Frankfurt am Main - Schauspielhaus

  • Oder wir hoffen auf einen Meteoriteneinschlag, wobei ein Einsturz doch wahrscheinlicher ist. Gibt es darunter eine U-Bahn-Strecke?

  • Der FAZ-Artikel verrät ein pikantes Detail. Wenn es stimmt, dass diese von ihren Fans so gefeierte Glasfassade des Foyers zunächst durch einen Vorhang abgehängt war, um die innen versammelte Kulturgesellschaft vor den neugierigen Blicken der Draußen-Bürger zu schützen, entlarvt dies das ganze Geschwafel von der ach so demokratischen Offenheit dieser Architektur als fromme Legende.

  • Da bin ich mal gespannt, wer den ganzen Quatsch bezahlen soll. Welcher Investor wird wohl Philipp Oswalts Wunsch nach, natürlich denkmalgerechtem Erhalt der Wolken und darüber hinaus den Wunsch der berühmten "Stadtgesellschaft" nach Erhalt und Sanierung der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz erfüllen? Was bitteschön hätte ein Investor davon? Bandenwerbung am Orcherstergraben? Werbeunterbrechungen bei der Aufführung? Die Einnahmen aus der Sektbar?


    Oder soll doch der Steuerzahler wieder einspringen und dieses "Wolkenkuckucksheim" finanzieren? Das wird dann noch teurer als bisher befürchtet, wenn dann der Denkmalschutz noch mitreden sollte!


    Nee, liebe Leute, da ist die letzte Messe dazu noch lange nicht gesungen, da werden einige Wortführer, die sich jetzt im Oberwasser wähnen, noch sehr schmerzliche Verrenkungen erleiden müssen.

  • Oper und Schauspiel sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Kultur. Trotzdem bleibt die Frage, ob Baukosten von fast einer Milliarde gerechtfertigt sind. 1369 Leute passen im Moment gerade mal in eine Opernvorstellung. Jede Karte wird von der Stadt mit 206,43 Euro bezuschusst. Die Karten kosten trotzdem bis zu 165 Euro. Bei ausverkaufter Opern-Vorstellung schießt der Steuerzahler rechnerisch 282 602,67 Euro zu – für eine einzige Vorstellung


    Das Publikum besteht überwiegend aus der gehobenen Oberschicht und aus dem Akademikerspektrum des "Bildungsbürgertums". Viele der überwiegend 60+ und 70+ Besucher haben schon mehrere Jahre ein Abo. Ein Großteil kommt aus dem Umland - Taunus etc.. Das Schauspielhaus ist weit davon entfernt ein Haus für die breite Bürgerschaft der Stadt zu sein. Insbesondere Migranten (Anteil über 30% in Frankfurt am Main) sind kaum im Schauspielhaus zu sehen.

    Ich Frage mich, ob man für dieses Haus mehrere hundert Millionen Euro in die Technik stecken muss. Das Foyer, das erhalten werden soll, muss noch aufwändig gedämmt werden - weitere Mehrkosten sind zu erwarten.

  • Ihr solltet nicht mit Kosten argumentieren, denn der Erhalt des Foyers dürfte bei einem Theaterum- und neubau am wenigsten Geld verschlingen. Es gibt keine Ausgaben für Bühnentechnik, der Innenausbau samt Kunst am Bau ist bereits da, keine Veränderung an der Fundation und damit keine Grabarbeiten... Lediglich der Austausch der riesigen Glasscheiben wird eine grosse Kostenposition darstellen.

  • Letztlich geht es um etwas, was Anhängern des Erhalts historischer Architektur gerne vorgeworfen wird: Fassadismus. Von wegen "form follows function", "Jede Zeit braucht ihre eigene architektonische Ausdrucksform", "Disneyland", "Zuckerbäcker" usw. Es ist das gleiche wie beim entkernten Bundesrechnungshof gegenüber des "Langen Franz". Es geht auch ihnen nicht um das Gebäude an sich, sondern um die Fassade als Symbol. In diesem Fall als modernistisches Symbol für die von ihnen positiv besetzten Werte und Jahrzehnte.

