Dubai - ein Superlativ

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    • Dubai - ein Superlativ

      Ich weiß nicht, ob wir hierzu schon mal einen Strang hatten, aber nirgendwo sonst passiert derzeit so viel, wie in Dubai. Ich bin besonders von den Projekten wie "the palm" angetan. Ich finde dieses Projekt absolut faszinierend. Wie ist eure Meinung dazu? In Holland plant man derzeit ja ein ähnliches Projekt, auch wenn die Genehmigung hierzu sicher noch Jahre dauern wird, während man in Dubai bereits das vierte Projekt fertig gestellt hat. Im Spiegel war vor einigen Wochen ein großer Bericht zu Dubai. Was haltet ihr von dieser Stadt und speziell von den Inselprojekten?

      http://www.thepalm.ae/\r
      www.thepalm.ae/
      APH - am Puls der Zeit
    • Die Dekadenz und Verschwendungssucht in Dubai ist ekelhaft. Man denke nur an das vergoldete Burj al Arab. Ich habe nichts gegen Reichtum, aber diese proletenhafte Zurschaustellung, während ein paar Kilometer weiter die Menschen verhungern, ist unsäglich. Zumal der Reichtum der Scheichs nicht etwa auf Können und harter Arbeit beruht, sondern schlicht auf dem Fakt, dass sie auf Öl sitzen. Was dort verschwendet wird, zahlen zum einen wir mit fürchterlich hohen Ölpreisen, zum anderen die indischen Arbeiter, die in Dubai wie Sklaven ausgebeutet werden. Die gesamte Geldverschleuderung in Dubai zeugt nur von mangelnder sittlicher Reife. Den Unterschied macht ein Blick auf die Reichen der westlichen Welt wie Gates oder Buffet oder auch Oetker deutlich, die große Teile ihres - erarbeiteten! - Vermögens spenden, anstatt sich damit zwanzig Maybach oder einen dreißig Meter hohen Springbrunnen aus Gold zu kaufen.

      Oder mit einem Wort: Nichts.
    • @Tobias
      Danke für die weisen Worte; ergänzend möchte ich anmerken, daß der Großteil der Architektur eben traditionsloses und zusammenhangloses Geprotze ist, nach dem altbekannten Neureichenmotto: höher - schneller - weiter.
      Entsprechend auch die Kundschaft, habe letztes Jahr Leute kennengelernt, die dort ihren Urlaub verbracht haben, auf den Fotos waren die Kinder beim Baden im blauen Meer zu sehen (auch nciht anders, als im Mittelmeer oder an der Ostsee); ins Burj-Al-Dingsbums kommt man nur, wenn man pro Nase 20 $ Eintritt bezahlt; eine Jeep-Tour über die Dünen war mit eingeschlossen und abends ging es in den Basar.
      Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht, was dort eine lange Basarstraße von vorne bis hinten ausfüllte :
      Turnschuhe, nichts als Turnschuhe.
      Dafür nach Dubai. Vielen Dank auch. :augenrollen:
    • Also ich teile eure Meinung überhaupt nicht. Hier sollte es auch nicht um die gezahlten Löhne oder so gehen, sondern um die Bauten und insbesondere um Projekte wie the palm oder das neue höchste Gebäude der Welt. Man kann den einzelnen Projekten ja kritisch gegenüberstehen, pauschal und undifferenziert die gesamte Aufbauleistung über einen Kamm zu scheren, finde ich ungerecht. Natürlich kommt das Geld aus dem Ölumsatz, aber dies ist genau so legitim wie der Verkauf von anderen Bodenschätzen oder Produkten. Wäre vor 100 Jahren jemand nach Dresden gekommen und hätte die ganzen Gründerzeitler gesehen und das Grüne Gewölbe, hätte man das Armutsthema genau so bringen können, und dies galt damals für die eigenen Bewohner.

      Hier ein Artikel aus dem Spiegel:

      http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,541287,00.html\r
      www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 87,00.html
      APH - am Puls der Zeit
    • @ Wissen.de

      Ich möchte dir deine Ansicht auch gar nicht streitig machen, nur kann ich die Bauprojekte in Dubai leider nicht isoliert von ihrem gesellschaftlichen Hintergrund sehen – dass damit wie mit jeder Betrachtung auch eine Pauschalisierung verbunden ist, ist unvermeidbar. Es ist ähnlich wie mit China: Entweder man ist total begeistert oder man rechnet mit einem Zusammenbruch ob des Wohlstandsgefälles und der Ungerechtigkeit innerhalb der Gesellschaft. Am Ende werden sich wahrscheinlich beide Ansichten relativieren.

