Berlin-Kreuzberg - Mehringplatz (ehem. Belle-Alliance-Platz)

  • Gibt es noch Hoffnung auf eine Rekonstruktion oder ist der Zug endgültig abgefahren ? :augenrollen:


    Früher:




    Heute:



  • Ja, der Mehringplatz: ein weiteres (un-)schönes Beispiel dafür, wie man eine der ersten Adressen einer Stadt durch eine architektonische Meisterleistung in einen der heruntergekommensten und versifftesten "sozialen Brennpunkte" selbiger Stadt verwandeln kann.
    Herzlichen Glückwunsch, Herr Scharoun! Da haben wir mal wieder ganze Arbeit geleistet.
    Reko ist leider sehr unwahrscheinlich, da das Gebiet vor 6 Jahren erst "saniert" wurde.

  • Und die Bauhaus-Theoretiker wollen uns weiß machen, daß irgendwann Menschen den Heute-Zustand besser als den Früher-Zustand empfinden werden. Wann soll das sein ? Wenn wir uns wieder zum Affen zurückentwickelt haben oder die Evolution uns die Augen verschließt ?

  • Quote from "Philon"

    Ja, der Mehringplatz: ein weiteres (un-)schönes Beispiel dafür, wie man eine der ersten Adressen einer Stadt durch eine architektonische Meisterleistung in einen der heruntergekommensten und versifftesten "sozialen Brennpunkte" selbiger Stadt verwandeln kann.
    Herzlichen Glückwunsch, Herr Scharoun! Da haben wir mal wieder ganze Arbeit geleistet.
    Reko ist leider sehr unwahrscheinlich, da das Gebiet vor 6 Jahren erst "saniert" wurde.


    Dann bitte Bomber Harris doch noch einmal ausgraben und klonen...

  • Kürzlich lief bei 10 vor 11 eine absolut geniale Sendung mit Helge Schneider:


    Quote

    10 vor 11
    Thema: Plattmachen ist meine Leidenschaft / Helge Schneider als Abrissunternehmer Borovski
    02.10.2007 - 00:35 Uhr | 25 Minuten
    Aus dem Text der Redaktion: 'Mein Beruf ist meine Leidenschaft', behauptet der Abrissunternehmer Jean-Luc Borovski. Ist die Abrissbirne, der Sprengstoff oder die Feinarbeit der Fräse die höchste Form der Zerstörungskunst? In wieweit werden Monumente des Kulturerbes den Eingriffen des Abrissgewerbes auf Dauer wiederstehen? 'Wir Zerstörungskünstler', sagt Borovski, 'sind die Athleten des Fortschritts.' Helge Schneider als Abrissunternehmer.


    Ich hab Tränen gelacht ! :totlachen:


    Borovski sollte seine Kunst am Alex und am Mehringplatz in die Tat umsetzen ! :lachen:

  • Tja, auch traurig um diesen Platz. Da sollte man einmal richtig aufräumen/abreißen..

  • Quote

    Herzlichen Glückwunsch, Herr Scharoun! Da haben wir mal wieder ganze Arbeit geleistet.
    Reko ist leider sehr unwahrscheinlich, da das Gebiet vor 6 Jahren erst "saniert" wurde.



    Es wuerde mich sehr wundern, wenn Scharouns "Leistung" nicht bis hin zu den Fensterlaibungen und Tuerklinken unter Denkmalschutz stuende.. :augenrollen:

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Früher wurden Bauten aus der Gründerzeit immer als "steingewordene Schauergeschichten" abgetan. Ich frage mich ob hier nicht das Gegenteil der Fall ist. Was für eine Urbanität der Platz einst hatte und heute ist er ein häßliches Taubenklo und an den Rand gedrängt. Und was die neuen Bauten für eine Konformität ausstrahlen, hingegen die Bauten aus der Gründerzeit frischen Individualismus versprühen.

    Für weniger Ideologie!

  • Quote from "uaoj36"

    Berlin im südlichen Friedrichstadt ist noch immer ein hässliches durcheinander von Wiederaufbau Bunkern. Dort soll ein Masterplan die alte Situation so weit wie möglich rekonstruieren. Und dann nicht nur 1 Platz aber auch die Strassen um dieser Platz. Neubauten im traditionellen Still. Ein neues Konzept mit so viel möglich Varianten.
    Gründerzeitbauten mit neuen Techniken.


