Berlin - Staatsoper Unter den Linden

  • Dankeschoen, Palantir! :) Der Braunfels-Entwurf gefiel mir sehr gut, aber nun kriegen wir offenbar hg merz aus Stuttgart.


    Eins aber besorgt mich sehr:


    Quote

    Zielsetzungen sind der Erhalt der „Anmutung“ und der Substanz des Bestandes sowie der Verzicht auf Nachbildungen und stattdessen die Kenntlichmachung der Eingriffe und Neuerungen.


    Das hoert sich mir sehr nach der Vorgehensweise beim Neuen Museum an. :(

  • Ich muss meinen obigen Beitrag wahrscheinlich relativieren:


    Es wurde nur die Planungsleistung an den Architekten vergeben. Ich hatte zunächst gehört, dass ein Entwurf ausgewählt worden ist. Jetzt soll wohl der damalige nicht prämierte Entwurf von Merz lediglich die Grundlage der Planungen bilden. Jedoch soll u. a. auch noch Generalmusikdirektor Barenboim (ein expliziter Anhänger von "Akustik geht vor Baukunst" und Befürworter des damals geplanten modernen Umbaus) im Detail mitbestimmen können; mit welcher Legitimation eigentlich?


    http://www.morgenpost.de/berli…er_Sieger_steht_fest.html


    Hoffentlich gärt da im Endergebnis nicht "alter Wein in neuen Schläuchen". :augenrollen:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Quote from "Palantir"

    und das auch noch in grün!


    Eben nicht. Der Saal wird (bleibt) rot. :zwinkern:

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
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  • Entwürfe haben auch damals schon selten das endgültige Resultat wiedergespiegelt. So hätte das Gebäude nie ausgesehen.


    Ich finde die heutige Staatsoper ziemlich unspektakulär, aber sie passt zu Berlin und nach Unter den Linden. Außerdem gibt es ja noch das ausdrucksstarke Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und andere Konzert- und Theaterhäuser in Berlin. Etwas schade ist es bald um die alte Krolloper vor dem Reichstag, trotz (oder vllt. gerade wegen) der schwierigen Geschichte. Auch die alte komische Oper war toll und ist wahrlich ein Verlust.



  • Quelle Bild und Text: http://www.ad-hoc-news.de


    Sieht leider sehr plump aus; die Decke wirkt wie aufgebockt. :(


    Zum Vergleich die jetzige Situation:



    Quelle: http://www.wagneropera.net


    Leider hat nicht der Entwurf von Stephan Braunfels (mit 4. Rang) gewonnen (dieser sieht wesentlich harmonischer aus):



    Quelle: Berliner Morgenpost

  • Quote

    Das Haus soll mit einem schlichteren Dekor an die Ästhetik der 50er-Jahre anschließen, die Veränderungen im Rahmen der Renovierung zu DDR-Zeiten in den 80er Jahren, auch bei der Farbigkeit, würden zum Teil rückgängig gemacht, kündigte Architekt Merz an.


    Quelle:Berliner Morgenpost


    Dieser Satz klingt beängstigend!

  • Man bekommt das Gefühl, dass für die heutigen Architekten und Bauverwaltungsbürokraten die 50er und 60er Jahre das Nonplusultra der "Baukunst" darstellen :schockiert:

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • In Kürze beginnt der lang geplante Umbau der Staatsoper unter den Linden.


    Es bleibt also bei drei Rängen, aber es wird eine sog. Nachhallgalerie eingefügt, um das Raumvolumen zu erweitern.
    Das Ergebnis ist m. E. würdig & zufriedenstellend in Anbetracht dessen, was einmal angedacht und beinahe durchgesetzt war und wurde.




    Bildquelle jeweils: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin / hg merz architekten museumsgestalter


    http://www.stadtentwicklung.be…h_1008/nachricht3997.html


    Berliner Morgenpost mit Bildstrecke:
    So wird die Lindenoper zum Klingen gebracht

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    (Immanuel Kant)

  • Wirklich nicht schlecht! :)
    Ich habe eben mal den aktuellen, sehr beengt/gequetscht wirkenden Zustand mit der geplanten neuen Decke verglichen und der Raum wirkt nun auch optisch um einiges harmonischer. Ich hoffe dieses Rautengitter wird einen wertigen Eindruck machen. Es kommt sogar ein schönes Kranzgesims, das um den ganzen Zuschauersaal läuft, hinzu. :D

  • ....ich finde den Entwurf wirklich gut. die Nachhallgallerie erhöht den Raum um einiges ... vorher wirkte er immer wie ein kl.Provinztheater nicht wie eine Staatsoper!
    Find ich gut!