  • Also, ich fasse noch einmal zusammen:

    - Ein in Kassel tätiger Professor hat eine Online-Petition zum Erhalt des Schauspielhaus-Foyers gestartet. Viele Akademiker etc. aus ganz Deutschland haben diese Petition unterstützt. Es ist also keine "Idee" aus der breiten Frankfurter Bürgerschaft den Glaskasten zu erhalten, sondern von einem Architekturtheoretiker und seinen Freunden

    - Der Architekt Otto Apel hat ein modern-kühles, kahles, hohes Foyer gebaut. Wenig später wurde diese hohe Decke (die man nicht unbedingt schön finden muss, aber nun mal so vom Architekten gewollt war) mit einem Kunstwerk, dem "Wolkenfoyer", quasi abgehängt. Das Werk von Otto Apel wurde damit verhunzt bzw. ist nicht mehr in seinem Originalzustand. Eben dieses Wolkenfoyer wurde nun mehr oder minder unter Denkmalschutz gestellt.

    - Auch der offene, transparente Raum des Foyers wurde immer wieder herausgestellt, als demokratisch, transparente Architektur. Ein Bild in der F.A.Z. von 1963 zeigt nun etwas völlig anderes. Hohe Vorhänge schirmen die Besucher von der Außenwelt ab. Wollte der Architekt also gar nicht ein transparent, demokratisch durchlässiges Schauspielhaus bauen?


    Fragen, über Fragen. Das ganze hat jetzt schon ein Geschmäckle und man kann gespannt auf die weitere Entwicklung sein.

  • Die Frankfurter Rundschau schreibt heute mal wieder über das Schauspielhaus und mögliche Lösungen im Gespräch mit der Kulturdezernentin


    Natürlich wird, wie immer, die schönste Lösung, nämlich die Freistellung des im Glas- und Betonkorsett gefangenen alten Schauspielhauses nicht mal erwähnt.


    https://www.fr.de/kultur/theat…-nichts-tun-13784657.html

    Zitat aus dem Artikel: "Das Foyer wird ja als Zeichen einer besonderen Transparenz gedeutet, mit dem die Architekten der 60er Jahre auf die Zeit des Nationalsozialismus antworten wollten."

    o.k., das muss man erst mal sacken lassen. Otto Apel, Assistent von Albert Speer im 3. Reich, antwortet mit seinem Nachkriegsbau also mit Transparenz auf die Zeit des Nationalsozialismus.

  • FAZ berichtet, und im DAF bereits in Diskussion, Planungs- und Kulturdezernenten haben jetzt die Idee die Oper zum Sparkassen-Areal (direkt nördlich des Japan Center) zu verlagern und im Gegenzug der Sparkasse auf dem Rest des Grundstücks mehr Höhe zu erlauben. Abgesehen davon, dass mir auf dem dortigen Areal mehrere Hochhäuser statt nur einem lieber wären, ein halbwegs vernünftiger Vorschlag.


    Heute abend ab 19 Uhr findet eine Online-Podiumsdiskussion zum ganzen Thema statt (KulturPortal Frankfurt). Ich selbst bin leider verhindert, aber wäre vielleicht ganz hilfreich wenn der ein oder andere Reko-Befürworter dort seine Fragen stellt, um das Reko-Thema überhaupt wach zu halten. Zumindest muss verhindert werden, dass unnötig Fakten geschaffen werden, die eine Rekonstruktion verunmöglichen.


    Dieses Wolkenfoyer ist ja kein Stadtraum, sondern reine Innenraumgestaltung, und kann ja sicher auch problemlos in einem Neubau (der ja höchstwahrscheinlich eh wieder eine Glasfassade bekommt) untergebracht werden. Dann hätte man am Theaterplatz viel mehr Gestaltungsspielraum (bis hin auch wieder zur Rekonstruktion).

