe zum detail findet sich in der architektur der gegenwart kaum noch. geh mal rein, wenn du mal in berlin bist, ganz ehrlich, dit rockt. außerdem: da draußen an der stadtautobahn stört das trumm auch nicht. im stadtzentrum wäre das natürlich was anderes.

  • Genau. An seinem Standort stört das ICC niemanden und ist sogar ein Blickfang. Aber der Vergleich passt schon...Diese Werbesprüche für diese "Palais" sind wirklich immer wieder ein Vergnügen :augenrollen:...


  • War für Mitte nicht einmal eine Gestaltungssatzung geplant? An dieser Stelle empfinde ich eine solche Architektur ungefähr so passend wie eine Diskokugel in einem gotischen Kreuzgang.


    Antwort verschoben in Strang "Strenge Regeln für Fassaden in Berlin-Mitte"

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

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    Molkenmarkt - Grüne Höfe sollen Berlins triste Mitte aufwerten
    Der Molkenmarkt in Mitte lädt nicht gerade zum Verweilen ein. Achtspurig rauscht hier der Verkehr über die Freifläche zwischen Rotem Rathaus und Altem Stadthaus. Dabei liegen hier die Ursprünge der Stadt Berlin. Jetzt soll das Areal neu gestaltet werden. SPD und Linke haben sich schon auf ein Konzept geeinigt. [...]
    Der heute noch freie Platz vor dem Stadthaus wird mit einem viereckigen Häuserblock bebaut (siehe Grafik).


    Quelle:Senatsverwaltung für Stadtentwicklung


    Wie wahr! Das ist wahrlich viereckig, rechtwinklig, zu großfenstrig, flachdachig - oder einfach belanglos und neuschäbig; da hilft auch keine Anreicherung der Visualisierung mit Grünflächen.


    http://www.morgenpost.de/berli…iste_Mitte_aufwerten.html

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Bevor da so ein Murks hingestellt wird, sollte der Platz besser gar nicht bebaut werden.
    Da habe ich lieber freien Blick auf das prächtig-mächtige Stadthaus.


    Überhaupt ist es noch zu früh, um den Platz zu bebauen. Wenn man jetzt nicht historisierend baut oder rekonstruiert, wird man sich darüber spätestens ärgern, wenn Stadtschloss und Marienviertel/Klosterviertel/Heiligengeistviertel wieder stehen.

  • Genau, die riesige Brachfläche ist besser als diese eckigen Platzhalter. Witz lass nach. Dass sich das APH nochmal mit der Linkspartei zusammentun würde...

  • Dass Du für Bebauung um jeden Preis bist, ist hinlänglich bekannt. Hauptsache, die Stadt funktioniert, nicht wahr? Für manche ist es halt nicht einmal nach Jahren offenkundig geworden, dass hier im APH ästhetische Erwägungen vorrangig sind, falls nicht Auf-Teufel-komm-raus-Widerspruch und Pseudo-Leuchtturm-Meinung Hintergrund jeglicher Reaktion und nicht vorhandener Reflektion sind. Witzig ist das allenfalls für Minderbemittelte!


    Deine konstruierten parteipolitischen Mutmaßungen, kannst Du Dir übrigens getrost schenken.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • ^ Wenn der aktuelle Zustand gegenüber einer annähernden Wiederherstellung des alten Straßenrasters bevorzugt wird, fällt es mir schwer, an die Vorrangigkeit ästhetischer Erwägungen zu glauben. Außer Ästhetik äußert sich nur in Fassaden bzw. Satteldächern und urbaner Raum, an dem sich Menschen (nicht nur Autos) gerne aufhalten, ist nichts wert. Dann stellt sich mir aber schon die Frage, warum hier so selten Bilder diverser Outlet-Dörfer zu sehen sind.


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    Witzig ist das allenfalls für Minderbemittelte!