    Immer diese Generalissimus-Pläne! Es wäre hilfreich, wenn wir einmal machbare Varianten zur Verbesserung dieses skandalösen Zustandes erörtern würden, anstatt immer wieder mit diesen blöden Totalreko-Flausen zu kommen, die vollkommen utopischer Schwachsinn sind!


    Mein Vorschlag:
    Der Platz wirkt durch die Ringbebauung zu monolithisch und abgeschlossen. Ich würde zunächst die alten Zufahrten öffnen und überdeckungsfrei gestalten und den Ring erst einmal da aufbrechen.


    Dann sollte eine stilistische Durchmischung folgen. Hie und da einige Häuser herausreissen und in neuem oder traditionellem Stil die Lücken wieder schließen.


    Besonderes Augenmerk ist auf die Herstellung einer abwechslungsreichen Dachlandschaft zu halten.


    Ich finde, die Struktur der Bauten taugt auch zum Townhouse-Konzept. Warum parzelliert man diesen Ring nicht in einzelne Segmente, die Selbstnutzern verkauft werden. Jeder darf eine eigene Fassadengestaltung finden, womit eine viel größere Lebendigkeit in das Ganze kommt. Strukturell würden dort wieder Familien hinkommen, die Läden würden besser und das Viertel hätte eine Chance zu gesunden.


    Wenn man unbedingt eine Reko will, soll man in Gottes Namen das Hallesche Tor wieder hinstellen. So hochwertig war der Rest drumherum auch nicht. Wird aber nicht passieren. Man kann froh sein, wenn man diese HARTZige Gegend endlich aufwertet.


    Grundsätzlich sollte man aber aus dem Vorhandenen etwas machen, anstatt gleich mit dem Bagger anzufahren. Da wären wir nicht besser als die Modernisten. Diesen Fehler braucht man nicht nochmal zu machen. :augenrollen::boese:

    Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin. (Seneca)

  • Im Prinzip stimme ich "Wolfsheim_Jena" mit seiner realistischen "Politik der kleinen Schritte" zu. Folgende Bemerkung allerdings halte ich für falsch:


    Quote from "Wolfsheim_Jena"

    Grundsätzlich sollte man aber aus dem Vorhandenen etwas machen, anstatt gleich mit dem Bagger anzufahren. Da wären wir nicht besser als die Modernisten. Diesen Fehler braucht man nicht nochmal zu machen. :augenrollen::boese:


    An den Modernisten ist ja nicht falsch, daß sie mal mit dem Bagger anfahren, sondern daß - wie Kohl es wohl mal gesagt hat - hinten nichts Vernünftiges rauskommt. Will sagen: Wenn man den Bagger stets zu Hause stehen lassen will, braucht man heute eigentlich gar nicht mehr anfangen. Mit ein bisschen Herumwerkeln und Anstrich am Betonblock ist es nicht getan. Man muß auch Raum schaffen, um neue Räumlichkeit erschaffen zu können. Und wenn das Ergebnis stimmt, wird auch niemand ein Problem damit haben. Das heißt aber natürlich nicht, daß man ganze Stadtquartiere rücksichtslos in ein Bombodrom verwandeln muß.

  • Quote

    Ich finde, die Struktur der Bauten taugt auch zum Townhouse-Konzept. Warum parzelliert man diesen Ring nicht in einzelne Segmente, die Selbstnutzern verkauft werden. Jeder darf eine eigene Fassadengestaltung finden, womit eine viel größere Lebendigkeit in das Ganze kommt. Strukturell würden dort wieder Familien hinkommen, die Läden würden besser und das Viertel hätte eine Chance zu gesunden.