  • Dieses Wolkenfoyer ist ja kein Stadtraum, sondern reine Innenraumgestaltung

    Nochmals. Mit dem Wolkenfoyer ist nicht die Deckendekoration (hier) gemeint, die man problemlos in einem Neubau aufhängen könnte, zumindest zum Teil, sondern die Glasfront zum Platz (hier). Das betrifft die Architektur, insofern auch die Gestaltung des Stadtraums.

    Ich gehe stark davon aus, dass es Oswalt und Co. einzig um die Verhinderung einer Rekonstruktion geht. Er ist jedenfalls immer zur Stelle, wenn es um dieses Thema geht. Wäre an der Stelle ein Neubau von Libeskind im Gespräch, hätte es möglichenfalls die Bestrebungen der Unterschutzstellung gar nicht gegeben.

  • Unter Schutz gestellt wurde zum Glück aber gar nix. Selbst der Wionski hat immer nur von Denkmalwürdigkeit geschwafelt, aber nicht von tatsächlichem Schutz. Von daher hat man da eigentlich auch noch genug Interpretationsspielraum. Man muss nur wollen. Und dazu muss man bei den Verantwortlichen halt Löcher bohren. Wenn man von Anfang an klein beigibt, wird's nie was, dann gäbs jetzt auch keine Rekos sondern irgendeinen hässlichen Hotel-Klotz auf dem Dom-Römer-Areal.

    Solange die Möglichkeit noch besteht den Altbau zu retten und wiederherzustellen, sollte man auf jeden Fall auch dafür kämpfen! Ansonsten trauen die Reko-Gegner sich mangels Widerstand noch ganz andere Sachen zu und fangen wieder an sogar die Altstadt zu verhunzen.

  • Das Altbaumodel met rekonstruierter Gründerzeitbau sieht wirklich phantastisch aus, besser könnte Frankfurt es sich nicht wünschen.

    Alle sonstige zwischen Lösungen dazu sind minderwertig.

  • Die Unterschutzstellung des Wolkenfoyers ist der (hoffentlich) letzte große Triumph des Landeskonservators Wionski. In einigen Monaten wird er, laut der FAZ, in den Ruhestand gehen. Er ist ein gut vernetzter Modernisten-Freund, der ohne mit den Augen zu zucken, bereits wohlwollend die Zerstörung des Senckenberg-Areals hingenommen hatte.

  • Das Kulturdezernat unter Ina Hartwig (SPD) hat sich zum Neubau von Oper und Schauspielhaus positioniert. Dazu muss man wissen, dass die Kulturdezernentin so "progressiv" ist, dass links von ihr nur noch die Wand ist. Als Präsentation wurde das Deutsche Architektur-Museum gewählt, also eine Homebase des Modernismus.


    So kommt heraus, was zu erwarten war. Wenn es keine amorphe Form sein kann, die sicher manche gerne sähen, dann wenigstens ein Glasbau vom Stil der Bibliothek Birmingham, der bei lichttechnisch in Szene gesetzter Graphik sicher Anklang in den einschlägigen Kreisen finden wird.


    Hinzu kommt die Träumerei von einer "Kulturmeile", weil sie einige ausgelagerte Räume des Museums für Moderne Kunst und des Weltkulturenmuseums dort in Hochhäuser hineinpacken wollen, deren Zuschauerinteresse in dieser abgelegenen Stelle - ich prophezeihe - minimal bleiben wird. Ein weiteres Millionengrab. Man hat es ja.


    Warten wir aber mal ab, wie es mit ihren finanziellen Mitteln in der nächsten Zeit aussieht.


    Städtische Bühnen

    Frankfurt will neue Oper mitten im Bankenviertel bauen

    https://www.hessenschau.de/kul…l-oper-frankfurt-102.html

  • Das ist politische Sprache; im Klartext heisst das doch, dass hintenrum bereits inoffizielle Gespräche stattfanden.

    Jau, passt ja besonders gut zu einer "offenen Stadtgesellschaft" und Gebäuden, die Transparenz und Demokratie symbolisieren sollen.