  • 22. März 2011:


    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
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  • Zur Staatsoper gehört ja auch das Gebäude hinter dem Kronprinzessinnenpalais, das bis zur Französischen Strasse reicht (Adresse vermutlich Oberwallstrasse 3-4). Dessen Mittelteil wird derzeit abgerissen und dann neu aufgebaut, bei Wiederherstellung der bisherigen Fassade.
    Dadurch ergeben sich faszinierende neue Perspektiven im Stadtbild.





    Dem bald wieder aufgebauten Berlin stehen goldene Zeiten bevor .....

  • Stammt das Gebäude auch von Paulick? Mich erinnert es erschreckend stark an Speers neue Reichskanzlei und zeigt damit einmal mehr, dass es so etwas wie "Nazi-Architektur" nicht wirklich gegeben hat. Aber derartige Parallelen sind nichts seltenes, gleicht doch die zu Beginn der 50'er Jahre neu gestaltetete Südfassade des Neuen Rathauses in Dresden etwa dem Berliner Propagandaministerium.
    Ein archaischer Neoklassizismus, Einflüsse der Neuen Sachlichkeit und des Heimatschutzes bildeten somit ein Konglomerat für das letzte Aufbäumen traditioneller Architektur, bevor sie vorwiegend auf den Einfamilienhausbau zurückgedrängt wurde.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Ja - das Magazingebäude der Staatsoper ist auch ein Bau von Richard Paulick:
    Datei:Berlin, Mitte, Hinter der Katholischen Kirche, Verwaltungs- und Magazingebaeude der Staatsoper.jpg – Wikipedia


    Die Parallelen zur Neuen Reichskanzleihalten sich m. E. aber in Grenzen und legen keine stilistische Kontinuität nahe.
    Siehe auch die Intention Paulicks:

    Quote

    Mit der Wiederherstellung des Opern- und des Bebelplatzes entstand 1952-55 nach Plänen von Richard Paulick Hinter der Katholischen Kirche 1-2 das neue Verwaltungs- und Magazingebäude der Staatsoper auf einem ehemaligen Bankgrundstück des Berliner Kassenvereins. Mit dem Neubau wurde die erforderliche Anzahl von Proben-, Büro- und Magazinräumen für die Staatsoper geschaffen, um das relativ kleine Opernhaus von einer Vielzahl von Funktionsräumen zu entlasten. Stilistisch wurde das Gebäude der Oper angeglichen. Es sollte "zusammen mit der Oper und dem Kronprinzenpalais, insbesondere dem Prinzessinnenpalais einen neuen Platz bilden" und "eine wesentliche Bereicherung des Straßenbildes Unter den Linden bewirken", wie Paulick seine Planungen für die stadträumliche Neuordnung 1951 beschrieb.[...]

    Quelle: Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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  • Stammt das Gebäude auch von Paulick? Mich erinnert es erschreckend stark an Speers neue Reichskanzlei und zeigt damit einmal mehr, dass es so etwas wie "Nazi-Architektur" nicht wirklich gegeben hat. Aber derartige Parallelen sind nichts seltenes, gleicht doch die zu Beginn der 50'er Jahre neu gestaltetete Südfassade des Neuen Rathauses in Dresden etwa dem Berliner Propagandaministerium.
    Ein archaischer Neoklassizismus, Einflüsse der Neuen Sachlichkeit und des Heimatschutzes bildeten somit ein Konglomerat für das letzte Aufbäumen traditioneller Architektur, bevor sie vorwiegend auf den Einfamilienhausbau zurückgedrängt wurde.


    Das Gebäude ist allerdings eindeutig im Knobelsdorffschen Barock gehalten und nicht im Neoklassizismus. Ich kann da nicht im Ansatz Nazi-Architektur entdecken. :confused: Oder beziehst du dich jetzt auf das zur Zeit entstellte Äußere?

  • Das Magazingebäude der Staatsoper ist mittlerweile auf breiter Front zwischen Oberwallstraße und Hedwigskirche durchbrochen und abgetragen.






    Wenn man nicht wüsste, dass es originalgetreu wiederaufgebaut wird, erhielte man angesichts der zentralen Lage schon einen bedrohlichen Eindruck...

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