    Endlich was konstruktives. Das besonders schlimme an den Mehringplatz ist die Zerstörung des Strassennetzes. Deshalb sollte man die Sichtbeziehungen wieder herstellen. Aber wahrscheinlich steht alles unter Denkmalschutz.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Quote

    Politik der kleinen Schritte

    ...ist doch nur etwas für fußlahme Angsthasen! :zwinkern:


    Ich finde nicht, dass das Townhouse-Konzept für den Mehringplatz oder sonst einen Platz dieser Größe und Bedeutung taugt. Es entstünde eine eigenartige Vermischung von Privathäusern und einem quirligen und lauten Stadtleben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Partnerschaft auf Dauer funktionieren kann. Wenn man sich die neuen Townhouses am Außenministerium ansieht, fällt doch sofort auf, dass diese Häuser zwar zentral aber doch abseits vom eigentlichen Stadtlebens stehen. Townhouses als neue Umbauung für den Mehringplatz scheinen mir utopisch. Entweder dämmen die Townhouses und ihre Besitzer eine angemessene Entwicklung des Platzlebens ein oder das Platzleben wirkt negativ auf die Lebensqualität in den Townhouses.
    Außerdem geht durch die Kleinteiligkeit dieser Art Bebauung der einst repräsentative Charakter des Platzes verloren.
    Im Vordergrund sollte stehen den Belle-Alliance-Platz wieder erlebbar zu machen, d.h., dass die Kubatur der ehemaligen Bebauung wieder aufgenommen wird. Ob dies in Form von Rekonstruktionen oder kritischer Bebauung umgesetzt wird, ist im Endeffekt nebensächlich, wobei die eine oder andere Rekonstruktion nicht schaden könnte. :gg:


    Townhouses sehe ich eher in den vom Platz abzweigenden Straßen.

  • Ich würde außerdem sagen, dass Townhouses für einen großen Platz wie diesen etwas zu kleinteilig sind. Wenn man den Bauherren wieder so freie Hand lässt, wie beim Freidrichswerder, sodass dann jede Fassade aus einem anderen Material mit einer anderen Farbe besteht, sieht es am Schluss aus, wie im LEGO-Land. Als (krit.) Rekokandidaten sehe ich nur die beiden Torhäuser am südl. Platzzugang.


    Mit der Straßenführung stelle ich mir das gar nicht mal als SO schwer vor. Die ehem. Straßenverläufe sind kaum überbaut. Und wenn da mal was in der Art passieren sollte, dann käme das ganze ja bestimmt eh weg. Dem Platz seinen alten Namen wieder zu geben, wär natürlich noch die Kirsche auf der Sahnehaube.

  • Bin ja sonst von totalabrissen solcher Bauten sehr angetan, aber vielleicht ist es wirklich besser mal ein bisschen langsamer heranzugehen.


    Schließlich kann man nicht einfach die ganzen Menschen aufeinmal aus den Häuser bekommen.


    Könnte mir auch vorstellen, dass ca 1/4 der jetzigen Häuser stehen bleiben und diese nur etwas umgebaut werden..: neue Fenster mit Sprossen, neuer Anstrich, richtiges Dach mit Giebel und Balkonen. Vielleicht könnte man auch ein paar Schmuckornamente anbringen.
    Das würde doch auch schon sehr viel ausmachen. Natürlich müsste man Innerhalb der Gebäude auch sanieren.

  • Das sind Platten. Wenn man da Ornamente anbringt, sieht es noch schlimmer aus, als davor. Natürlich kann nicht alle auf ein Mal abreißen. Aber ich sehe in einem Abriss den einzigen Weg für eine Besserung der Lage.

  • Könnte man die nicht so verputzen, dass man nicht mehr sieht, dass es Platten sind? So quasi neue Fassade vor.


    Allerdings muss man da sich fragen ob ein Abriss da dann nicht doch kostengünstiger wäre. Ist ja nun wirklich nichts erhaltenswertes. Würd schon Sinn machen.

  • Quote from "BerlinFan"

    ...ist doch nur etwas für fußlahme Angsthasen! :zwinkern:


    Es entstünde eine eigenartige Vermischung von Privathäusern und einem quirligen und lauten Stadtleben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Partnerschaft auf Dauer funktionieren kann.


    Sehr eigenartiges Statement...
    Ist es nicht gerade Ziel einer kritischen Rekonstruktion, dass die Orte des Lebens und Arbeitens wieder zusammengeführt werden? Ich finde es nicht gut, dass einer weiteren Trennung das Wort geredet wird. Bei einer reinen Nutzung als Wohnraum verödet das Umfeld weiter, weil tagsüber nur die Arbeitslosen den Ort bevölkern, kaufkräftigere Selbstständige oder Büroarbeiter nicht da sind. Quirliges Stadtleben ist auch nicht automatisch laut, da sehe ich keinen Zusammenhang. Dann müßte ja Charlottenburg und der Prenzlauer Berg total entvölkert sein.