    Hat die Freundin Schluß gemacht? Hat jemand blöd gekuckt? Ein Fall von Größenwahnsinnigkeit aufgrund des lokalen Moderator-Status? Oder einfach schlechte Laune wegen dem wechselhaften Wetter?


    In jedem Falle: mein aufrichtiges Beileid. :harfe: Deine Wortwahl verrät jedenfalls einiges über dich. Für einen Moderator ist das nichts weiter als peinlich, aber das ist man ja auch von einem anderen hier gewohnt.


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    Deine konstruierten parteipolitischen Mutmaßungen, kannst Du Dir übrigens getrost schenken.


    Solang du dir keine Grammatik-Grundregeln schenkst, sehr gern. Die Linkspartei ist die einzige im Senat vertretene Kraft, die gegen die geplante Wiederherstellung des Rasters eintritt. Vielleicht habe ich ja ein rezeptives Problem, aber das ähnelt doch sehr Ansichten à la "sollte der Platz besser gar nicht bebaut werden".

  • Im Gegensatz zu Deinem vorigen Beitrag war dieser jetzt außerordentlich amüsant.
    Vielen Dank dafür - welch ein erfrischender Auftakt für mein Wochenende!

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  • Neuschäbig ist der richtige Ausdruck, billig wie am Pariser Platz...Nein !!! :boese:

  • Wieso kannst du nicht einfach mal einräumen, dass hier Architektur von höchstens vorstädtisch-neubaugebietartiger Qualität in das Zentrum von Berlin gestellt werden soll, Dase? Willst du ernsthaft verteidigen, dass es hier nicht besser ginge? Mal abgesehen davon gab und gibt es keinen Grund, hier mit persönlichen Attacken um sich zu werfen. Ich kann mich somit dem Eindruck von Palantir nur anschließen, dass es dir (sinnfreierweise) nur ums Kontra-Geben geht.

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    Vielleicht habe ich ja ein rezeptives Problem, aber das ähnelt doch sehr Ansichten à la "sollte der Platz besser gar nicht bebaut werden".


    Palantir und viele andere sagen: "Bevor da so miserabel gebaut wird, wie aktuell geplant sollte zur Zeit besser gar nichts gebaut werden, damit man später was besseres an die Stelle setzen kann."


    Die Linke sagt: "Da sollte gar nichts gebaut werden, um die tollen sozialistischen Brachflächen in der Innenstadt zu erhalten."


    Wenn man das für die gleiche oder nur eine ähnliche Position hält, hat man vermutlich wirklich ein "rezeptives Problem."

  • Dass man hier im ehemaligen Altstadtbereich bauen möchte, scheint der Berliner Baupolitik entweder unbekannt oder egal zu sein - man glaubt offenbar, das Prinzip des Berliner Rasterfassadenflachdachbaus auch hier erfolgreich anwenden zu können. Wirklich fest steht bei der Bebauung jedoch noch nichts, oder? Ist die Zeit für Proteste langsam gekommen und wer wären die passenden Adressaten?


    Weiß irgendjemand Näheres zum Verein "Berliner Historische Mitte - Berliner Historische Mitte e.V. - Förderverein zur Wiedergewinnung des alten Stadtkerns"? Dessen Betätigungsfeld wird ja nun demnächst berührt werden. Die Internetpräsenz des Vereins ist allerdings leider sehr verschlafen.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Zur besseren Übersicht zumindest hinsichtlich der beabsichtigten Änderungen in der Straßenführung und der Blockstrukturen (deren Bebauung hier hoffentlich VIEL holzschnittartiger angedeutet ist als sie tatsächlich mal ausfällt) diese Veranschaulichungen der SenatsVerw für Stadtentwicklung.


    Fotomontage des geplanten Gebiets unter Verlängerung von Jüdenstraße und Parochialstraße inkl. Neubebauung bis zur Klosterstraße


    Vorher-Nachher-Simulation der Großkreuzung im Zentralbereich Molkenmarkt

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