      Den Vergleich mit Dresden kann ich jedoch nicht mitgehen. In der westlichen Welt - auch in Dresden - wäre man nicht so schnell auf die Idee gekommen, die Wände mit Gold zu streichen. (Zur Verhinderung solcher Auswüchse sind einige Völker Europas ja sogar dazu übergegangen, entsprechende Leute einen Kopf kürzer zu machen. ;) )

      Die Maßlosigkeit unterscheidet den Idealtyp des „fleißigen Bildungsbürgers" und des erfolgreichen Unternehmers westlicher Prägung von den verschwendungssüchtigen Neureichen - ob nun arabischer Scheich oder russischer Ölmagnat. Es ist eine Sache, ein großes, hochwertiges Haus mit schönem Fassadenschmuck zu bauen, eine andere, sich einen Palast mit Türklinken aus Gold hinzusetzen.

      Vermögensforscher unterscheiden zwischen „Reichtum“ und „Vermögen“, wobei sich letzteres dadurch kennzeichnet, dass das Vermögen auch dazu eingesetzt wird, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und Hilfsbedürftige zu unterstützen (siehe Gates, Buffet, Oettker). Es gibt Scheichs, die ihren 300.000-Euro-Ferrari in der Wüste liegen und verrotten lassen, wenn ihnen das Benzin ausgegangen ist. Ich habe allerdings noch nicht von Scheichs gehört, die die Hälfte ihres Reichtums an Arme und Kranke spenden.

      Vielleicht wird sich das ändern, denn wie der Spiegel richtig schreibt, besuchen mittlerweile viele arabische Prinzen Elitehochschulen im Westen und machen sich Gedanken über die Zukunft der Gesellschaft. Jedenfalls zurzeit kann ich aber nur Verachtung für die Verschwendungssucht am Golf empfinden.

      Aber selbst, wenn ich versuche, die Bauten und Bauvorhaben unabhängig vom gesellschaftlichen Hintergrund zu sehen, wollen sie mir nicht gefallen. Wie Friedrich schon sagte: Es ist traditions- und kulturloses Protzbauen: Höher, größer, teurer - viel Schönes ist mir dabei bisher nicht untergekommen.
    • Isoliert von die Moral und alles, find ich Dubai als sehr langweilig und post-modern. Die Gebäuden die schön sind, steht in nichts und hat kein Städtebauliche Kontext. Die grösste Teil von die Häuser wird nach Amerikanaische Vorstellung von Städtebau ausser ein paar schlechte Souks, die man für die Touristen baust....

      Es ist halt spektakulär ohne ein Substanz. Schaut mal eher Länder wie Marrokko, Tunisien, Uzbekistan, oder sogar Syrien, die viel mehr Altstädten und Bauwerken zu bieten hat.
    • Wer arabische Kultur sehen möchte der, sollte z.B. Sanaa im Jemen besuchen. Das ist eine der wenigen Städte im islamischen Kulturkreis, die ausser prachtvollen Moscheen auch eine interessante Bürgerhausarchitektur aufweist.

      Bezüglich der Bewertung von Dubai kann ich mich meinen Vorrednern nur anschliessen. Unabhängig von sozialen Gegensätzen ist Dubai nur die vergoldete globalisierte Ausgabe von Städten wie Hongkong, Singapore, Sao Paulo oder Johannesburg. Soziale Gegensätze waren in der Geschichte boomender Städte und Regionen ja eigentlich die Regel (siehe London im 18.Jahrhundert, New York im 19.Jahrhundert oder Shanghai im 20.Jahrhundert).
      In den Emiraten wird keine Rückbesinnung auf arabische Kultur gepflegt, sondern eine Turboentwicklung zu ökonomischer Macht. Das mag wirtschaftlich eines Tages für die Arabische Halbinsel durchaus ein Segen sein, doch eine kulturelle Bereicherung oder Rückbesinnung findet nicht statt.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • moralisieren ist einfach, die gesamtzusammenhänge sind aber eher komplex. ich mag grundsätzlich keine pauschalverurteilungen, auch wenn ich sehr gut verstehe, was du meinst. ob das gesamturteil aber deswegen berechtigt ist? ich zumindest habe dort nie gelebt und keine tiefere einsicht in die kultur. so wie vermutlich wir alle hier.

