Nürnberg - Augustinerhof

  • Es ist Schade, dass solche Bauten irgendwie immer gleich aussehen und überhaupt nicht auf die Eigenart der Stadt eingehen, in der sie stehen.
    Warum gelingt es so wenigen Architekten, sich gerade beim Bauen in der Altstadt von ortstypischen Elementen inspirieren zu lassen???

  • Auch die letzte Visualiserung sieht einfach fürchterlich aus,vorallem die Ansicht vom Hauptmarkt aus. Sieht so wirklich angepasste altstadtgerechte Architektur mit Ortsbezug aus?
    Warum haben sich die Altstadtfreunde in Nürnberg nicht gegen dieses Vorhaben gestellt mit Verbesserungsvorschläge?

  • Ich finde der Entwurf hat sich positiv entwickelt. Und es ist auch gut, dass sich die Altstadtfreunde hier mit Kritik zurückhalten. Sie haben sich schon erfolgreich am Augustinerhof eingebracht - vor 15 Jahren - und eine Bausünde verhindert, die heute wohl ähnlich wie das Maximum am Kornmarkt eine Problemimmobilie wäre.


    Die aktuellen Pläne v.a. für das millionenschwere Museum sind klasse. Hier entstehen dann mal nicht nur Hotels und die immergleichen Shops, die man in der Altstadt eh schon duzendfach findet, sondern mal ein Besuchermagnet, den es so hier noch nicht gibt. Die Architektur des Ensemble ist gewiss nicht perfekt, aber man sollte das auch nicht tot diskutieren.


    Der Streitpunkt Pellerhaus ist da wichtiger.

  • Es ist architektonisch die Forsetzung der Randbebauung des Hauptmarktes aus den 50ern.
    Mehr Kleinteiligkeit wäre wünschenswert gewesen, aber irgendwie hat man in Nürnberg keinen Sinn fürs Mittelalter. Vielleicht klappt es dann besser mit einem Bau aus der Renaissance, dem Pellerhaus.
    Besser als die ehemals an dieser Stelle geplante "Bratwurst" aus Glas und Metall ist es allemal.

    Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.

  • Barocker Erker wurde einfach geschreddert.


    Schwere Panne am Augustinerhof-Gelände: Ein denkmalgeschützter Erker aus dem 17.Jahrhundert ist zwar vor einigen Jahren fachgerecht abgebaut und eingelagert worden. Doch mittlerweile wurde der außergewöhnliche, äußerst seltene Vorbau aus Versehen zerstört.


    Link

  • Zitat aus obenstehendem Link:

    Quote

    Ob das Versäumnis Konsequenzen hat, ist noch unklar. Bencker [von der Unteren Denkmalschutzbehörde] will den Vorgang intern besprechen. Doch er glaubt nicht, dass ein Bußgeld verhängt wird: "Man muss die Umstände berücksichtigen. Schließlich war es weder absichtlich, willkürlich oder grob fahrlässig, sondern ein Versehen. Das ist sehr bedauerlich und traurig", meint der Denkmalschützer.

    Man kann Vorschriften und Bedingungen auch willkürlich auslegen...

  • Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Wie kann man bei der Beauftragung zur Entrümpelung "vergessen", daß da noch ein wertvolles Bauteil aus dem 17. Jahrhundert eingelagert ist?


    Dann soll es der Auftraggeber wenigstens anhand von Fotos rekonstruieren. Das wäre das Mindeste, als Wiedergutmachung für diese Dummheit.


    Aber daran sieht man, daß die Leute das alte Bauteil auch nur als Gerümpel betrachtet und keinen Sinn für die Geschichte haben. Sonst hätte man so etwas nicht vergessen.


    Gibt es für solche Fälle keine Lagerhalle von den Altstadtfreunden? Die wären sicher besser damit umgegangen.

  • Für ein Neubaugebiet bei mir um die Ecke, wurde auch eine uralte Eiche "Ausversehen" angesägt und musste dann schließlich gefällt werden..


    In Nürnberg wundert mich nichts mehr. Interessant ist aber aber das Foto vom Baufortschritt und auch traurig.
    Ganz ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass ich den Entwürfen von Helmut Jahn mal hinterherweinen würde. Es geht noch schlimmer.


    Nachtrag:
    Hier noch ein Bericht von Helmut Jahn. Wie gesagt, ich wäre damals auch dagegen gewesen. Wie konnte es passieren, dass Schmelzer, Alpha, Lehner, dieses Projekt ohne Widerstand durchwinken konnten?

