Berlin - Molkenmarkt und Klosterviertel

  • Zum Artikel der Berliner Zeitung:

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    zugleich an die Geschichte des Ortes erinnern, indem archäologische Funde sichtbar gemacht werden.

    Um am Molkenmarkt und im Klosterviertel an die Geschichte des Ortes zu erinnern, reicht es nun einmal nicht aus, nur ein paar Bodendenkmale mittels archäologischer Fenster sichtbar zu machen. Die Geschichte des Ortes sollte sich in der Bebauung widerspiegeln, in Parzellengröße und der Architektursprache, idealerweise auch in Leitbauten. Dies wäre mit dem Czyborra-Klingbeil-Entwurf schwerlich vereinbar.


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    Die Stadt der Zukunft geht anders.

    Das sind so Floskeln. Die Autoren des Czyborra-Klingbeil-Entwurfs haben es irgendwie fertiggebracht, die gefälligeren Begrifflichkeiten für sich zu besetzen, vor allem in Bezug auf die emotional sehr aufgeladene Klimaschutz-Thematik. Aber wäre es wirklich die nachhaltigere Variante, am Molkenmarkt begrünte Holzfassaden in Modulbauweise zu bauen, wie sie überall auf der Welt zu finden sind? Das ist, vor allem auf lange Sicht, keineswegs bewiesen. Es würde in seiner Beliebigkeit diesem Ort nicht gerecht werden. Hier geht es um eine vergleichsweise kleine, aber baukulturelle bedeutende Fläche mitten in der historischen Berliner Innenstadt. Warum dort nun auch so ein Pseudo-Kulturkampf "gut" (Czyborra) gegen "böse" (Albers/Malcovati) aufgebaut werden muss, verstehe ich eigentlich nicht. Da hat Frau Kahlfeldt völlig zu Recht die Notbremse gezogen.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Die Visus der Stiftung Mitte sind sehr gut gemacht. Allerdings und leider ist die Straßensituation an der S-Kurve Einmündung Spandauer Straße schon um einiges breiter fertiggestellt worden. Das damals in die Altstadt kontrastierend hineingepflanzte Dierig-Haus wäre für heutige Verhältnisse ein Lichtblick. Man müsste dafür allerdings die 10(?)-geschossigen Wohnriegel verkürzen.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Schöne Bilder - zweifellos, aber ich denke, dabei wird es auch bleiben.

    Ich halte es ehrlich gesagt für völlig aussichtslos anzunehmen, dass in diesem auch auf Gewinnoptimierung ausgerichteten Stadtviertel solche kleinen Häuschen wie auf den Visus kommen. Und schon gar nicht als Rekos. Worin bestünde deren kunsthistorische Bedeutung???

  • Was soll das letzte Bild darstellen? Karl-Liebknecht-Str. / Spandauer Straße?

    Die Doppelkettenfahrleitung geht dann direkt auf die Straße Unter den Linden - was für ein Lapsus. Da ist nie eine Straßenbahn unterwegs gewesen. Lediglich gequert wurde der Prachtboulevard, später im Lindentunnel.

  • Schöne Bilder - zweifellos, aber ich denke, dabei wird es auch bleiben.

    Ich halte es ehrlich gesagt für völlig aussichtslos anzunehmen, dass in diesem auch auf Gewinnoptimierung ausgerichteten Stadtviertel solche kleinen Häuschen wie auf den Visus kommen. Und schon gar nicht als Rekos. Worin bestünde deren kunsthistorische Bedeutung???

    Ich will ja nicht pessimistisch sein ,aber diese Wunschentwürfe werden Wunschträume bleiben.

    Die Moderne wird sich auch am Molkenmarkt mit aller Entschiedenheit weiter durchsetzen.Das Schloss ,Komandantenhaus und mit ach und krach gerade noch die Bauakademie, bleiben dann leider die einzigen Rekos in der Keimzelle des alten Berlin.Die Stadtmitte ist ganz und gar auf die Zeitgeistmoderne eingeschossen.Wenn die neue Senatsbaudierektorin mindestens eine moderne Kleinteiligkeit am Molkenmark erringt, dann ist es schon sehr viel.Ich erwarte auch am Molkenmarkt nicht den großen architektonisch/städtebaulichen Wurf.

    Die Modernistenlobby hat gegenwärtig einfach den stärkeren Einfluss auf unsere Städte.

  • Wenn die neue Senatsbaudierektorin mindestens eine moderne Kleinteiligkeit am Molkenmark erringt, dann ist es schon sehr viel.Ich erwarte auch am Molkenmarkt nicht den großen architektonisch/städtebaulichen Wurf.

    Die Modernistenlobby hat gegenwärtig einfach den stärkeren Einfluss auf unsere Städte.