      eine gute, selbstnützig konstruktive einstellung ist es jedoch, anstatt zu kritisieren, dort zu schauen was besser gemacht wird und dies evtl zu übernehmen, anstatt sich vorzuhalten, was man selber besser macht.

      zweifeln wir besser an der neuen geistigen tiefe west-europas mit spassfreier, verfettender helmtragender sicherheitsgesellschaft, kontrollwahn, neuerdings propagiertem matriarchat, modernistischer oder fussballmediatisierter kulturbanalisierung, proletarischer politikerkaste, poltisch korrekter 40.000 halbkopfstarker EU bürokratie und neuer sparefroh armutsmentalität (25 jahre diskussion transrapid oder flughafen schönefeld, darf das baguette jetzt 3 cents mehr kosten usw.).

      nicht zu vergessen:
      es gibt im arabischen kulturkreis sehr viele ästhetisch motivierte neubauten. bei uns nicht. in dieser hinsicht ist man dort also einen schritt voraus. (bzw ca 1.5 schritte zurück :zwinkern: )
      und die planungen für dubai entstehen doch sowieso in Europa, oder?
    • "Wissen.de" wrote:

      das Grüne Gewölbe, hätte man das Armutsthema genau so bringen können, und dies galt damals für die eigenen Bewohner.



      Hätte man tun können, wäre aber kein Zeugnis eines geistig fundierten Urteil gewesen, denn die dort gesammelten Exponate sind durchaus Beispiele für Handwerkskunst auf höchstem Niveau, für eine fast schon besessene Auseinandersetzung mit Form und Material, für ein Ringen um Ausdruck, das seine Parallelen mit den besten Werken der sakralen Kunst findet.
    • Hätte man tun können, wäre aber kein Zeugnis eines geistig fundierten Urteil gewesen, denn die dort gesammelten Exponate sind durchaus Beispiele für Handwerkskunst auf höchstem Niveau, für eine fast schon besessene Auseinandersetzung mit Form und Material, für ein Ringen um Ausdruck, das seine Parallelen mit den besten Werken der sakralen Kunst findet.


      Deine Aussage impliziert aber, dass die Gebäude in Dubai kein Niveau haben. Wenn man sich unsere Innenstädte ansieht, habe ich so meine Zweifel, dass gerade wir uns als Apostel des guten Geschmacks darstellen sollten. Wenn man in eine deutsche Kirche geht, ist da nicht Gold im Übermaß an Wänden und überall sonst, wo man hinsieht?
      Ich finde zum Beispiel the palm (vorauf hier noch niemand eingegangen ist) eine beeindruckende Leistung. Natürlich kann man zu vielen Gebäuden sagen, dass ist großer Kitsch, zusammengeklaut aus allen Teilen der Welt, total überladen und dekadent, viele sagen dies über unsere Barockbauten aber ebenfalls. und anders als bei deustchen Gebäuden steckt wenigsten noch ein Gestaltungswille hinter den Gebäuden in Dubai. [/list]
      APH - am Puls der Zeit
    • "Wissen.de" wrote:

      Hätte man tun können, wäre aber kein Zeugnis eines geistig fundierten Urteil gewesen, denn die dort gesammelten Exponate sind durchaus Beispiele für Handwerkskunst auf höchstem Niveau, für eine fast schon besessene Auseinandersetzung mit Form und Material, für ein Ringen um Ausdruck, das seine Parallelen mit den besten Werken der sakralen Kunst findet.


      Deine Aussage impliziert aber, dass die Gebäude in Dubai kein Niveau haben. Wenn man sich unsere Innenstädte ansieht, habe ich so meine Zweifel, dass gerade wir uns als Apostel des guten Geschmacks darstellen sollten. Wenn man in eine deutsche Kirche geht, ist da nicht Gold im Übermaß an Wänden und überall sonst, wo man hinsieht?
      Ich finde zum Beispiel the palm (vorauf hier noch niemand eingegangen ist) eine beeindruckende Leistung. Natürlich kann man zu vielen Gebäuden sagen, dass ist großer Kitsch, zusammengeklaut aus allen Teilen der Welt, total überladen und dekadent, viele sagen dies über unsere Barockbauten aber ebenfalls. und anders als bei deustchen Gebäuden steckt wenigsten noch ein Gestaltungswille hinter den Gebäuden in Dubai. [/list]