  • In Deutschland gilt bei Museums-Neubauten ja leider die inoffizielle Pflicht zur Hässlichkeit. Auf manchen Visualisierungen sind jedoch ein bis drei krüppelige Bäume im Augustinerhof zu sehen. Wenn diese Bäume tatsächlich noch gepflanzt werden, hat man in einigen Jahrzehnten wenigstens einen angenehmen grünen Farbtupfer, der von den Monsterfassaden ablenkt.

  • Mit rötlichen Fassadenverkleidungen und Kupferdach, dann hätte mich der Bau glücklich gemacht, aber diese Verehrung fürs Grau, das werde ich wohl nie toll finden. Das verrückte ist ja dass jeder behauptet, das wie zuviel Grau in den Städten haben, aber gebaut und saniert wird dann oft am Ende in Grau. Ich verstehs nicht.

  • Mit rötlichen Fassadenverkleidungen und Kupferdach, dann hätte mich der Bau glücklich gemacht, (...)


    Der nürnbergtypische rötliche Stein, hätte sicher besser ausgesehen. Wie bei den Sebald Kontoren. Der Bau ist zwar auch nicht schön, aber durch das Fassadenmaterial irgendwie passend für Nürnberg.


    Doch der gesamte Augustinerhof-Bau in dem Rot (möglicherweise kann EastClintwood mal ein Bild umkolorieren), wäre vielleicht auch etwas zu viel. Eine geschickte Mischung/Abwechslung der beiden Materialien, hätte wohl besser ausgesehen. Lieber noch eine Abwechslung von rötlichem und gelblichem Steinmaterial. Das Grau ist wirklich doof. Zudem hätte auch eine typische rote Dacheindeckung nicht geschadet, um das Erscheinungsbild von oben zu wahren.


    Hatten wir eigentlich schon dieses tolle Luftbild von 1927?


    https://alpha-gruppe.com/wp-co…2019/05/luftbilder_01.jpg


    In, schätzungsweise, 30-40 Jahren wird der Komplex dann wieder abgerissen, oder bekommt eine andere Fassade. Die könnte dann rot werden. :P

  • In Nürnberg wundert mich nichts mehr. Interessant ist aber aber das Foto vom Baufortschritt und auch traurig.
    Ganz ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass ich den Entwürfen von Helmut Jahn mal hinterherweinen würde. Es geht noch schlimmer.

    Das Jahn-Projekt wäre zumindest interessanter gewesen als die 0815-Investorenarchitektur, die da jetzt gebaut wird.
    Ich verstehe auch nicht wirklich das Agieren der Altstadtfreunde in der ganzen Sache: Gegen das Jahn-Projekt hat man voll mobilisiert - und es mit Erfolg verhindert -, aber gegen den ungleich schlechteren alpha-Gruppe-Bau haben die AF keinen Finger gerührt.


    Überhaupt wäre das sinnvollste gewesen, die Altstadtfreunde hätten gleichzeitig mit der Verhinderung des Jahn-Entwurfs ein Rekoprojekt à la Altstadt Frankfurt oder Dresdner Neumarkt für das Areal vorgelegt. So wie man halt in Frankfurt nicht nur gegen die damaligen Pläne einer modernistischen Bebauung, sondern auch gleichzeitig für Rekonstruktionen auf dem Areal des Technischen Rathauses eingetreten ist.
    Aber so weit waren die Altstadtfreunde in Nürnberg wohl in den 90'iger Jahren noch nicht. Selbst 10 bis 15 Jahre später gab es anläßlich des Pellerhofs ja noch massive Kontroversen innerhalb der AF, ob man sich überhaupt für Rekonstruktionen einsetzen sollte.

  • Dann geht es wohl um den Dacherker bzw. das Zwerchhaus, das Riegel in diesem Beitrag erwähnt hat. Hier ist die gleiche Fotografie von 1946 wie in Riegels Beitrag, aber in besserer Qualität. Das Zwerchhaus befand sich damals noch am Haus Adlerstraße 8.In dem von Franka verlinkten Artikel wird ja erwähnt, daß der Erker dort 1962 entfernt und an der Karlstraße 4 neu eingebaut wurde.

  • Ja, um diesen Dacherker geht es. Was mit dem Holzerker am 1. Obergeschoss von Adlerstr. 8 passiert ist, weiss ich nicht. Auf dem letzten Bild dieses Beitrages sieht man den Dacherker verschommen an Karlstr. 4 unmittelbar vor der Abnahme (sprich Rettung...).