    Dem ist nichts hinzuzufügen!

    Genauso ist es!

  • Bloß, was hat denn diese Lobby attraktives anzubieten jenseits des üblichen Zeugs, mit dem sie jedes x-beliebige (von mir aus "bessere") Neubauviertel zupflastern? In meinen Augen hat sie nichts anzubieten. Warum also diesen Gruppen die Stadt überlassen?

    Wenn schon das ein oder andere der hier gezeigten, nun wahrlich schlichten, historisierenden Häuser zu viel des Guten sein soll, dann habt Ihr schon die Flinte ins Korn geworfen. Und das in einem Forum, in dem regelmäßig die Leier angeworfen wird, es müsse auch das Marienviertel bebaut werden. Welch ein Glück, dass da gerade das Marx-Engels-Forum wiederhergestellt worden ist. Damit ist das Areal dem Zugriff der Modernistenlobby entzogen. Und dem Herumgeeiere von manchen traditionalistischen Phantasten, die ausgerechnet dann schon angefangen haben zu resignieren, wenn es anfängt, Ernst zu werden.

    Vielleicht wird man verlieren. Aber man weiß es erst, wenn man auch gekämpft hat. Also, Einsatz zeigen, liebe Berliner.

  • Die Moderne wird sich auch am Molkenmarkt mit aller Entschiedenheit weiter durchsetzen

    Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Senatsbaudirektorin werden nun eine "Charta" ausarbeiten, die auch gestalterische Grundsätze für den Molkenmarkt beinhalten sollte. Es ist anzunehmen, dass auch Anregungen aus den Bürgerwerkstätten dabei Berücksichtigung finden werden. Dann folgen noch die eigentlichen Architekturwettbewerbe. Bis dahin sollte man abwarten.


    in einem Forum, in dem regelmäßig die Leier angeworfen wird, es müsse auch das Marienviertel bebaut werden.

    Im Forum vielleicht. Allerdings ist die Bebauung des Marienviertels keine Forderung, die der Berliner Stadtbild-Ortsverband vertritt. Eine etwaige Neugestaltung des Rathausforums bzw des Platzes vor der Marienkirche sollte man (nach Abschluss der jetzt geplanten Freiflächen-Umbauten) unserer Ansicht nach späteren Generationen überlassen.


    Vielleicht wird man verlieren. Aber man weiß es erst, wenn man auch gekämpft hat. Also, Einsatz zeigen, liebe Berliner

    Der Berliner Stadtbild-Ortsverband setzt sich kontinuierlich, innerhalb seiner Möglichkeiten als Bürgerverein, für eine angemessene Neubebauung am Molkenmarkt und im Klosterviertel ein.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • dass in diesem auch auf Gewinnoptimierung ausgerichteten Stadtviertel

    In dem Viertel ist bislang noch vorgesehen, dass die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften WBM, degewo sowie die BIM bauen.
    Die sind sehr effizienzgetrieben, weil sie vor allem viele Wohnungen liefern sollen. Aber es sind eben keine Profitmaximierer.
    Da diese Gesellschaften aber selbst gar keine Lust haben auf dieses für sie viel zu aufwändige Projekt und ganz andere Herausforderungen haben, ist es wahrscheinlich, dass sich da nochmal was bewegt.

    Und ansonsten kann man einfach mal entspannt abwarten. Hier ist jetzt ein Charta-Prozess im Gange, der für deutlich mehr Qualität bürgt, als es in anderen Teilen Mittes bislang der Fall war. Man wird architektonisch, städtebaulich und in der Ensemblewirkung und Lebendigkeit mE auch die Townhouses am Friedrichswerder übertreffen können, das bislang wohl beste Projekt für Stadthäuser in Berlin.

  • Das Projekt am Molkenmarkt wird den Wohnungsmarkt in Berlin, wo es etwas über zwei Millionen Wohnungen gibt, in keiner Variante beeinflussen, weil es viel zu klein ist. Es geht um nicht einmal 300 Wohnungen. Die Frage ob die Neubauquoten geschafft werden entscheidet sich in den großen Neubau- und Entwicklungsquartieren mit zehntausenden von WE.


    Die Debatten um den Molkenmarkt sind ausschliesslich ideologie- und identitätspolitisch getrieben, der Bauten sollen so gut wie ausschließlich von staatlichen Unternehmen ohne Blick auf Wirtschaftlichkeit entstehen, und zwar in Großwohnungsbauten mit so wenig wie möglich Erschließungskernen. Das ist bei städtischen Grudnstücken mit einem Bodenrichtwert von 15.000 Euro/qm natürlich Unsinn, eine parzellenweise Veräußerung an privat mit Gestalt- und Nutzungsartvorschriften wäre das weitaus sinnvollere Konzept, auch wirtschaftlich.