      Ich finde die Architektur nicht besonders spannend..also the Palm. Es ist ja intressant für ein Ingenieur. Leider sehe ich nicht anders als die holländische Polder mit moderne Häuser wie im Miami...
    • Also ich schlage bei einigen Meinungen hier die Hände über dem Kopf zusammen. Also die Behauptung, Dubai schaffe nichts eigenes, halte ich für falsch und wenn man die deutschen Innenstädte betrachtet, in denen jedes Gebäude auch in jedem anderen Land dieser Welt stehen könnte, frage ich mich, was ihr wollt. Versucht man etwas anderes, ist es Kitsch, baut man die gleichen Gebäude wie hier, ist es langweilig. Ich kann mit dieser pauschalen Kritik, dass in Dubai alles Schrott ist nichts anfangen. Gründerzeitbauten sind auch total überladen, Gebäude aus dem Barock auch. Warum wollen wir alle diese Gebäude wiederaufbauen, kritisieren in Dubai aber die Verwendung von Blattgold etc, wo wir z.B. in Dresden genau das fordern, irgendwie seltsam.
      APH - am Puls der Zeit
    • Vielleicht reden wir auch ein wenig aneinander vorbei. Deine Frage war doch, was wir von Dubai halten, nicht wie wir Dubai in Relation zu deutschen Innenstädten oder einzelnen Gebäuden in Deutschland sehen. (Wobei ich den Vergleich von Ausbeutung in Dubai mit Bürokratie und Fußball in Europa schon recht amüsant finde. :gg: ) Wir finden traditionslose Allerwelts-Architektur in deutschen Städten doch mindestens ebenso schlimm wie in Dubai - deswegen sind wir doch in diesem Forum.

      Auch habe ich - wie ich ja schon zweimal angemerkt habe - nichts gegen die moderate Verwendung von Blattgold, die exorbitante Verschwendung stört mich. Das ist doch genau der feine Grat zwischen Stil und Proletentum.

      Wir müssen das aber auch nicht totdiskutieren. Du hast nach unseren Meinungen gefragt. Dass du anderer Meinung bist, billige ich dir gerne zu. :)
    • "Wissen.de" wrote:

      frage ich mich, was ihr wollt. quote]

      Einen Friedrich Wilhelm V., der sich im Geiste seiner Vorgänger betätigt, daher einen Schinkel und einen Lenne durch die Lande schickt und endlich anfängt, unsere bizarren Stadt- und Landschaftsbilder zu reparieren.

      Das wünsche ich mir vom Weihnachtsmann. :P
    • Re: Dubai - ein Superlativ

      "Aedificium" wrote:

      "Wissen.de" wrote:

      Was haltet ihr von dieser Stadt und speziell von den Inselprojekten?

      http://www.thepalm.ae/\r
      www.thepalm.ae/


      Mich würde mal interessieren, wie haltbar das ganze Projekt ist.

      Kann man sich in solchen künstlichen Welten wirklich wohlfühlen?


      Jedenfalls ist die Nachfrage nach einzelnen Abschnitten von der "Palme" riesengroß, die Prominenten aller Welt reißen sich darum (was einem normal denkenden Menschen zeigen sollte, daß Popstars, Fußballer, Filmschauspieler im Verhältnis zu ihrer Allgemeinbildung hoffnungslos überbezahlt sind).
      Davon ab, anscheinend gibt es dort unten wohl nicht den Hauch von Klimahysterie (vielleicht dienen wir denen auch als permanente Lachnummer), denn bei der Lage auf Meeresniveau und dem in occidentalen Kreisen herbeigefürchtetem Anstieg desselben um einige Meter plus x sollten die Promis dort ja eigentlich in wenigen Jahren nasse Füße bekommen.
    • :idee: Interessante Idee der Familie Maktum (Herrscherfamilie): Wir bauen ein neues "trendy" Wohngebiet in Palmenform im Meer auf Meeresniveau und nehmen damit zig Milliarden ein. In spätestens 50 Jahren ist das ganze dann überschwemmt und unbewohnbar und wir lachen uns dann über die "Dummheit" der Käufer tot. :auslachendoppelt:

      Nebenbei: Ich würd mir ja auch niemals, auch wenn ich könnte, ein Haus im Westend von Sylt kaufen. Das ist ja eh bald weg!