    Repräsentativität läßt sich hier nicht mehr herstellen. Dazu ist die Architektur eben zu kleinteilig. Das sollte man nicht versuchen. Es ist ein menschenfeindlicher Unort, der kalt und abweisend wirkt. Hier kann man nichts mehr repräsentieren - außer Fehlentwicklung und schleichender Proletarisierung. Das Townhouse-Konzept mag vielleicht nicht am gesamten Platz durchsetzbar sein. Es wäre aber ein Weg zu größerer Individualisierung dieses öden Schlafmaschine. Das ist der Schlüssel. Hier identifiziert sich niemand mit seinem Wohnort. Dies könnte eben durch Selbstnutzerkonzepte erreicht werden. So wird der Platz wirklich wieder bevölkert (Das weichgespülte Wort "erlebbar" nehme ich an dieser Stelle nicht in den Mund).

    Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin. (Seneca)

  • Quote from "Wolfsheim_Jena"

    Ist es nicht gerade Ziel einer kritischen Rekonstruktion, dass die Orte des Lebens und Arbeitens wieder zusammengeführt werden? Ich finde es nicht gut, dass einer weiteren Trennung das Wort geredet wird. Bei einer reinen Nutzung als Wohnraum verödet das Umfeld weiter, weil tagsüber nur die Arbeitslosen den Ort bevölkern, kaufkräftigere Selbstständige oder Büroarbeiter nicht da sind.


    Das habe ich so nicht geschrieben oder gemeint. Ich möchte dem Mehringplatz weder eine reine Nutzung als Wohnraum überstülpen noch den Leipziger Platz klonen.
    Eine Zusammenführung von Arbeiten und Wohnen ist in meinem Sinn.


    Mag ja sein, dass Townhouses DIE Antwort auf die städtebaulichen Probleme rund um den Mehingplatz sind. Tut mir leid, dass ich diesen Weitblick nicht besitze. :zwinkern:


    Wäre ich Eigentümer eines Townhouses am Mehringplatz, dann würde ich in meinen teuer bezahlten eigenen Vierwänden auch mal Ruhe und Abgeschiedenheit genießen wollen von den dämlichen Touristen, die mit ihren Fotoapparaten und Digitalkameras tagtäglich vor meiner Haustür herumstreifen. Die Konsequenz sind solche Fassaden:

    Quote from "Benni"


    Das nenne ich:

    Quote

    menschenfeindlicher Unort, der kalt und abweisend wirkt.


    Wir brauchen Gebäude, die sich dem Platz öffnen. Das wird dadurch ermöglicht, dass die Erdgeschosszonen öffentlich genutzt werden (Cafés etc.). Also sind wir wieder bei der traditionellen Vereinigung von Arbeiten und Wohnen: Wohnraum erst über dem Erdgeschoss, in dem sich eine Lokalität befindet.


    Quote

    Sehr eigenartiges Statement...


    Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Townhouses machen sich echt klasse am Mehringplatz. :daumenoben:

  • Im Prinzip fände ich das Townhouse-Konzept an dieser Stelle nicht schlecht. Insofern Zustimmung.


    In einem Punkt möchte ich aber mal wieder widersprechen:


    Quote

    Repräsentativität läßt sich hier nicht mehr herstellen.


    Das ist dieses seltsam deterministische Denken. Allzu schnell findet man sich mit angeblichen Sachzwängen oder scheinbaren technischen Unmöglichkeiten ab. Nein, alles läßt sich machen und herstellen, wenn denn der Wille dazu da ist. Man muß nicht, aber man kann stets. Und selbstverständlich könnte man auch Repräsentativität zu diesem Ort bringen, wenn man es denn will.


    Aussehen könnte es zum Beispiel übrigens auch so:

    http://www.stockhillhouse.co.u…20Crescent%20Bath.jpg</a>


    http://upload.wikimedia.org/wi…C_England_-_July_2006.jpg

    http://en.wikipedia.org/wiki/I…t.aerial.bath.arp.jpg</a>


    http://www.bluffton.edu/~sullivanm/bath18c/ellwhole.jpg


    (Royal Crescent in Bath von John Wood)

    Edited once, last by Heimdall ().