    Mit Argumenten ist der Politik, die jede Rückkehr von kleinen Teilen einer hostorischen Stadt unterbinden will, nicht beizukommen - weil es um Ideologie geht. Die Frage ist also, ob die Bauverwaltung ein solches Privatisierungskonzept auf der Grundlage des Albers-Entwurf durchsetzt. Hierfür spricht die finanzielle Seite, so dass Bausenator Geisel den Finanzsenator überzeugen müsste. Die linken Sozis, die Sozialisten und auch Teile der Grünen werden jedoch Sturm gegen ein "Privatisierungsprojekt" laufen. Ohne diese Privatsierung ist die weitere Beschäfting mit dem Quartier sinnlos: es gibt kein Quartier, das die WBM errichtet hat, das auch nur halbwegs gestalterisch, architektonisch oder von der Nutzungs her annehmbar ist.

  • Im DAF-Forum gibt es jetzt eine umfangreiche Bilderserie mit Visualisierungen der Konkurrenz-Entwürfe von Albers und OS-Architekten. Die von Petra Kahlfeldt favorisierten Pläne von Albers sind eindeutig städtebaulich reizvoller und sinnvoller, ebenso würde sich hierbei die nötige bauliche Anknüpfung an das Nikolaiviertel ergeben. Der Entwurf von OS-Architekten hingegen wirkt wie ein kleiner Abklatsch des Potsdamer-Platz-Quartiers oder des Europaviertels, mit reichlich Efeu und Knöterich an den Fassaden, um "Klimafreundlichkeit" zu simulieren. :augenrollengruen:

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    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Es geht ja in dieser Phase noch gar nicht um die Architektur im Detail, sondern um den Städtebau und einige Vorgaben für die Architektur.

    Leider ist die Jury ja vollkommen geistig degeneriert und schlägt hier einheitliche Gebäudehöhen, möglichst gleichförmige Baukörper, so wenig Durchwegung/Gassen wie möglich und zu allem Übel auch noch die Erschließung mit nur ein bis drei Treppenkernen pro Block(!) vor. Völlig irre. Im Herzen der Altstadt! Das ist noch nichtmal mittleres Sozialbauniveau, das wäre unterstes. Daher ist das Einsetzen von BDA, Architektenkammer und ein paar anderen Naseweißen für eine Entscheidung für einen unter diesen Umständen gelüscherten Entwürfen ganz klar ein Hohn gegenüber dem Charakter des historischen Kerns von Berlin - und bedarf einer lauten Gegenstimme.

  • So ist es. Ich habe es selbst beim Vor-Ort-Termin der Werkstatt Bauakademie erlebt. In diesen Runden herrscht eine Art Gruppenpsychodynamik nach dem Motto "wünsch dir was und zeig, dass du ein richtig guter Mensch bist". Gesichtspunkte wie die Frage, welche Architektur dem historischen Ort in diesem besonderen städtischen Kontext überhaupt gerecht werden würde, interessieren da kaum.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Leider ist die Jury ja vollkommen geistig degeneriert (...) Völlig irre. Im Herzen der Altstadt! (...) Daher ist das Einsetzen von BDA, Architektenkammer und ein paar anderen Naseweißen für eine Entscheidung für einen unter diesen Umständen gelüscherten Entwürfen ganz klar ein Hohn gegenüber dem Charakter des historischen Kerns von Berlin - und bedarf einer lauten Gegenstimme.

    Aber, aber, solch aggressive Rhetorik ist doch total schädlich. Schweigen wäre hilfreicher. Du solltest einfach mal Mensch sein und andere Menschen zum nachdenken bringen. Schreib´ doch die Jury mal an, statt im APH negative Stimmung zu machen. Jeder ist ein Schöpfer, auch Du. :zwinkern:

  • "Die vermeintlich fortschrittliche Planerszene der Stadt sollte den Wunsch nach einer Altstadt mit möglichst vielen Plätzen und Gebäuden aus der Zeit vor 1933 lieber respektieren anstatt sie als anachronistisch zu diffamieren, meint Isabell Jürgens."


    :applaus:

  • Hinweis auf die Seiten des Fördervereins des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster mit guten Übersichten und recht überzeugenden Architekturstudien: Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster - Förderverein Graues Kloster Mitte


    Darüber hinaus ist als Volltext (Open Access) abrufbar ein Beitrag aus der Publikation der Historischen Kommission aus dem Jahr 2021:

    Das Graue Kloster in Berlin - Perspektiven aus der Geschichte

    Wolfgang Schäche: Aufbruch in das 20. Jahrhundert. Der Umbau und die Erweiterung des Gymnasiums zum Grauen Kloster durch Ludwig Hoffmann


    Ansicht aus dem Jahr 1934:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)